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Apollo 8

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Missionsemblem
Missionsemblem Apollo 8
Missionsdaten
Mission Apollo 8
NSSDCA ID 1968-118A
Kommandomodul CM-103
Servicemodul SM-103
Mondlandefahre Lunar Test Article (LTA-B)
Tragerrakete Saturn V, Seriennummer SA-503
Besatzung 3
Start 21. Dezember 1968, 12:51:00 UTC
JD 2440212.0354167
Startplatz Kennedy Space Center, LC-39A
Mondumkreisungen 10
Zeit in der Mondumlaufbahn 20 h 10 min 13 s
Landung 27. Dezember 1968, 15:51:42 UTC
JD 2440218.1609028
Landeplatz Pazifik
8deg 6' N, 165deg 0' W8.1-165
Flugdauer 6d 3h 0min 42s
Bergungsschiff Yorktown
Mannschaftsfoto

v. l. n. r. William Anders, James Lovell, Frank Borman
< Vorher / nachher >
Apollo 7
(bemannt)
Apollo 9
(bemannt)

Apollo 8 war an Weihnachten 1968 der erste bemannte Flug zum Mond und damit zu einem anderen Himmelskorper. Beim zweiten bemannten Raumflug des US-amerikanischen Apollo-Programms brachte die grosse Saturn-V-Rakete erstmals eine Besatzung ins Weltall, nicht nur wie schon ublich in eine erdnahe Umlaufbahn in ca. 350 km Hohe, sondern von dort aus mit Hilfe von ca. 100 Tonnen Treibstoff auch gleich in die ca. 1000fache Entfernung, zum Mond, der zehnmal umkreist wurde. Die drei Astronauten Frank Borman, William Anders und James ,,Jim" Lovell waren die ersten Menschen, die mit eigenen Augen die Ruckseite des Mondes sahen, und einen Erdaufgang.

Apollo 8 startete am Morgen des 21. Dezember 1968 um 7:51:00 Ortszeit (EST), (12:51 UTC) vom Kennedy Space Center in Florida und erreichte drei Tage spater, am Heiligabend 1968, die Mondumlaufbahn. Grosse Bekanntheit erlangte die Fernsehubertragung aus dem Mondorbit, wahrend der die drei Astronauten als Weihnachtsbotschaft den Anfang der biblischen Schopfungsgeschichte verlasen,[1] und das auf dieser Mission entstandene Earthrise-Foto.

Nach zehn Umkreisungen des Mondes leiteten die Astronauten am 25. Dezember (06:10 UTC) die Ruckkehr zur Erde ein, wo Apollo 8 am 27. Dezember (15:51 UTC) im Pazifischen Ozean wasserte. Das Kommandomodul (auch als Apollo-Kapsel oder englisch Command Module bezeichnet) wurde von der Yorktown geborgen. Das Nachrichtenmagazin Time brachte auf dem Titelbild die drei Astronauten samt Mond als Manner des Jahres 1968, einem Jahr, das von Attentaten und Unruhen uberschattet war; ein Telegrammschreiber bedankte sich bei Apollo 8 dafur, das Jahr 1968 gerettet zu haben.

Das beruhmte Earthrise-Farbbild eines Erdaufgangs uber dem Mond

Am 22. Dezember 1966 stellte die NASA Frank Borman, Michael Collins und William Anders der Offentlichkeit als Besatzung fur den dritten bemannten Flug des Apollo-Programms vor. Ihre Mission E sollte die Mondlandefahre (Lunar Module, LM) in einer hohen Erdumlaufbahn erproben und war fur Fruhjahr 1969 angesetzt. Collins musste sich im Juli 1968 einer Operation wegen eines Bandscheibenvorfalls unterziehen, weshalb sein Ersatzmann James Lovell in die Crew aufruckte.

Im Juni 1968 wurde klar, dass Grumman die Mondlandefahre nicht bis zum geplanten Flugtermin Ende des Jahres fertigstellen konnte, da noch uber 100 verschiedene Fehler und Probleme einen Einsatz verhinderten. Der fruheste Fertigstellungstermin wurde von den Grumman-Ingenieuren mit Februar 1969 angegeben,[2] was die NASA vor Probleme bei der Missionsplanung stellte. Ohne das Lunar Module ware die nachste Mission eine reine Wiederholung des Fluges von Apollo 7, eine Verschiebung des Fluges ins Jahr 1969 hatte moglicherweise das gesamte Mondflugprogramm aufgeschoben und das Ziel einer Mondlandung bis zum Ende des Jahrzehnts unmoglich gemacht.

George Michael Low, Manager des Apollo Spacecraft Program Office, schlug daher Anfang August vor, die Apollo-Missionen neu zu strukturieren: die Mission D, die erste von drei Erprobungen des Lunar Module, sollte entsprechend der Verfugbarkeit verschoben und der zweite Test namens Mission E gestrichen werden. Stattdessen sollte die Mission-E-Besatzung als Apollo 8 erstmals mit der nun verfugbaren grossen Saturn V fliegen, und da diese enorm grosse Mengen an Treibstoff ins All bringen konnte, diese auch bestimmungsgemass nutzen und damit gleich bis zum Mond reisen. Unterstutzung erhielt Low hierbei von Wernher von Braun, der, nach anfanglichen Problemen mit der Rakete, diese nun bereit fur einen bemannten Flug sah. "Once you decide to man [a Saturn 5] it doesn't matter how far you go" (deutsch: ,,Wenn man sich dazu entscheidet, sie [die Saturn 5] zu bemannen, ist es egal, wie weit man fliegt.")[2]

Vor einer endgultigen Entscheidung sprach Deke Slayton, der Direktor des NASA-Astronautenburos, mit den Astronauten uber die geplante Mission. Alle drei stimmten den Plananderungen sofort zu, lediglich Anders war enttauscht daruber, dass sein 18-monatiges Training fur das Lunar Module umsonst gewesen war.[3] James Webb, Direktor der NASA, war zunachst nicht besonders angetan von der Idee ("Are you out of your mind?" (deutsch: ,,Seid ihr verruckt?")[4]), da er, wie einige andere hochrangige NASA-Mitglieder, Sicherheitsbedenken hatte. Zum einen stand der Besatzung von Apollo 8 mit dem Service Propulsion System (SPS) nur ein Triebwerk zur Verfugung, ein Versagen konnte nicht durch ein weiteres Triebwerk des LM kompensiert werden. (Allerdings war fur Apollo 8 ohnehin eine freie Ruckkehrbahn[5] zum Mond vorgesehen, im Gegensatz z. B. zu Apollo 13, wo erst das Triebwerk des LM die Ruckkehr zur Erde ermoglichte.) Vor allem aber hatte es bei einem Ausfall der Lebenserhaltungssysteme des Kommandomoduls, wie es sich spater bei Apollo 13 ereignen sollte, ohne die Energie- und Sauerstoff-Ressourcen des LM keine Rettungsmoglichkeit fur die Astronauten gegeben. Letztendlich liess Webb sich jedoch uberzeugen, auch weil die CIA Erkenntnisse uber sowjetische Vorbereitungen fur den Start einer eigenen Mondrakete lieferte. Die NASA begann am 19. August mit der Planung fur die jetzt C' (C prime) genannte Mission, die erstmals Menschen zum Mond bringen sollte.[6] Webb entschied, die Offentlichkeit uber das genaue Ziel des Fluges erst nach dem Abschluss der vorherigen Apollo-7-Mission zu informieren; bis dahin wurden die genauen Flugplane nicht veroffentlicht. Am 8. September begann die Besatzung mit dem Training fur den Raumflug. Im Simulator ubte Borman die Steuerung des Raumschiffs wahrend der Wiedereintrittsphase, Lovell trainierte die Navigation des Raumschiffs mittels Fixsternen, um im Fall eines Funkverbindungsabbruchs zur Erde die Flugbahn weiterhin berechnen zu konnen. Anders oblag die Kontrolle der Funktionen des Raumschiffs.

Nach dem erfolgreichen Jungfernflug des Apollo-Raumschiffs vom 11. bis zum 22. Oktober 1968 und zwei Starts sowjetischer Zond-Raumschiffe im September und November verkundete die NASA am 12. November, dass Apollo 8 an der Spitze der Saturn V zum Mond fliegen werde. Die endgultige Entscheidung dafur war zwei Tage fruher wahrend eines Treffens aller Verantwortlichen gefallen und sollte einem bemannten sowjetischen Start zum Mond zuvorkommen, der ebenfalls fur Dezember 1968 erwartet wurde.[6]

James A. Lovell Jr., William A. Anders und Frank Borman

Kommandant von Apollo 8 war Frank Borman, Colonel der Air Force. Er war Mitglied der zweiten Astronautengruppe, die am 17. September 1962 ausgewahlt wurde. Zuvor hatte er 1957 einen Master of Science in Luft- und Raumfahrttechnik erhalten und bis 1960 als Assistenzprofessor fur Thermodynamik und Fluidmechanik an der Militarakademie in West Point gelehrt. Borman hatte 1965 bereits mit Gemini 7 einen 14-tagigen Langzeitraumflug unternommen.

Pilot des Kommandomoduls war James Lovell, Captain der US Navy und ebenfalls Astronaut der zweiten Auswahlgruppe. Er hatte 1952 an der United States Naval Academy den Grad des Bachelor of Science erworben. Lovell war bereits wahrend des Rekordfluges von Gemini 7 zusammen mit Frank Borman geflogen und hatte als Kommandant von Gemini 12 einen zweiten Raumflug absolviert. Lovell galt als einer der erfahrensten Astronauten der NASA.

William Anders, das dritte Mitglied der Besatzung, Major der Air Force und Astronaut der dritten Auswahlgruppe vom 17. Oktober 1963, war Weltraumneuling. Ursprunglich als Pilot des Lunar Module eingeteilt, ubernahm er nun die Aufgabe des Bordingenieurs und Fotografen. Er war neben Borman ein Besatzungsmitglied mit einer gut fundierten wissenschaftlichen Ausbildung, Anders hatte einen Bachelor in Elektrotechnik sowie einen Master of Science in Nukleartechnik, zudem hatte er bei der NASA mehrere Kurse zur Geologie besucht.[7]

Ersatz- und Unterstutzungsmannschaft, Personal im Kontrollzentrum

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Die Ersatzmannschaft, die die regulare Besatzung im Falle von Krankheit oder anderweitig bedingtem Ausfall ersetzen sollte, wurde von Neil Armstrong als Kommandant geleitet. Ursprunglich waren Jim Lovell der Command Module Pilot und Edwin Aldrin der Lunar Module Pilot. Als Lovell Collins in der Hauptmannschaft als Command Module Pilot ersetzte, nahm Aldrin seinen Posten ein, und neuer Lunar Module Pilot wurde Fred Haise.

Als Support Crew, welche die Astronauten beim Training unterstutzte, waren Vance Brand, Gerald Carr und Ken Mattingly tatig.[8]

Flight Director (Leiter der Flugkontrolle) im Kontrollzentrum in Houston wahrend des Fluges waren Clifford E. Charlesworth (Grunes Team), Glynn S. Lunney (Schwarzes Team) und Milton L. Windler (Braunes Team). Jedem Team war ein Astronaut als CapCom (Verbindungssprecher Kontrollzentrum-Raumschiff) zugeordnet. Fur das Grune Team war dies Michael Collins; mit Lunney arbeitete Gerald Carr; dem Braunen Team war Ken Mattingly zugeteilt.[9]

Missionsabzeichen

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Die dreieckig-runde Form des Abzeichens zeigt die Kontur der Kegelform des Kommandomoduls von Apollo. Es tragt eine rote Achterschleife, die sich um die Erde (blau, grun) und den Mond (gelb) schlingt und die Nummer des Fluges, die Flugbahn und zugleich die Unendlichkeit des Alls symbolisiert. Auf dem Band der Acht stehen unten die Namen der drei Astronauten. Das Abzeichen war von James Lovell entworfen worden, kurz nachdem er von der Anderung des Missionsplanes erfahren hatte.[3]

Die Saturn V auf dem Weg zum Launch Pad 39A

Die Saturn-V-Rakete der Apollo-8-Mission trug die Seriennummer SA-503 (manchmal als AS-503 bezeichnet). SA war die Abkurzung fur Saturn-Apollo; die Nummer setzte sich aus der 5 fur die Saturn V und die 03 fur den dritten Flug des Raketenmodells zusammen. Die Aufrichtung der Saturn V begann am 27. Dezember 1967 in der High Bay 1 des Vertical Assembly Building mit Eintreffen der S-IC-Stufe und war im Januar 1968 abgeschlossen. Ursprunglich war sie fur Mission D vorgesehen, die erste Erprobung der Mondfahre. Ende April 1968 wurde die Rakete noch einmal demontiert und die S-II-Stufe im Mississippi Test Facility einer grundlichen Prufung unterzogen, um ihre Tauglichkeit fur einen bemannten Flug zu gewahrleisten. Im Mai musste ein F-1-Triebwerk der ersten Stufe ausgetauscht werden, weil es ein Leck hatte. Das erneute Zusammensetzen der Rakete war am 15. August abgeschlossen.

Am 19. August 1968 wurde die Anderung des Missionsplans beschlossen und die Rakete dem ersten bemannten Mondflug zugeteilt. Sie sollte das Kommandomodul CM-103, das zugehorige Servicemodul SM-103 sowie das ,,Lunar module test article" LTA-B (Masse ca. 9 t) in eine Mondumlaufbahn bringen. Das Kommando- und Servicemodul wurde am 7. Oktober auf die Spitze der Saturn V montiert; nach abschliessenden Uberprufungen wurde die Rakete am 9. Oktober mit dem Crawler zum 5 km entfernten Launch Pad 39A gebracht.[10]

Missionsverlauf

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Startvorbereitungen

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Die Besatzung von Apollo 8 verlasst das Manned Spacecraft Operations Building einige Stunden vor dem Start

Am 2. Dezember 1968 wurden die Tanks der ersten Stufe der Saturn-Rakete zum ersten Mal mit RP-1, einem hochdestillierten Kerosin, und flussigem Sauerstoff befullt und unter Druck gesetzt. Am 5. Dezember begann der funftagige Countdown Demonstration Test (CDDT), der den Ablauf des Starts simulierte. Im Anschluss an den Test wurden die Tanks wieder geleert.[11]

Der Startcountdown begann am 15. Dezember 1968 um 19 Uhr Ortszeit, Eastern Standard Time, (EST), bei T-103 Stunden. Bei T-9 Stunden wurde der Countdown fur 6 Stunden angehalten, um kleinere Probleme beheben zu konnen. 8 Stunden vor dem geplanten Starttermin, kurz vor Mitternacht am 20. Dezember, begann die Befullung der Raketenstufen mit flussigem Sauerstoff, Kerosin und Flussigwasserstoff. Diese Arbeiten dauerten etwa bis dreieinhalb Stunden vor dem Start.[11] Die Arbeiten wurden von der Ersatzmannschaft (Armstrong, Aldrin und Haise) uberwacht, die auch am Abend zuvor die Funktionsfahigkeit des Raumschiffs uberpruft hatte.

Die drei Astronauten wurden um 2:36 Uhr geweckt. Nach einer grundlichen medizinischen Untersuchung folgte um halb vier morgens ein gemeinsames Fruhstuck mit den Leitern und Offiziellen der NASA. Um kurz nach 4 Uhr begannen die drei Astronauten, unterstutzt von mehreren Technikern, ihre Raumanzuge anzulegen, um 4:32 Uhr verliessen sie das Manned Spacecraft Operations Building und wurden mit einem Transporter zur Startplattform gebracht. Nachdem die Besatzung mit dem Aufzug zur Spitze der Rakete gebracht worden war, begann um 4:58 Uhr die Einstiegsprozedur. Es dauerte etwa zehn Minuten, bis alle drei Astronauten in der Apollo-Kapsel festgeschnallt waren und die Luke hermetisch verschlossen werden konnte.[12]

Start und Trans Lunar Injection

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Apollo 8 hebt ab

25 Minuten vor dem Start wurde die Stromversorgung des Kommandomoduls von externer auf interne Versorgung umgestellt; die Energie wurde nun von drei Brennstoffzellen geliefert.[13] Bei T-5 Minuten wurde der oberste der neun Verbindungsarme zur Seite geschwenkt, der der Besatzung im Notfall eine Flucht ermoglicht hatte. Zwei Minuten vor dem Start wurden die Sauerstofftanks der ersten Stufe mittels Helium, das von aussen zugefuhrt wurde, unter Druck gesetzt, eine Minute spater auch die Tanks der anderen beiden Stufen. Weitere zehn Sekunden darauf ubernahmen bordeigene Batterien die elektrische Versorgung der Raketensysteme. Die Zundungssequenz wurde um 7:50:52 Ortszeit (12:50:52 UTC) eingeleitet, die Saturn V wurde, wahrend die funf F-1-Triebwerke Schub aufbauten, von Halterungen festgehalten. 8 Sekunden spater, um 7:51 (EST), hob die Rakete ab - (Bordzeit: 000:00:00 in hhh:mm:ss).[14]

Nach 13 Sekunden hatte die Saturn V den Kabelturm passiert und wandte sich leicht in nordostliche Richtung, Kurs 72deg. Nach 2 Minuten, 36 Sekunden war die erste Stufe ausgebrannt und wurde abgetrennt. Sie hatte Apollo 8 auf 6.818 km/h beschleunigt und fiel aus einer Hohe von 65,7 km in den Atlantik (30deg 12' 0'' N, 74deg 7' 0'' W30.199999-74.116664). Eine Sekunde spater zundeten die funf J-2-Triebwerke der zweiten Stufe und beschleunigten die Rakete weiter. 3 Minuten und 25 Sekunden nach dem Start wurde der Rettungsturm der Apollo-Kapsel abgesprengt. Etwa 8 Minuten nach dem Start, kurz vor Ende der Brennphase der zweiten Stufe, traten leichte Pogoschwingungen auf. 8 Minuten und 44 Sekunden nach dem Abheben war auch die zweite Stufe ausgebrannt, wurde abgetrennt und fiel zuruck zur Erde (31deg 50' 0'' N, 37deg 17' 0'' W31.833331-37.28333). 4 Sekunden nach der Trennung zundete die S-IVB-Stufe, die Apollo 8 auf einen Erdorbit mit 190,7 km Hohe bringen sollte. Der Brennschluss der S-IVB erfolgte 11 Minuten und 30 Sekunden nach dem Abheben bei einer Geschwindigkeit von 28.065 km/h (7.796 m/s).[11] Der Orbit war nicht - wie geplant - exakt kreisformig, sondern leicht elliptisch, mit einem Perigaum von 179,2 km und einem Apogaum von 190 km.[15]

Wahrend der nun folgenden zwei Erdumkreisungen wurden alle Systeme des Raumschiffs gepruft, ob sie fur den Flug zum Mond bereit waren. Ein kleiner Zwischenfall passierte, als Jim Lovell durch eine ungluckliche Bewegung die Rettungsweste seines Raumanzugs ausloste. Da diese mit reinem Kohlendioxid gefullt war, durfte der Inhalt nicht in die Kapsel entlassen werden, da das CO2 die Lithiumhydroxid-Filter der Apollo-Kapsel gesattigt hatte. Lovell behalf sich, indem er die Weste in den ,,urine dump", also die Toilette des Raumschiffs und damit in den Weltraum abliess.[16] 2 Stunden und 27 Minuten nach dem Start, wahrend der zweiten Umkreisung, erhielt Apollo 8 dann die Freigabe zum Einschuss in die Bahn zum Mond (Trans Lunar Injection, TLI).[17]

You are go for TLI.

"Apollo 8, Houston."

- Michael Collins, CapCom

"Go ahead, Houston."

- Frank Borman, CDR

"Apollo 8. You are Go for TLI. Over."

- Michael Collins

"Roger. We understand; we are Go for TLI."

- Frank Borman

2 Stunden, 50 Minuten und 40 Sekunden nach dem Start wurde die S-IVB-Stufe hoch uber dem Pazifik, nordlich von Hawaii, zum zweiten Mal gezundet. Fur 5 Minuten und 17 Sekunden beschleunigte sie das Raumschiff weiter, bis es bei Brennschluss eine Geschwindigkeit von 38.959 km/h (10.822 m/s) hatte, in einer Hohe von 346,7 km. Apollo 8 befand sich auf dem Weg zum Mond.[17]

Blick auf die abgetrennte S-IVB-Stufe, umgeben von Pseudosternen aus gefrorenem Treibstoff

Die erste Aufgabe auf dem Flug war die Abtrennung der S-IVB-Stufe, die das Raumschiff auf Kurs zum Mond gebracht hatte. Drei Stunden und 21 Minuten nach dem Abheben, um 11:14 (EST) wurden die Bolzen gesprengt, die die dritte Stufe mit dem Servicemodul verbunden hatten. Kommandant Frank Borman nutzte das Lageregelungssystem, um das Raumschiff um 180 Grad zu drehen und etwa 300 m von der Stufe wegzubewegen. Als Nachstes wurde die Richtantenne am Servicemodul ausgefahren, die eine bessere Funkverbindung im Mikrowellenbereich zur Erde ermoglichte. 40 Minuten nach dem Einschuss zum Mond war das Raumschiff bereits 12.000 km von der Erde entfernt, und die Besatzung sah zum ersten Mal die gesamte Erde als Kugel.[18]

Erste Positionsbestimmungen des Raumschiffs durch Jim Lovell wurden durch den aus der S-IVB-Stufe austretenden und in der Kalte des Raums gefrierenden Treibstoff erschwert, da die Kristalle das Sonnenlicht reflektierten und als ,,Pseudosterne" die Sicht auf die zur Navigation benotigten Fixsterne behinderten. Um die dritte Stufe der Saturn V, die sich immer noch auf dem gleichen Kurs wie das Apollo-Raumschiff befand, auf eine andere Flugbahn zu bringen und damit auch eine Gefahrdung des Raumschiffs und seiner Besatzung auszuschliessen, wurde etwa eineinhalb Stunden nach der Stufentrennung (Flugzeit funf Stunden, acht Minuten) der in der Stufe verbliebene Sauerstoff schlagartig abgelassen. Durch dieses Manover verringerte sich die Geschwindigkeit der Stufe um etwa 30 Meter pro Sekunde bei einer Fluggeschwindigkeit von etwa 11 km/s, diese kleine Anderung reichte aber aus, um die S-IVB auf einen Sonnenorbit einzusteuern, den sie nach einem Swing-by-Manover uber der Ostseite des Mondes - die seiner Bahnrichtung abgewandt ist - erreichen wurde.[19]

Etwa zeitgleich begann die Besatzung von Apollo 8 mit den ersten Vorbereitungen fur die erste Zundung des Service-Propulsion-Systems, des Triebwerks des Servicemoduls. Die Kurskorrektur, die etwa elf Stunden nach dem Abheben erfolgen sollte, war der entscheidende Test fur die Funktionstuchtigkeit des Triebwerks, das fur die Abbremsung und die Wiederbeschleunigung des Raumschiffs in der Mondumlaufbahn benotigt wurde. Elf Stunden und eine Minute nach Beginn des Fluges wurde das Triebwerk gezundet; die Brenndauer betrug lediglich zweieinhalb Sekunden. Diese kurze Zundung war aber dennoch ausreichend, um den Kurs des Raumschiffs so zu verandern, dass bis zum Eintritt in die Mondumlaufbahn keine weiteren Korrekturen notwendig waren.[20] Hatte die Zundung versagt, ware Apollo 8 auf seiner freien Ruckkehrbahn verblieben, die es nach einer halben Umkreisung des Mondes wieder zuruck zur Erde gefuhrt hatte.[5]

Etwa 20 Stunden nach dem Start erlitt Frank Borman einen Ubelkeitsanfall und erbrach sich zweimal. Er hatte kurz zuvor eine Seconal-Schlaftablette genommen, weil er in der Schwerelosigkeit nicht einschlafen konnte. Erste Befurchtungen, Borman hatte sich eine Magen-Darm-Entzundung eingehandelt oder ware durch die Strahlung des Van-Allen-Gurtels erkrankt, zerstreuten sich, als sich der Zustand des Kommandanten einige Stunden spater wieder besserte. Aufgrund der moglichen Gefahrdung der Besatzung durch eine Magen-Darm-Grippe wurde kurzzeitig uber einen Abbruch des Fluges zum Mond diskutiert.[21] Lovell und Anders litten die ersten Stunden des Fluges ebenfalls unter leichter Ubelkeit; bei ihnen handelte es sich aber um eine leichte Raumkrankheit, die sich nach der Akklimatisierung in der Schwerelosigkeit legte.[22]

31 Stunden und 11 Minuten nach dem Abheben, um 15:03 Uhr Floridazeit am 22. Dezember 1968, absolvierte die Besatzung von Apollo 8 aus einer Entfernung von 221.940 km zur Erde ihre erste von sechs geplanten Live-Fernsehubertragungen. Bill Anders fungierte als Kameramann; er filmte Borman und Lovell, wie sie den Zuschauern die Auswirkung der Schwerelosigkeit im Kommandomodul demonstrierten. Versuche, die Erde zu zeigen, scheiterten am Teleobjektiv der Fernsehkamera, das sich nicht montieren liess. Mit dem Weitwinkelobjektiv aufgenommen, erschien die Erde nur als heller Lichtfleck auf den Bildschirmen. Die Liveschaltung dauerte 15 Minuten und endete um 15:18 (EST).[23]

Die 24 Stunden bis zur nachsten Fernsehubertragung verbrachten die drei Astronauten abwechselnd mit der Uberwachung der Bordsysteme und der Ausrichtung des Raumschiffs. Mit der Flugkontrolle in Houston wurde eine Lockerung des Flugplans ausgehandelt, um den Astronauten mehr Ruhephasen zu verschaffen. Am Morgen des dritten Flugtages befand sich die Besatzung in einer besseren korperlichen Verfassung und war auch ausgeruhter als die Tage zuvor. Um 14:58 (EST) (Bordzeit: 055:07:36) begann die zweite Fernsehubertragung von Apollo 8. Kommandant Borman hatte die Kamera im linken Rendezvous-Fenster montiert und das Raumschiff auf die Erde ausgerichtet. Nach einigen Korrekturmanovern befand sich die Erde im Zentrum des Fensters - Apollo 8 ubertrug die ersten klaren Live-Bilder der gesamten Erde aus 325.000 km Entfernung. Jim Lovell beschrieb den Anblick:

Jim Lovell beschreibt die Erde

"What you're seeing, Mike, is a - Houston, what you are seeing is the Western Hemisphere. Looking at the top is the North Pole; in the center - just lower to the center is South America - all the way down to Cape Horn. I can see Baja California and the southwestern part of the United States. There's a big, long cloud bank going northeast, covers a lot of the Gulf of Mexico, going up to the eastern part of the United States, and it appears now that the east coast is cloudy. I can see clouds over parts of Mexico; the parts of Central America are clear. And we can also see the white, bright spot of the subsolar point on the light side of the Earth.[24]"

,,Was du siehst, Mike ist die... Houston, was ihr seht, ist die westliche Hemisphare. Von hier aus gesehen ist der Nordpol oben. In der Mitte, etwas unterhalb der Mitte ist Sudamerika, bis hinunter zum Kap Hoorn. Ich kann Niederkalifornien ausmachen und den sudwestlichen Teil der Vereinigten Staaten. Es scheint, dass die Ostkuste jetzt bewolkt ist. Ich kann Wolken uber Teilen von Mexiko sehen. Der Hauptteil von Zentralamerika ist klar. Und wir konnen auch den hellen weissen Schein des subsolaren Punkts auf der Sonnenseite der Erde sehen.[25]"

- Jim Lovell
Schwarz-Weiss-Livebild der Erde aus etwa 325.000 km Entfernung. Norden ist links.

Nach einer kurzen Unterbrechung durch CapCom Mike Collins fuhr er fort:

"Okay. For colors, the waters are all sort of a royal blue; clouds, of course, are bright white; the reflection off the Earth is - appears much greater than the Moon. The land areas are generally a brownish - sort of dark brownish to light brown in texture. Many of the vortices of clouds can be seen of the various weather cells, and a long band of - it appears cirrus clouds that extend from the entrance to the Gulf of Mexico going straight out across the Atlantic. The terminator, of course, cuts through the Atlantic Ocean right now, going from north to south. [The] southern hemisphere is almost completely clouded over, and up near the North Pole there is quite a few clouds. Southwestern Texas and southwestern United States is clear. I'd say there are some clouds up in the northwest and over in the northeast portion.[24]"

,,Okay. Was die Farben betrifft: die Wasserflachen sind alle mehr oder weniger von einem Konigsblau. Wolken sind naturlich blendend weiss. Die Reflexion der Erde erscheint viel starker als die des Mondes. Die Landmassen sind im Allgemeinen braunlich, so etwa von dunkelbrauner bis hellbrauner Textur. Viele Wolkenbander bilden Wetterzellen, und ein langes Band von Zirruswolken erstreckt sich vom Eingang zum Golf von Mexiko schnurgrade hinaus quer uber den Atlantik. Der Terminator durchschneidet naturlich zur Zeit den Atlantischen Ozean, von Norden bis Suden. Die sudliche Halbkugel ist fast vollig bewolkt, und oben am Nordpol liegen eine Menge Wolken. Der Suden, Sudwest-Texas und die sudlichen Vereinigten Staaten sind wolkenfrei. Ich wurde sagen, dass da einige Wolken uber dem nordwestlichen und nordostlichen Teil sind.[26]"

- Jim Lovell

"You are looking at yourselves at 180,000 miles out in space."

,,Ihr seht euch selbst aus 180.000 Meilen im Weltraum."

- Frank Borman

Nach einigen Minuten fugte Jim Lovell hinzu:

"Mike, what I keep imagining is, if I'm a - some lonely traveler from another planet, what I think about the Earth at this altitude, whether I think it'd be inhabited or not.[24]"

,,Mike, woran ich dauernd denken muss: wenn ich ein einsamer Reisender von einem anderen Planeten ware, was ich mir da in dieser Entfernung uber diese Erde wohl uberlegen wurde. Ob ich sie fur bewohnt halten wurde oder nicht.[27]"

- Jim Lovell

Nach 23 Minuten endete die zweite Fernsehubertragung von Bord. Knapp zehn Minuten spater (Bordzeit: 055:39) uberquerte das Apollo-Raumschiff den Punkt gleicher Anziehung zwischen Mond und Erde. In einer Entfernung von 326.400 km zur Erde betrug die Geschwindigkeit des Raumschiffs nur noch knapp 3565 km/h, den niedrigsten Wert wahrend der gesamten Reise. Apollo 8 wurde durch die Anziehungskraft der Erde immer weiter verlangsamt, ab diesem Punkt, in einer Entfernung von 62.000 km zum Mond, stieg die Geschwindigkeit durch die Gravitation des Mondes wieder an. Ein Korrekturmanover mit den Lageregelungstriebwerken des Servicemoduls brachte 61 Stunden nach dem Start Apollo 8 auf den gewunschten Kurs um den Mond.[28]

Gegen 2 Uhr morgens am 24. Dezember begann die Mannschaft mit den Vorbereitungen fur die ,,Lunar Orbit Insertion", den Einschuss in die Mondumlaufbahn. Die Daten fur die Triebwerkszundung und die Raumlage wurden in den Bordcomputer eingegeben, das Raumschiff wurde fur die Zundung des Triebwerks im Raum ausgerichtet (Bordzeit: 066:02:40). Damit das Raumschiff durch die Zundung abgebremst wurde, musste das Triebwerk in Flugrichtung zeigen, das Kommandomodul und damit der Blick der Besatzung war auf die Erde gerichtet. Anders verglich den Flug mit einem U-Boot, da die Besatzung vom Ziel, dem Mond, bisher nichts sehen konnte.[29] Die Zundung des Triebwerks musste aus himmelsmechanischen Grunden auf der Ruckseite des Mondes erfolgen - im Funkschatten des Mondes und ausserhalb des Einflusses der Flugkontrolle in Houston. Aus diesem Grund wurden alle Systeme grundlich gepruft; eine Fehlfunktion hatte schwere Folgen haben und eventuell sogar das Leben der Besatzung gefahrden konnen.

Lunar Orbit Insertion

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Um 3:52 (EST) (Bordzeit: 068:04) ubermittelte CapCom Gerald Carr der Besatzung die Freigabe fur die Zundung.

"Apollo 8, this is Houston. At 68:04, you're Go for LOI."

- Gerald Carr

(Lunar Orbit Insertion)

In der folgenden Stunde bis zum Signalverlust des Raumschiffs hinter dem Mond intensivierte sich der Funkverkehr zwischen Apollo und Houston. Statusmeldungen uber Entfernung, Geschwindigkeit und Zustand des Raumschiffs werden ausgetauscht. Der Verlust des Kontakts zum Raumschiff war fur 4:49 Uhr (EST) vorausgesagt.

"Apollo 8, 10 seconds to go [to LOS]. You're Go all the way.[29]"

,,Apollo 8, 10 Sekunden bis LOS (Loss of Signal). Ihr seid ,,Go" von vorne nach hinten"

- Gerald Carr

"Roger"

- Frank Borman

Am 24. Dezember 1968 um 4:49:02 (EST) (Bordzeit: 068:58:02) verschwand Apollo 8 hinter dem Mond und der Funkkontakt brach ab.

Der geplante Zeitpunkt fur die Zundung des Triebwerks war zur Bordzeit: 069:08:52 angesetzt, also zehn Minuten und 50 Sekunden nach der Unterbrechung der Funkverbindung. Bei normalem Ablauf war davon auszugehen, dass die Flugkontrolle in Houston erst 24 Minuten spater von diesem Manover in Kenntnis gesetzt wurde, wenn Apollo 8 wieder aus dem Funkschatten des Mondes auftauchte. Ware Acquisition of Signal (AOS), die Wiederherstellung des Funkkontakts, zehn Minuten fruher erfolgt, hatte das Triebwerk nicht gezundet und das Raumschiff sich nicht im Mondorbit befunden.

Als dann um 5:19 (Bordzeit: 069:34:07) Jim Lovell auf die Anrufe der Bodenkontrolle antwortete, brach im Kontrollraum Jubel aus.[30] Das Raumschiff hatte auf einen elliptischen Orbit eingeschwenkt, das Pericynthion (mondnaher Punkt) lag bei 112 km, das Apocynthium (mondferner Punkt) bei 312 km. Die Umlaufbahn war um zwei Grad gegen den Mondaquator geneigt, um alle geplanten Landeplatze spaterer Missionen fotografieren zu konnen. Die ubermittelten Telemetriedaten zeigten, dass das Triebwerk wie geplant vier Minuten und sechseinhalb Sekunden gefeuert hatte. Kommandant Borman richtete das Raumschiff mit der Spitze zum Mond hin aus, um durch die vorderen Fenster des Kommandomoduls eine gute Sicht auf die Mondoberflache zu haben.

Mare Tranquillitatis von Apollo 8 fotografiert

Jim Lovell lieferte einige Zeit spater eine erste Beschreibung der Mondoberflache:

"Apollo 8, Houston. What does the ole Moon look like from 60 miles? Over."

,,Apollo 8, Houston. Wie sieht der alte Mond aus 60 Meilen Entfernung aus? Over.[31]"

- Gerald Carr

"Okay, Houston. The Moon is essentially grey, no color; looks like plaster of Paris or sort of a grayish beach sand. We can see quite a bit of detail. The Sea of Fertility doesn't stand out as well here as it does back on Earth. There's not as much contrast between that and the surrounding craters. The craters are all rounded off. There's quite a few of them, some of them are newer. Many of them look like - especially the round ones - look like hit by meteorites or projectiles of some sort. Langrenus is quite a huge crater; it's got a central cone to it. The walls of the crater are terraced, about six or seven different terraces on the way down.[32]"

,,Okay, Houston. Der Mond ist im Wesentlichen grau, keine Farben. Sieht wie Gips aus oder wie graulicher Strandsand. Wir konnen sehr viele Einzelheiten sehen. Das Mare Fecunditatis ist von hier aus nicht so deutlich abgezeichnet wie von der Erde. Es herrscht kein grosser Kontrast zwischen ihm und den umliegenden Kratern. Die Krater sind alle abgerundet. Es gibt davon eine ganze Menge, manche sind neueren Datums. Viele von ihnen, besonders die runden, sehen aus, als ob sie von Meteoriten oder sonstigen Projektilen getroffen worden seien. Langrenus ist ein riesiger Krater. Er hat einen Zentralkegel. Die Wande des Kraters sind abgestuft, etwa sechs oder sieben verschiedene Terrassen auf dem Weg hinunter.[31]"

- Jim Lovell

Gleichzeitig begannen Anders und Borman mit der fotografischen Erfassung der Mondoberflache. Sie setzten mehrere Kameras ein, darunter eine Reihenbildkamera, die kontinuierlich die uberflogene Mondoberflache abfotografierte sowie diverse Filmkameras. Nach der Ubermittlung verschiedener telemetrischer und technischer Daten machte sich die Besatzung fur den zweiten Loss of Signal (Kontaktabbruch) bereit, der bei Bordzeit: 070:56:35 erfolgen soll. Nach dem Abbruch des Funkkontakts bereitete sich die Besatzung dann auf der Ruckseite des Mondes auf die dritte Live-Ubertragung wahrend des Fluges und die erste von zweien aus der Mondumlaufbahn vor. Zwischenzeitlich fotografierte die Besatzung weiter die Mondoberflache und schoss auch eine grosse Anzahl von Bildern von der bisher weitestgehend unbekannten Ruckseite des Mondes. Um 7:31 (EST) (Bordzeit: 071:40) tauchte Apollo 8 wieder aus dem Funkschatten auf und ubermittelte die ersten Live-Fernsehbilder der Mondoberflache, die unter dem Raumschiff vorbeizog. Die drei Astronauten beschrieben wahrend der 13-minutigen Ubertragung ihre Eindrucke von der Oberflache und verglichen sie mit Mondkarten. Zudem wurde mit der Programmierung des Bordcomputers fur eine weitere Zundung des Haupttriebwerks begonnen, die den Orbit in eine Kreisbahn abandern sollte.[32]

Die Zundung erfolgte bei Bordzeit: 073:35:06 auf der Ruckseite des Mondes; die elfsekundige Zundung brachte das Apollo-Raumschiff auf eine kreisformige Umlaufbahn in 111,7 km Hohe uber der Mondoberflache. Im nun kreisformigen Orbit setzte Anders eine stereoskopische Kamera in Gang, die dreidimensionale Bilder der Oberflache lieferte. Die Kamera lief wahrend der gesamten dritten Umkreisung des Mondes und fotografierte einen breiten Streifen der Mondoberflache.

Hauptartikel: Earthrise
Erstes Schwarz-Weiss-Bild des Erdaufgangs uber dem Mondhorizont, aufgenommen von Bill Anders[33]

Die Entstehung des ,,Earthrise-Fotos" war im ursprunglichen Flugplan nicht vorgesehen. Wahrend der vorhergehenden Mondumkreisungen hatte Kommandant Frank Borman das Apollo-Raumschiff stets mit der Spitze zur Mondoberflache ausgerichtet, um Fotos der Oberflache fur spatere Landungen zu machen. Kurz bevor das Raumschiff hinter dem Mond hervorkam und wieder Funkkontakt zur Erde erlangte, liess Borman das Raumschiff um seine Langsachse rotieren, als die Erde plotzlich im Seitenfenster auftauchte.[34]

"Oh, my God! Look at that picture over there! Here's the Earth coming up. Wow, is that pretty!"

,,Oh, mein Gott! Seht euch dieses Bild da an! Hier geht die Erde auf. Mann, ist das schon!"

- Bill Anders: Apollo Flight Journal[35]
Ausschnitt aus dem Wortwechsel zwischen Borman, Anders und Lovell wahrend ihrer Aufnahmen

Als Bill Anders nach der Kamera griff, um den Anblick festzuhalten, witzelte Borman: "Hey, don't take that, it's not scheduled.[35]" (deutsch: ,,Hey, nicht fotografieren. Das ist nicht vorgesehen.") Wurde ursprunglich noch davon ausgegangen, dass Borman als erstes ein Schwarzweiss-Bild der aufgehenden Erde aufnahm,[36] die sich noch knapp uber dem Mondhorizont befand, ist mittlerweile bewiesen, dass auch dieses Bild nur von Anders aufgenommen worden sein konnte.[33] Nach dem Schwarzweiss-Foto setzte Anders das Farbfilm-Magazin ein und machte das beruhmte Bild sowie eine weitere Aufnahme der Erde. Fur das Farbfoto wurde 70 mm Kodak Ektachrome-Film verwendet.[37] Das Earthrise-Foto war ursprunglich mit dem Mondhorizont in der Vertikalen aufgenommen worden,[38] das Bild wird jedoch meistens um 90 Grad gedreht abgebildet.

Wahrend der folgenden zwei Umkreisungen des Mondes widmete sich die Besatzung weiter der fotografischen und kartografischen Erfassung des Mondes. Radarmessungen der Flugbahn von Apollo 8 erlaubten auch genauere Ruckschlusse auf die Mascons unterhalb der Mondoberflache, die den Orbit des Raumschiffs beeinflussten.[39] Wahrend der siebten Umrundung des Mondes entschied Kommandant Borman dann, den Flugplan abzuandern, die geplanten Experimente ausfallen zu lassen und seiner Besatzung nach den Strapazen der letzten Tage etwas Entspannung und Schlaf zu ermoglichen. Borman selbst blieb wach, um die Position des Raumschiffs zu steuern; Lovell und Anders schickte er mit nachdrucklicher Stimme schlafen. ("I want you to get your ass in bed! Right now! No, get to bed! Go to bed! Hurry up! I'm not kidding you, get to bed![40]" (Frank Borman zu Bill Anders: Ich will, dass du deinen Arsch ins Bett bewegst! Jetzt! Nein, geh ins Bett! Beeil dich! Ich scherze nicht, geh ins Bett!))

In den folgenden zwei Umrundungen ruhten sich Anders und Lovell in ihren Schlafsacken im unteren Teil des Kommandomoduls aus, wahrend Borman an der Steuerung blieb. Als sich das Raumschiff zum achten Mal auf der Ruckseite des Mondes befand, begann die Besatzung mit den Vorbereitungen fur die vierte Fernsehubertragung, die gegen 21:30 Ostkustenzeit beginnen sollte.

Weihnachtsbotschaft

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Am 24. Dezember um 21:31 (EST) (Bordzeit: 085:43) tauchte das Raumschiff hinter dem Mond auf und ubermittelte erste Fernsehbilder zur Erde. Die Besatzung hatte die Kamera und das Raumschiff in Flugrichtung ausgerichtet und ubertrug das Bild der langsam uber dem Mondhorizont aufgehenden Erde. Eine Minute spater wechselte das Bild und zeigte die karge Mondoberflache, die langsam unter dem Raumschiff vorbeizog. Kommandant Frank Borman schilderte seine Eindrucke:

This is Apollo 8, coming to you live from the Moon.

"This is Apollo 8, coming to you live from the Moon. We've had to switch the TV camera now. We showed you first a view of Earth as we've been watching it for the past 16 hours. Now we're switching so that we can show you the Moon that we've been flying over at 60 miles altitude for the last 16 hours. Bill Anders, Jim Lovell, and myself have spent the day before Christmas up here doing experiments, taking pictures, and firing our spacecraft engines to maneuver around. What we'll do now is follow the trail that we've been following all day and take you on through to a lunar sunset. The Moon is a different thing to each one of us. I think that each one of - each one carries his own impression of what he's seen today. I know my own impression is that it's a vast, lonely, forbidding-type existence, or expanse of nothing, that looks rather like clouds and clouds of pumice stone [...] and it certainly would not appear to be a very [...]inviting place to live or work. Jim what have you thought most about?[41]"

,,Hier ist Apollo 8 mit einer Live-Ubertragung vom Mond. Wir haben die Kamera umgeschaltet. Zuerst haben wir Ihnen ein Bild der Erde gezeigt, wie wir es die letzten 16 Stunden gesehen haben. Jetzt schalten wir um, so dass wir Ihnen den Mond zeigen konnen, uber den wir in einer Hohe von 60 Meilen seit 16 Stunden fliegen. Bill Anders, Jim Lovell und ich haben den heiligen Abend hier oben damit verbracht, Experimente durchzufuhren, Fotos zu machen und das Raumschiff mit den Triebwerken in Position zu halten. Wir werden jetzt weiter unseren Kurs fortsetzen wie schon den ganzen Tag und Sie mitnehmen zu einem Sonnenuntergang auf dem Mond. Der Mond bedeutet fur jeden von uns etwas anderes. Ich denke, jeder von uns wird von dem, was er heute gesehen hat, seinen eigenen Eindruck mitnehmen. Ich weiss, mein eigener Eindruck ist der einer gewaltigen, einsamen Ausdehnung von Nichts. Es sieht aus wie Wolken uber Wolken von Bimsstein. Und auf jeden Fall erscheint es als Platz zum Leben oder Arbeiten nicht sehr einladend. Jim, woruber hast du am meisten nachgedacht?[42]"

- Frank Borman

Jim Lovell fuhr fort:

"Well, Frank, my thoughts are very similar. The vast loneliness up here of the Moon is awe inspiring, and it makes you realize just what you have back there on Earth. The Earth from here is a grand oasis in the big vastness of space.[41]"

,,Ja, Frank, meine Gedanken sind ahnlich. Die riesenhafte Einsamkeit des Mondes hier oben ist furchteinflossend, und sie lasst einen erst begreifen, was ihr zu Hause auf der Erde wirklich habt. Von hier aus gesehen ist die Erde eine grandiose Oase in der weiten Wuste des Weltalls.[42]"

- Jim Lovell

Bill Anders Eindrucke waren etwas positiver:

"I think the thing that impressed me the most was the lunar sunrises and sunsets. These in particular bring out the stark nature of the terrain, and the long shadows really bring out the relief that is here and hard to see at this very bright surface that we're going over right now.[41]"

,,Ich glaube, was mich am meisten beeindruckt hat, waren die lunaren Sonnenaufgange und Sonnenuntergange. Sie insbesondere bringen die nackte, rohe Natur der Landschaft hervor und die langen Schatten zeichnen deutlich das Relief der Landschaft, das jetzt gerade in der Helligkeit der Oberflache kaum zu erkennen ist.[42]"

- Bill Anders

Wahrend des weiteren Fluges beschrieb die Besatzung die Oberflache des Mondes, die Krater und die Maria. Als sich das Raumschiff dem Terminator, der Grenze zwischen Tag und Nacht auf dem Mond, naherte, fuhr Bill Anders fort:

Lesung aus der Schopfungsgeschichte

"We are now approaching lunar sunrise, and for all the people back on Earth, the crew of Apollo 8 has a message that we would like to send to you. In the beginning, God created the Heaven and the Earth. And the Earth was without form and void, and darkness was upon the face of the deep. And the spirit of God moved upon the face of the waters, and God said, 'Let there be light.' And there was light. And God saw the light, that it was good, and God divided the light from the darkness.[41]"

,,Wir nahern uns nun dem lunaren Sonnenaufgang. Und fur alle Menschen unten auf der Erde hat die Besatzung der Apollo 8 eine Botschaft, die wir euch senden mochten: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wust und leer, und es war finster auf der Tiefe. Der Geist Gottes schwebte uber dem Wasser, und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war, und Gott teilte das Licht von der Dunkelheit.[43]"

- Bill Anders
Die Mondoberflache mit dem Krater Goclenius im Vordergrund; aufgenommen von Apollo 8.

"And God called the light Day, and the darkness he called Night. And the evening and the morning were the first day. And God said, 'Let there be a firmament in the midst of the waters. And let it divide the waters from the waters.' And God made the firmament and divided the waters which were under the firmament from the waters which were above the firmament. And it was so. And God called the firmament Heaven. And the evening and the morning were the second day.[41]"

,,Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. Und Gott sprach: Es werde ein Gewolbe zwischen den Wassern, das da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott das Gewolbe und schied das Wasser unter dem Gewolbe von dem Wasser uber dem Gewolbe. Und es geschah also. Und Gott nannte das Gewolbe Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.[43]"

- Jim Lovell

"And God said, 'Let the waters under the Heavens be gathered together into one place. And let the dry land appear.' And it was so. And God called the dry land Earth. And the gathering together of the waters called he seas. And God saw that it was good. And from the crew of Apollo 8, we close with good night, good luck, a Merry Christmas and God bless all of you - all of you on the good Earth.[41]"

,,Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Stellen. Lass trockenes Land erscheinen. Und so geschah es. Und Gott nannte das trockene Land Erde und die Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war. Und von der Besatzung der Apollo 8: Wir schliessen mit einem Gute Nacht, Viel Gluck, frohliche Weihnachten und Gott segne euch alle - euch alle auf der guten Erde.[43]"

- Frank Borman

Ruckkehr zur Erde

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Mit dem Abschluss der 29-minutigen Live-Ubertragung um 10 Uhr abends begann die Besatzung mit der Vorbereitung fur die zehnte und letzte Umkreisung des Mondes. Nachdem das Raumschiff aus dem Schatten des Mondes getreten war, begannen Anders und Borman mit der Programmierung des Bordcomputers fur die Zundung des Triebwerks, die das Schiff auf Kurs Richtung Erde bringen sollte. Die Zundung musste, wie schon die beiden zuvor, auf der Ruckseite des Mondes und damit ohne Funkkontakt zur Erde erfolgen. Ein Funktionieren des Triebwerks war unerlasslich, da die Astronauten sonst ohne Rettungsmoglichkeit in der Mondumlaufbahn gestrandet waren.

88 Stunden und 51 Minuten nach dem Start, kurz nach Mitternacht am 25. Dezember, verschwand das Raumschiff zum letzten Mal hinter dem Mond. Die Zundung des Triebwerks erfolgte 28 Minuten spater. Die 198 Sekunden Brenndauer beschleunigte das Apollo-Raumschiff um 1 km/s und brachte es damit aus der Anziehungskraft des Mondes auf Kurs zur Erde. 15 Minuten nach der Triebwerkszundung kam das Raumschiff hinter dem Mond hervor und Jim Lovell ubermittelte mit den Worten "Houston, Apollo 8. Please be informed there is a Santa Claus.[44]" (deutsch: ,,Houston, Apollo 8. Nehmt bitte zur Kenntnis, dass es einen Weihnachtsmann gibt") die erfolgreiche Zundung. Kurz darauf jagte er dem Kontrollzentrum allerdings einen Schrecken ein, als er eine um eine Minute zu kurze Brenndauer durchgab, was bedeuten wurde, dass die Geschwindigkeit des Raumschiffs zu niedrig ware. Lovell bemerkte seinen Fehler aber und korrigierte sich.[45]

Die Erde aus etwa 30.000 km Entfernung, aufgenommen am Morgen des siebten Flugtages

In den folgenden Minuten und Stunden war die Stimmung gelost. Zum ersten Mal witzelten die Bodenkontrolle und die Besatzung uber Funk und Weihnachtsgrusse wurden ubermittelt.[46] Einige Stunden spater verlor die Bodenkontrolle jedoch den Funkkontakt zu Apollo 8, was sich jedoch nach einer dreiviertel Stunde als loser Kontakt eines Steckers herausstellte und schnell behoben werden konnte.[47] Die folgenden Stunden vergingen ohne weitere Zwischenfalle. Elf Stunden und 28 Minuten nach dem Mondfluchtmanover verliess Apollo 8 das Gravitationsfeld des Mondes. Die Geschwindigkeit, die in den letzten Stunden auf 4480 km/h abgefallen war, stieg jetzt wieder an. Zwei Stunden und 13 Minuten spater fuhrte Kommandant Borman mit dem Lageregelungssystem des Servicemodul eine kleine Kurskorrektur durch, die das Raumschiff so exakt auf Kurs brachte, dass bis zum Wiedereintritt keine weiteren Korrekturen notwendig waren. Direkt im Anschluss begann die Besatzung die funfte Fernsehubertragung von Bord, die um 16:15 (EST) (Bordzeit: 104:24:54) beginnen sollte, vorzubereiten. Wahrend der zehnminutigen Live-Ubertragung zeigte die Besatzung den Zuschauern das Innere des Kommandomoduls, in dem sie die letzten vier Tage gelebt hatten. Nach Abschluss der Ubertragung stellte die Besatzung erfreut fest, dass es als Weihnachtsmahl keine gefriergetrocknete Nahrung gab wie die Tage zuvor, sondern Pute mit Sosse und Preiselbeeren.[48]

Drei Stunden spater geschah Jim Lovell ein Missgeschick. Als er das Kommandomodul zur regelmassigen Positionsbestimmung mittels Sextant ausrichtete, loschte er versehentlich einen Teil des Bordcomputerspeichers. Durch die fehlenden Bezugsdaten nahm dieser nun an, das Raumschiff befande sich wieder auf dem Launch Pad und richtete es dementsprechend durch Steuerschube aus. Lovell gelang es aber, durch manuelles Anpeilen einiger Fixsterne und Neuprogrammierung des Computers das Raumschiff wieder korrekt auszurichten.[49] Am Nachmittag des 26. Dezembers, gegen 14:51 (EST) (Bordzeit: 127:00) hatte das Raumschiff die Halfte der Strecke zwischen Mond und Erde zuruckgelegt; die Geschwindigkeit lag bei 6400 km pro Stunde und nahm weiter zu. Eine Stunde spater, um 15:52 (EST) startete die sechste und letzte Fernsehubertragung von Bord. Die Mannschaft von Apollo 8 zeigte den Zuschauern aus etwa 180.000 km Entfernung die Erde und schilderte ihre Eindrucke des immer grosser werdenden Heimatplaneten. Am Ende der vierminutigen Ubertragung bedankte sich Kommandant Borman bei den Zuschauern fur das rege Interesse.[50]

In den folgenden Stunden bereiteten sich sowohl die Mannschaft an Bord des Raumschiffs als auch die Bodenkontrolle auf den Wiedereintritt am nachsten Morgen vor. Die Bergungsflotte um den Flugzeugtrager Yorktown lief in das Seegebiet etwa 1000 km sudlich von Hawaii, wo fur den nachsten Morgen die Wasserung des Kommandomoduls erwartet wurde.

Wiedereintritt, Wasserung und Bergung

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Apollo 8 wahrend des Wiedereintritts, aufgenommen aus einer KC-135A in 12 km Hohe

Am Morgen des siebten Flugtages, am 27. Dezember gegen 9 (EST), begann sich die Besatzung in ihren Sitzen anzuschnallen und fur den Wiedereintritt vorzubereiten, nachdem alle losen Gegenstande an Bord verstaut worden waren. Bei Bordzeit: 146:27 erhielt die Besatzung die Erlaubnis, die Sprengladungen, die das Kommandomodul vom Servicemodul trennen sollen, scharf zu machen. Die Trennung erfolgte funf Minuten spater in einer Hohe von 2985 km und bei 32.900 km/h.[51] Das Kommandomodul wurde nun nur noch uber Batterien und interne Sauerstofftanks versorgt. Sollte das Raumschiff in einem zu flachen Winkel auftreffen und wieder ins All zuruckgeschleudert werden, wurden die Vorrate fur ein Uberleben der drei Astronauten nicht lange ausreichen.

14 Minuten nach der Trennung traf das Kommandomodul in einer Hohe von 122 km auf die obersten Schichten der Atmosphare; die Geschwindigkeit betrug 39.200 km/h (11 km pro Sekunde). In den folgenden Minuten stieg die Temperatur des Hitzeschilds auf bis zu 2800 degC an. Die maximale Bremsverzogerung erreichte Apollo 8 zwei Minuten nach dem Eintritt in die Atmosphare; sie betrug 6,8g. Auch stieg die Flugbahn der Kapsel zu diesem Zeitpunkt von 57 km Hohe auf 64 km an, bedingt durch den hoheren Auftrieb in den dichteren Luftschichten. Dieses Flugprofil reduzierte die maximale Belastung fur die Astronauten.[52]

Der Wiedereintritt des Raumschiffs wurde von einer KC-135 der US-Luftwaffe fotografiert, auch zwei Linienmaschinen der PanAm, die sich zu diesem Zeitpunkt uber dem Pazifik befanden, konnten den kometenahnlichen Schweif am Himmel verfolgen.

Die Besatzung von Apollo 8 verlasst den Bergungshubschrauber

Vier Minuten nach Beginn des Blackouts, der durch die ionisierten Gase hervorgerufen wurde, konnte die Flugkontrolle wieder Kontakt zum Raumschiff aufnehmen. In einer Hohe von 7 km (Bordzeit: 146:56) offnete sich der Stabilisierungsschirm, der das Kommandomodul abbremste und stabilisierte. Eine Minute spater, nachdem die Geschwindigkeit unter Mach 1 abgefallen war, wurde der Stabilisierungsschirm abgeworfen und die drei Hauptschirme wurden ausgelost. Zwei Minuten spater entdeckten die Besatzungen der Bergungsschiffe und der Bergungshubschrauber das Blinklicht an der Spitze der Kapsel, die langsam herabsank. Um 5:51 (Ortszeit) (Bordzeit: 147:00) wasserte Apollo 8 im Pazifik (8deg 6' 0'' N, 165deg 1' 0'' W8.1-165.016666). Der Wellengang und die Fallschirme, die einen Sekundenbruchteil zu spat abgeworfen wurden, warfen die Kapsel um, so dass sie mit der Spitze nach unten im Wasser schwamm. Das automatische Aufrichtsystem, bestehend aus drei druckluftgefullten Ballons an der Spitze, richtete die Kapsel jedoch innerhalb von drei Minuten wieder auf. Neun Minuten nach der Wasserung setzte ein Hubschrauber erste Kampfschwimmer am Kommandomodul ab. Da das Raumschiff allerdings im Dunkeln, etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang, gewassert war, wurde mit der Bergung bis nach Sonnenaufgang gewartet.[53]

Zwei Stunden nach der Wasserung offnete Jim Lovell die Luke des Kommandomoduls und stieg aus. Ihm folgen Kommandant Borman und LM-Pilot Anders, die ebenso wie Lovell an Bord eines wartenden SH-3-Hubschraubers (Helicopter 66) gehievt wurden. Vierzig Minuten spater, um 7:44 Ortszeit (12:44 EST), betraten die drei Astronauten das Deck der Yorktown, wo sie vom Kapitan begrusst wurden. Nach einem ausgiebigen Dinner an Bord des Flugzeugtragers wurden die drei Astronauten zuerst nach Honolulu geflogen, wo sie begeistert empfangen wurden. Auch bei der Ankunft auf dem Ellington Airport sudlich von Houston in der Nacht des 28. Dezembers wurden sie von Tausenden von Schaulustigen begeistert empfangen.[54]

Am 10. Januar 1969 wurden die drei Astronauten auf dem Broadway in New York City mit einer Konfettiparade von Zehntausenden von Schaulustigen empfangen und bejubelt.[55]

Verbleib des Raumfahrzeugs

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Das Kommandomodul von Apollo 8 ist zusammen mit Ausrustungsgegenstanden des Fluges im Chicago Museum of Science and Industry ausgestellt.[56]

Historische Bedeutung

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Obwohl im ursprunglichen Flugplan fur das Apollo-Programm gar nicht vorgesehen, war die Mission von Apollo 8 ein voller Erfolg fur die NASA und das amerikanische Raumfahrtprogramm. Der Aufbruch zu einem anderen Himmelskorper wird in der historischen Bedeutung mit dem Aufbruch Christoph Columbus nach Amerika verglichen.[57] Nach der Eskalation des Vietnamkriegs, der Ermordung Martin Luther Kings und Robert F. Kennedys, den Studenten- und Rassenunruhen war der erfolgreiche Flug von Apollo 8 ein positiver Abschluss des Jahres 1968 fur Amerika. Dies wird deutlich in einem Gluckwunschtelegramm, das Kommandant Borman nach Abschluss des Fluges erhielt: "Thank you Apollo 8. You saved 1968.[58]" (deutsch: ,,Danke Apollo 8. Sie haben das Jahr 1968 gerettet.") Die Redaktion des Time-Magazins wahlte die drei Astronauten zu den Men of the Year 1968, den bedeutendsten Personlichkeiten des Jahres.[59]

Auch fur die NASA und das amerikanische Mondflugprogramm war Apollo 8 von grosser Bedeutung. Zuvor war kein Weltraumflug weiter als 1500 km von der Erdoberflache entfernt gewesen. Der Flug zum Mond war ein wichtiger Schritt zur Mondlandung von Apollo 11 sechs Monate spater. Fur das sowjetische Mondprogramm war Apollo 8 hingegen ein herber Ruckschlag - es wurde in der Folgezeit drastisch gekurzt und zusammengestrichen. Nach der erfolgreichen Landung von Apollo 11 gab die Sowjetunion dann alle Plane auf, Kosmonauten zum Mond zu schicken.[60]

Briefmarke des United States Postal Service von 1969

Die Lesung aus der Schopfungsgeschichte in der Mondumlaufbahn wurde von etwa einer Milliarde Menschen weltweit gesehen,[61] insgesamt waren wahrend des gesamten Fluges etwa 1200 Journalisten im Flugkontrollzentrum anwesend, die rund um die Uhr in alle Welt berichteten. Die Ubertragung aus der Mondumlaufbahn wurde von der Academy of Television Arts and Sciences in New York mit einem Emmy ausgezeichnet.[62] Die Atheistin Madalyn Murray O'Hair protestierte gegen die Lesung; im August 1969 reichte sie Klage vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein, in der sie den Astronauten als Regierungsangestellten das Vorlesen von religiosen Texten im Weltraum untersagen wollte.[63] Die Klage wurde zwar abgewiesen, dennoch hielt die NASA ihre Astronauten bei der Ausubung von Religiositat im All von nun an zuruck. Als Edwin Aldrin nach der Mondlandung am 20. Juli 1969 die heilige Kommunion auf dem Mond feierte, tat er dies heimlich; erst Jahre spater erfuhr die Offentlichkeit davon.[64]

Das Bild, das Bill Anders von der uber dem Mondhorizont aufgehenden Erde aufgenommen hat, wurde 1969 vom US Postal Service als Motiv fur eine Briefmarke gewahlt, als Bildunterschrift wurden die ersten vier Worte der Schopfungsgeschichte ,,In the beginning God..." gewahlt.[65] Das Bild, eines der bekanntesten des 20. Jahrhunderts, gilt zudem auch als Ausloser erster Umweltschutzbewegungen, da den Menschen erstmals gezeigt und bewusst wurde, wie klein und zerbrechlich die Erde ist. 1970 wurde der erste Tag der Erde gefeiert.[66]

Der britische Musiker Mike Oldfield verwendete 1994 die Lesung aus der Schopfungsgeschichte in der Mondumlaufbahn von William Anders fur den Titel In the Beginning, der die Einleitung des Albums The Songs of Distant Earth bildet. Gleichfalls sind im Titel Genesis der englisch-irischen Musikgruppe VNV Nation Auszuge aus dieser Lesung der Schopfungsgeschichte zu horen. Bruchstucke der Kommunikation wurden auch in dem Titel High Roller des US-amerikanischen Duos The Crystal Method verwendet. Die Worte von Jim Lovell kurz vor dem Ruckflug "Es gibt einen Weihnachtsmann" sind in den USA eine bekannte Redensart (Gibt es einen Weihnachtsmann?). Die britische Band Public Service Broadcasting verarbeitet in ihrem Song The other Side ebenfalls Bruchstucke der Funkspruche zwischen Apollo 8 und Mission Control.

  • Jesco von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. Heyne-Verlag, Munchen, 1969.
  • Robert Zimmermann: Genesis. The Story of Apollo 8. Four Walls Eight Windows, New York City, 2001, ISBN 1-56858-118-1.
  • Robert Godwin: Apollo 8: The NASA Mission Reports. Apogee Books, Burlington, 2000, ISBN 978-1-896522-66-1.
Commons: Apollo 8 - Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Apollo 8 - Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. | E. M. Cortright: Apollo Expeditions to the Moon. 1. Januar 1975 (nasa.gov [abgerufen am 27. Juli 2024]).
  2. | a b Zimmermann: Genesis. The Story of Apollo 8. S. 185.
  3. | a b Zimmermann: Genesis. The Story of Apollo 8. S. 187.
  4. | Zimmermann: Genesis. The Story of Apollo 8. S. 188.
  5. | a b Nasa History, Apollo 8 Summary (Abgerufen am 2. Dezember 2018).
  6. | a b Courtney G Brooks, James M. Grimwood, Loyd S. Swenson: The Apollo 8 decision. In: Chariots for Apollo: A History of Manned Lunar Spacecraft. NASA, abgerufen am 30. Juli 2023 (englisch).
  7. | Zimmermann: Genesis. The Story of Apollo 8. S. 174.
  8. | Liste von Crews, Unterstutzungscrews und CapComs bei bemannten Apollo-Flugen, abgerufen am 15. September 2016.
  9. | David Woods und Frank O'Brian: The Apollo 8 Flight Journal., NASA History Division, abgerufen am 2. Dezember 2018.
  10. | APPENDIX H - SATURN AT THE CAPE, Stand: 3. Februar 2008.
  11. | a b c Apollo Flight Journal: Day 1: Launch and Ascent to Earth Orbit, abgerufen am 26. April 2017.
  12. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 12-13.
  13. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 17-19.
  14. | David Woods and Frank O'Brien: The Apollo 8 Flight Journal. NASA History Division, 5. Mai 2009, S. , abgerufen am 14. September 2016 (amerikanisches Englisch, Detailliertes Protokoll mit Bordzeit-Angaben).
  15. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 25.
  16. | Zimmermann: Genesis. The Story of Apollo 8. S. 54.
  17. | a b Apollo 8 Flight Journal: Day 1: Earth Orbit and Translunar Injection, abgerufen am 26. April 2017.
  18. | Apollo 8 Flight Journal: Day 1: The Green Team and Separation, abgerufen am 26. April 2017.
  19. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 39.
  20. | Zimmermann: Genesis. The Story of Apollo 8. S. 57.
  21. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 47-48.
  22. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 48.
  23. | Apollo 8 Flight Journal: Day 2: The Maroon Team, abgerufen am 26. April 2017.
  24. | a b c Apollo 8 Flight Journal: Day 3: The Green Team, abgerufen am 26. April 2017.
  25. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 57.
  26. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 57-58.
  27. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 58.
  28. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 59.
  29. | a b Apollo 8 Flight Journal: Day 3: The Black Team - Approaching the Moon, abgerufen am 26. April 2017.
  30. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 70.
  31. | a b von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 72.
  32. | a b Apollo 8 Flight Journal: Day 4: Lunar Orbit 1, abgerufen am 26. April 2017.
  33. | a b Andrew Chaikin: Who Took the Legendary Earthrise Photo From Apollo 8? In: The Smithsonian Institution (Hrsg.): Smithsonian Magazine. Band 2018, January, Januar 2018, ISSN 0037-7333 (amerikanisches Englisch, Who Took the Legendary Earthrise Photo From Apollo 8? [abgerufen am 19. Januar 2019]).
  34. | NASA - Earthrise: The 45th Anniversary. Goddard Space Flight Center. Am 20. Dezember 2013 auf youtube.com; abgerufen am 25. Dezember 2013
  35. | a b W. David Woods, Frank O'Brien: Apollo 8 - Day 4: Lunar Orbit 4. Am 16. April 2017 auf history.nasa.gov, abgerufen am 8. Oktober 2018
  36. | Robert Poole: Earthrise: How Man First Saw the Earth. Yale University Press, New Haven, Connecticut, USA 2008, ISBN 0-300-13766-4 (englisch).
  37. | Earthrise: Story behind our December Cover
  38. | Apollo Image Atlas - AS08-14-2383. 2012 auf lpi.usra.edu, abgerufen am 8. Oktober 2018
  39. | von Puttkamer: Apollo 8, Aufbruch ins All. S. 82-83.
  40. | Apollo 8 Flight Journal: Day 4: Lunar Orbits 7, Stand: 10. Februar 2008.
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