Arthur Seyss-Inquart
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Arthur Seyss-Inquart (* 22. Juli 1892 in Stannern, Bezirk Iglau, Mahren; + 16. Oktober 1946 in Nurnberg) war ein osterreichischer Jurist, der in der Zeit des Nationalsozialismus in unterschiedlichen Funktionen politisch Karriere machte. Er war in den letzten Wochen vor dem Anschluss Osterreichs Innenminister sowie vom 11. bis 13. Marz 1938 Bundeskanzler des Bundesstaates Osterreich. Anschliessend fungierte er bis 30. April 1939 als Reichsstatthalter der ,,Ostmark". Wahrend des Zweiten Weltkriegs war er von Oktober 1939 bis Mai 1940 stellvertretender Generalgouverneur der von Deutschland besetzten Gebiete Polens und danach Reichskommissar fur die Niederlande. In der SS hatte er ab 1941 den Rang eines Obergruppenfuhrers.
Seyss-Inquart gehorte zu den 24 im Nurnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militargerichtshof angeklagten Personen, wurde am 1. Oktober 1946 in drei von vier Punkten schuldig gesprochen und als Kriegsverbrecher hingerichtet. In der modernen Geschichtswissenschaft wurde er als ,,effizienter und skrupelloser Schreibtischtater" bezeichnet.[1]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Arthur Seyss-Inquart kam als Sohn des Padagogen Emil Seyss-Inquart (* 29. November 1841 Jaroslau in Galizien, Lehrer am k.k. Staats-Gymnasium in Villach, 1882-88 Professor am Gymnasium in Iglau, danach Direktor des k.k. Deutschen Staats-Gymnasiums in Olmutz; + 17. Oktober 1920 Wien) und dessen Frau Auguste, geb. Hyrenbach, in Sudmahren als jungstes von sechs Geschwistern zur Welt. Sein alterer Bruder Richard Seyss-Inquart (1883-1941) war Padagoge, Lyriker und Justizbeamter (zuletzt Oberregierungsrat) sowie Grundungsdirektor der Bundesanstalt fur Erziehungsbedurftige Kaiserebersdorf. Die Familie ubersiedelte 1907 nach Wien.
Geboren wurde er als Arthur Seyss. Durch Namensubertragung seitens eines Grossonkels, Heinrich Ritter von Inquart (1816-1896), Hofrat der Finanzverwaltung, entstand 1906 der Doppelname Seyss-Inquart.[2] Laut Dieter A. Binders Eintrag zu Seyss-Inquart in der Neuen Deutschen Biographie fuhrte die Familie ursprunglich den Namen Zajtich und anderte ihn erst 1906/07 auf Seyss-Inquart.[3] Dagegen sprechen Schulpublikationen, die Emil Seyss ab den 1870er-Jahren unter diesem Namen veroffentlicht hat.[4] Die Fuhrung des Namens Zajtich ist nicht durch Primarquellen nachgewiesen.
1911 lernte Seyss-Inquart Gertrud Maschka kennen, die er im Dezember 1916 heiratete. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Ingeborg Caroline Auguste (* 1917), Richard (* 1921) und Dorothea (* 1928).
Im August 1928 zog er sich bei einer Bergwanderung eine Beinverletzung zu, infolge derer er mehrmals operiert werden musste und zeitlebens hinkte.[5]
Werdegang zum Rechtsanwalt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Olmutz, spater in Baden bei Wien, studierte Seyss-Inquart an der Universitat Wien Rechtswissenschaft. Im Ersten Weltkrieg diente er in einem Regiment der k.u.k. Kaiserjager der osterreichisch-ungarischen Armee und erreichte dort den Rang eines Oberleutnants der Reserve.[6] Wahrend eines Fronturlaubes 1917 in Wien wurde er zum Dr. iur. promoviert. Ab 1921 war er in Wien als Fachanwalt fur Arbeitsrecht tatig.[7][8]
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nationalsozialist
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um 1919/1920 war Seyss-Inquart in Wien Mitglied der katholisch-deutschnationalen Deutschen Gemeinschaft, der auch Engelbert Dollfuss, Karl Wache, Robert Hohlbaum, Emmerich Czermak und Hermann Neubacher angehorten.[9] Seit 1931 engagierte er sich in Organisationen wie dem Osterreichisch-Deutschen Volksbund und dem Steirischen Heimatschutz.[10] 1934 nahm Bundeskanzler Dollfuss die Verbindung zu Seyss-Inquart wieder auf; es kam zu zwei Treffen im Juli 1934 in Mattsee und Wien, also unmittelbar vor dem Juliputsch, bei dem es zur Totung Dollfuss' kam.[9] Ab 17. Juni 1937[11] war Seyss-Inquart Mitglied des osterreichischen Staatsrates und wurde zum ,,Befriedungskommissar" berufen, um die Verbindung zur - wie es hiess - ,,nationalen Opposition" herzustellen.[8] Auf Druck von Adolf Hitler, der im Berchtesgadener Abkommen vom 15. Februar 1938 ultimativ die Beteiligung der NSDAP an Regierungsamtern gefordert hatte, uberliess der damalige osterreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg Seyss-Inquart am darauffolgenden Tag das Amt des Innen- und Sicherheitsministers.
In dieser Funktion begann er mit Uberlegungen, ein nationalsozialistisches Osterreich nicht sofort voll in das Deutsche Reich zu integrieren, sondern vorerst nur die Personalunion des Staatsoberhauptes herzustellen. Dies hatte seiner eigenen Karriere genutzt und Skrupel in Bezug auf seinen osterreichischen Amtseid vermieden. Wie er allerdings in den Anschlusstagen selbst zugeben musste, wurde er von den treibenden Kraften des ,,Anschlusses" nur vor- (und, wie sich bald zeigte, beiseite) geschoben. So versuchte Seyss-Inquart noch in der Nacht vom 11. auf den 12. Marz 1938 - Stunden vor dem Einmarsch der Wehrmacht - uber die zustandigen Stellen in Berlin Hitler davon zu uberzeugen, von einem Grenzubertritt abzusehen. Dieser, noch wenige Stunden zuvor schwankend in seinem Entschluss, wurde daraufhin geweckt, erklarte jedoch, dass der Einmarsch nicht mehr aufzuhalten sei.
Osterreichischer Bundeskanzler und Reichsstatthalter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach militarischen Androhungen Deutschlands musste Schuschnigg sein Vorhaben, eine Volksbefragung am 13. Marz uber Osterreichs Unabhangigkeit abzuhalten, unter dem Druck Hitlers, sofort in das Land einzumarschieren, hinausschieben, und trat wegen der ausgeubten Gewaltandrohung am 11. Marz 1938 kurz vor Mitternacht zuruck. Gleichzeitig wurde damit Seyss-Inquart von Bundesprasident Wilhelm Miklas nach mehrstundigem Zogern und nach weiteren telefonischen Ultimaten Hermann Gorings, sofort die bereitstehende Truppe in Osterreich einmarschieren zu lassen, noch kurz vor Mitternacht zum Bundeskanzler bestellt. Trotz der erfullten Forderung besetzte die 8. Armee am Morgen des 12. Marz Osterreich, fast gleichzeitig wurde er am Morgen des gleichen Tages vereidigt. Er ubte dieses Amt bis zum 13. Marz 1938, dem Tag des ,,Anschlusses Osterreichs" an das Deutsche Reich, aus. Seyss-Inquart war damit nach Walter Breisky die kurzeste Zeitspanne osterreichischer Bundeskanzler.
Am 13. Marz 1938 wurde der ,,Anschluss Osterreichs" an das Deutsche Reich staatsrechtlich vollzogen. Das entsprechende, von der NS-Bundesregierung beschlossene Bundesgesetz musste, den Regeln der Standestaatsverfassung entsprechend, vom Bundesprasidenten unterzeichnet werden, um in Kraft treten zu konnen. Miklas weigerte sich jedoch und trat zuruck.
Seine Funktionen gingen damit verfassungsgemass auf Bundeskanzler Seyss-Inquart uber. Dieser unterschrieb den Beschluss nunmehr in seiner Doppelfunktion als amtierendes Staatsoberhaupt und als Bundeskanzler. Seine Unterschrift gab dem Anschlussgesetz Rechtswirksamkeit; da damit der Staat Osterreich zu bestehen aufhorte, endete mit dem Inkrafttreten des Anschlussgesetzes auch Seyss-Inquarts Funktion als amtierendes Staatsoberhaupt.
Wie die gesamte Gesetzgebung der Standestaatsdiktatur wurde auch dieser Vorgang bei der Wiedererrichtung der Republik Osterreich 1945 als verfassungswidrig aufgehoben.[12]
Bei Hitlers Auftritt und Rede auf dem Wiener Heldenplatz am 15. Marz 1938 hielt Seyss-Inquart eine kurze pathetische Rede.[13] Am 1. Juni 1938 beantragte er die regulare Aufnahme in die NSDAP und wurde ruckwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.270.392).[14]
Vom 15. Marz 1938 bis zum 30. April 1939 wurde Seyss-Inquart zum Leiter der osterreichischen Landesregierung mit dem Titel Reichsstatthalter bestellt. Die Landesregierung wurde im Mai 1938 verkleinert und hatte unter der Aufsicht des Reichskommissars fur die Wiedervereinigung Osterreichs mit dem Deutschen Reich, Josef Burckel, die Liquidation der osterreichischen Zentralstellen durchzufuhren. ,,Als Reichsstatthalter in Osterreich fuhrte Seyss-Inquart die Beschlagnahme judischen Eigentums durch. [...] Politische Gegner der Nazis [wurden] durch die Gestapo in Konzentrationslager geschafft, misshandelt und in vielen Fallen getotet."[15] Mit dem Inkrafttreten des Ostmarkgesetzes am 1. Mai 1939 wurde die Landesregierung aufgelost.
SS-Fuhrer, Reichsminister ohne Geschaftsbereich und weitere Funktionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum 12. Marz 1938 trat Seyss-Inquart der SS (SS-Nummer 292.771) bei und stieg dort im April 1941 bis zum SS-Obergruppenfuhrer auf.[16][8] Mit der Gleichschaltung der osterreichischen und deutschen Alpenvereine im Jahr 1938 wurde Seyss-Inquart zum ,,Fuhrer des Deutschen Alpenvereins (DAV)" bestellt. Seyss-Inquart war von 1939 bis 1945 Reichsminister ohne Geschaftsbereich.
Zweiter Weltkrieg - Stellvertretender Generalgouverneur im Generalgouvernement
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Seyss-Inquart Ende Oktober 1939 Stellvertreter des Generalgouverneurs Hans Frank im deutsch besetzten Generalgouvernement.[8]
Reichskommissar fur die Niederlande
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 18. Mai 1940 ernannte Hitler ihn zum Reichskommissar fur die Niederlande.[17] Als untergebener Beauftragter des Reichskommissars fur die Niederlande wurde Ernst Schwebel zugeteilt, welcher diese Position bis Kriegsende innehatte.
In den besetzten Niederlanden war Seyss-Inquart verantwortlich fur den Aufbau eines deutschen Besatzungsregimes, die wirtschaftliche Ausbeutung des Landes, die Einfuhrung von Zwangsarbeit, Deportationen von uber 100.000 niederlandischen Juden in Vernichtungslager, Niederschlagung des Februarstreiks und Erschiessung von Widerstandskampfern. Fur die niederlandische Hauptstadt Amsterdam war ihm Hans Bohmcker unterstellt. Als einer der ersten Schritte erfolgte der Aufbau einer SS-Formation aus kollaborationswilligen Niederlandern. Eine Zusammenarbeit mit den im Land bestehenden NS-orientierten Organisationen unter Anton Adriaan Mussert (1894-1946) und seinem Gegenspieler Rost van Tonningen (1894-1945) lehnte er konsequent ab.[18]
Im Urteil des Nurnberger Internationalen Militargerichtshofes wird Seyss-Inquarts Verhalten beschrieben (Auszug):
,,Als Reichskommissar [...] ubte Seyss-Inquart unbarmherzigen Terror zur Unterdruckung allen Widerstandes gegen die deutsche Besatzung, ein Programm, das er selbst als ,Vernichtung' der Gegner bezeichnete. [...] Die wirtschaftliche Verwaltung der Niederlande fuhrte Seyss-Inquart durch, ohne die Regeln der Haager Konvention [...] zu beachten. [...] Offentlicher und privater Besitz wurde in grossem Stil geplundert [...] Sofort [...] begann er, Sklavenarbeiter nach Deutschland zu schicken. [...] Wahrend der Besetzung wurden 500.000 Menschen von den Niederlanden nach dem Reich als Arbeiter gesandt, und nur ein ganz geringer Bruchteil davon waren tatsachlich Freiwillige."[19]
,,Eine der ersten Massnahmen [...] war der Erlass einer Reihe von Gesetzen, die die wirtschaftliche Schlechterstellung der Juden erzwang. [...] Es ist [...] wahr, dass in gewissen Fallen Seyss-Inquart gegen besonders scharfe Massnahmen, die von anderen Dienststellen getroffen wurden, protestierte [...] Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass Seyss-Inquart ein wissender und freiwilliger Teilnehmer an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit war, die wahrend der Besetzung der Niederlande begangen wurden."[20]
Im letzten Kriegswinter 1944/45, dem hartesten Winter seit 1864, drohte in den Niederlanden eine humanitare Katastrophe. Seyss-Inquart kundigte an, weite Teile des Landes unter Wasser zu setzen, woraufhin das alliierte SHAEF verlautbaren liess, dass er und Generaloberst Blaskowitz als Kriegsverbrecher behandelt wurden, falls sie dies umsetzten.[21] In Verhandlungen mit den Alliierten, welche u. a. durch seinen Untergebenen Schwebel organisiert wurden, kam es dann aber zu den humanitaren Operationen Manna und Chowhound.[22]
Hitler ernannte Seyss-Inquart in seinem politischen Testament zum Aussenminister und befahl, in den Niederlanden ,,verbrannte Erde" zu hinterlassen, was Seyss-Inquart jedoch nicht durchfuhrte.[23] Kurz nach dem Suizid Hitlers gelangte er aus den Niederlanden mit einem Schnellboot nach Flensburg zur Regierung Donitz.[24] Auf der Ruckkehr uber den Landweg, den er wegen des sturmischen Wetters an der Kuste nehmen musste, wurde er in Hamburg von britischen Truppen verhaftet.[25][26]
In Teilen der Literatur wird falschlicherweise eine Verhaftung in den Niederlanden angegeben.[23][27] Dass diese tatsachlich in Hamburg stattfand, bestatigte Seyss-Inquart jedoch auch in der Zeugenvernahme bei den Nurnberger Prozessen.[28]
Seyss-Inquart wurde von den Niederlandern mit verschiedenen Spitznamen verspottet, die sich auf sein Hinken bezogen, wie etwa ,,Seys Hinkelepink", ,,Seyss Hinkwat" und ,,Judas Mankabenus". Sein Name wurde verballhornt als ,,Zes-en-een-kwart" (,,Sechs Gulden und ein Kwartje (=25 Cent)", also 6 1/4). Als 1941 die Vorkriegsmunzen mit dem Bildnis von Konigin Wilhelmina abgeliefert werden mussten, behielten viele Menschen ihr Geld und fertigten daraus Schmuck und Gebrauchsgegenstande, darunter Glutloscher fur Zigaretten, die aus diesen Munzen bestanden.[29][30] Dies wurde als ,,Klein verzet" (,,kleiner Widerstand") bezeichnet.[31]
Nurnberger Prozess
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Sommer 1945 wurde Seyss-Inquart bis zur Uberstellung nach Nurnberg im Kriegsgefangenenlager Nr. 32 (Ascheimer) im luxemburgischen Bad Mondorf mit einer Anzahl von NSDAP-Grossen und hohen Angehorigen der Wehrmacht interniert. Im Nurnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, bei dem ihn Gustav Steinbauer verteidigte, wurde er in allen vier Anklagepunkten (Verschworung gegen Frieden, Planung, Entfesselung und Durchfuhrung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit) angeklagt. Ein vorbereiteter Auslieferungsantrag der niederlandischen Justiz wurde nicht umgesetzt.[32] Als Zeuge war u. a. Ernst Schwebel benannt.
In der Haft prasentierte sich Seyss-Inquart als gelauterter Katholik, der mehrere autobiografische Schriften verfasste. In diesen zeigte er sich jedoch weiterhin als Verfechter von Nationalsozialismus und Antisemitismus.[32] Bei seinem Schlusswort bekannte er sich noch einmal zur Person Adolf Hitlers und zu Deutschland.[33] Bei seiner Verteidigung legten Seyss-Inquart und Steinbauer den Fokus vor allem auf seine Tatigkeiten in Osterreich, die er mit seinem Eintreten fur einen ,,Kampf [...] des deutschen Volkes" legitimierte. Er erklarte auch, dass er in den Niederlanden nur geringen Einfluss auf SS, SD und Wehrmacht gehabt und die Haager Landkriegsordnung als uberholt betrachtet habe. Jegliches Wissen und die Mittaterschaft am Holocaust verneinte Seyss-Inquart, er behauptete u. a., dass er im KZ Auschwitz-Birkenau nur ein Aufenthaltslager fur die Juden bis zu einer Neuansiedlung nach dem Krieg gesehen habe.[34][35]
Bei der Urteilsverkundung wurde Seyss-Inquart im Anklagepunkt 1 freigesprochen und in den Anklagepunkten 2, 3 und 4 fur schuldig befunden, zum Tod durch den Strang verurteilt und am 16. Oktober 1946 im Nurnberger Justizgefangnis hingerichtet. Die amerikanischen, britischen und sowjetischen Richter hatten sich dabei mit ihrem Streben fur die Todesstrafe Seyss-Inquarts gegen den franzosischen Richter durchgesetzt.[36] Sein Leichnam wurde einen Tag spater im Stadtischen Krematorium auf dem Munchner Ostfriedhof eingeaschert und die Asche in den Wenzbach, einen Zufluss der Isar, gestreut.[37]
Uberlieferung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seyss-Inquarts Nachlass wird heute in der Koblenzer Dienststelle des Bundesarchivs verwahrt (N 1180). Dieser umfasst Unterlagen und Korrespondenzen zur osterreichischen Politik in den 1930er Jahren, zu den Aktivitaten der NSDAP in Osterreich, zu den deutsch-osterreichischen Beziehungen sowie zu seiner Tatigkeit als Reichsstatthalter von 1938 bis 1940.
In der Berliner Dienststelle des Bundesarchivs haben sich derweil im Bestand des ehemaligen Berlin Document Center zwei SS-Personalakten (R 9361-III/556637 und R 9361-III/556638) und eine Akte mit Parteikorrespondenz der NSDAP (R 9361-II/938679) zu Seyss-Inquart erhalten.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Biographien
- Hendricus Johannes Neuman: Arthur Seyss-Inquart. Styria, Graz 1970.
Eintrage in Nachschlagewerken
- Dieter A. Binder: Seyss-Inquart, Arthur. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 24. Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 302-303 (deutsche-biographie.de).
- Dieter A. Binder: Seyss-Inquart Arthur. In: Osterreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950 (OBL). Band 12, Verlag der Osterreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3580-7, S. 213 f. (Direktlinks auf S. 213, S. 214).
- Joachim Lilla, Martin Doring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform: Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der volkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Dusseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4.
- Robert Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich? Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-596-24373-4.
Spezialistudien uber bestimmte Aspekte von Seyss-Inquarts Tatigkeit
- Johannes Koll: Arthur Seyss-Inquart und die deutsche Besatzungspolitik in den Niederlanden (1940-1945). Bohlau, Wien [u. a.] 2015, ISBN 978-3-205-79660-2.[38]
- Johannes Koll: From the Habsburg Empire to the Third Reich: Arthur Seyss-Inquart and National Socialism. In: Gunter Bischof, Fritz Plasser, Eva Maltschnig (Hrsg.): Austrian Lives. (= Contemporary Austrian Studies, Bd. 21). University of New Orleans Press/Innsbruck University Press, New Orleans/Innsbruck 2012, ISBN 978-3-902811-61-5, S. 123-146.
- Wolfgang Rosar: Deutsche Gemeinschaft. Seyss-Inquart und der Anschluss. Europa-Verlag, Wien 1971, ISBN 3-203-50384-0.
Sonstiges Schrifttum
- Wolfgang Graf: Osterreichische SS-Generale. Himmlers verlassliche Vasallen. Hermagoras-Verlag, Klagenfurt/Ljubljana/Wien 2012, ISBN 978-3-7086-0578-4.
- Herbert Kraus: Das Urteil von Nurnberg 1946. Deutscher Taschenbuch Verlag, Munchen 1961 (dtv-Dokumente Nr. 8).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und uber Arthur Seyss-Inquart im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Zeitungsartikel uber Arthur Seyss-Inquart in den Historischen Pressearchiven der ZBW
- Arthur Seyss-Inquart in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Michaela Kipp: Arthur Seyss-Inquart. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)
- Nachlass Bundesarchiv N 1180
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- | deutschlandfunkkultur.de: Arthur Seyss-Inquart - Ein ratselhafter Schreibtischtater. 8. August 2015, abgerufen am 29. Marz 2025.
- | Seyss-Inquart, Arthur. In: Osterreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950 (OBL). Band 12, Verlag der Osterreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3580-7, S. 213.
- | Dieter A. Binder: Seyss-Inquart, Arthur. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 24. Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 302-303 (deutsche-biographie.de).
- | Emil Seyss als Autor eines am 4. November 1900 in Olmutz gehaltenen Nachrufs auf einen Padagogen. Osterreichischer Bibliothekenverbund, Gesamtkatalog.
- | Hendricus Johannes Neuman: Arthur Seyss-Inquart. Styria, Graz 1970, Seiten 28-29.
- | Gordon Williamson: Die SS - Hitlers Instrument der Macht. Neuer Kaiser Verlag 1998, S. 287.
- | Deutsche Biographie: Seyss-Inquart, Arthur - Deutsche Biographie. Abgerufen am 31. Marz 2025.
- | a b c d Bogdan Musial: Deutsche Zivilverwaltung und Judenverfolgung im Generalgouvernement. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04208-7, S. 393.
- | a b Kurt Bauer: Korrektur: Nicht doch, Andreas Khol! (PDF; 48 kB). In: Die Presse. 12. Marz 2005.
- | Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2., aktualisierte Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 580.
- | Gertrude Enderle-Burcel, Johannes Kraus: Christlich - Standisch - Autoritar. Mandatare im Standestaat 1934-1938. Hrsg.: Dokumentationsarchiv des osterreichischen Widerstandes und Osterreichische Gesellschaft fur historische Quellenstudien, Wien 1991, ISBN 3-901142-00-2, S. 217-209.
- | Verfassungsgesetz vom 1. Mai 1945 (St.G.Bl. 4/1945) uber das neuerliche Wirksamwerden des Bundes-Verfassungsgesetzes in der Fassung von 1929 (Verfassungs-Uberleitungsgesetz) Artikel 2 und 3.
- | Der 15. Marz 1938, Wiener Heldenplatz, S. 3.
- | Bundesarchiv R 9361-II/938679
- | Das Urteil von Nurnberg. dtv-Dokumente Nr. 8. Deutscher Taschenbuch Verlag, Munchen 1961, S. 246.
- | Bundesarchiv R 9361-III/556637
- | Hans-Adolf Jacobsen: Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht. via Internet Archive; abgerufen im 1. Januar 1
- | Konrad Kwiet, Zur Geschichte der Mussert-Bewegung, Vierteljahrshefte fur Zeitgeschichte, Jahrgang 18, 1970, Heft 2, S. 172ff.
- | Das Urteil von Nurnberg. dtv-Dokumente Nr. 8. Deutscher Taschenbuch Verlag, Munchen 1961, S. 247.
- | Das Urteil von Nurnberg. dtv-Dokumente Nr. 8. Deutscher Taschenbuch Verlag, Munchen 1961, S. 248.
- | Antony Beevor: Der Zweite Weltkrieg. Munchen 2014, S. 831. Vgl. auch Dwight Eisenhower: Crusade in Europe. Heinemann, London 1949 (3. Auflage), S. 455.
- | Stephen Dando-Collins: Operation Chowhound: The Most Risky, Most Glorious US Bomber Mission of WWII. St. Martin's Publishing Group, 2015, ISBN 978-1-4668-7915-7, S. div. (google.de [abgerufen am 1. Marz 2020]).
- | a b Peter Niebaum: Hans Calmeyer. Ein ,,anderer Deutscher" im 20. Jahrhundert. Frank & Timme Verlag fur Wissenschaftliche Literatur, Berlin 2011, ISBN 978-3-86596-376-5, S. 54.
- | Wolfgang Graf: Osterreichische SS-Generale. Himmlers verlassliche Vasallen. Klagenfurt/Ljubljana/Wien 2012, S. 197 f.
- | Hendricus Johannes Neuman: Arthur Seyss-Inquart. Styria, Graz 1970, S. 338-340.
- | Johannes Koll: Arthur Seyss-Inquart und die deutsche Besatzungspolitik in den Niederlanden (1940-1945). Bohlau, Wien 2015, ISBN 978-3-205-79660-2, S. 572-576.
- | Joe Heydecker u. Johannes Leeb: Der Nurnberger Prozess. Kiepenheuer & Witsch, Koln 2015, S. 59.
- | Nuremberg Trial Day 152 (1946) Arthur Seyss-Inquart Direct Dr. Steinbauer (AM), Minute 1:29:55. In: YouTube. 28. Januar 2021, abgerufen am 8. April 2025.
- | zes-en-een-kwart. In: friesverzetsmuseum.nl. Abgerufen am 19. September 2025 (niederlandisch).
- | Stay on? - Verzetsmuseum. In: verzetsmuseum.org. Abgerufen am 19. September 2025 (englisch).
- | Klein verzet - Verzetsmuseum. In: verzetsmuseum.org. Abgerufen am 19. September 2025 (niederlandisch).
- | a b Johannes Koll: Arthur Seyss-Inquart und die deutsche Besatzungspolitik in den Niederlanden (1940-1945). Bohlau, Wien 2015, S. 582.
- | Joe Heydecker, Johannes Leeb: Der Nurnberger Prozess. Kiepenheuer & Witsch, Koln 2015, S. 596 f.
- | Johannes Koll: Arthur Seyss-Inquart und die deutsche Besatzungspolitik in den Niederlanden (1940-1945). Bohlau, Wien 2015, S. 588-590
- | Wie aus einem Gentleman ein Nazi-Schlachter wurde
- | Joe Heydecker u. Johannes Leeb: Der Nurnberger Prozess Kiepenheuer & Witsch, Koln 2015, S. 622.
- | Thomas Darnstadt: Ein Glucksfall der Geschichte. In: Der Spiegel. Nr. 14, 2005, S. 128 (online).
- | Rezension in der Suddeutschen Zeitung vom 14. Februar 2016.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Seyss-Inquart, Arthur |
| KURZBESCHREIBUNG | osterreichischer Politiker (NSDAP), MdR und Jurist |
| GEBURTSDATUM | 22. Juli 1892 |
| GEBURTSORT | Stonarov |
| STERBEDATUM | 16. Oktober 1946 |
| STERBEORT | Nurnberg |
- Bundeskanzler (Osterreich)
- Innenminister (Osterreich)
- Reichsminister (Deutsches Reich, 1933-1945)
- Reichstagsabgeordneter (Deutsches Reich, 1933-1945)
- Mitglied des Staatsrates (Osterreich)
- Politiker (Osterreich im Nationalsozialismus)
- Person des Nationalsozialismus (Osterreich)
- Person (deutsche Besetzung Polens 1939-1945)
- Person (deutsche Besetzung der Niederlande 1940-1945)
- Rechtsanwalt (Osterreich)
- Tater des Holocaust
- Hingerichtete Person (Nurnberger Hauptkriegsverbrecherprozess)
- Verwaltungsjurist
- Jurist (Nationalsozialismus)
- Reichsstatthalter
- Reichskommissar
- NSDAP-Mitglied
- SS-Obergruppenfuhrer
- Mitglied des Deutschen Klubs (Verein)
- Mitglied der Deutschen Gemeinschaft (Osterreich)
- Person im Ersten Weltkrieg (Osterreich-Ungarn)
- Trager des Danziger Kreuzes
- VF-Mitglied
- Absolvent der Universitat Wien
- Person (Deutscher Alpenverein)
- Person (Mahren)
- Osterreicher
- Deutscher
- Geboren 1892
- Gestorben 1946
- Mann