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Hugo Jury

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Hugo Jury (1938)

Hugo Jury (* 13. Juli 1887 in Mahrisch Rothmuhl, Bezirk Zwittau, Mahren, Osterreich-Ungarn; + 8. Mai 1945 in Zwettl) war ein osterreichischer nationalsozialistischer Politiker.

Jugend und Studium

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Jury war der Sohn von Hugo Jury (1856-1931), Oberlehrer in Mahrisch Rothmuhl, und der Julie Jury (1862-1934, geb. Haberhauer). Nach bestandener Matura nahm er 1905 das Studium der Medizin an der Karl-Ferdinands-Universitat Prag auf.[1] Wahrend seines Studiums wurde er 1905 Mitglied der Burschenschaft Ghibellinia zu Prag[2] und 1939 als Alter Herr auch der Wiener akademischen Burschenschaft Teutonia.[3][4] 1908 diente er als Einjahrig-Freiwilliger. Am 29. November 1908 wurde er wahrend einer sogenannten ,,Graben-Schlacht", d. h. einer Auseinandersetzung zwischen deutschnationalen und tschechischnationalen Studenten auf dem Prager-Altstadt-Boulevard ,,Am Graben", mit mehreren Messerstichen verletzt.

Am 31. Oktober 1911 promovierte er zum Dr. med. Am 14. Janner 1913 heiratete er in Wien Karoline Roppert.

Karriere in Osterreich

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Das sogenannte Doktorhaus in Frankenfels, in dem Hugo Jury von 1913 bis 1919 wohnte.

Nach Spitalspraxis im Krankenhaus Brux war Jury vorubergehend Schiffsarzt beim Osterreichischen Lloyd.[5][6] Nach mehreren Seereisen war er von 15. Janner 1913 bis 15. Janner 1919 als Gemeindearzt in Frankenfels tatig.[7] Wahrend des Ersten Weltkrieges war er 1915 kurzzeitig als Landsturmpflichtiger Zivilarzt in der k.u.k. Armee, wurde aber als unentbehrlich im Hinterlande dieser Pflicht enthoben.[1][5] Er war als Chefarzt der Kriegsgefangenen-Offizierslager in Puchenstuben, Wienerbruck und Mitterbach, nicht weit von Frankenfels, eingesetzt.[8]

Am 7. Juli 1918 wurde er fur sein Wirken in der Gemeinde und seine Spenden an die Armen im Ort etc. Ehrenburger von Frankenfels.[9] Ab 15. Janner 1919 war er Facharzt fur Tuberkulose in St. Polten.[5][8]

Jury betatigte sich ab 1927 in der Heimwehr,[10] von der er zum 14. Februar 1931 zur NSDAP ubertrat (Mitgliedsnummer 441.338).[11][6] In St. Polten war er NSDAP-Ortsgruppenleiter und nach der Gemeinderatswahl 1932 Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Gemeinderat.[10] Nachdem in der Zeit des Austrofaschismus die osterreichische NSDAP am 19. Juni 1933 verboten worden war, war er weiterhin im Untergrund fur die NSDAP tatig, wofur er mehrere Male inhaftiert wurde, auch im Anhaltelager Wollersdorf.[5] In seiner Wiener Wohnung soll zeitweise die zweimal wochentlich erscheinende NSDAP-Kampfschrift Die braune Front hergestellt worden sein.[8] Zudem war er Mitglied des deutschnationalen Deutschen Klubs.

Nach dem Juliabkommen wurde er 1936 stellvertretender Landesleiter der illegalen NSDAP und hatte diese Funktion bis 1938 inne.[12] Ab Februar 1937 fuhrte er als Vorsitzender des zur Befriedung der nationalsozialistischen Opposition gebildeten Siebenerausschusses Verhandlungen mit dem austrofaschistischen System.[8] Nach der von Hitler im Berchtesgadener Abkommen erzwungenen Regierungsumbildung wurde Jury am 20. Februar 1938 von Schuschnigg in den Staatsrat berufen[6] und wurde Stellvertreter Arthur Seyss-Inquarts im Volkspolitischen Referat der Vaterlandischen Front.[8]

In der Nacht vom 11. auf den 12. Marz 1938, wahrend des ,,Anschlusses" Osterreichs an das Deutsche Reich, wurde er zum Minister fur soziale Verwaltung in der kurzlebigen Bundesregierung Seyss-Inquart ernannt.[13]

Karriere im Dritten Reich

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Die gleiche Funktion ubte Hugo Jury bis 20. Mai 1938 auch noch in der Landesregierung des Landes Osterreich im Dritten Reich aus.[10] Nach der Reichstagswahl 1938 wurde er Abgeordneter des nationalsozialistischen Reichstages. Am 24. Mai 1938 wurde er Gauleiter des Reichsgaues Niederdonau, sein Stellvertreter wurde am 10. November 1938 Karl Gerland.

Nach dem Anschluss wurde Jury auch ein Eintritt in die SS nahegelegt. Am 12. Marz 1938 wurde er im Rang eines SS-Sturmbannfuhrers in die SS ubernommen (SS-Nummer 292.777), wo er im Juni 1943 bis zum SS-Obergruppenfuhrer aufstieg.[14][8]

Zusatzlich wurden Hugo Jury zahlreiche weitere Funktionen ubertragen: 1938 in der Reichsarbeitskammer und Fuhrer der Landesstelle XVII des Roten Kreuzes, im Marz 1939 Leiter der Parteiverbindungsstelle beim ,,Reichsprotektorat" Bohmen und Mahren, im September 1939 Beauftragter des Reichsverteidigungskommissars fur Niederdonau, 1940 wurde er Reichsstatthalter und Wohnungskommissar, 1942 wurde er selbst Reichsverteidigungskommissar und Bevollmachtigter fur den Arbeitseinsatz (d. h. Zwangsarbeitereinsatz) fur den Reichsgau. Am 16. Juni 1943 wurde er von Heinrich Himmler zum Reichskommissar fur die Festigung deutschen Volkstums in seinem Gau ernannt.[8][10][15]

Hugo Jury war von Anfang an ein Verfechter der nationalsozialistischen Rassenhygiene. So unterstutzte er neben der Familienforderung auch die Verfolgung von Juden, Sinti und Roma, Asozialen und psychisch oder physisch Kranke. In jedem Kreis wurden Stutzpunkte der Deutschen Gesellschaft fur Rassenhygiene eingerichtet.

Jury hatte besonderes Interesse daran, seine Heimatregion Mahren zu ,,germanisieren", manche Verwaltungsbezirke Mahrens waren nun Teil des Reichsgaus Niederdonau (z. B. Neubistritz, Znaim, Nikolsburg). Wirtschaftlich wollte Jury Niederdonau zu einem Mustergau entwickeln. Durch den Betrieb der von Hermann Goring gegrundeten Wiener Neustadter Flugzeugwerke, in denen zeitweise 20.000 Menschen arbeiteten, konnte die Arbeitslosigkeit gesenkt und die Wirtschaft vorerst belebt werden. Zur Deckung der hohen Nachfrage nach Energie durch die Industrie wurde durch die Gauwerke Niederdonau ein einheitliches Strom-Verbundnetz geschaffen und der Ausbau der Erdolforderung wurde vorangetrieben.

Parallel zum Ausbau der Industrie wurde die Landwirtschaft modernisiert und technisiert. Viele bauerliche Betriebe waren 1938 verschuldet und zum Teil von Zwangsversteigerungen bedroht. Unter dem Druck der NSDAP mussten die Glaubiger den Bauern kleine Schulden nachlassen, grosse Schulden wurden auf Antrag bis auf 51 Jahre umgeschuldet. Dadurch wurden die Bauern aber auch vom NS-Herrschaftssystem abhangig und erpressbar gemacht: Neuverschuldung und Verausserungen wurden genehmigungspflichtig und es konnten Betriebsuberwachungen angeordnet werden. Die durch die Entschuldungen freiwerdende Mittel wurden von den Bauern zum Kauf von landwirtschaftlichen Maschinen genutzt. Allerdings zog der rasche Aufbau der Industrie auch Arbeitskrafte von der Landwirtschaft ab.

Unter dem Eindruck militarischer Siege wurden 1941 bereits wirtschaftliche Plane fur die Nachkriegszeit geschmiedet. Niederdonau sollte dabei im Rahmen der kontinentalen Grossraumwirtschaft eine besondere Rolle spielen. Mit dem Dr. Hugo-Jury-Plan wurde ein umfangreicher Katalog von Massnahmen geschaffen, der alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche durchdringen und Niederdonau im nationalsozialistischen Sinne umgestalten sollte. 1942 wurden jedoch infolge des Kriegsverlaufs auf Fuhrerbefehl alle Nachkriegsplanungen eingestellt.

Als der Arbeitskraftemangel in der Landwirtschaft, spater auch in der Industrie, aufgrund des Kriegsbeginns bedrohliche Ausmasse annahm, wurden zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft Kinder und auslandische Zivilarbeitskrafte, spater vermehrt Zwangsarbeiter herangezogen. 1941 waren bereits 88.500 auslandische Arbeitskrafte im Landesarbeitsamtsbezirk Niederdonau-Wien registriert, im Jahr 1943 betrug der Anteil von Zwangsarbeitern in manchen Industriebetrieben uber 70 % der Belegschaft. Schliesslich wurden auch KZ-Haftlinge eingesetzt, um - besonders in der Rustungsindustrie - den Arbeitskraftemangel auszugleichen. Dazu wurden Aussenlager des KZ Mauthausen in Melk, Wiener Neustadt, Wiener Neudorf, Hinterbruhl, Hirtenberg, Schwechat, Amstetten, St. Valentin und St. Aegyd errichtet.[8]

Gegen Kriegsende, als Wien an die Rote Armee zu fallen drohte, verlagerte sich die Gauleitung der NSDAP und die Reichsstatthalterei nach Westen und traf am 3. April in Krems ein.[16] In der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 beging Hugo Jury in Zwettl Selbstmord.

Die Rolle Jurys am Massaker im Zuchthaus Stein wurde nie endgultig geklart. Erwiesen ist jedenfalls, dass einer der Haupttater, der spater dafur zum Tode verurteilte SA-Standartenfuhrer und Kreisstabsfuhrer des Volkssturms fur den Kreis Krems, Leo Pilz ab Marz 1945 zur besonderen Verfugung fur Gauleiter Jury gestellt wurde.[17] Dieser gab spater vor dem Volksgericht an, Jury habe am 6. April 1945 die Niederwerfung des angeblichen Haftlingsaufstandes angeordnet.[18] Der ehemalige Generalstaatsanwalt Johann Karl Stich sagte vor Gericht aus, Jury hatte die Erschiessung der 44 Haftlinge am 15. April 1945 befohlen.[19] Dies konnte zwar genauso gut eine Schutzbehauptung Stichs sein, aber das Gericht ging bei dem Prozess gegen Stich von einer Verantwortung Jurys aus.[20]

Am 7. Dezember 1948 fand ein Volksgerichtsverfahren gegen den abwesenden Beschuldigten Jury gemass SS 24 Volksgerichtsverfahrens- und Vermogensverfallgesetz 1947 wegen seiner illegalen NSDAP-Mitgliedschaft und der Beteiligung an der NSDAP-Machtergreifung in Osterreich statt, in dem auf Vermogensverfall entschieden wurde.[21][22]

Nach einer Aussage von Gottfried von Einem soll Jury eine Affare mit Elisabeth Schwarzkopf gehabt haben.[23]

Einzelnachweise

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  1. | a b Wolfgang Graf: Osterreichische SS-Generale. Himmlers verlassliche Vasallen, Klagenfurt / Ljubljana / Wien 2012, S. 137.
  2. | Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 229.
  3. | Walter Rosenkranz: Die Deutschen Burschenschaften Osterreichs in der Ersten Republik und im Standestaat 1918-1938. In: Martin Graf (Hrsg.): 150 Jahre Burschenschaften in Osterreich. Gestern, heute, morgen. Ares-Verlag, Graz 2009, ISBN 978-3-902475-82-4, S. 57.
  4. | Bernhard Weidinger: "Im nationalen Abwehrkampf der Grenzlanddeutschen". Akademische Burschenschaften und Politik in Osterreich nach 1945. Bohlau, Wien/Koln/Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79600-8, S. 83.
  5. | a b c d Hugo Jury in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
  6. | a b c Jury, Hugo. In: Osterreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950 (OBL). Band 3, Verlag der Osterreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 157 f. (Direktlinks auf S. 157, S. 158).
  7. | Bernhard Gamsjager und Ernst Langthaler (Hrsg.): Das Frankenfelser Buch. Frankenfels 1997, Seite 378.
  8. | a b c d e f g h Klaus-Dieter Mulley: Gauleiter und Reichsstatthalter: Dr. Hugo Jury. In: Niederosterreichisches Landesarchiv (Hrsg.): Niederosterreich im 20. Jahrhundert: Politik. Band 1. Bohlau Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-205-78197-4, S. 79 ff. (eingeschrankte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. | Bernhard Gamsjager und Ernst Langthaler (Hrsg.): Das Frankenfelser Buch. Frankenfels 1997, Seite 264.
  10. | a b c d Gertrude Enderle-Burcel, Johannes Kraus: Christlich - Standisch - Autoritar: Mandatare im Standestaat 1934-1938. Hrsg.: DOW und Osterreichische Gesellschaft fur historische Quellenstudien. Wien 1991, ISBN 3-901142-00-2, S. 116 f.
  11. | Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/14320211
  12. | Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 293.
  13. | Otto Helmut Urban: Kabinett Seyss-Inquart: Die letzte osterreichische Bundesregierung der 1. Republik. ORF, abgerufen am 1. Oktober 2017.
  14. | Bundesarchiv R 9361-III/534004
  15. | Wolfgang Graf: Osterreichische SS-Generale. Himmlers verlassliche Vasallen, Klagenfurt / Ljubljana / Wien 2012, S. 138.
  16. | Landesgericht Wien (Hrsg.): Urteil des LG Wien als Volksgericht gegen Leo Pilz u. a. vom 30. August 1946. 30. August 1946, S. 44 (Online [PDF; 366 kB; abgerufen am 27. Oktober 2021] auf der Website des Dokumentationsarchiv des osterreichischen Widerstandes (DOW)).
  17. | Landesgericht Wien (Hrsg.): Urteil des LG Wien als Volksgericht gegen Leo Pilz u. a. vom 30. August 1946. 30. August 1946, S. 39 (Online [PDF; 366 kB; abgerufen am 27. Oktober 2021] auf der Website des Dokumentationsarchiv des osterreichischen Widerstandes (DOW)).
  18. | Landesgericht Wien (Hrsg.): Urteil des LG Wien als Volksgericht gegen Leo Pilz u. a. vom 30. August 1946. 30. August 1946, S. 55 (Online [PDF; 366 kB; abgerufen am 27. Oktober 2021] auf der Website des Dokumentationsarchiv des osterreichischen Widerstandes (DOW)).
  19. | Dr. Stich hat vierundvierzig Hinrichtungen befohlen. In: Arbeiter-Zeitung. Nr. 123. Vorwarts-Verlag, Wien 29. Mai 1948, S. 4 (Online auf der Website der AZ).
  20. | Matthias Keuschnigg: Johann Karl Stich. In: Bibliotheksverein im Landesgericht fur Strafsachen Wien (Hrsg.): Die Geschichte des Grauen Hauses und der osterreichischen Strafgerichtsbarkeit. BMJ, Wien Juni 2012, S. 56-58 (web.archive.org [PDF; 12,3 MB; abgerufen am 27. Oktober 2021]).
  21. | Hellmut Butterweck: Nationalsozialisten vor dem Volksgericht Wien: Osterreichs Ringen um Gerechtigkeit 1945-1955 in der zeitgenossischen offentlichen Wahrnehmung. StudienVerlag, Innsbruck 2016, ISBN 978-3-7065-5833-4 (eingeschrankte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  22. | Reinhard Tenhumberg: LG Wien Vg 11 Vr 3207/48. In: www.tenhumbergreinhard.de. Abgerufen am 30. September 2017.
  23. | Michael H. Kater (siehe DNB) in der englischen Tageszeitung The Guardian 24. August 2006 Triumph of the wilful.
Personendaten
NAME Jury, Hugo
KURZBESCHREIBUNG osterreichischer Arzt und Politiker (NSDAP), Mitglied des Reichstags
GEBURTSDATUM 13. Juli 1887
GEBURTSORT Radimer
STERBEDATUM 8. Mai 1945
STERBEORT Zwettl