Alte Musik
Alte Musik bezeichnet europaische Musikstile aus verschiedenen Epochen der klassischen Musik. Alte Musik reicht vom fruhen Mittelalter uber die Musik der Renaissance bis zum Spatbarock, also etwa zum Jahr 1750. Gelegentlich wird auch der lateinische Ausdruck Musica antiqua und international der englische Begriff Early Music verwendet.
Auffuhrung und Aufnahmen Alter Musik sind im Wesentlichen eine Domane spezialisierter Musiker und Ensembles, da besondere historische Musikinstrumente und viel Fach- und Praxiswissen uber Musikgeschichte, Instrumentenkunde, Spielweisen, Stimmungssysteme etc. vorliegen mussen, um herauszufinden, wie die Musik fruherer Epochen geklungen haben konnte.
Die Versuche der Rekonstruktion stutzen sich auf Bilddokumente und Notentexte (siehe Notationen). Alte Musik wurde in England fast luckenlos von Generation zu Generation weiter uberliefert. Dennoch veranderte sich die Musik durch den Vorgang des Weitergebens (Tradierens).
Durch die sorgfaltige und aufwandige Editionsarbeit von Musikhistorikern, Musikwissenschaftlern und Musikverlagen im 19. und 20. Jahrhundert ist im 21. Jahrhundert ein grosser Teil von Kompositionen der Alten Musik der Forschung, dem Konzertleben sowie der allgemeinen Musizierpraxis wieder zuganglich geworden und fur die Zukunft gesichert.
Zeitlicher Ablauf, Uberblick und die Problematik von Gliederungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alte Musik spannt sich vom fruhen Mittelalter zum spaten Barockzeitalter. Sie setzt sich aus einer Kette sehr verschiedener Musikepochen und unterschiedlicher, auch haufig regional zu differenzierenden musikalischen Schulen zusammen. Dabei lasst sie sich folgendermassen grob untergliedern:
- Musik des Barock
- Fruhbarock (etwa 1600 bis 1650), unter italienischer Dominanz;
- letzte Englische Virginalisten
- Clavecinisten
- Hochbarock (etwa 1650 bis 1710)
- Spatbarock (etwa 1710 bis 1750), mit Tendenz zur Vereinigung regionaler Stile und Ubergang zu Fruhklassik;
Hugo Riemann lehnte den Renaissancebegriff als musikgeschichtlichen Epochenbegriff ab und nutzte stattdessen einen Stilbegriff, namlich ,,Musik des durchimitierenden a cappella-Stils". Dementsprechend nannte Riemann die barocke Musik die ,,Musik des Generalbasszeitalters".[1]
Auch Ludwig Finscher verwendete in seinem Handbuch der Musikgeschichte von 1989 den Begriff der Renaissancemusik nicht. Er sprach stattdessen von der ,,Musik des 15. und 16. Jahrhunderts". Arnold Feil vermied gleichfalls in seiner Musikchronik von 2005 bewusst den Begriff Renaissance, weil ,,die Musikgeschichte ... keine Renaissance wie die anderen Kunste" kennt.[2]
Selbst die herkommliche Abfolge und Aneinanderreihung wie Mittelalter - Renaissance - Barock - Klassik - Romantik bleibt nach Arnold Feil ,,fur die Musik ja doch (eine) geborgte Reihe", dazu ,,von merkwurdiger Inkonsequenz. Jede Bezeichnung ist woanders hergeholt, keine passt ihrer Herkunft nach zur andern, keine lasst sich mit der andern vergleichen".[3] ,,Die Vorstellung vom Gansemarsch der Stile ist unausrottbar".[4] Sie mussten, ,,so glaubt man allgemein, aufeinander folgen wie die Epochen der Erdgeschichte aufeinander folgen, die die Naturwissenschaften und die Evolutionstheorie uns vorstellen. Aber die Kunst als ein Phanomen des Geistes entwickelt sich nicht in vergleichbar naturlichen Prozessen". Manche Musikwerke entstehen im selben Jahrhundert und bleiben dennoch durch eine Welt von den andern getrennt.
Ahnlich praktizieren die Veranstalter der Tage Alter Musik Regensburg inzwischen eine begriffliche und sachliche Aufweitung: ,,Die sogenannte ,,Alte Musik", die auf keine Epoche beschrankt ist und die Zeitraume vom Mittelalter bis zur Romantik erfasst, bedeutet nach unserem Verstandnis nichts anderes als eine neue, ja die innovative asthetische Beerbung der Musiktradition, welche die historische Auffuhrungspraxis zur Maxime hat."[5]
Oft wird deshalb die Musikgeschichte im 21. Jahrhundert durch die Geschichtsschreibung, etwa bei Richard Taruskin, einfach nur noch in Jahrhunderte gegliedert.[6]
Entwicklung des Begriffes der Alten Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Begriff Alte Musik im Mittelalter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits im Mittelalter gab es eine Unterscheidung zwischen ,,Alter" und ,,Neuer Musik". Ab 1320 wurde der nun uberwundene Musikstil als Ars antiqua (,alte Kunst' bzw. ,Musik') bezeichnet und die fortan komponierte neue Musik, die Ars nova, als Uberwindung dieses alten Stils gefeiert.
Alte Musik und die burgerliche Musikkultur des 19. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit dem Entstehen des burgerlichen Konzertlebens um 1800 begann sich ein Repertoire herauszubilden, das die vorklassische Musik weitgehend ausser Acht liess und sich auf die gerade neu entstehenden Kompositionen konzentrierte. Die Haltung der breiten burgerlichen Musikkultur dieser Zeit fasste Eduard Hanslick in den Worten zusammen: ,,Fur unser Herz beginnt sie [die Musik] mit Mozart, gipfelt in Beethoven, Schumann und Brahms."[7]
Die Werke Johann Sebastian Bachs wurden nach seinem Tod 1750 zwar von anderen Komponisten studiert, aber nicht mehr fur ein breites Publikum aufgefuhrt. Die Auffuhrung der Matthauspassion durch Felix Mendelssohn Bartholdy 1829 gilt als Beginn einer breit angelegten Bach-Renaissance. Seither werden Bachs Werke auch wieder von einer musikalischen Offentlichkeit geschatzt.
Die Romantik und der Historismus spielten eine wesentliche Rolle dabei, dass sich die Faszination fur Musik vergangener Epochen auch in der Musikpraxis niederschlug. Immer wieder haben sich Komponisten an bedeutenden Vorgangern abgearbeitet. Auch die Musikwissenschaft bemuhte sich um systematische Uberblicke. Beispielhaft seien wegweisende Monographien von Wilhelm Joseph von Wasielewski zur Geschichte der europaischen Instrumentalmusik genannt, in denen die Wurzeln in der Alten Musik gesucht und dargestellt werden. Dazu gehort Die Violine und ihre Meister. (Leipzig 1869), Die Violine im XVII. Jahrhundert und die Anfange der Instrumentalcomposition (Bonn 1874) und die Geschichte der Instrumentalmusik im XVI. Jahrhundert (Berlin 1878).
Im Musikleben aber hatten die Auffuhrungen der Musik vergangener Epochen ansonsten keine Rolle gespielt, da man sie jeweils als uberholt ansah.
Alte Musik im Kontext des 20. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alte Musik moglichst mit historisch korrektem Klangbild auffuhren zu konnen, ist - mit Ausnahme von England - in Europa erst wieder ein Anliegen des 20. Jahrhunderts.
Der Begriff ,,Alte Musik" gewann allgemein seit den Reformbewegungen der 1920er Jahre an Bedeutung, als im Zuge der Belebung der historischen Auffuhrungspraxis verstarkt Nachbauten von originalen Instrumenten angefertigt und verwendet wurden. Die Altmusik-Bewegung verstand sich als Kontrast und Korrektiv zum herkommlichen Konzertrepertoire. Die Klanglichkeit der Alten Musik, egal wie sie aufgefasst wurde, stand auf jeden Fall im scharfen Kontrast zur spatromantischen Tonalitat und Fulle der Klangfarben.
Zum Begriff der Alten Musik entwickelte sich der Gegenbegriff Neue Musik, der 1919 von Paul Bekker gepragt wurde.[8] Bekker setzte sich fortan fur deren erste Wegbereiter ein: Gustav Mahler, Franz Schreker, Arnold Schonberg und Ernst Krenek.[9]
Alte Musik drangte Musikwissenschaftler, die Grundlagen derselben wieder zu verstehen. Rudolf von Ficker schrieb beispielsweise seine musikwissenschaftliche Dissertation 1913 an der Wiener Universitat bei Guido Adler uber die Die Chromatik im italienischen Madrigal des 16. Jahrhunderts. Knud Jeppesen wurde 1922 ebendort bei Adler uber das Thema Die Dissonanzbehandlung in den Werken Palestrinas promoviert. Der Dane wurde sodann Verfasser des systematischen Lehrwerkes Kontrapunkt. Lehrbuch der klassischen Vokalpolyphonie.
Alte Musik im Kontext des 21. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Neuausgabe der Enzyklopadie Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG 1999-2007; 27 Bande) sucht man vergeblich einen Artikel ,,Alte Musik". Freilich wurden in Artikeln wie ,,Historismus" und ,,Auffuhrungspraxis" Aspekte der Alten Musik abgehandelt - aber dennoch: ,,Es hatte geradezu ein Definitionszwang bestanden",[10] stellte Bernhard Morbach fur die Situation im 21. Jahrhundert fest. Morbach vermutet weiter: ,,Dass sich die Musikwissenschaft in Deutschland nach wie vor einer Diskussion uber das Phanomen Alte Musik verweigert, kann ein Hinweis darauf sein, dass man nicht wahrhaben will, dass sie in der Musikkultur seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer erfolgreichen Konkurrenz der Neuen Musik geworden ist, deren Entwicklung man eine grosstmogliche Bedeutung beimisst."
Wiedergewinnung historischer Instrumente fur die Musikpraxis
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einige Musikinstrumente waren bis zum 19. Jahrhundert und auch schon fruher ausser Gebrauch geraten und konnten im 20. Jahrhundert im Zuge der Neubewertung und Neuentdeckung Alter Musik fur die Musikpraxis wiedergewonnen werden. Die Originalklang-Bewegung nahm ihren Anfang 1905 in Munchen. Damals entstand das erste deutsche Ensemble, das sich um eine moglichst stilgetreue Interpretation Alter Musik auf historischen Instrumenten bemuhte: die Deutsche Vereinigung fur Alte Musik.[11]
Wieder neu gewonnene Instrumente fur die Alte Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zink
Der Zink war beispielsweise fast unbekannt geworden. Seit den spaten 1970er Jahren erfuhr dieses Instrument eine intensive Wiederbelebung im Zuge der Neuentdeckung der Alten Musik. Heute gibt es wieder Zinkenisten und zugleich Instrumentenbauer, die Instrumente herstellen, die denen aus der Blutezeit des Zinken ebenburtig sind.
- Bassetthorn, Dulzian, Kortholt, Krummhorn, Pommer, Rankett, Schalmei, Serpent,
Ahnlich liegen die Dinge bei Blasinstrumenten wie Bassetthorn und Serpent. Otto Steinkopf baute als erster im 20. Jahrhundert eine Anzahl von Renaissance- und Barockinstrumenten. Er kopierte Krummhorner, Kortholte, Rankette, Dulziane, Schalmeien und Pommern, und Zinken,[12] daruber hinaus auch Barockfagotte und Barockoboen. Er gilt als ein ,,Nestor der Wiederbelebung historischer Holzblasinstrumente".[13]
Ahnlich wie Otto Steinkopf baute Gunter Korber Renaissance-Instrumente in ganzen Stimmwerken: Krummhorner, Kortholte, Rauschpfeifen, Querfloten, Pommern, Schalmeien, Dulziane (darunter auch Quartbassdulziane), Rankette, Zinken und Dudeys; daruber hinaus Barock-Instrumente: Traversfloten, Barockoboen, Barockfagotte und Chalumeaux. Sein Katalog umfasste zeitweilig uber funfzig verschiedene Instrumente. Seine guten Kontakte nach Grossbritannien und in die USA stimulierten dort die Alte-Musik-Bewegung und den Bau historischer Holzblasinstrumente.
- Blockflote
Arnold Dolmetsch gilt als einer der fruhesten Pioniere bei Themen der historischen Auffuhrungspraxis und wird in diesem Zusammenhang mit der Wiederentdeckung der Blockflote im 20. Jahrhundert in Verbindung gebracht. 1919 stellte er einen Nachbau einer Alt-Blockflote nach historischem Vorbild vor.
Zur Auffuhrung alter Musik werden sogenannte Ganassi-Floten von verschiedenen Flotenbauern nachgebaut, die auf Instrumente von Sylvestro Ganassi aus dem Jahre 1535 zuruckgehen.
- Laute
Mit der Wiederentdeckung der Alten Musik erfuhr auch die Laute in ihren verschiedenen Formen wahrend des 20. Jahrhunderts eine Wiederbelebung. Walter Gerwig begann in der Wandervogelbewegung zunachst das Gitarrenspiel. 1923 lernte er auf einer Instrumentenausstellung in Berlin die Laute kennen, die ihn sofort faszinierte. Er verfeinerte auf ihr seine Technik und brachte es zur Konzertreife. Durch seine international stattfindenden Konzerte trug Gerwig massgeblich zu einer Renaissance der Laute und des Lautenrepertoires sowohl in Europa als auch in Amerika bei. So beforderte er das Interesse an der Alten-Musik-Bewegung. Julian Bream gehorte zu den Musikern, die ebenfalls die Laute wieder popular machten. Mit dem Tenor Peter Pears gab Bream als Lautenist in den 1950er- und 60er-Jahren zahlreiche Liederabende mit Werken englischer Renaissance-Komponisten (John Dowland, Thomas Morley usw.); durch diese Zusammenarbeit und als Lautensolist hat Bream einem grossen Publikum die Musik des 16. Jahrhunderts, der Elisabethanischen Zeit, nahegebracht.
- Cembalo
Die Wiederentdeckung des Cembalos im fruhen 20. Jahrhundert ist mit der Wiederentdeckung der Barockmusik verbunden. Hierbei ist das Wirken der Pianistinnen und Cembalistinnen Wanda Landowska und Eta Harich-Schneider hervorzuheben. Beide haben durch ihre rege Konzert- und Lehrtatigkeit das Instrument und die dazugehorende Musizierweise einem breiten Publikum bekannt gemacht.[14][15]
Im Schloss von Bad Krozingen befindet sich seit 1974 eine Sammlung von rund funfzig historischen Tasteninstrumenten, die der Cembalist und Freiburger Hochschullehrer Fritz Neumeyer ab 1930 zusammengetragen hat. Seine beiden Schuler Rolf Junghanns und Bradford Tracey haben die Sammlung geerbt und erganzt. Einige dieser Instrumente sind bespielbar und regelmassig bei den Bad Krozinger Schlosskonzerten zu horen.
- Orgel
Auch die Orgel wurde als ein Instrument der Alten Musik wiederentdeckt. Gustav Fock verfasste zahlreiche musikgeschichtliche Abhandlungen, insbesondere uber die alte norddeutsche und niederlandische Orgelkultur und veranstaltete Orgelfahrten, um die historischen Orgeln einem breiten Publikum zu erschliessen. In besonderer Weise galt sein Interesse der Orgel in Hamburg, St. Jacobi von Arp Schnitger, die in ihrem Grundbestand ins 16. Jahrhundert zuruckgeht. Die Orgelbewegung war eine Stromung etwa in der Zeit von 1920 bis 1970/1980.[16] Sie legte ihren Schwerpunkt als bewusste Abkehr von der romantischen Orgel auf die Wiederbelebung der norddeutschen Orgel aus der Barockzeit.[17] Harald Vogels wichtiges Anliegen ist die Vermittlung der alten Spielweise auf historischen Orgeln. Sein Konzept ist es, auf den Originalinstrumenten aus Gotik, Renaissance und Barock die jeweilige Orgelliteratur in der entsprechenden Auffuhrungspraxis und Spielweise (historische Fingersatze, Agogik, Registrierung) zur Darstellung zu bringen.
- Streichinstrumente
Der Cellist Nikolaus Harnoncourt und die Geigerin Alice Harnoncourt studierten nach der Zeit des Zweiten Weltkrieges sowohl die musikalische Auffuhrungspraxis der Renaissance als auch des Barocks und erkundeten die Klangmoglichkeiten alter Instrumente.[18] Gunther Hellwig nahm nach seiner Ruckkehr aus dem Zweiten Weltkrieg den Instrumentenbau in Lubeck wieder auf und konzentrierte sich dabei auf den Bau von Gamben.
- Hammerflugel
Auch der historische Hammerflugel erlebte peu a peu eine Wiederkehr ins Konzertleben. Bereits ab 1980 spielte der Tenor Ernst Haefliger uber mehrere Jahre hinweg die wichtigsten Liederzyklen von Franz Schubert zusammen mit dem Pianisten Jorg Ewald Dahler auf dem Hammerflugel statt mit dem modernen Konzertflugel ein.[19]
Sogenannte ,,Bachinstrumente"
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem langen Weg der Wiedergewinnung von Instrumenten fur die Wiedergabe der Alten Musik gab es aber auch Schritte und Entwicklungen, die sich nicht weiter durchgesetzt haben.
Bachklavier
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Karl Maendler trat zu Beginn der 1920er Jahre mit einem Instrument an die Offentlichkeit, das als ,,Bachklavier" bezeichnet wurde. Dieses Cembalo verfugte uber eine sehr umfangreiche, sogenannte ,,dynamische" Registrierung. Ein Instrument der Serie aus dem Jahr 1925, das im Deutschen Museum in Munchen aufbewahrt wird, besitzt acht Pedale, um die diversen Register zu aktivieren und zu kombinieren.[20] Es hat wenig mit einem Cembalo der Bachzeit zu tun und noch weniger mit einem Klavier.
Bach-Bogen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Albert Schweitzer hing mit anderen Forschern seiner Zeit der falschen Vorstellung an, das gleichzeitige Streichen von bis zu vier Saiten sei in der Barockzeit mit einem Rundbogen ublich gewesen, insbesondere im Hinblick auf Bachs Solowerke fur Violine. In seinem Buch uber Johann Sebastian Bach (1905) machte er diesen Irrtum popular. Schweitzers Forderung nach einem Bach-Bogen, der ein wahrhaft polyphones Violinspiel ermoglicht, hangt moglicherweise damit zusammen, dass er selbst Organist war und der polyphone Orgelklang ohnehin als typischer Bach-Klang galt.
Bachtrompete
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Julius Kosleck war einer der ersten Trompeter, der eine gerade, zweiventilige Trompete in hoch A spielte. Er begrundete die Idee zur Verkurzung der Trompeten bis zu unserer heutig bekannten Piccolotrompete, welche dann im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde, um die hoch liegenden Trompetenpartien der Barockmusik darzustellen. Kosleck gilt zudem als ,,Erfinder" des falschen Begriffes Bachtrompete.[21] Johann Sebastian Bach hat aber nie ein derartiges Instrument gesehen oder gehort, da die Ventile erst Anfang des 19. Jahrhunderts erfunden wurden. Ahnlich liegen die Dinge beim Corno da caccia.
Barocktrompete
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Wiederbelebung der ,,echten", historisch verburgten Barocktrompete im 20. Jahrhundert geschah allerdings vergleichsweise zogerlich, da ihr Spiel die Ausfuhrenden vor grossere Probleme stellte als bei anderen Instrumenten. So galten noch bis in die 1950er-Jahre die Trompetenpartien bei Bach als unspielbar. Bachs Trompetenpartien wurden teils eine Oktave tiefer, teils auch auf einem anderen Instrument (meist auf der Klarinette, spater auch auf dem Sopransaxophon) gespielt und manchmal sogar auf mehrere Spieler verteilt. Jahrelang war Adolf Scherbaum weltweit der einzige Trompeter, der das 2. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach seit der Barockzeit uberzeugend offentlich vortragen konnte. Allerdings war auch sein Instrument noch keine Trompete im Sinne der Barockzeit.
Edward H. Tarr war bekannt fur seine Verdienste um die Wiederbelebung historischer Blechblasinstrumente (z. B. Barocktrompete und Zink) samt deren Spielweise. Von 1985 bis 2004 war er Direktor des Trompetenmuseums Bad Sackingen, wo die Instrumente auch aus der Zeit der Alten Musik gesammelt und ausgestellt werden. Don Smithers war an der ersten Gesamtaufnahme der Kantaten J.S. Bachs auf Originalinstrumenten unter Gustav Leonhardt und Nikolaus Harnoncourt beteiligt. Als erster in unserer Zeit spielte er Partien wie die der Kantaten BWV 77, Du sollt Gott, deinen Herren, lieben und BWV 90, Es reisset euch ein schrecklich Ende auf der Kopie einer historisch getreuen Naturtrompete ohne Hilfsmittel und mit einem authentischen Mundstuck aus dem 18. Jahrhundert.
Zur Geschichte der Wiedergewinnung und neuerlichen Verwendung der Instrumente in der Alten Musik
- Siehe auch: Historische Auffuhrungspraxis
Bilder von europaischen Orgeln, auf denen die Wiedergabe Alter Musik gepflegt wird
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Europa sind Orgeln aus der Gotik, Renaissance und dem Barock zur authentischen Wiedergabe Alter Musik spiel- und horbar. Zum Teil ist auch am Spieltisch noch die originale Tastatur, zum Beispiel Belage in Elfenbein oder Knochen, unverandert erhalten.[22]
Typische Beispiele sind:
-
Gotische Orgel in der Kirche Rysum (um 1440 oder 1457)
-
Renaissance-Orgel der Hofkirche Innsbruck (Jorg Ebert, 1561)
-
Norddeutsche Barockorgel in Hamburg, St. Jakobi (Arp Schnitger, 1688-1693)
-
Italienische Barockorgel der Basilika San Giorgio Maggiore in Venedig (Pietro Nacchini, 1750)
Museen mit dem Instrumentarium der Alten Musik (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einige Musikmuseen in Europa und Amerika geben die Entwicklung der Alten Musik - zum Teil museumspadagogisch aufbereitet - meist ab dem 15. Jahrhundert im Blick auf das dazugehorende Instrumentarium wieder.
Zu diesen Hausern gehoren unter anderem:
Seit dem 19. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1853: Die Musikinstrumenten-Sammlung des Germanischen Nationalmuseums in Nurnberg enthalt Instrumente aller Gattungen aus dem Bereich der Alten Musik ab dem 16. Jahrhundert. Die seit dem Tag der Grundung des Museums bestehende Musikinstrumentensammlung zahlt zu den umfangreichsten in Europa und dokumentiert die Geschichte der Musikinstrumente im deutschsprachigen Raum.
- 1870: Sammlung alter Musikinstrumente in Wien; diese Sammlung alter Musikinstrumente verfugt uber einen der weltweit bedeutendsten Bestande an Renaissance- und Barockinstrumenten.
- 1870: Metropolitan Museum Musikabteilung in New York mit bemerkenswerten Instrumenten aus dem Barock und der Renaissance.
- 1877: Musikinstrumentenmuseum in Brussel mit europaischen Instrumenten in ihrer Entwicklung seit dem Mittelalter
- 1888: Musikinstrumenten-Museum Berlin mit italienischen Meistergeigen von Amati, Guarneri und Antonio Stradivari sowie flamischen Kielinstrumenten
- 1893: im Musikinstrumentenmuseum der Universitat Leipzig sind einige Fachabteilungen thematisch dem Bereich der Alten Musik gewidmet.
Seit dem 20. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1901: Haus der Musik in Stuttgart als Teil des Landesmuseums Wurttembergs
- 1930: Geigenbaumuseum Mittenwald mit einem Schwerpunkt bei Streichinstrumenten aus der Barockzeit
- 1949: Museum fur Musikinstrumente in Posen mit Violinen der polnischen Geigenbauerfamilien Groblicz und Dankwart, Orgelpositive aus dem 16. und 17. Jahrhundert und weiteren Instrumenten
- 1970: Instrumentenmuseum am Royal College of Music in London mit 800 Instrumenten
- 1995: Musikmuseum in der Cite de la musique von Paris, hauptsachlich Instrumente der Musik des 17. Jahrhunderts bis heute: Lauten, Violinen aus Italien von Antonio Stradivari, Guarneri und Nicolo Amati; diverse franzosische und flamische Cembali. Die Instrumente sind nach Epochen und Typen gegliedert aufgestellt. Uber Kopfhorer konnen Besucher Erklarungen zu den Instrumenten und zur darauf gespielte Musik horen.
Seit dem 21. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2000: Musikmuseum Basel mit 650 Instrumente ab dem 16. Jahrhundert
- 2008: die Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom bekommt ein Instrumentenmuseum, in dessen Ausstellung sich 130 Instrumente befinden.[23]
Bilder historischer Instrumente in europaischen Musikmuseen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]-
Ein bemaltes flamisches Virginal von Andreas Ryff (1550-1603) aus dem Jahre 1572 im Musikmuseum Basel
-
Ein barocker Kontrabass aus dem Jahr 1666, der am Wirbelkasten zum oberen Halsende hin statt der Schnecke von einem geschnitzten holzernen Lowenkopf geziert wird. Dieser Bass hat vier seitenstandige, ebenfalls verzierte, schwarze Wirbel zum Stimmen der vier Darmsaiten; Exponat im Musikmuseum Basel
-
Eine Lira da braccio mit Maskaron von Giovanni d'Andrea veronese aus dem Jahr 1511, heute in der Sammlung alter Musikinstrumente in Wien
-
Sammlung von zehn verschiedenen historischen Zinken in gekrummten und geraden Formen, in hellen und dunklen Materialien, mit metallischen und nichtmetallischen Mundstucken, unverziert und mit Schnitzmuster ausgerustet; Vitrine im Musikmuseum in der Cite de la musique von Paris
Archive fur Autographe und historische Notendrucke der Alten Musik (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit der wachsenden Kenntnis und Wertschatzung Alter Musik kam es nach und nach auch zu einer gezielten Archivierung und Zuganglichmachung des historischen Notenmaterials dieser Musik, seien es Autographe, Handschriften oder fruhe Notendrucke. Als Beispiele seien genannt:
Archive
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- seit 1950 das Bach-Archiv Leipzig
- seit 1954 das Deutsche Musikgeschichtliche Archiv, das die weltweit grosste Mikrofilmsammlung mit Quellen vor allem zur deutschen Musikgeschichte des spaten 15. bis fruhen 19. Jahrhunderts darstellt. Alle Quellen im DMgA liegen auf Mikrofilmen bzw. Mikrofiches vor. Lag der Schwerpunkt zu Beginn auf dem Zeitraum der Alten Musik von 1450 bis 1700, so wurde die Sammlung des Archivs im Lauf der Zeit bis ins fruhe 19. Jahrhundert erweitert.
- seit 1988 das Heinrich-Schutz-Archiv; inzwischen nennt sich die Einrichtung in Dresden mit einem deutlich erweiterten Auftrag Forschungsinstitut fur mitteldeutsche Musikgeschichte. Die Bezeichnung Archiv leitet sie von ihrer umfangreichen Mikrofilmsammlung von Text- und Notenquellen her.
- seit 2014 wieder neu zuganglich die Musiksammlung Benediktinerkloster Mariastein
Bibliotheken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die spatestens 719 gegrundete Stiftsbibliothek St. Gallen gehort zu den bedeutendsten historischen Bibliotheken der Welt. Die Neumenhandschriften, insbesondere diejenigen aus dem Codex Sangallensis 359, haben fur die Restitution des Gregorianischen Chorals grosse Bedeutung.
In der Staatsbibliothek zu Berlin befinden sich 80 Prozent aller Autographe Johann Sebastian Bachs,[24] aber auch andere Werke aus dem Bereich der Alten Musik.
In der Herzog August Bibliothek in Wolfenbuttel werden Musikhandschriften der gesamten europaischen Musikgeschichte von der Einstimmigkeit bis zur Vorklassik aufbewahrt, wobei die Schwerpunkte im Mittelalter und in der Fruhen Neuzeit liegen. Darunter Handschriften mit dem Repertoire der fruhen Polyphonie der Kathedrale Notre Dame zu Paris, die Lautentabulaturen Philipp Hainhofers und die Erstfassung der Johannes-Passion von Heinrich Schutz.[25]
Die British Library in London ist im Besitz von Notenblattern aus der Hand von Georg Friedrich Handel.[26]
Die Musikbibliothek der Accademia Filarmonica in Bologna, der Padre Martini 17.000 Bande und Handschriften vermachte, zahlt weltweit zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art; ein grosser Teil der Bestande ist bislang ungesichtet. Auch Carlo Antonio Campioni verfugte uber eine reichhaltige Musikbibliothek, von der Charles Burney 1772 behauptete: Nachst dem Padre Martini hat er die grosste Sammlung von alter Musik, besonders Madrigale vom 16. und 17. Jahrhundert, die ich jemals gesehen habe.[27]
Die Musiksammlung der Osterreichischen Nationalbibliothek ist das grosste Musikarchiv Osterreichs. Ein entscheidender Zuwachs war 1826 die Ubernahme der Altbestande der Wiener Hofmusikkapelle mit Werken aus dem Bereich Alte Musik.
Die Bayerische Staatsbibliothek in Munchen unterhalt eine international bedeutende Musikbibliothek ersten Ranges mit reichen Bestanden im Bereich Alte Musik, die bis in das 16. Jahrhundert zuruckgehen und die uber mehr als 1.400 Notendrucken aus dieser Zeit verfugt.
Auch in Landesbibliotheken finden sich oft grosse Bestande an Alter Musik; so bewahrt die Wurttembergische Landesbibliothek in Stuttgart viele mittelalterliche Musikhandschriften sakularisierter Kloster, etwa die Lorcher Chorbucher. Ebenso befinden sich grossformatige Chorbucher der ehemaligen Hofkapelle Stuttgart und eine der grossten Gesangbuchsammlungen Deutschlands mit historischen Choralen.
Die Universitats- und Landesbibliothek Darmstadt verwahrt in ihrer Musiksammlung 4.774 Autographe vor allem aus barocker und fruhklassischer Zeit, in deren Zentrum das Gesamtwerk des Darmstadter Hofkapellmeisters Christoph Graupner steht.
Der Bestand der Diozesanbibliothek Munster umfasst auch die Santini-Sammlung des italienischen Priesters, Komponisten und Musik-Sammlers Fortunato Santini (1778-1861). Diese Sammlung, die sich seit 1855 im Besitz des Bistums Munster befindet und 1862 von Rom nach Munster verbracht wurde, gilt als eine der umfangreichsten und wertvollsten Quellen fur italienische Musik. Sie enthalt etwa 20.000 Titel in Form von ungefahr 4.500 Handschriften und 1.200 Drucken aus der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert.
Die Furstlich zu Bentheim-Tecklenburgische Musikbibliothek Rheda besitzt 985 Handschriften und 1053 gedruckte Musikalien. Der in Hohenlimburg aufgebaute altere Bestand weist vor allem Handschriften auf, aber auch Musikdrucke der Amsterdamer Verlage Estienne Roger und Michel-Charles Le Cene wie etwa von Arcangelo Corelli, Willem de Fesch, John Loeillet, Georg Philipp Telemann und Antonio Vivaldi.
Die Furst zu Bentheimsche Musikaliensammlung Burgsteinfurt ist eine im 18. Jahrhundert angelegte Musikbibliothek des Furstenhaus zu Bentheim und Steinfurt. Die Musikaliensammlung enthalt 734 Handschriften, 1152 gedruckte Musikalien, fast 500 Textbucher (Opernlibretti und Theatertexte) sowie einige theoretische Schriften wie u. a. musikalische Zeitschriften und Verlagskataloge.
Die Musiksammlung Nordkirchen gehort seit 1991 zum Bestand der Universitats- und Landesbibliothek Munster (Nordrhein-Westfalen).
Historische Sammelbande und Sammlungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zuweilen haben sich Zusammenstellungen der Mittelalter-, Renaissance- und Barockmusik in alten Ausgaben, Sammlungen und Archiven erhalten, die verschiedene Komponisten oder Werke aus diversen Quellen in historischer Weise bundeln.
- Das Buxheimer Orgelbuch ist eine historische Sammlung von alter Orgelmusik ab 1460
- Die Linzer Orgeltabulatur ist eine historische Sammlung von Orgelmusik ab 1611
- Der Schranck No: II war ein Notenschrank in der Katholischen Hofkirche in Dresden, in dem die von Johann Georg Pisendel im 18. Jahrhundert zusammengetragene Notensammlung fur Instrumentalwerke lagerten. Die Bedeutung dieser Sammlung, die ca. 1800 Musikalien umfasst, liegt in ihrem einzigartigen Aufbau, der das komplette Instrumental-Repertoire der Dresdner Hofkapelle zu Zeiten Augusts des Starken widerspiegelt
- Das Fitzwilliam Virginal Book, zwischenzeitlich auch ,,Queen Elizabeth's Virginal Book" genannt, sammelte Cembalomusik ab 1562
- Das Partiturbuch Ludwig, eine Sammlung von 114 Instrumentalstucken des 17. Jahrhunderts
- Die Dubensammlung, eine zwischen 1640 und 1720 durch Gustav Duben zusammengetragene Sammlung von etwa 2300 musikalischen Werken von uber 300 benannten Komponisten, die sich in der Universitatsbibliothek Uppsala befindet
- Der Codex Rost, benannt nach dem Kopist und Sammler Franz Rost mit 156 Werken, heute in der Bibliotheque nationale de France
- Das Rostocker Liederbuch ist eine alte Sammlung deutscher, niederdeutscher und lateinischer Lieder aus dem Spatmittelalter, heute in der Universitatsbibliothek Rostock
- Das Lochamer-Liederbuch ist eine umfangreiche Sammlung deutschsprachiger Lieder am Ubergang vom Spatmittelalter zur Renaissance und stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.
Noch altere Musik aus der Fruhzeit der Motette enthalten die Handschriftensammlungen
Internetquellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Music Encoding Initiative
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Music Encoding Initiative hat seit dem 21. Jahrhundert Bedeutung fur die Zuganglichkeit und Bearbeitung Alter Musik. Die Initiative dient zur Kodierung, zum Austausch und zur Archivierung von Musik. Das Projekt wird auf GitHub[28] gehostet und von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur[29] betreut.
International Music Score Library Project
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das International Music Score Library Project (IMSLP, deutsch Internationales Notenbibliothek-Projekt), seit Juli 2008 auch mit dem Untertitel Petrucci Music Library, Ottaviano Petrucci gewidmet, ist ein Projekt zur Schaffung einer Online-Bibliothek fur gemeinfreie (public domain) Musiknoten (Free Sheet Music). Das IMSLP wurde von Edward W. Guo, einem Musikstudenten des New England Conservatory of Music, gegrundet. Es arbeitet nach dem Wiki-Prinzip und mit der Software MediaWiki. IMSLP prasentiert viele Werke aus dem Bereich der Alten Musik.
Verluste, Makulatur und Kriegsbeute
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Nachfolger von Samuel Franck, Caspar Ruetz berichtet, dass die meisten Manuskripte seiner Vorganger zu Makulatur gemacht oder zum Feueranzunden gebraucht wurden.[30] Dies zeigt exemplarisch, dass weite Bereiche Alter Musik von nachfolgenden Generationen nicht immer als erhaltenswert und archivwurdig eingeschatzt wurden; ganz zu schweigen vom Willen, solche Werke einzuuben und wieder offentlich horbar zu machen.
Gerade bei Heinrich Schutz, Dietrich Buxtehude und Johann Sebastian Bach gelten Teile des Gesamtwerkes ebenfalls als verschollen.
Stark von Verlusten betroffen ist nach einem Grossbrand 2004 in der Weimarer Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek die Herzogliche Musikaliensammlung und weitere Musikalien des historischen Bestandes - sowohl Handschriften als auch seltene Drucke. Unter den Verlusten befindet sich etwa ein Stimmbuch des Komponisten Orlando di Lasso aus dem Jahr 1588.
Zu den Verlusten des 20. Jahrhunderts rechnet man auch die Musikaliensammlung der Cembalistin Wanda Landowska. Sie musste ihre umfangreiche Musikbibliothek, wertvolle Handschriften sowie ihre beruhmte Sammlung von Musikinstrumenten in Paris zurucklassen. Am 20. September 1940 beschlagnahmte Herbert Gerigk vom ,,Sonderstab Musik" im Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg fur die besetzten Gebiete (ERR) ihr Eigentum und liess ihre kostbaren Instrumente in 54 Spezialkisten verpackt nach Berlin schaffen. Offiziellen Protesten gegen den Kunstraub aus franzosischem Kulturbesitz widersprach man mit dem Argument, Landowska sei keine Franzosin, sondern eine Judin mit polnischem Pass.[31]
Grosse Teile ihrer Sammlung gelten auch im 21. Jahrhundert als verschollen und im Bombenkrieg zerstort. Verschiedene Instrumente tauchten spater bei Auktionen in Belgien, Kanada und Australien auf. Eine Entschadigungszahlung erhielt Wanda Landowska nicht.[32]
Unsicherheiten bei der Zuschreibung von Werken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weil Alte Musik teilweise von der nachfolgenden Generation wenig oder gar keine Wertschatzung erfahren hat, kam es infolgedessen auch zu ungenugender Dokumentation. Das ,,Gesamtwerk" eines Komponisten wurde nach dessen Tod nicht sichtbar, weil wichtige Werke von ihm zu Lebzeiten nicht vollstandig und eindeutig erfasst worden sind. Musikwerke und die dazugehorenden klaren Zuschreibungen zu einem Komponisten gerieten auf diese Weise in Vergessenheit. Werke wurde zwar noch weiter uberliefert, konnten ihrem Schopfer aber nicht mehr oder nicht korrekt zugeordnet werden. Auch die Verwendung von Pseudonymen machte das Erkennen eines Urhebers musikalischer Werke nicht einfacher. Als Mitglied der Accademia dell'Arcadia publizierte beispielsweise Alessandro Marcello seine Werke unter seinem ,,arkadischen" Pseudonym Eterio Stinfalico.
In modernen Werkausgaben werden auch Werke mit einem Fragezeichen erfasst, bei denen eine Zuschreibung zum Werkkorpus eines Komponisten nur vermutet werden kann, also auch da, wo fur Historiker die belastbaren Quellen fur Zuweisungen und Einordnungen fehlen. Solche Werke erscheinen oft bei genugend Evidenz trotzdem im Rahmen von Gesamtausgaben in einem Anhang mit kritischem Bericht. Beim Bach-Werke-Verzeichnis (BWV) oder beispielsweise bei der Gesamtausgabe von Johann Hermann Schein wurde mit fraglichen Werken so verfahren. In der Neuen Schutz-Ausgabe heisst der 44. Band: ,,Werke zweifelhafter Echtheit". In manchen Fallen muss man moglicherweise von einer mehr oder weniger bewussten Falschung ausgehen. Bei Johann Sebastian Bach stellt sich die Lage in der Gesamtausgabe folgendermassen dar:
- BWV Anh. 190-200 - Verschollene Werke und Fragmente
- BWV Anh. 201-207 - Zweifelhafte Werke
- BWV Anh. 208 - Falschlicherweise zugeschriebene Werke
Die Einschatzung im Hinblick auf Echtheit und falschliche Zuschreibung schwankt gelegentlich, je nach Forschungsperspektive. Bekanntes Beispiel dafur ist die Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 von Bach. In den letzten Jahrzehnten wurden vermehrt Zweifel an Bachs Urheberschaft geaussert. Vor allem Peter Williams und spater Rolf Dietrich Claus versuchten zu zeigen, dass die stilistischen Eigenarten stark den zweifelsfrei unter Bachs Namen uberlieferten Werken widersprechen. So wurde auch vermutet, dass Bach hier ein fremdes Werk abgeschrieben oder bearbeitet hat. Als dessen moglicher Autor wurde Johann Peter Kellner vorgeschlagen.[33] Andere Theorien gehen davon aus, dass es sich um eine niedergeschriebene Improvisation Bachs handle oder dass dieses Werk eine Orgelbearbeitung einer Violinkomposition Bachs darstellen konnte.[34]
Bei Bachs Sechzehn Konzerten fur Cembalo solo (BWV 972-987) handelt es sich um Werke fremder Komponisten - sechs dieser Konzerte stammen von Antonio Vivaldi, andere von Benedetto Marcello und Georg Philipp Telemann.
Ein weiteres Beispiel ist das Adagio g-Moll, das haufig Tomaso Albinoni zugeschrieben wird, aber nicht Bestandteil der Albinoni-Gesamtausgabe ist, sondern von dem italienischen Musikwissenschaftler und Komponisten Remo Giazotto stammt. Obwohl sich dieses Adagio stilistisch stark von Albinonis echten Werken unterscheidet, trug es in hohem Masse zur Wiederentdeckung dieses zwei Jahrhunderte lang weitgehend vergessenen Barockkomponisten bei. Zahlreiche Kammerorchester und Ensembles nahmen es in ihr Repertoire auf und spielten es auf Schallplatte bzw. CD ein, oft in Kombination mit anderen Werken Albinonis.
Die Zugkraft des beruhmten Namens Giovanni Battista Pergolesi sollte offenbar zur Vermarktung von Werken weniger bekannter Komponisten dienen. Von den 148 Kompositionen in der ersten Gesamtausgabe von Pergolesis Werken gelten heute jedenfalls nur noch 30 als echt.[35]
Wiederentdeckung und Herausforderungen (Chronologie)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anfange der Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bach-Renaissance
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Wiederauffuhrung von Johann Sebastian Bachs Matthauspassion durch Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1829, rund 100 Jahre nach der Urauffuhrung in Leipzig, erweckte Interesse an Alter Musik. Eine erste Gesamtausgabe der Werke J. S. Bachs, wurde 1851 begonnen, der noch im 19. Jahrhundert etliche weitere sogenannte Denkmalausgaben folgten. 1850 wurde die Bach-Gesellschaft Leipzig gegrundet, die im 20. Jahrhundert eine Fortsetzung in der Neuen Bachgesellschaft fand.
Carl Friedrich Rungenhagen fuhrte die Wiederbelebung der Musik Johann Sebastian Bachs fort und widmete sich zugleich der Pflege der Oratorien von Georg Friedrich Handel.
Gustav Nottebohm schuf 1865 die Variationen uber ein Thema von Johann Sebastian Bach in d-Moll fur Klavier zu vier Handen, op. 17 und nahm damit bewusst den Faden zur Barockzeit wieder auf. Max Reger bearbeitete zahlreiche Werke von Bach fur Klavier zu vier Handen.
Vor allem die Transkriptionen Bach'scher Werke durch Franz Liszt inspirierten nachfolgende Generationen von Pianisten und Komponisten, die alle ihre Bach-Verehrung mit eigenen Transkriptionen ausdruckten: unter ihnen Johannes Brahms, Camille Saint-Saens, Eugen d'Albert, Ferruccio Busoni, Sergej Rachmaninow und Bela Bartok. Sie alle vermittelten Bachs Musik auf dem Klavier, auf jenem Instrument also, das ihnen am nachsten stand. Nahe zu Bach wurde uber das aktuelle Instrument der eigenen Zeit, nicht uber das alte Instrument aus Bachs Zeit hergestellt.
- Siehe: Bach-Renaissance im 19. Jahrhundert und Bach-Renaissance
Erwachendes Interesse an Alter Musik in Europa
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Raphael Georg Kiesewetter in Wien erwarb ebenfalls bleibende Verdienste um die Wiederentdeckung Alter Musik. Er grundete einen kleinen Chor, mit dem er von 1816 bis 1842 seine Historischen Hauskonzerte durchfuhrte und dabei Kompositionen der Alten Musik aus dem Bereich der Vokalmusik des 16. bis 18. Jahrhunderts bekannt machte. Um diese Hauskonzerte mit auffuhrbaren Musikwerken zu ermoglichen, hatte Kiesewetter begonnen, eine Notensammlung anzulegen, die aus Abschriften von nur in Handschriften vorliegenden kirchenmusikalischen Werken gebildet wurde. Durch die Mithilfe von Freunden wuchs seine Partiturensammlung im Lauf der Jahre zu einer stattlichen Bibliothek an.[36]
Kiesewetter hat daruber hinaus auch das Problem der Stimmtonhohe und der historischen Temperaturen fruhzeitig erkannt und erste Gedanken dazu veroffentlicht. Beim Studium der altklassischen Polyphonie eines Giovanni Pierluigi da Palestrina und Gregorio Allegri sind ihm die extrem hoch oder tief gefuhrten Stimmen aufgefallen, die bei der Ausfuhrung seinen Chormitgliedern zuweilen extreme Schwierigkeiten bereiteten.
Alexandre-Etienne Choron (1772-1834) betrieb am >>Conservatoire de musique classique et religieuse<< auch in Frankreich eine Abkehr von der zeitgenossischen instrumentalen Musik hin zur Vokalmusik Bachs oder Palestrinas. Choron veranstaltete zwischen 1827 und 1830 jeweils zweimal wochentlich Auffuhrungen Alter Musik, bei denen Werke von Clement Janequin, Nicolas Gombert, Gregorio Allegri, Giacomo Carissimi, aber auch Palestrina und Handel zu horen waren.
Der Priester Fortunato Santini (1778-1861) sammelte in Rom ebenfalls Manuskripte aus dem Bereich der Alten Musik. Bei der Anlage seiner Sammlung scheint Santini geholfen zu haben, dass die Eigentumer alter Manuskripte diesen oftmals keine besondere Bedeutung beimassen. Ausserdem wurden zur Zeit der franzosischen Besatzung Italiens viele klosterliche Bibliotheken aufgelost, so dass es verhaltnismassig einfach war, die gesuchten Manuskripte auch zu erwerben.
Historismus und erwachendes Interesse an Musikhistorie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das wissenschaftliche Interesse am Notenbestand und Instrumentarium der Alten Musik erwachte im 19. Jahrhundert und fand 1888 seinen Niederschlag in der Grundung eines Staatlichen Institutes fur Musikforschung und im Musikinstrumenten-Museum Berlin.
Neben dem Sammeln, Herausgeben und schliesslich Musizieren alter Vokalmusik ist parallel dazu ein historisch-wissenschaftliches Bemuhen zu beobachten, das in Deutschland durch Martin Gerbert (1720-1793) und Johann Nikolaus Forkel (1749-1818), in Italien durch Padre Martini (1706-1784), in England durch Charles Burney (1726-1814) und John Hawkins (1719-1789), in Frankreich und Belgien durch Francois-Joseph Fetis (1784-1871), vor allem aber durch Carl von Winterfeld (1784-1852) in Berlin eine Intensivierung erfuhr.
Winterfeld gilt als Wiederentdecker von Heinrich Schutz.[37] 1812 unternahm er eine Reise nach Italien, wo er Kopien von Kompositionen des 16. bis 18. Jahrhunderts anfertigte. Wegweisend fur die Forschung wurde insbesondere Winterfelds Werk Johannes Gabrieli und sein Zeitalter. Zur Geschichte der Bluthe heiligen Gesanges im sechzehnten, und der ersten Entwickelung der Hauptformen unserer heutigen Tonkunst in diesem und dem folgenden Jahrhunderte, zumal in der Venedischen Tonschule (Berlin 1834).
Der Geist dieser Zeit spiegelt sich in einem Zitat wider:
,,Wir mochten die Kunst in ihren Uranfangen belauschen,
in die geheimnisvolle Werkstatt ihres Entstehens mochten wir dringen,
ihr Emporkeimen in dunkelen Zeiten eben mit der Klarheit schauen,
in der ihre Bluhte sich uns entfaltet."
1899 kam es in Munchen zur Grundung einer Gesellschaft zur Herausgabe von Denkmalern der Tonkunst in Bayern. Damit wurden Werke unter anderem von Evaristo Felice Dall'Abaco, Johann Caspar von Kerll, Johann Pachelbel und Ludwig Senfl zuganglich.
Restitution des Gregorianischen Chorals
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Gregorianische Choral fand Ende des 19. Jahrhunderts seine Restitution. Es gelang die Wiederherstellung der mittelalterlichen Melodien und Rhythmen in der Neuzeit.
- Siehe: Restitution des Gregorianischen Chorals
Cacilianismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Cacilianismus - benannt nach der fruhchristlichen Martyrin Cacilia von Rom - war eine katholische kirchenmusikalische Restaurationsbewegung des 19. Jahrhunderts und verlangte die Ruckbesinnung auf einen an Palestrina angelehnten A-cappella-Stil, fur den die Vertreter des Cacilianismus den Begriff der altklassischen Vokalpolyphonie pragten. Hermann Bauerle besorgte eine Neuausgabe von Werken der Vokalpolyphonie in der ,,Bibliothek altklassischer Kirchenmusik in moderner Notation" mit Werken von Giovanni Pierluigi da Palestrina, Orlando di Lasso, Tomas Luis de Victoria, Johann Joseph Fux, Hans Leo Hassler, Giovanni Battista Casali, Antonio Lotti, Giovanni Gabrieli, Lodovico Grossi da Viadana u. a. und gleichzeitig die Ubertragung des gregorianischen Chorals in einer Reformnotenschrift. Er eroffnete damit vielen Choren den leichteren Zugang zur Alten Musik.
Im evangelischen Bereich gilt Eduard Grell neben Siegfried Dehn und Heinrich Bellermann als Mitbegrunder einer Palestrina-Renaissance.
Erste Halfte des 20. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Musikwissenschaft und Musikphilologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch Vertreter der Musikwissenschaft waren im Auffinden Alter Musik in Europa engagiert.
Gian Francesco Malipiero beschaftigte sich seit 1902 mit der alteren italienischen Musik. So entdeckte er in der Biblioteca Marciana die Werke von Claudio Monteverdi, Girolamo Frescobaldi, Claudio Merulo und anderen. Von 1926 bis 1942 gab Malipiero eine Edition samtlicher Werke Monteverdis heraus und liess diese auf eigene Kosten drucken.[39]
Ferdinand Saffe machte sich seit 1912 als Musikforscher um die Wiederentdeckung der Wolfenbutteler Meister des 17. Jahrhunderts verdient, darunter Johann Rosenmuller, Michael Praetorius, Johann Jakob Lowe von Eisenach und Julius Johann Weiland.
Auch Antonio Vivaldis Musik war nach seinem Tod im 18. Jahrhundert in Vergessenheit geraten. Erst ab Beginn des 20. Jahrhunderts begann man sich vermehrt fur Vivaldi zu interessieren. Arnold Schering befasste sich in seiner Geschichte des Instrumentalkonzerts 1905 mit Vivaldis Musik. Alberto Gentilis Engagement galt seit 1926 der Wiederentdeckung zahlreicher Partituren Vivaldis. Ab 1947 beteiligte sich Malipiero auch an der Veroffentlichung der Instrumentalwerke Antonio Vivaldis. Die Wiederentdeckung von Vivaldis Musik im Konzertleben geschah zum grossen Teil dank Alfredo Casellas Einsatz. 1939 veranstaltete er zusammen mit dem Dichter Ezra Pound in Siena eine Vivaldi-Festwoche. Seitdem ist Vivaldi wieder zu einer festen Grosse im Repertoire der Barockmusik geworden.
Friedrich Ludwig leitete massgeblich die Erforschung und Neubewertung der Alten Musik ein, indem er die Musik des Mittelalters theoretisch wie praktisch wieder zuganglich gemacht hat. Sein Forschungsgebiet war die Musik vor dem Palestrinastil, das heisst Ars antiqua, Ars nova und die Niederlandische Polyphonie. Zu Ludwigs musikphilologischen Leistungen zahlen die Erforschung des Organums, die Entzifferung der fruhen Quadratnotation, die Entdeckung der Modalrhythmik in einstimmigen Liedern des 13. Jahrhunderts, die systematische Darstellung der Notre-Dame-Epoche und der Motettenkompositionen der Ars nova. Er ubertrug eine Vielzahl mehrstimmiger Werke bis ins 15. Jahrhundert hinein und publizierte sie in kritischen Editionen. Dabei entdeckte Ludwig das Kompositionsprinzip der Isorhythmie, deren Bezeichnung er auch pragte.
Jugendmusik-, Wandervogel- und Gambenbewegung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Ruckbesinnung auf Musik und Instrumente des 16. und 17. Jahrhunderts im Rahmen der Jugendmusikbewegung erfolgte in den 1920er-Jahren, die ahnlich der Wandervogel-Bewegung eine Form des Protestes gegen das - in diesem Fall kunstlerische - Establishment war (sog. Gambenbewegung, auch Fideln, Zinken, Blockfloten u. a. Instrumente). Vor allem durch die historische Auffuhrungspraxis erlebte die Viola da gamba seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine Renaissance.[40]
Lieder aus dem spatmittelalterlichen Lochamer Liederbuch werden ab 1904 in Der Zupfgeigenhansl (was sinngemass ,,Spieler der Gitarrenlaute" bedeutet) aufgenommen, der Name eines Liederbuchs des Wandervogels und der Jugendbewegung. Die dortigen Lieder pragten den Liedschatz der Jugendbewegung starker als jedes andere Buch, hatten aber auch wesentlichen Einfluss auf die Jugendmusikbewegung.
Das Alte-Musik-Repertoire betrachtete die Jugendmusikbewegung als leicht ausfuhrbar. Auch wurde sie unter dem Aspekt der Eignung fur das Laienmusizierens ausgewahlt. Die Alte Musik war fur die Jugendmusikbewegung somit das Repertoire schlechthin, um Musiziervorstellungen zu verwirklichen, die sie in der zeitgenossischen Musik noch nicht und in der romantisch-spatromantischen Musik nicht mehr verwirklicht sah.
Dieter Gutknecht bemerkt: ,,Wenn manchmal noch heute das Fur und Wider von Alter Musik und Auffuhrungspraxis nicht vorurteilslos diskutiert wird, hat das seine Ursache in Missverstandnissen, die auf die Zeit der Jugendmusikbewegung zuruckgehen. Alte Musik = Laienmusik oder Musik minderen kunstlerischen Ranges, Auffuhrungspraxis = sektiererische >Anti-Haltung< - Vorurteile wie diese standen der Integration der Alten Musik in unser Konzertleben und leider auch ihrer Berucksichtigung in den Lehrplanen der Musikhochschulen lange Zeit im Wege."[41]
Orgelbewegung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Albert Schweitzer veroffentlichte 1906 zwei Schriften: ,,Zuruck zur wahren Orgel" und ,,Die Orgel der Zukunft". Er wandte sich dabei gegen die ,,moderne Fabrikorgel" und sah in der elsassischen Orgeltradition der Silbermann-Familie das Vorbild fur eine ,,Elsassische Orgelreform". Ausgelost wurde die Bewegung wesentlich durch die Wiederentdeckung von Barockorgeln, beispielsweise der Instrumente von Johann Andreas Silbermann im Elsass. Die Orgelbewegung nahm ihren Lauf und wandte sich gegen die Ideale der Romantik. Viele Orgelneubauten, die eine Synthese verschiedener historischer Stilelemente anstrebten, zeigten damit eine Nahe zu Schweitzers Vorstellungen. Schweitzer wirkte bewusstseinsbildend fur die wachsende Wertschatzung alter Orgeln im fruhen 20. Jahrhundert und damit indirekt auch fur Alte Musik.
Einflussreich fur die Orgelbewegung war auch der von dem Musikwissenschaftler Willibald Gurlitt angeregte Versuch, eine Renaissance-Orgel klanglich zu rekonstruieren. Oscar Walcker setzte 1921 diese Anregung mit dem Bau der ,,Freiburger Praetorius-Orgel" um.
Moderne Ruckgriffe auf Alte Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine historisierende Kompositionspraxis lasst sich bei Ottorino Respighi beobachten. Er wandte sich vor allem der italienischen Musik des Barock und der Renaissance zu, deren Musik er z. T. in ein neues Klanggewand goss (Orchestersuite Gli Uccelli [Die Vogel], 1927) oder benutzte, um Werke in stile antico wie z. B. Antiche danze ed arie per liuto[42] zu schreiben.
Um 1920 entstanden weitere Bearbeitungen nach ,,alten Meistern" im Sinne eines Ruckgriffes auf die Komponisten und Stilmittel der Alten Musik, worunter Igor Strawinskis Pulcinella hervorsticht.
Henri Casadesus gilt als Autor einer konzertanten Sinfonie fur Viola d'Amore, Kontrabass und Orchester, sowie von zwei Bratschenkonzerten im Stile von Georg Friedrich Handel (in h-Moll), Johann Christian Bach (in c-Moll) und von einem Violinkonzert im Stile von Luigi Boccherini (in D-Dur)[43].
Carl Orff griff nach der Tonsprache mittelalterlicher Musik. Zur Entstehungszeit von Carmina Burana 1935, in welchem das Mittelalter auch musikalisch zum Ausdruck kommt, war noch kaum eine der originalen mittelalterlichen, in Neumen notierten Melodien rekonstruiert. So gestaltete er die Musik nach bereits bekannten Stilmerkmalen des Mittelalters wie etwa Bordunbegleitung und Kirchentonarten.
Die von Luigi Dallapiccola komponierten Werke Tartiniana (1951) und Tartiniana Seconda (1956) greifen auf Themen aus Sonaten Giuseppe Tartinis zuruck.[44]
Der Stile antico wurde von Jean Langlais in seiner Messe en style ancien von 1952 gepflegt, der auf Vorbildern der Alten Musik fusst.
Seit 2005 betatigt sich der Barockmusikforscher Michael Talbot auch selbst als Komponist historisierender Werke, wobei er Elemente aus der Zeit Buxtehudes und Corellis bis hin zur Zeit Galuppis und Wilhelm Friedemann Bachs aufgreift. Er ist Mitglied der neobarocken Komponistenvereinigung Vox Saeculorum.
- Siehe auch: Neobarock#Musik, Neoklassizismus (Musik) und Tintinnabuli
Gesellschaften und fruhe Ensembles fur Alte Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bibliotheque nationale de France
In Frankreich grundeten 1901 Henri Casadesus (Viola d'amore) und Edouard Nanny (Kontrabass) die ,,Societe de concerts des instruments anciens" (Konzertgesellschaft fur historische Instrumente), die unter der Prasidentschaft des Komponisten Camille Saint-Saens stand. Ziel war die Wiederbelebung der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts auf Originalinstrumenten.
Mit ahnlichen Zielen kam es in Munchen vier Jahre spater zur Grundung der Deutschen Vereinigung fur Alte Musik.
Gotthold Frotscher grundete 1920 eine akademische Orchestervereinigung in Leipzig. Mit dem akademischen Orchester wurden viele historische Konzerte und Konzertreisen durch Sachsen zur Pflege Alter Musik unternommen. Rudolf von Ficker leitete die Auffuhrungen Musik der Gotik anlasslich der Beethoven-Zentenarfeier 1927 in Wien.
Die Nederlandse Bachvereniging wurde am 13. September 1921 offiziell ins Leben gerufen und ist das weltweit alteste Barockorchester, das sich auf die historische Auffuhrungspraxis von Barockmusik spezialisiert hat[45] Ahnlich die Groningse Bachvereniging, ein niederlandischer Chor, der von 1945 bis 1989 bestand und ebenfalls durch seine Auffuhrungen von Barockmusik in historischer Auffuhrungspraxis bekannt wurde.
Im Jahre 1925 grundete Arnold Dolmetsch an seinem Wohnort Haslemere in England ein jahrlich stattfindendes Festival zur Wiederbelebung der Alten Musik. Ausfuhrende waren zum Teil Freunde und die Mitglieder seiner Familie.[46] Auf diesem Wege weckte er das Interesse an der Solo- und Ensemblemusik auf Lauten, Blockfloten, Gamben und Cembali. Nach dem Tod von Arnold Dolmetschs 1940 ubernahm dessen Sohn Carl Dolmetsch die Leitung des Haslemere Festivals.
Anfang der 30er Jahre gaben Hanning Schroder, seine Frau Cornelia Schroder-Auerbach und der Instrumentenbauer Peter Harlan als ,,Harlan-Trio" in ganz Deutschland zahlreiche Konzerte mit Mittelalter-, Renaissance- und Barock-Musik auf historischen Instrumenten. Cornelia Schroder-Auerbach war die treibende Kraft dieses Ensembles, organisierte den Grossteil der Konzerte und gab daneben Vorlesungen uber Alte Musik und die Praxis dieser historischen Auffuhrungen.
Josef Mertin begann 1934 ein Konzertleben mit Alter Musik in der Wiener Albertina und wurde somit zu einem osterreichischen Wegbereiter historischer Auffuhrungspraxis.
Ars Musicae de Barcelona war ab 1935 ein katalanisches Vokal- und Instrumentalensemble aus Barcelona, das auf mittelalterliche und fruhneuzeitliche Musik Kataloniens und Spaniens spezialisiert war.[47] Das Ensemble war bis 1979 aktiv. Es wurde von Josep Maria Lamana gegrundet und widmete sich der Interpretation der Musik des Mittelalters, der Renaissance und des Fruhbarock auf alten Originalinstrumenten oder auf Kopien solcher Instrumente. Das Ensemble war weltweit eine der Pioniergruppen, die sich den Themen Alte Musik und historische Auffuhrungspraxis stellte.
August Wenzinger trat mit Gustav Scheck und Fritz Neumeyer im Kammertrio fur Alte Musik auf, einer Formation, die von 1935 bis 1965 bestand.
Arthur Mendel leitete von 1936 bis 1953 in New York die Cantata Singers, einen der ersten authentischen Barockchore der USA.
Das Deller Consort wurde 1948 als ein englisches Vokal- und Instrumentalensemble von dem Countertenor Alfred Deller gegrundet, das sich der fruhen englischen Musik widmete. Alfred Deller war der erste wieder solistisch auftretende Counter-Tenor des 20. Jahrhunderts.[48]
Auch wenn Karl Munchinger nicht zu den Verfechtern der historischen Auffuhrungspraxis gehorte, vertrat er schon ab 1945 ein von romantischen Vorstellungen befreites und entschlacktes Klangbild bei seinem Stuttgarter Kammerorchester. Geringstimmige Besetzungen, rigorose Einhaltung von Tempovorgaben sowie stilistische und interpretatorische Massgaben der Komponisten galten ihm als Leitfaden seiner Interpretationen, die damit sehr fruh durchweg von einem transparenten und homogen schlanken Klangbild gepragt waren.
Zweite Halfte des 20. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in vielen europaischen Landern zu einer Welle von wichtigen Neugrundungen von Ensembles und Orchestern, die einerseits durch Einspielungen, andererseits durch Auftritte das neue Klangbild und Repertoire der Alten Musik einer breiteren Offentlichkeit zuganglich machten:
1950 bis 1969
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bereits 1950 wurde der Knabenchor Hannover unter Heinz Hennig gegrundet, der sich den Werken von Johann Sebastian Bach, Heinrich Schutz und Claudio Monteverdi zugewendet hat und wegweisende Einspielungen vorlegte.
- Ars Rediviva realisierte als erstes tschechoslowakisches Ensemble Aufnahmen zahlreicher Barockwerke, das 1951 vom Flotisten und Musikwissenschaftler Milan Munclinger und seiner Frau gegrundet wurde.
- Mit der Grundung der Cappella Coloniensis im Jahre 1954 begann der Durchbruch der heutigen sogenannten historischen Auffuhrungspraxis als Grundstein fur eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit der Alten Musik. Die gleichzeitig im Kolner WDR gesendeten Beitrage zur Geschichte der Alten Musik verhalfen parallel den praktischen Versuchen im Orchesterbereich zu ungeahnter Popularitat.
- Das Alarius Ensemble war eine belgische Kammermusikformierung, die ab 1954 bestand. Die Formation widmete sich ab den 1960er Jahren - parallel zur zeitgenossischen Musik - der Alten Musik auf historischen Instrumenten. Das Ensemble wurde innerhalb kurzer Zeit fur die damals noch als ,,Bewegung" bezeichnete Pionierzeit der historischen Auffuhrungspraxis pragend, nicht zuletzt durch die Ermunterungen des Musikhistorikers Charles Van den Borren. Das Ensemble ging 1972 in der La Petite Bande auf. Den Kern dieses Ensembles bildete Sigiswald Kuijken mit seinen Brudern Wieland und Barthold.[49] Das Ensemble machte Ersteinspielungen von Werken damals dem grossen Publikum ganzlich unbekannter alter Meister, wie des flamischen Komponisten Carolus Hacquart; aber auch deutsche und italienische Barockmeister wie Johann Rosenmuller, Dario Castello, Carlo Farina und Giovanni Paolo Cima waren im Repertoire vertreten. Die Brandenburgischen Konzerte Bachs wurden erstmals mit Violoncello da Spalla, Naturtrompete, Jagdhornern und dem ,,Basse de violon", als Basso-continuo-Instrument eingespielt.
- Mit dem Leonhardt-Consort grundeten 1955 Gustav und Marie Leonhardt ein Ensemble, mit dem sie zahlreiche Einspielungen fur die Serie DAS ALTE WERK des Labels Telefunken (spater Teldec) vornahmen.
- Der Monteverdi-Chor Hamburg widmete sich ab 1955 der Alten Vokalmusik Italiens. Der Chor wurde von Jurgen Jurgens als ,,Chor am Italienischen Kulturinstitut" gegrundet. Die Benennung erfolgte zu einem Zeitpunkt, als Claudio Monteverdi ein noch weitgehend unbekannter Komponist war.
- Ebenfalls im Jahre 1955 liegen die Wurzeln des Ulsamer-Collegiums. Die Mitglieder musizierten auf historischen Instrumenten, meist Kopien nach Originalen aus diversen Museen und Sammlungen. Dessen Grunder Josef Ulsamer war von 1948 bis 1966 als Musikredakteur beim Bayerischen Rundfunk in Nurnberg tatig, wo er Mitbegrunder der Sendung Musikalisches Tafelkonfekt war. Der Schwerpunkt der Sendung lag bei Alter Musik.[50]
- Bereits in den 1950er-Jahren begannen auch die Arbeiten des Dirigenten Nikolaus Harnoncourt zusammen mit seiner Ehepartnerin Alice Harnoncourt auf dem Gebiet der Bach-Interpretation; allerdings fanden unter Harnoncourt erst 1957 mit dem Concentus Musicus Wien erste Konzerte auf historischen Instrumenten statt. Parallel dazu beschaftigte sich in diesen Jahren Eduard Melkus ebenfalls in Wien mit den Vorlaufern und Varianten der Violine, dem Rebec, der Lira da Braccio und der Viola d'amore.
- Rene Clemencic grundete 1957 das Ensemble Musica Antiqua, das sich in einer variablen Besetzung von 2 bis 50 Musikern der Historischen Auffuhrungspraxis verschrieb. 1968 grundete er ein neues Ensemble, das sich Clemencic Consort nannte.
- Das Studio der fruhen Musik[51] war ein deutsches, in Munchen ansassiges Kammerensemble, das speziell auf die Musik des Mittelalters und der Renaissance spezialisiert war. Die Gruppe bestand von 1960 bis 1977 und stand unter der Leitung des amerikanischen Lautenisten Thomas Binkley. Mit diesem Ensemble spielte Binkley uber funfzig Tontrager ein.
- Vor allem fur Einspielungen und hochwertige Tonaufnahmen im Bereich der Alten Musik kam ab 1960 das Collegium Aureum zusammen. Wichtig waren vor allem Aufnahmen fur die Deutsche Harmonia Mundi.
- Andrei Michailowitsch Wolkonski entwickelte sich in der UdSSR zu einem Pionier fur Musik der Renaissance und Barock, die dort vorher kaum gespielt wurde. 1964 grundete er mit Madrigal sein eigenes Ensemble fur Alte Musik.
- Das Vokalensemble Pro Cantione Antiqua war ab 1968 eine der fruhesten Formationen, die sich Alter Musik widmete.
1970 bis 1979
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Philippe Herreweghe beschaftigte sich mit dem 1970 von ihm gegrundeten Collegium Vocale Gent sowohl mit vorbarocker Musik als auch mit wegweisenden Einspielungen der Kantaten von Johann Sebastian Bach.
- Mit Grundung der Musicalischen Compagney 1972 in Berlin gab es ein erstes Ensemble, das sich der vokal-instrumentalen Musik des 17. Jahrhunderts widmete. Die Berliner Lautten Compagney kam 1984 dazu, zuletzt 1986 noch die Berliner Barock-Compagney.
- Ebenfalls 1972 wurde The English Concert von Trevor Pinnock zusammen mit mehreren auf historischen Instrumenten spielenden Musikern als Kammermusikgruppe gegrundet.
- In Estland grundete Andres Mustonen 1973 das Ensemble Hortus Musicus, mit dem er sich ein breites Repertoire erarbeitete, beim Label Melodija zahlreiche Werke der Alten Musik einspielte und viele internationale Konzertauftritte absolvierte.
- 1973 grundete Reinhard Goebel das Ensemble Musica Antiqua Koln, das sich vor allem auf die Orchester- und Ensemblewerke von Georg Philipp Telemann sowie der gesamten Bachfamilie konzentrierte.[52]
- Christopher Hogwood grundete an der University of Cambridge 1973 die Academy of Ancient Music; die Musiker leitete er vom Cembalo aus.
- Jordi Savall grundete 1974 zusammen mit seiner Ehepartnerin Montserrat Figueras Hesperion XX, ein Ensemble, das sich speziell dem Repertoire der fruhen Musik der iberischen Halbinsel verpflichtete.
- Das Hilliard Ensemble wurde 1974 als ein britisches Vokalensemble gegrundet. Es konzentrierte sich auf Musik, die vor 1600 geschrieben wurde. Im Dezember 2014 loste sich das Ensemble auf.[53]
- 1975 kam es zur Grundung von Barengasslin, einem Ensemble, das seinen Schwerpunkt bei der Erarbeitung authentischer Interpretationen von Liedern des Mittelalters und der fruhen Neuzeit von Autoren wie Walther von der Vogelweide, dem Monch von Salzburg, Oswald von Wolkenstein, Martin Luther sowie aus den Carmina Burana sah.
- Das Ensemble fur fruhe Musik Augsburg ist ein Ensemble aus dem Bereich der Musik der Mittelalterszene, das 1977 gegrundet wurde[54].
- Sequentia. Ensemble fur Musik des Mittelalters wurde 1977 in Koln gegrundet und nach der mittelalterlichen Musikform Sequenz benannt.
- Das Barockorchester Fiori musicali trat ab 1978 im Konzertleben auf und widerspiegelte mit der Zeit die Besetzung barocker furstlicher Hof-Kapellen.
- John Eliot Gardiner setzte 1978 mit seinen English Baroque Soloists erstmals bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik durch die Auffuhrung von Handels Acis and Galatea (HWV 49a) mit historischen Instrumenten einen wichtigen Akzent.
- 1979 grundete Ton Koopman sein Amsterdam Baroque Orchestra. Spater erst kam der Chor dazu, mit dem vor allem die Werke von Johann Sebastian Bach aufgefuhrt wurden.
- Im gleichen Jahr grundete William Christie in Frankreich das Ensemble Les Arts Florissants, das nach einer Oper des franzosischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier benannt ist.
1980 bis Ende des 20. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- In der DDR wurde 1982 mit der Grundung der Akademie fur Alte Musik Berlin ein wichtiger Ort der Pflege fur Alte Musik etabliert.
- L'arpa festante wurde 1983 von Michi Gaigg als Orchester fur die Interpretation barocker Werke gegrundet.
- Die Ioculatores waren ein 1984 in Leipzig gegrundetes Ensemble, das sich seit 1988 ausschliesslich mit der Musik des abendlandischen Mittelalters beschaftigte. Sie losten sich 2009 auf.
- Modo Antiquo ist ein 1984 gegrundetes italienisches Ensemble mit Sitz in Florenz. Modo Antiquo ist sowohl ein Barockorchester als auch ein mittelalterliches Ensemble.
- Das Concerto Koln wurde 1985 von Studenten der Kolner Musikhochschule gegrundet. Bis zum Jahr 2005 war Werner Ehrhardt (Violine) kunstlerischer Leiter des Ensembles.
- Ein Barockorchester der Europaischen Union wurde 1985, im Rahmen des europaischen Jahres der Musik, zur Feier des 300. Geburtstages der Komponisten Johann Sebastian Bach, Domenico Scarlatti und Georg Friedrich Handel, gegrundet.
- Gleichfalls 1985 wurde Il Giardino Armonico von Absolventen verschiedener europaischer Musikhochschulen in Mailand gegrundet. Das Repertoire umfasst hauptsachlich Musik des 17. und 18. Jahrhunderts und wird auf historischen Instrumenten gespielt. Je nach Erfordernis umfasst das Orchester zwischen 3 und 30 Musiker. Die Leitung hat der selbst auch als Blockflotensolist mitwirkende Giovanni Antonini seit 1985 inne.
- Das Jerusalem Baroque Orchestra wurde 1989 von David Shemer, seinem Dirigenten und Cembalisten, in Israel gegrundet.
- Im selben Jahr grundeten in Australien Paul Dyer und Bruce Applebaum das Australian Brandenburg Orchestra, das sich auf Werke des 16. bis 18. Jahrhunderts spezialisiert hat. Dyer fungiert als kunstlerischer Leiter des Ensembles.
- Das Dresdner Barockorchester ist ein 1991 gegrundetes Kammerorchester aus Dresden, welches sich einer historisch informierten Interpretation verpflichtet fuhlt.
- 1999 wurde La Cetra Barockorchester in Basel als ein Originalklangensemble gegrundet. Seit 2009 steht das Orchester unter der kunstlerischen Leitung von Andrea Marcon.[55]
21. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ende des 20. Jahrhunderts hat sich Alte Musik im Konzertleben und an den Hochschulen etabliert. Im Wissen um eine adaquate Auffuhrungspraxis, im Erschlossensein eines reichen Auffuhrungsmaterials und mit den Moglichkeiten eines wiedergewonnenen Instrumentariums vergangener Jahrhunderte hat sich die Alte Musik fast weltweit ausgebreitet.
2000 bis 2019
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach wie vor kommt es zu Neugrundungen von Ensembles:
- Los Otros wurde 2001 von Hille Perl, Lee Santana und Steve Player gegrundet. Eine wichtige Rolle bei der Arbeit dieser Musiker, denen neben grosser Spiellaune und Virtuositat ein ,,nahezu blindes Verstandnis untereinander"[56] bescheinigt werden, spielen Improvisation und Spontaneitat.
- Das Barucco Consort auf Originalinstrumenten ist eine Neugrundung in Osterreich seit dem Jahr 2002.
- Das Ensemble Phoenix Munich wurde im Jahr 2003 von dem amerikanischen Alte-Musik-Spezialisten Joel Frederiksen zusammengebracht.
- Das Orquestra Barroca Casa da Musica ist ein portugiesisches Barockorchester mit Sitz in Porto. Das Ensemble wurde 2006 gegrundet.
- Les Passions de l'Ame - Orchester fur Alte Musik Bern ist ein 2008 von der Schweizer Barockgeigerin Meret Luthi mitgegrundetes und geleitetes Instrumentalensemble fur Alte Musik mit Sitz in Bern.
- Die Accademia Barocca Lucernensis wurde 2014 in der Schweiz gegrundet.
- Die Cappella Splendor Solis musiziert weltweit als einziges Ensemble in der mitteltonigen 2/7 Stimmung von Gioseffo Zarlino und wurde ebenfalls 2014 gegrundet.
Aber auch schon lange bestehende Klangkorper reorganisieren sich und widmen sich im 21. Jahrhundert konsequent der historischen Auffuhrungspraxis. Im Sommer 2016 wurde etwa der Name der Gachinger Kantorei Stuttgart von Hans-Christoph Rademann in Gaechinger Cantorey geandert. Der Name schliesst nun neben einem nach auffuhrungspraktischen Kriterien zusammengestellten Chor zugleich das neu gebildete Barockorchester der Bachakademie ein. Die gemeinsame Bezeichnung von Chor und Orchester als Cantorey knupft an den Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts an, als ein Chor ein Ensemble von Sangern oder auch ein Orchester von Instrumentalisten sein konnte. Zugleich spiegelt die historisierende Schreibweise Cantorey Rademanns Ziel wider, das ,,asthetische Klangideal des Barock" zu erreichen.[57]
Das Nachdenken uber Alte Musik fuhrte zu weiteren Konsequenzen, unter anderem beim Ensemble Neobarock. Der Anspruch dieses Ensembles, der sich auch im Namen ausdruckt, ist die Verbindung historischer Authentizitat mit einer asthetischen Bezugnahme zum Horen im 21. Jahrhundert.
Grenzverschiebungen bei der Alten Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Musiker wagten sich mit ihrem sogenannten Original-Instrumentarium immer weiter in die Vorklassik und Klassik vor. Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven wurden fur die Alte-Musik-Bewegung ebenfalls aufgearbeitet. Dazu gehoren Ensembles wie Anima Eterna Brugge, das Concert Royal Koln, der Balthasar-Neumann-Chor und das -Ensemble, die Kolner Akademie, das Orquestra Barroca Casa da Musica und andere.
Noch einen Schritt weiter gehen die La Chapelle Royale, das Penalosa-Ensemble, das Orchestre Revolutionnaire et Romantique und das Orchestra of the Age of Enlightenment mit ihrer Offnung des Repertoires hin zur Romantik und Spatromantik. Letzteres Ensemble legte historisch informierte Einspielungen mit Werken von Franz Schubert (2010), Felix Mendelssohn Bartholdy (2001), Frederic Chopin (1999), Giuseppe Verdi (2001) und Gustav Mahler vor. Auch Philippe Herreweghe ging diesen Weg der Aufweitung. Roger Norrington liess Werke des 19. Jahrhunderts auf altem Instrumentarium, mit alter Besetzung und Aufstellung spielen, ohne das damals ungebrauchliche, erst in den 1920er-Jahren ubernommene, sogenannte Cafehaus-Vibrato.[58] Die historisch informierte Auffuhrungspraxis ist fur ihn eine Magerkur. Norrington selbst vergleicht sie mit der Nouvelle Cuisine: ,,keine fetten Sossen mehr!".
Regionale Alte Musik und Erneuerung von Hofkapellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein weiteres Motiv bei der Neugrundung von Ensembles der Alten Musik ist das Bedurfnis, die Alte Musik von bestimmten regional eingegrenzten Spielstatten der Geschichte zu reaktivieren, um die dort jeweils vorhandene Musikuberlieferung fur die Gegenwart neu zu aktivieren.
Hofkapellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dazu gehoren die La Capella Reial de Catalunya seit 1987 von Jordi Savall, die Batzdorfer Hofkapelle mit dem Schwerpunkt der Dresdner Musikuberlieferung seit 1993, die Chursachsische Capelle Leipzig seit 1994 unter Anne Schumann, die Neue Dusseldorfer Hofmusik seit 1995, die Hofkapelle Stuttgart von Frieder Bernius seit 2002 und die Hofkapelle Munchen von Rudiger Lotter seit 2009.
Alte regionale Musiktraditionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fur die Musiklandschaft von Mitteldeutschland fuhlt sich das Ensemble Cantus Thuringia & Capella Thuringia seit 1999 unter Bernhard Klapprott verantwortlich.
Das Ensemble La Folia Barockorchester wurde 2007 gegrundet und beschaftigt sich vorwiegend mit der Musiktradition des Dresdner Hofes. Dazu gehoren Komponisten wie Antonio Lotti, Johann Adolph Hasse, Johann David Heinichen und Johann Georg Pisendel.
Das Ensemble Schirokko Hamburg ist ein 2007 gegrundetes deutsches Barockorchester mit Sitz in Hamburg, das sich um die Auffuhrung der in Hamburg entstandenen Alten Musik kummert. Seit 2017 erarbeitet das Orchester Programme mit Bezug zur historischen Hamburger Oper am Gansemarkt. Dabei erklingen in den Konzertprogrammen vorwiegend Werke aus Opern, die in Hamburg ihren Ursprung haben[59].
Die Mitglieder des Orchesters fur Alte Musik Vorpommern haben ein Studium der Alten Musik absolviert und spielen in Ensembles im In- und Ausland. Recherchearbeit und Wiederauffuhrung von Werken pommerscher Komponisten aus Stralsund, Stettin, Danzig und Greifswald sind Schwerpunkte des Ensembles.
Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen ist ein Vokal- und Instrumental-Ensemble, das sich unter der Leitung von Manfred Cordes vor allem auf die Erarbeitung und Auffuhrung der musikalischen Werke der Renaissance und des Fruhbarock in Norddeutschland spezialisiert hat.
Das Europaische Hanse-Ensemble ebenfalls unter der Leitung von Manfred Cordes bearbeitet die alten Musiktraditionen der Hansestadte seit 2019.
Bewertung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alte Musik wird heute oft als wertvolle Bereicherung (oder sogar Korrektiv) des gangigen Repertoires der burgerlichen Musikkultur, wie sie in den grossen Konzertsalen der Welt stattfindet, verstanden. Musiker aus der Altmusik-Szene bringen Impulse mit in das klassisch-romantische Repertoire, soweit sie bereit sind, die Sparten zu wechseln. Durch den Erfahrungshintergrund der Alten Musik werden neue Horeindrucke von langst bekannten Werken moglich.
Weitere Interpreten und Ensembles aus dem Bereich Alte Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Organisationen im Dienst der Alten Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Repertoire International des Sources Musicales; die RISM Serie A/I (Einzeldrucke vor 1800) katalogisiert gedruckte Noten aus der Zeit von ca. 1500 bis 1800, also Alte Musik. In den neun Banden der Reihe (1971 bis 1981) werden uber 78.000 Musikdrucke von 7.616 Komponisten aus 2.178 Bibliotheken nachgewiesen.
- 1957 grundete der Musikwissenschaftler Safford Cape in Brugge das Seminaire Europeen de Musique Ancienne und 1961, dank der Forderung der Calouste-Gulbenkian-Stiftung, eine ahnliche Einrichtung in Lissabon.
Studium und Fortbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schweiz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein grundstandiger musikpraktischer Vollzeitstudiengang fur die Musik des Mittelalters bis zur Romantik wird in der Schweiz an der Schola Cantorum Basiliensis - der Hochschule fur Alte Musik in Basel - angeboten.
Ein Zentrum fur Alte Musik (Centre de Musique Ancienne) gehort zum Conservatoire de musique de Geneve, zum Genfer Konservatorium[60].
Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zur Staatlichen Hochschule fur Musik Trossingen zahlt seit 1992 das Institut fur Auffuhrungspraxis (ehemals Institut fur Alte Musik) zu den Kompetenzzentren im Bereich der historischen Interpretationspraxis der Musik vom Mittelalter bis in die Romantik.
Diplomstudien fur Alte Musik werden in Deutschland an folgenden Universitaten angeboten: Hochschule fur Kunste Bremen, Hochschule fur Musik ,,Carl Maria von Weber" Dresden, Hochschule fur Musik und Theater ,,Felix Mendelssohn-Bartholdy" Leipzig, Staatliche Hochschule fur Musik Trossingen, Hochschule fur Musik ,,Franz Liszt" Weimar (in Abwicklung; zum Sommersemester 2026 werden letztmalig neue Studierende aufgenommen[61]), Hochschule fur Musik Wurzburg. Eine zweijahrige berufs- oder studienbegleitende Fortbildung zur uberlieferten Fruhen Musik wird an der Akademie Burg Fursteneck angeboten. Ferner ist dem Dr. Hoch's Konservatorium in Frankfurt am Main eine Fachabteilung Alte Musik angegliedert.
Osterreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Osterreich gibt es Studiengange fur Alte Musik an folgenden universitaren Einrichtungen: Anton Bruckner Privatuniversitat Linz, Johann-Joseph-Fux-Konservatorium Graz, Universitat fur Musik und darstellende Kunst Graz, Universitat Mozarteum Salzburg (Standort Innsbruck), Konservatorium Wien Privatuniversitat.
Werkverzeichnisse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zur Wiedergewinnung Alter Musik im 20. Jahrhundert trugen massgeblich Werkverzeichnisse bei, die einen Uberblick uber das Schaffen der alten Meister erlaubten und zugleich einen Zugang dazu ermoglichten.
- 1950 erschien eine erste Version des Bach-Werke-Verzeichnisses (BWV) des Musikwissenschaftlers Wolfgang Schmieder im Blick auf das Gesamtwerk Johann Sebastian Bachs
- 1960 gab Werner Bittinger im Auftrag der Heinrich-Schutz-Gesellschaft das Schutz-Werke-Verzeichnis (SWV) mit den Werken von Heinrich Schutz heraus
- 1973 publizierte Peter Ryom das Ryom-Verzeichnis (RV) mit den Werken Antonio Vivaldis
- 1974 wurde von Georg Karstadt das Buxtehude-Werke-Verzeichnis (BuxWV) zusammengestellt und veroffentlicht
- 1978 wurde das Handel-Werke-Verzeichnis (HWV) als systematisches Verzeichnis der Werke Georg Friedrich Handels von Bernd Baselt erarbeitet
- 1985 erschien das Stattkus-Verzeichnis mit den Werken Claudio Monteverdis
- 1987 hat der amerikanische Musikologe, Eric Thomas Chafe, in seinem Buch ,,The Church Music of Heinrich Biber" einen Katalog der Werke des Komponisten entworfen
- seit 2006 wird das Pachelbel-Werke-Verzeichnis (PWV) mit den Kompositionen von Johann Pachelbel von der Musikwissenschaftlerin Katharina Larissa Paech erstellt[62]
- Das Lasso-Verzeichnis (LV) ist ein systematisches Verzeichnis der Werke von Orlando di Lasso, das von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften erstellt wurde. In einer umfangreichen Datenbank sind die Handschriften mit Lassos Musik aufgelistet und inhaltlich aufgeschlusselt. Auf digital zur Verfugung stehende Quellen sind Links gesetzt, die Handschriften sind damit online einsehbar[63]
- uber verschiedene Verlage, in verschiedenen Zeitabschnitten und durch verschiedene Autoren kam im 20. Jahrhundert auch ein Telemann-Werke-Verzeichnis (TWV) zustande. Mit uber 3600 verzeichneten Eintragungen in funf gedruckten Banden gibt es einen Uberblick zum Schaffen von Georg Philipp Telemann, der damit als einer der produktivsten Komponisten der Musikgeschichte gilt.
Aufgrund von Neufunden und neuen Bewertungen sind manche Werkverzeichnisse auf dem Gebiet der Alten Musik weiterhin im Fluss und mussen modifiziert werden. Ein weiterer Teil wird von Musikwissenschaftlern erst noch erstellt oder komplettiert und gibt erst Zwischenstande der musikhistorischen Forschung wieder.
Zu den ersten Komponisten, deren Kammermusikwerke bis heute mit ihrer originalen Opusnummer benannt werden, gehort Arcangelo Corelli.
Werke Alter Musik als Edition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Historische Musikverleger und Musikverlage (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Noch in der Zeit der Alten Musik gab es in Europa Verleger, Verlegergemeinschaften und Verlage, die Notenausgaben druckten und verbreiteten. Diesen gilt in der Musikforschung ein besonderes Augenmerk.
- Ottaviano Petrucci (* 1466; + 1539) war ein italienischer Buchdrucker, Notendrucker und der erste bedeutende Musikverleger. Er ist ein Vertreter der venezianischen Buchdruckerei. Der Notendruck mit beweglichen Lettern wurde von ihm erfunden.
- Peter Schoffer der Jungere (* zwischen 1475 und 1480; + 1547) spezialisierte sich vor allem auf den Druck von Musiknoten und wurde so einer der ersten und bedeutendsten Musikdrucker Deutschlands. Aus seiner Werkstatt stammte das im Jahr 1512 publizierte 88 Seiten umfassende Tabulaturbuch Tabulaturen etlicher Lobgesang und Lidlein des Organisten Arnolt Schlick. Bekannt wurde auch Peter Schoffers Liederbuch von 1513.
- Pierre Attaingnant (* um 1494; + um 1552) war ein franzosischer Musiknoten-Drucker, Musikverleger und Buchhandler in Paris. Er war von etwa 1527 bis 1549 Herausgeber vieler Sammelwerke.
- Valerio Dorico (* um 1500; + um 1560) war ein bedeutender Drucker, der u. a. fur Notendrucke von Giovanni Animuccia, Giovanni Pierluigi da Palestrina und Diego Ortiz verantwortlich zeichnet. Seine Offizin in Rom eroffnete er 1526.
- Antonio Gardano (* 1509; + 1569) war ein venezianischer Komponist und einer der bedeutendsten Musikverleger Italiens des 16. Jahrhunderts. Im Verlag Gardano erschienen weit uber 1000 Bande Musikalien, darunter Kompositionen vieler bedeutender Komponisten ihrer Zeit, u. a. von Jacob Arcadelt, Giovanni Matteo Asola, Andrea Gabrieli, Carlo Gesualdo, Orlando di Lasso, Luca Marenzio, Philippe de Monte, Giovanni Pierluigi da Palestrina, fruhe Werke von Heinrich Schutz, Werke von Orazio Vecchi, Tomas Luis de Victoria, Giaches de Wert und Adrian Willaert.
- Filippo Lomazzo (* um 1571; + um 1630) war ein italienischer Musikverleger in Mailand. Er verlegte Andrea Cima, Giovanni Paolo Cima, Ignazio Donati, Vincenzo Pellegrini, Francesco Rognoni, Giovanni Domenico Rognoni, Fulgenzio Valesi und Caterina Assandra.
- Estienne Roger (* 1664 oder 1665, + 1722), war ein franzosisch-niederlandischer Drucker und Verleger. Rogers editorische Sorgfalt und geschmackvolle Gestaltung wurden in ganz Europa geschatzt. Komponisten wie Vivaldi und Albinoni, die ihre Werke zunachst in ihrem Heimatland veroffentlicht und dann die uberlegene Qualitat von Rogers Nachdrucken kennengelernt hatten, boten ihre neuen Sammlungen ab ca. 1710 gleich Roger zum Druck an.
- John Walsh (* um 1665; + 1736) war ein englischer Musikverleger und Instrumentenbauer. Er veroffentlichte zwischen 1695 und 1730 Musikstucke in einer bis dahin nicht gekannten Auflagenstarke.
- Michel-Charles Le Cene (* um 1684; + 1743) war ein franzosisch-niederlandischer Drucker und Musikverleger. In den 20 Jahren seiner Geschaftsfuhrung gab Le Cene knapp 100 Neuveroffentlichungen heraus, darunter Werke von dall'Abaco, Geminiani, Handel, Locatelli, Quantz, Tartini und Telemann.
- Jean-Georges Sieber (* 1738; + 1822) und sein Sohn Georges-Julien Sieber (* 1775; + 1847) waren Verleger in Paris, die in ihren Kontoren unter anderem auch Barockmeister wie Carlo Tessarini aus Italien verlegten.
Alte Musik im Faksimile
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein Programmschwerpunkt im Laaber-Verlag ist die Reihe Meisterwerke der Musik im Faksimile, in der bedeutende Werke von Komponisten der Alten Musik wie Johann Sebastian Bach und Claudio Monteverdi faksimiliert werden. Wissenschaftliche Einfuhrungen erklaren jeweils das Werk, seine Entstehung und den biographischen Hintergrund. Ahnliche Angebote liegen beispielsweise vom Carus-Verlag, vom G. Henle Verlag und vom Strube-Verlag vor.
Moderne Musikverlage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Ruckgewinnung des Instrumentariums der Alten Musik wurde gleichzeitig durch Musikwissenschaftler, Institute und Verlage unterstutzt, die eine Vielzahl alter Werke in Form von Notenausgaben fur die Spielpraxis der Moderne gesammelt, systematisch aufbereitet oder wenigstens faksimiliert haben.
Sammelausgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beispiele fur Sammelausgaben, die sich auf regionale, instrumentale oder zeitliche Aspekte fokussieren, sind:
- Publications of the Musical Antiquarian Society ab 1840
- Denkmaler der Tonkunst ab 1869
- Biblioteca di rarita musicali ab 1883
- The Old English Edition ab 1889
- Denkmaler deutscher Tonkunst ab 1892
- Denkmaler der Tonkunst in Osterreich ab 1893
- Les Maitres Musiciens de la Renaissance Francaise ab 1894
- L'Arte Musicale in Italia ab 1897
- Denkmaler der Tonkunst in Bayern ab 1900
- The English Madrigalists ab 1913
- Tudor Church Music ab 1917
- Monuments de la musique francaise au temps de la Renaissance ab 1924
- Monuments de la musique ancienne ab 1925
- Publikationen alterer Musik ab 1926
- Nagels Musik-Archiv ab 1927
- Das Chorwerk ab 1929
- Istituzioni e Monumenti dell' Arte Musicale Italiana ab 1931
- Das Erbe deutscher Musik ab 1935
- I Classici musicali italiani ab 1941
- Corpus Mensurabilis Musicae ab 1947
- Musica Britannica ab 1951
- Musikalische Denkmaler ab 1955
- Monumenta monodica medii aevi (MMMAe), Denkmalerreihe mit einstimmigen Gesangen des Mittelalters ab 1956
- Monumenta musica Neerlandica ab 1959
- Corpus of Early Keyboard Music ab 1963
- Corpus des Luthistes Francais ab 1963
- Early English Church Music ab 1963
- Monuments of Renaissance Music ab 1964
- Recent Researches in the Music of the Renaissance ab 1964
- Recent Researches in the Music of the Middle Ages and Early Renaissance ab 1975
- Meisterwerke der Musik im Faksimile ab 1977
- Denkmaler der Musik in Salzburg ab 1977
- Polifonia Aragonesa ab 1984
- Denkmaler der Musik in Baden-Wurttemberg ab 1993
- Wiener Edition Alter Musik ab 1998
Komponisten-Gesamtausgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Werkausgaben in Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Karl Votterle publizierte im Rahmen des Barenreiter-Verlages wissenschaftlich-kritische Gesamtausgaben auf dem Gebiet der Alten Musik unter anderem mit den Werken von
- Girolamo Frescobaldi, Orgel- und Klavierwerke, Band I - V, GA nach dem Urtext herausgegeben von Pierre Pidoux ab 1949
- Christoph Willibald Gluck ab 1951
- Georg Philipp Telemann ab 1953
- Johann Sebastian Bach in der Neuen Bach-Ausgabe ab 1954
- Leonhard Lechner ab 1954 im Auftrag der Neuen Schutz-Gesellschaft herausgegeben in 14 Bande
- Wolfgang Amadeus Mozart ab 1955
- Georg Friedrich Handel in der Hallischen Handel-Ausgabe ab 1955
- Heinrich Schutz in der Neuen Schutz-Ausgabe ab 1955
- Johann Hermann Schein in der ,,Neuen Schein-Ausgabe" durch Adam Adrio und Arno Forchert ab 1964[64]
Weitere Beispiele fur Werkausgaben auf dem Gebiet der Alten Musik sind in chronologischer Ordnung:
- Giovanni Pierluigi da Palestrina Werke, 33 Bande, Leipzig ohne Jahreszahl, 1862 bis 1907
- Orlando di Lasso, Sammtliche Werke, 21 Bande, herausgegeben von Franz Xaver Haberl und Adolf Sandberger, Leipzig 1894 bis 1926
- Die Herausgabe der Werke von Samuel Scheidt begann 1923, zog sich aber bis 1982 uber verschiedene Verlage hin, zuletzt Breitkopf & Hartel
- Die Werke von Michael Praetorius wurden zwischen 1928 und 1960 in 21 Banden als Gesamtausgabe vorgelegt.
- Die originalen Notenhandschriften des Altbachischen Archivs wurden aus dem Nachlass Carl Philipp Emanuel Bachs durch Georg Poelchau erworben und zu Zeiten des Sing-Akademie-Direktorats Carl Friedrich Zelters, der Sing-Akademie zu Berlin ubereignet. Diese Sammlung wurde 1935 als Notendruck herausgegeben.
- Die Gesamtausgabe der Werke von Hans Leo Hassler erscheint seit 1961 durch die Gesellschaft fur Bayerische Musikgeschichte beim Verlag Breitkopf & Hartel
- Heinrich Schutz in der Stuttgarter Schutz-Ausgabe ab 1969 im Carus-Verlag
- Heinrich Isaac, Gesamtausgabe: Henrici Isaac Opera omnia, herausgegeben von E. L. Lerner, Neuhausen-Stuttgart 1974 bis 1998 (= Corpus mensurabilis musicae LXV/1-8)
- Valentin Rathgebers Werke werden seit Grundung der Internationalen Valentin-Rathgeber-Gesellschaft 1983 in inzwischen 22 Banden ediert.
- Im Auftrag der Gesellschaft fur Musikgeschichte in Baden-Wurttemberg gab Siegbert Rampe von 1993 bis 2015 die Neue Ausgabe samtlicher Werke von Johann Jakob Froberger heraus, die im Barenreiter-Verlag erschien.[65]
- Andreas Hammerschmidt erscheint seit 2015 beim Verlag Kamprad unter der Leitung von Michael Heinemann. Es ist eine auf 15 Bande angelegte Gesamtausgabe der Werke von Andreas Hammerschmidt.[66][67]
Werkausgaben in Europa
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch in weiteren europaischen Landern und Instituten wurden im 20. und 21. Jahrhundert grosse Gesamtausgaben im Bereich der Alten Musik erstellt. Beispiele sind:
- Jacob Obrecht: Gesamtausgabe, Amsterdam 1908 bis 1921
- Josquin des Pres: Gesamtausgabe von Albert Smijers u. a., Amsterdam / Leipzig 1921 bis 1927
- Jacobus Clemens non Papa, Opera omnia, herausgegeben von K. Ph. Bernet-Kempers, 21 Bande, Rom 1951 bis 1976
- Jan Pieterszoon Sweelinck: Opera Omnia. Gesamtausgabe. Koninklijke Vereniging voor Nederlandse Muziekgeschiedenis, 1957 bis 2021
- Eine Werkausgabe im Blick auf Ludwig Senfl wird derzeit am Institut fur Musikwissenschaft der Universitat Wien und am Institut fur Musikwissenschaft und Interpretationsforschung der Universitat fur Musik und darstellende Kunst Wien von Stefan Gasch, Scott Edwards und Sonja Troster erarbeitet, der erste Band der New Senfl Edition erschien 2021.
Urtextausgaben und Historisch-kritische Ausgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits 1902 kritisierte Heinrich Schenker in Wien, dass viele Notendrucke gravierende Fehler enthalten wurden. Er regte daraufhin Urtext-Ausgaben an, was zu den Klassiker-Ausgaben der Universal Edition fuhrte. Weitere fuhrende Musikverlage im Bemuhen um einen Urtext und zugleich im Blick auf die Alte Musik sind unter anderen der G. Henle Verlag, der Carus-Verlag, der Musikverlag Breitkopf & Hartel oder die Edition Peters. Diese Verlage geben bei ihren Urtext-Ausgaben detailliert Rechenschaft uber die editorischen Entscheidungen und die verwendeten historischen Quellen (Autographe, Handschriften, Ausgaben letzter Hand und Erstdrucke) bei ihrem Bemuhen um einen Notentext, der sich maximal an den ursprunglichen Willen des Komponisten annahert. In der Regel sind die wissenschaftlichen Bearbeiter von Urtext-Ausgaben erfahrene Musikwissenschaftler, die methodensicher gleichzeitig im Kontext einer musikalischen Fachgesellschaft (Beispiele: Neue Bachgesellschaft, Bach-Gesellschaft Leipzig, Purcell Society) und im Gegenuber zu einem Verlagslektor agieren.
Weitere Initiativen auf dem Gebiet der historisch-kritischen Musikausgaben und Urtextausgaben sind:
- die Edition Musica Poetica, ein Musikverlag von Cosimo Stawiarski,
- die Edition Musica Rinata im Sonat-Verlag,
- die Ausgaben der Schweizer Stiftung Amadeus mit dem Amadeusverlag,
- Brass Collection Edward H. Tarr - fur historische Blechblasinstrumente.
Meister Alter Musik als Namensgeber fur Ensembles und Chore (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Manche Ensembles, Orchester und Chore drucken durch entsprechende Namensgebung einen stilistischen Schwerpunkt ihres Repertoires im Bereich der Alten Musik aus. Andere ehren durch die Namengebung einen Meister der Tonkunst aus dem Bereich Alter Musik. Als Beispiele seien (chronologisch) genannt:
Bachchor, auch Bach-Chor, oder Bachverein ist die Bezeichnung eines Chores, der sich schwerpunktmassig dem Musikwerk Johann Sebastian Bachs verpflichtet fuhlt und mit der Auffuhrung seiner grossen geistlichen Chorwerke an die Offentlichkeit tritt.
Das Telemann-Kammerorchester Michaelstein ist ein 1952 gegrundetes Kammerorchester mit Sitz in Blankenburg (Harz) und erinnert an Georg Philipp Telemann.
Der Monteverdi-Chor Hamburg wurde im Jahre 1955 von Jurgen Jurgens als ,,Chor am Italienischen Kulturinstitut" gegrundet. Im gleichen Jahr wurde er auf Anregung des Institutsleiters in ,,Monteverdi-Chor" umbenannt, zu einem Zeitpunkt, als Claudio Monteverdi noch ein weitgehend unbekannter Komponist war.
Der Mesani Pevski Zbor Jakob Petelin Gallus - Gemischter Chor Jakob Petelin Gallus ist ein slowenisch- und deutschsprachiger Chor aus Klagenfurt in Karnten, der 1960 gegrundet wurde. Benannt wurde der Chor nach dem Renaissance-Komponisten Jacobus Gallus.
Das Telemann-Kammerorchester Osaka wurde in Japan 1963 gegrundet und widmet sich der Historischen Auffuhrungspraxis Alter Musik.
Das Hassler-Consort wurde 1992 vom Organisten und Cembalisten Franz Raml gegrundet. Seinen Namen leitet das Ensemble von dem suddeutschen Musiker und Organisten Hans Leo Hassler ab.
Die Chorgemeinschaft des 1993 gegrundeten Heinrich-Schutz-Ensemble in Vornbach erinnert an Heinrich Schutz und besteht aus ausgebildeten Musikern und Amateursangern, die sich auch mit den Hohepunkten der A-cappella-Literatur auseinandersetzen.
Das 1995 gegrundete Instrumentalensemble fur Alte Musik um Arno Paduch gab sich den Namen ,,Johann Rosenmuller Ensemble" im Gedenken an den Komponisten Johann Rosenmuller.
Les Muffatti ist ein 1996 von jungen Musikern in Brussel gegrundetes Barockorchester, nach dem Komponisten und Organisten Georg Muffat benannt ist.
Die Schola Pietatis Antonio Vivaldi erinnert durch Namen und Repertoire an Antonio Vivaldi. Ziel des Ensembles ist es, den Klang der Figlie di Choro des Ospedale della Pieta in Venedig wieder zu erschaffen.
2018 wurde in Husum der Nicolaus-Bruhns-Chor gegrundet, der sich besonders den Werken Nikolaus Bruhns' und seiner Zeitgenossen widmet.[68]
Festivals, Musiktage und Auffuhrungsreihen fur Alte Musik (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gegenwartige Festivals
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An einigen Orten haben sich bereits im 20. Jahrhundert regelmassig wiederkehrende Tage fur Alte Musik oder auch Festivals etabliert, bei denen in Konzertserien Werke der Alten Musik von spezialisierten Instrumentalisten und Ensembles dem Publikum prasentiert werden:
- Internationale Handel-Festspiele Gottingen, das weltweit alteste Festival fur Alte Musik
- Heinrich-Schutz-Musikfest
- Magdeburger Telemann-Festtage
- Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, die sich seit 1976 der Pflege von Renaissance- und Barockmusik widmen und somit das alteste noch bestehende Festival dieser Art auf dem Gebiet der Alten Musik darstellen
- Das Festival-Mediaval ist ein Musikfestival in Selb (Oberfranken/Bayern), welches das grosste europaische Festival im Bereich der mittelalterlichen Musik darstellt.[69]
- Stockstadter Blockflotenfesttage
- Tage Alter Musik in Herne
- Musikfestspiele Potsdam Sanssouci
- Tage Alter Musik Regensburg
- Tage Alter Musik im Saarland (Festival TAMIS)
- Donaufestwochen im Strudengau
- Musikwoche Siena mit alten italienischen Meistern wie Antonio Vivaldi, Alessandro Scarlatti, Giovanni Battista Pergolesi, Baldassare Galuppi, Antonio Caldara und Antonio Salieri
- Musica Franconia
- MA Festival Brugge
- Festival della Valle d'Itria mit einem Schwerpunkt bei Barockopern
- In einem fruher fur Gottesdienste genutztes Kirchengebaude befindet sich in York das National Centre for Early Music, in dem Konzerte, Wettbewerbe und sonstige Events veranstaltet werden, insbesondere wahrend des York Early Music Festivals.[70][71]
Speziell im Blick auf das Schaffen von Johann Sebastian Bach:
- Bachfest Leipzig
- Bachwoche Ansbach
- Internationale Bachakademie Stuttgart
- Thuringer Bachwochen
- J. S. Bach-Stiftung
- In Israel veranstaltet das Jerusalem Baroque Orchestra das Bach in Jerusalem Festival
Fruhere Festivals
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1925 grundete Arnold Dolmetsch an seinem Wohnort Haslemere in England ein jahrlich stattfindendes Festival zur Wiederbelebung der Alten Musik. Ausfuhrende waren zum Teil Freunde und die Mitglieder seiner Familie.
- Bach-Tage Berlin von 1970 bis 2000
- pro musica antiqua war ein von 1960 bis 2001 durchgefuhrten ,,Alte-Musik-Festival" der ARD-Sendeanstalt Radio Bremen.
- Rencontres internationales de Luthiers et Maitres Sonneurs von 1976 bis 2013 (Konkurs des Tragervereines Anfang 2014)
- Feldkirchfestival, zu Beginn 2001 mit Schwerpunkt bei der Alten Musik
- zeitfenster - Biennale Alter Musik bis 2014
Offene Fragen und Weiterentwicklungen bei der Alte-Musik-Bewegung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf manchen dieser Festivals geht es inzwischen um die Grenzen der Alten Musik, um Grenzuberschreitungen hin zu anderen Epochen und Stilen bis hin zu Folk, Pop und Jazz.
Thorsten Preuss stellt im Blick auf die zahlreichen Festivals fur Alte Musik fest: ,,War das zentrale Motiv der Historischen Auffuhrungspraxis uber Jahrzehnte hinweg die moglichst genaue Rekonstruktion der ursprunglichen Auffuhrungsbedingungen eines Werks, von der Wahl der originalen Partituren und der zeittypischen Instrumente uber Besetzungs- und Tempofragen bis hin zur Wiederbelebung der epochenspezifischen Phrasierungen und Verzierungen, so pflegen mehr und mehr Interpreten heute einen kreativen Umgang mit diesen Erkenntnissen - im Wissen um die Unmoglichkeit einer hundertprozentigen Rekonstruktion historischer Spiel- und Rezeptionsweisen und mit Verweis auf den relativ hohen Anteil nicht schriftlich fixierter, improvisatorischer Elemente in der Musik zwischen Mittelalter und Mozart.
Damit einher geht eine Bedeutungsverschiebung beim Begriff der ,Authentizitat': ging es fruher darum, moglichst ,,authentisch" im Sinne der Intentionen des Komponisten zu spielen, steht nun die ,,Authentizitat" des Interpreten im Vordergrund.
Tatsache ist, dass sich mittlerweile kaum noch ein Alte-Musik-Festival auf Originalklang-Purismus festlegen lasst."[72]
Als Experte fur historische Improvisationspraxis unterrichtete Rudolf Lutz deshalb auch das Fach Improvisation fur Tasteninstrumente an der Schola Cantorum Basiliensis.[73]
Produktionsfirmen und Labels mit dem Schwerpunkt Alte Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1958 wurde mit dem Schwerpunkt Alte Musik die Produktionsfirma Deutsche Harmonia Mundi in Freiburg im Breisgau gegrundet; auch die Harmonia Mundi entstand 1958 und hat ein ahnliches Profil.
Bei der Teldec bildete der Bereich der Alten Musik in historischer Auffuhrungspraxis einen Schwerpunkt. Ebenfalls ab 1958 kam es zum eigenen Sub-Label Das Alte Werk. Ab 1964 entstanden die ersten Aufnahmen mit Nikolaus Harnoncourt, der mit dem von ihm gegrundeten Concentus Musicus Wien und spater mit anderen Orchestern zu einem der Schwerpunktkunstler des Labels wurde.
Eines der grossten Projekte dieses Bereichs war die mehrfach mit Schallplattenpreisen ausgezeichnete erste Gesamtaufnahme der Bachkantaten, die von 1970 bis 1989 gemeinsam vom Concentus Musicus Wien unter Nikolaus Harnoncourt sowie vom Leonhardt-Consort unter Gustav Leonhardt zusammen mit verschiedenen Solisten und Choren eingespielt wurden. In der Reihe Das Alte Werk erschienen zusatzlich verschiedene Barockopern, darunter die Ersteinspielungen der rekonstruierten Fassungen von Monteverdis Opern L'Orfeo, Il ritorno d'Ulisse in patria und L'incoronazione di Poppea mit dem Concentus Musicus unter Harnoncourt.
Das schwedische Label BIS Records hat seit 1973 immer wieder wichtige Einspielungen Alter Musik produziert. Gleiches gilt ab 1986 fur das deutsche Label classic production osnabruck. 2015 gewann letztere Firma auf dem Gebiet der Alten Musik bei der 57. Grammy-Verleihung einen Grammy fur die beste Opernaufnahme, La descente d'Orphee aux enfers des franzosischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier.[74] Im gleichen Jahr wurde die cpo-Einspielung zweier Barockopern von Marc-Antoine Charpentier auch mit dem deutschen Musikpreis Echo Klassik ausgezeichnet.
1980 grundete Jerome Lejeune das Musiklabel ,,RICERCAR", welches inzwischen mehr als 400 CD-Einspielungen, fast alle aus dem Bereich Alte Musik nach den Erkenntnissen der historischen Auffuhrungspraxis aufweisen kann, zu denen er alle Booklets verfasste.
Nach grundlegender Erforschung des Repertoires und der Auffuhrungspraxis, begann Gabriel Garrido 1992 mit einer Serie von Einspielungen lateinamerikanischer Barockmusik unter dem Titel ,,Les Chemins du Baroque" fur das franzosische Label ,,K 617".
Seit der Grundung von Carpe Diem Records 1995 liegt dort auch ein deutlicher Schwerpunkt bei der Alten Musik.
Das 1998 durch Jordi Savall gegrundete Label ,,Alia Vox" konnte bis 2010 mehr als 2.000.000 CDs vermarkten, nicht zuletzt durch Savalls starke Prasenz in den Konzertsalen und in den Medien, sowie durch Label-Niederlassungen in 45 Landern[75].
Grenzen bei der Wiedergabe und Interpretation Alter Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nikolaus Harnoncourt gab im Blick auf die Hermeneutik zu bedenken:
,,Wenn einer meint, er kann Monteverdi im Sinne Monteverdis verstehen und aufarbeiten,
ohne in dieser Zeit zu leben,
ohne eine Mutter zu haben, die 1550 geboren ist,
und ohne die Kleidung dieser Zeit zu tragen,
und das Essen dieser Zeit
und das ganze Lebensgefuhl,
das ist eine totale Illusion.
Wenn wir das spielen, machen wir dennoch eine reine Auffuhrung des 20. Jahrhunderts.
Wenn Monteverdi rein kame und das horen wurde,
wurde er im besten Fall lachen."[76]
August Wenzinger, einer der ersten Lehrer an der Schola Cantorum Basiliensis, schrieb:
,,Es wird uns nie gelingen, so zu singen, zu spielen und zu horen,
wie es ein Zeitgenosse eines vergangenen Jahrhunderts tat.
Jede Auffuhrung war und ist ein einmaliges Ereignis,
das gepragt ist von so vielen zeitlichen, musikalischen, sozialen, nationalen und personlichen Einflussen,
dass es eben keinen allgemeinen >Kanon der Alten Musik< gibt.Es bleibt der Sensibilitat, dem Wissen und Konnen des Ausfuhrenden vorbehalten,
dem inneren Wesen eines Werkes so nahe als moglich zu kommen und es dem Horer lebendig darzubieten."[77]
Neuinterpretationen Alter Musik und Crossover (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die von Luigi Dallapiccola (1904-1975) komponierten Werke Tartiniana (1951) und Tartiniana Seconda (1956) greifen auf Themen aus Sonaten des italienischen Barockmeisters Giuseppe Tartinis zuruck.
Jacques Loussier (1934-2019) wurde mit seinen verjazzten Interpretationen von Werken Johann Sebastian Bachs bekannt. Auf diese anfangs ungewohnliche Kombination war Loussier 1959 wahrend seines Studiums gestossen und grundete dazu mit dem Bassisten Pierre Michelot und dem Schlagzeuger Christian Garros das Play Bach Trio.
Auf dem Album Officium begleitet Jan Garbarek (* 1947) mit seinem Saxophon als ,,funfte Stimme" das Hilliard Ensemble bei Werken aus der Entstehungszeit des Gregorianischen Gesangs bis zur Renaissance.
Angelo Branduardi (* 1950) verbindet als Cantautore die Alte Musik mit traditioneller Volksmusik.
Musiker und Ensembles, die im historisch informierten Bereich der Alten Musik beheimatet sind, laden sich Interpreten mit anderen Backgrounds zu gemeinsamen Projekten ein. Christina Pluhar (* 1965) und ihr Ensemble ,,L'Arpeggiata" zahlen zu denen, die sich in diesem Feld des Crossovers bewegen.[78]
Die Freitagsakademie tritt ebenfalls mit interessanten Crossover-Projekten hervor; dazu gehort:
- Sufi und Bach - Orient meets occident. Sufi-Musik mit Burhan Ocal
- Delirio Amoroso. Zeitgenossischer Tanz zu Alter Musik mit Joshua Monten
- Concert dans le gout theatral. Alte Musik und Neuer Tanz mit Joshua Monten
- Bach Multimedial. Die Brandenburgischen Konzerte mit Ton, Wort und Bild, Konzept: Stefan Winter (winter & winter)
- Le Roi Danse - Ein Tag am Hof von Versailles. Mit Mojca Gal, Barocktanz
Zitate
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten],,Alte Musik ist Musik mit unterbrochener Auffuhrungstradition."
,,Alte Musik ist nicht ausschliesslich historisch, sondern zu einem grossen Teil auch Neue Musik,
indem ein Musiker unserer Zeit notwendigerweise seine Kreativitat einbringen muss.
Darin liegt die grosse Vitalitatschance der Alten Musik."
,,Die Alte Musik, anders als das Repertoire der Romantik,
in dem man vor allem das Aufgesetzte, Schwulstige, Subjektive sah,
schien [in der Jugendmusikbewegung des 20. Jahrhunderts] Werte wie Einfachheit, Wahrhaftigkeit und Tiefe zu verburgen.
Darum wurde sie zur verbindenden Klammer von Protesthaltungen, die
gegen den zeitgenossischen Musikbetrieb,
gegen das >Konzertmassige<,
gegen das Virtuosentum und schliesslich auch
gegen das gebrauchliche Instrumentarium gerichtet waren."
,,Das Wahre, Echte, Gemeinschaftsbildende glaubte man [in der Jugendmusikbewegung des 20. Jahrhunderts] im Repertoire der vermeintlich schlichteren >Alten Musik< und des Volksliedes zu finden."
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dieter Gutknecht: Studien zur Geschichte der Auffuhrungspraxis Alter Musik. Ein Uberblick vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. 2. Auflage. Schott, Mainz 1997 (Volltext, urn:nbn:de:101:1-201509242576)
- Thomas Forrest Kelly: Alte Musik (= Reclams Universal-Bibliothek. Nr. 19173, Reclam-Sachbuch). Reclam, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-15-019173-6 (Einfuhrung in das Thema, die auch die Auffuhrungspraxis mit einbezieht).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und uber Alte Musik im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Early Music Network (englisch)
- Early Music FAQ (englisch)
- Ensembles fur Alte Musik in Deutschland (Liste des Deutschen Musikinformationszentrums)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- | Werner Keil: Musikgeschichte im Uberblick. UTB 2012, S. 17.
- | Arnold Feil, Metzler Musik Chronik vom fruhen Mittelalter bis zur Gegenwart, Stuttgart und Weimar 1993, 2., erweiterte Auflage 2005, Seite 89, ISBN 3-476-02109-2
- | Arnold Feil, Musik als Geschichte, in: Metzler Musik Chronik vom fruhen Mittelalter bis zur Gegenwart, Stuttgart und Weimar, 2., erweiterte Auflage 2005, Seite 850, ISBN 3-476-02109-2
- | Arnold Feil, Uberlegungen zur Epochenbezeichnung, in: Metzler Musik Chronik vom fruhen Mittelalter bis zur Gegenwart, Stuttgart und Weimar, 2., erweiterte Auflage 2005, Seite 305, ISBN 3-476-02109-2
- | Definition Alte Musik auf der Homepage https://www.tagealtermusik-regensburg.de, abgerufen am 24. August 2025
- | Bspw. Richard Taruskin: Oxford History of Western Music. Oxford University Press 2005.
- | zitiert im Artikel ,,Historismus" im Onlinelexikon https://www.musiklexikon.ac.at/, abgerufen am 19. August 2022
- | Paul Bekker: Neue Musik In: Gesammelte Schriften. 3. Band. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart / Berlin 1923, S. 85-118 (Wikisource)
- | Brockhaus Riemann Musiklexikon. Band 1. (1998), ISBN 3-254-08396-2, S. 123
- | Bernhard Morbach: EINE VITALE ALTERNATIVE - EIN BLICK AUF 40 JAHRE ALTE MUSIK IN DEUTSCHLAND, Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion, August 2011, abgerufen am 23. September 2022
- | Uber die Originalklangbewegung https://www.br-klassik.de/, abgerufen am 22. August 2022
- | Lorenz Welker: Zink. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Sachteil, Band 9 (Sydney - Zypern). Barenreiter/Metzler, Kassel u. a. 1998, ISBN 3-7618-1128-4, Sp. 2383-2390, hier Sp. 2388 (Online-Ausgabe, fur Vollzugriff Abonnement erforderlich)
- | Hermann Moeck: Otto Steinkopf +. In: Tibia, 2/1980, S. 117 f.
- | Martin Elste (Hrsg.): Die Dame mit dem Cembalo. Wanda Landowska und die Alte Musik. Schott, Mainz 2010, ISBN 978-3-7957-0710-1.
- | Edward L. Kottick: A History of the Harpsichord. Indiana University Press, Bloomington (Indiana) 2003, S. 425-429.
- | Die Orgelbewegung in Musik und Theologie, abgerufen am 15. Januar 2023.
- | Birger Petersen: Norddeutschland als Orgellandschaft zwischen den Kriegen. In: Michael Heinemann, Birger Petersen (Hrsg.): Orgelbewegung und Spatromantik. Orgelmusik zwischen den Weltkriegen in Deutschland, Osterreich und der Schweiz. S. 16. pdf
- | Das Original des Originalklangs: Nikolaus Harnoncourt, Homepage der Deutschen Welle vom 6. Marz 2016, abgerufen am 1. August 2022
- | Franz Schubert: Schwanengesang. Ernst Haefliger, Tenor; Jorg Ewald Dahler, Hammerflugel; CLAVES; D 8506 (LP11616); auch Winterreise, Mullerin und weitere Einspielungen
- | Der Instrumentenbauer Karl Maendler und die Weiterentwicklung des "Bachklaviers" auf der Homepage heiJOURNALS - Heidelberger OJS-Journals, abgerufen am 22. August 2022
- | Freidel Keim: Das Trompeter-Taschenbuch. Schott, Mainz 1999, ISBN 3-254-08377-6, S. 73.
- | Organ, San Giorgio Maggiore. Homepage Save Venice, abgerufen am 26. August 2025.
- | Homepage Museo degli strumenti musicali dell'Accademia nazionale di Santa Cecilia, abgerufen am 22. August 2022
- | J. S. Bach. In: Musikabteilung. Staatsbibliothek zu Berlin, abgerufen am 18. August 2020.
- | Musikbestande der Herzog August Bibliothek, beschrieben auf der Homepage der Bibliothek, abgerufen am 1. September 2022
- | Royal Music Library - Handel's manuscripts - uber die Manuskripte von Handel auf der Internetseite der British Library
- | Renzo Bragantini: Eintrag im Dizionario Biografico degli Italiani - Volume 17 (1974)
- | The Music Encoding Initiative. In: github.com. Abgerufen am 10. Februar 2017 (englisch).
- | MEI | The Music Encoding Initiative. In: music-encoding.org. 2017, abgerufen am 10. Februar 2017 (englisch).
- | Caspar Ruetz: Widerlegte Vorurteile von der Wirkung der heutigen Kirchenmusic. Rostock und Wismar 1753, S. 112
- | Willem den Vries: Wanda Landowska und ihre ,Musique Ancienne'. In: Raub und Restitution. hrsg. von Inka Bertz und Michael Dorrmann, Gottingen 2008, ISBN 978-3-8353-0361-4, S. 219.
- | Willem den Vries: Wanda Landowska und ihre ,Musique Ancienne'. S. 222.
- | Stephan Emele: BWV 565 - ein Werk von Kellner? (Staatsexamensarbeit). - Auszugsweise auch im Web.
- | Peter Williams: BWV565: A toccata in D minor for organ by J.S.Bach? In: Early Music. 1981.
- | Simon Heighes: Giovanni Battista Pergolesi (englisch)
- | Herfried Kier: >>Kiesewetters Historische Hauskonzerte. Zur Geschichte der kirchenmusikalischen Restauration in Wien<<, in: Kirchenmusikalisches Jahrbuch, 52. Jahrgang, Koln 1968, S. 95
- | Carl von Winterfeld: Johannes Gabrieli und sein Zeitalter. 2. Theil. Berlin 1834, S. 168-212 (Scan - Internet Archive)
- | Vorwort der Arbeit uber Johannes Gabrieli, 1834, Johannes Gabrieli und sein Zeitalter. Zur Geschichte der Bluthe heiligen Gesanges im sechzehnten, und der ersten Entwickelung der Hauptformen unserer heutigen Tonkunst in diesem und dem folgenden Jahrhunderte, zumal in der Venedischen Tonschule (Berlin 1834)
- | Reinhard Brembeck: Jubel und Duft der Tone. Zwei neue Bucher uber Claudio Monteverdi, der vor 450 Jahren getauft wurde. In: Suddeutsche Zeitung vom 15. Mai 2017, S. 12.
- | Artikel Viola da gamba. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 2., neubearbeitete Ausgabe. Barenreiter, Kassel, und J. B. Metzler, Stuttgart 1998, Sachteil, Band 9, Sp. 1572-1597, hier: Sp. 1573 (im Folgenden zitiert als ,,MGG-S").
- | Dieter Gutknecht: Studien zur Geschichte der Auffuhrungspraxis Alter Musik. Ein Uberblick vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. 2. bearb. und erweit. Auflage, Koln 1997 (1993) im Verlag Schott Campus, ISBN 3-9803578-9-9 (Vorwort PDF), Seite 273, abgerufen am 2. August 2022
- | In diesem Werk greift Respighi auf von dem italienischen Musikwissenschaftler Oscar Chilesotti editierte Ubertragungen von Lauten- und Gitarrentabulaturen des 16. und 17. Jahrhunderts von u. a. Simone Molinaro, Vincenzo Galilei, Ludovico Roncalli, Giovanni Batista Besardo und anonymen Komponisten der damaligen Zeit zuruck. Im Untertitel nennt Respighi das Werk dann auch Trascrizione libera per orchestra (freie Transkription fur Orchester).
- | Boccherini, (Ridolfo) Luigi | Grove Music. Abgerufen am 30. April 2018 (englisch).
- | Stefan Drees: Kontrapunktische Materialbefragung als Modus historischer Vergewisserung. Luigi Dallapiccolas Relekture der Vergangenheit. In: Luigi Dallapiccola, Ulrich Tadday (Hrsg.): edition text + kritik (= Musik-Konzepte. Band 158). Munchen 2012, S. 46-65 (academia.edu [abgerufen am 30. August 2018]).
- | Playing the Numbers When Putting Voice to Bach In: The New York Times. 15. April 2007.
- | Europaische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts: Dolmetsch
- | Enciclopedia Catalana: Ars Musicae.
- | Ann-Christine Mecke: Mutantenstadl. Der Stimmwechsel und die deutsche Chorpraxis im 18. und 19. Jahrhundert. Wissenschaftlicher Verlag Berlin, 2007, ISBN 3-86573-289-5, S. 246.
- | Peter Watchorn: Isolde Ahlgrimm, Vienna and the Early Music Revival. Ashgate Publishing, 2007, ISBN 0-7546-5787-6, S. 18, books.google.co.uk abgerufen am 6. Dezember 2010.
- | Josef Ulsamer beim Bayerischen Rundfunk
- | Die Diskografie ist aus dem gleichnamigen Artikel der italienischsprachigen Wikipedia ubernommen.
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- | MDR vom 2. Juli 2024: Sparplane: Trotz wochenlanger Proteste: Musikhochschule Weimar schliesst Institut fur Alte Musik, abgerufen am 4. Juli 2024
- | Pachelbel-Werke-Verzeichnis.
- | Orlando di Lasso-Gesamtausgabe Lasso-digital, abgerufen am 15. August 2025
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- | Klassiklabel aus GMHutte gewinnt Grammy in Los Angeles bei der noz
- | Beschreibung des Labels Alia Vox
- | Das Original des Originalklangs: Nikolaus Harnoncourt, Homepage der Deutschen Welle vom 6. Marz 2016, abgerufen am 2. August 2022.
- | Dieter Gutknecht: Studien zur Geschichte der Auffuhrungspraxis Alter Musik. Ein Uberblick vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. 2. bearb. und erweit. Auflage, Koln 1997 (1993) im Verlag Schott Campus, ISBN 3-9803578-9-9 (Vorwort PDF), Seite 7, abgerufen am 2. August 2022
- | Homepage zum Crossover, abgerufen am 17. August 2022
- | Zitat bei Bernhard Schrammek auf der Homepage, abgerufen am 23. September 2022
- | Zitat bei Bernhard Schrammek auf der Homepage, abgerufen am 23. September 2022
- | Dieter Gutknecht: Studien zur Geschichte der Auffuhrungspraxis Alter Musik. Ein Uberblick vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. 2. bearb. und erweit. Auflage, Koln 1997 (1993) im Verlag Schott Campus, ISBN 3-9803578-9-9 (Vorwort PDF), abgerufen am 2. August 2022, Seite 285.286
- | Dieter Gutknecht: Studien zur Geschichte der Auffuhrungspraxis Alter Musik. Ein Uberblick vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. 2. bearb. und erweit. Auflage, Koln 1997 (1993) im Verlag Schott Campus, ISBN 3-9803578-9-9 (Vorwort PDF), abgerufen am 2. August 2022, Seite 28