Rebec
Die Rebec, auch rebeck, rebecke, rebekke, ist als Kleingeige ein Vorlaufer der heutigen Violine und kam wahrscheinlich im 10. Jahrhundert[1] bzw. im Hochmittelalter uber Spanien nach Mitteleuropa. Ihr Name geht wie der zahlreicher Saiteninstrumente zwischen Nordafrika und Sudostasien auf die arabische Wurzel r-b-b zuruck. Die Form dieses Lauteninstruments ahnelt der afghanischen Halslaute Rubab, unterscheidet sich jedoch von der turkischen Spiesslaute Rebap. Ursprunglich hatte das Instrument 1-3 Saiten in Quinten gestimmt (g, d`, a`).[1] Die Rebec des 16. und 17. Jahrhunderts hat keine Bunde.
Saitenzahl und Stimmung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Zahl der Saiten variiert zwischen eins und funf, wobei drei die haufigste Variante ist. Oft sind sie in Quinten gestimmt z. B. d' a' e". Der Tonbereich ist meist im Sopran bzw. Diskant. Es gab unter anderem im 17. Jahrhundert auch grossere Exemplare, so dass es Stucke fur Rebec-Konsorts gab, ahnlich wie bei Violen.
Form
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Korpus ist meist birnenformig, kann aber auch flach und einer Geige ahnlich sein. Aufgrund ihrer Bauweise wird die Rebec wie die Drehleier und die Fidelabkommlinge zu den Sattelknopfinstrumenten gerechnet.
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dass die Rebec kein Instrument der hoheren Stande gewesen sein soll und Spielleute damit nur ,,zum Tanz aufspielten", ist ein gangiges Vorurteil, das sich aus der Rezeptionsgeschichte des Instruments im 20. Jahrhundert ergibt. Das Gegenteil ist der Fall: Der Musiktheoretiker des 15. Jahrhunderts Johannes Tinctoris gibt der Rebec den Vorrang vor anderen Instrumenten seiner Zeit und schlagt vor, es nur fur sakrale Musik zu verwenden, was u. a. darauf hinweist, dass es zumindest sehr verbreitet und anerkannt in hoheren Schichten gewesen sein muss.
,,Meine Instrumente sind die viola und das rebecum. Die meinen, sage ich, weil durch dieselben mein Geist zum Affekt der Frommigkeit emporsteigt und weil sie mein Herz zur Betrachtung der himmlischen Freuden auf das intensivste anspornen. Deswegen mochte ich sie auch lieber fur heilige Dinge und fur die geheimnisvollen Trostungen des Gemutes verwendet wissen als zu profanen Festen."
Namens- oder bauartverwandte Instrumente
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Rababa, ein- bis zweisaitige kastenformige Fiedel in der arabischen Volksmusik
- Rabeca, drei- oder viersaitige Violine portugiesischen Ursprungs in Brasilien
- Rabel (Hirtengeige), zwei- oder dreisaitige Violine spanischen Ursprungs
- Robeke, auch mbeka, einsaitige Streichlaute der indonesischen Insel Flores
- Kemence in der Schwarzmeerregion, auch Lyra genannt
- Gadulka in Bulgarien
- Dran-nye oder Dramyin im Himalayagebiet
- Qanbus im Jemen
- Tanzmeistergeige
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mary Remnant: Rebec, Fiddle and Crowd in England. In: Proceedings of the Royal Musical Association, 95th Sess. Taylor & Francis, 1968-1969, S. 15-28.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Paul Butler: The Rebec Project. Rutgers University, 21. Oktober 2003; abgerufen am 7. Oktober 2019 (englisch, Geschichte, Bilder, Bauweise).
- Gudrun Petruschka: Rebec. (mp3-Audio, 3,2 MB, 3:13 Minuten) In: BR-Klassik-Sendung ,,Stichwort - Lexikon der Alten Musik". 6. Oktober 2019; abgerufen am 7. Oktober 2019.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- | a b Katrin Anita Svoboda: "Leben, Wirken und Musik der Bruder Schrammel" Kapitel 2.1.1. Geschichtlicher Umriss ac.uk, Seite 33