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Jared Diamond

aus Wikipedia, der freien Enzyklopadie
Jared Diamond (2016)

Jared Mason Diamond (* 10. September 1937 in Boston, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Evolutionsbiologe, Physiologe und Biogeograph.

Jared Diamond ist der Sohn des Hamatologen und Kinderarztes Louis K. Diamond.[1] Seine Mutter war Konzertpianistin, Lehrerin und Linguistin. Beide Eltern kamen aus judischen Immigrantenfamilien osteuropaischer Herkunft. Diamond wuchs mit einer jungeren Schwester in Boston auf.[2]

Diamond erreichte im Jahre 1958 einen Bachelor-Abschluss an der Harvard University und promovierte 1961 an der University of Cambridge. Er war viele Jahrzehnte lang in der Feldforschung tatig und leitete zahlreiche anthropologische und evolutionsbiologische Expeditionen nach Neuguinea. Seit Juni 2004 ist er Professor fur Geografie an der University of California, Los Angeles. Vorher war er dort Professor fur Physiologie an der medizinischen Fakultat gewesen. Diamond ist dem breiten Publikum durch seine popularwissenschaftlichen Bucher, in denen er neueste Erkenntnisse aus Anthropologie, Biologie und Geschichte zusammenhangend darstellt, bekannt geworden. Seine Arbeit ist ausgesprochen breit interdisziplinar angelegt. Er ist Mitglied u. a. der American Academy of Arts and Sciences (1973), der National Academy of Sciences (1979) und der American Philosophical Society (1988). 1985 war er MacArthur Fellow.

Diamond spricht neben Englisch etliche weitere Sprachen, darunter Deutsch, Tok Pisin und die Sprache der Fore.[3] Als er uber 60 Jahre alt war, lernte er als seine zwolfte Sprache Italienisch.[4]

In Der dritte Schimpanse (1992) greift Diamond auf Erkenntnisse der Evolutionsbiologie, Linguistik, Geschichte, Archaologie und weiterer Disziplinen zuruck, um die Frage zu beantworten, wie die entscheidenden Besonderheiten der Menschen zu erklaren sind: Lebenszyklus und Sexualverhalten, Sprache, Kunst, Landwirtschaft, Volkermord und Umweltzerstorung. In diesem Werk sind bereits die Themen angelegt, die er in den folgenden drei Buchern vertieft.

Fur sein Buch Arm und Reich (englisch: Guns, Germs, and Steel, 1997, dt. 1999) wurde Diamond 1998 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Kernaussage dieses Werkes ist, dass hochst unterschiedliche naturraumliche Ausgangsvoraussetzungen auf den Kontinenten - und nicht etwa Unterschiede zwischen menschlichen Rassen - die Grundlage fur die weltweite wirtschaftliche Dominanz ,,westlicher" und asiatischer Kulturen bildeten. Der fur die menschliche Entwicklung entscheidende Ubergang zu landwirtschaftlichen Gesellschaften ist nach Diamonds Darstellung vor allem durch die Verfugbarkeit domestizierbarer Pflanzen- und Tierarten gepragt; Eurasien hatte hier von Anfang an eine vorteilhafte Sonderstellung. Zum anderen sei die uberlegene Entwicklung und weltweite Durchsetzung der eurasischen Kulturen auch auf die geografische Ausrichtung der Kontinente zuruckzufuhren. In Eurasien ermoglichten lange Verkehrswege in Ost-West-Richtung einen jahrtausendelangen Austausch von Errungenschaften. Dagegen sind Afrika und Amerika an einer Hauptachse in Nord-Sud-Richtung ausgerichtet. Hier wirkten hohe Gebirge, Wusten oder tropische Urwalder als Barrieren in Nord-Sud-Richtung, so dass etwa die Inka in Sudamerika keine Verbindung zu den Maya und Azteken in Mittelamerika hatten.

In seinem Werk Warum macht Sex Spass? (1997, dt. 1998) geht es um das in der Natur hochst ungewohnliche menschliche Sexualverhalten und unsere Besonderheiten im Lebenszyklus, die fur die Menschwerdung zentral waren.

In Kollaps: Warum Gesellschaften uberleben oder untergehen (2005) betrachtet Diamond beispielhaft einige Kulturen, die sich durch Ubernutzung der Umwelt bzw. durch falsche Reaktion auf allgemeine Umweltveranderungen selbst zugrunde richteten und dann in sehr kurzer Zeit einen vollkommenen gesellschaftlichen Zusammenbruch erlebten. So analysiert er beispielsweise die Wikinger in Gronland, die Anasazi in Nordamerika, die Polynesier auf der Osterinsel oder die Maya in Mittelamerika. Er behandelt aber auch Beispiele von Kulturen, die trotz ungunstiger Voraussetzungen durch Anpassung uberleben konnten. Er nennt hier die Islander, die Inuit in Gronland, Japan unter dem Tokugawa-Shogunat und Populationen einiger polynesischer Inseln. Zudem leitet er aus diesen Erkenntnissen Handlungsempfehlungen fur die heutigen Gesellschaften ab, die er weltweit in einer ahnlich gefahrlichen Gesamtsituation sieht.

Diamonds Buch Vermachtnis: Was wir von traditionellen Gesellschaften lernen konnen (2012) vertritt die These, dass die sozialen Strukturen indigener Gesellschaften weitgehend den Strukturen vormoderner Gesellschaften entsprachen und anthropologische Forschung daher Ruckschlusse auf die Menschheitsgeschichte erlaube.

Das Buch Krise: Wie Nationen sich erneuern konnen (2019) ist sein bislang politikbezogenstes Werk, wobei er selber sagt, das sei allein dem Thema der kollektiven Evolutionsmoglichkeiten geschuldet.[5]

Auszeichnungen und Ehrungen

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Zu Diamonds Ehren wurden zwei auf Neuguinea heimische Tierarten nach ihm benannt: Zaglossus bartoni diamondi (eine Unterart des Barton-Langschnabeligels) und die Froschart Austrochaperina adamantina.[7]

Neben Anerkennung[8] hat Diamonds Buch Vermachtnis auch Widerspruch von Anthropologen[9] und Vertretern indigener Gesellschaften Papuas[10] hervorgerufen. So wird etwa bemangelt, dass Diamond indigene Gesellschaft pauschalisierend als kriegerisch darstelle und dass er sie als Relikte ,,unserer" Vorfahren beschreibt, obwohl sich indigene Gesellschaften, wie alle anderen auch, im Laufe der Zeit hatten anpassen mussen und nicht mehr so lebten, wie es die Menschen vor Hunderttausenden von Jahren getan haben. Diamonds Aussage einer Reduzierung der Gewalt durch Staatenbildungsprozesse ubersehe dazu die katastrophalen Auswirkungen, die der Kontakt mit realen Staaten fur indigene Gesellschaften bereits gehabt habe und weiterhin habe.

Stephen Corry von Survival International kritisiert generell die Bezugsgrossen der statistischen Vergleiche. Nach Diamond seien Kriege umso verheerender, je mehr Kriegstote sie im Verhaltnis zur Gesamtbevolkerung aller involvierten Lander mit sich bringen. Richtiger ware es hingegen, die Toten ins Verhaltnis zu den Menschen zu setzen, die sich auch im Gebiet des Krieges befanden. Der Eindruck einer friedvolleren Moderne komme durch diese politisch motivierte willkurliche Vergleichsbasis zustande.[11]

Schriften (Auswahl)

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Beitrage in wissenschaftlichen Fachzeitschriften

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Zeitungs- und Magazinbeitrage
Interviews
Commons: Jared Diamond - Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. | Nick Ravo: Louis Diamond, 97, a Pediatrics Legend, Dies. In: nytimes.com. 25. Juni 1999, abgerufen am 19. Dezember 2016 (englisch).
  2. | Jared Diamond - Munzinger Biographie. Abgerufen am 20. September 2024.
  3. | Interview mit Jared Diamond Was wir von Urvolkern lernen konnen spiegel.de, 29. Dezember 2012.
  4. | About me jareddiamond.org.
  5. | Jared Diamond: So how do states recover from crises? Same way as people do. Interview in: The Observer, 21. April 2019.
  6. | International Cosmos Prize: The Prizewinner 1998 expo-cosmos.or.jp
  7. | Bo Beolens, Michael Watkins, Michael Grayson: The Eponym Dictionary of Amphibians, Pelagic Publishing, 2013, Stichwort Adamantina (online bei Google Books).
  8. | Abby O'Reilly: Review: The World Until Yesterday: What Can We Learn from Traditional Societies? In: The Independent, 20. Januar 2013.
  9. | Barbara J. King: Why Does Jared Diamond Make Anthropologists So Mad? npr.org, 17. Januar 2013.
  10. | Survival und Indigene kritisieren Jared Diamonds neues Buch ,,Vermachtnis" survivalinternational.de, 7. Februar 2013.
  11. | Stephen Corry: Ein ,,Selbsthilfe-Handbuch" fur ,,moderne" Menschen welt.de, 5. Februar 2013.
  12. | Rezension zu The World Until Yesterday In: The Guardian, 9. Januar 2013 (englisch).
Personendaten
NAME Diamond, Jared
ALTERNATIVNAMEN Diamond, Jared Mason (vollstandiger Name)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Evolutionsbiologe, Physiologe und Biogeograf
GEBURTSDATUM 10. September 1937
GEBURTSORT Boston, Massachusetts