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Industrial

aus Wikipedia, der freien Enzyklopadie
Dieser Artikel erlautert die musikkulturelle Bewegung; fur das gleichnamige Piercing siehe Industrial-Piercing.
Industrial

Entstehungsphase: 1970er Jahre
Herkunftsort: Vereinigtes Konigreich, Vereinigte Staaten
Stilistische Vorlaufer
Artrock, Protopunk, Musique concrete
Pioniere
Cabaret Voltaire, Boyd Rice, Throbbing Gristle
Stilistische Nachfolger
Noise, Post-Industrial
Stilrichtungen des Post Industrial
Power Electronics, Dark Ambient, Ritual Industrial, Martial Industrial, Death Industrial
Verselbststandigte Hybride
Electronic Body Music, Industrial Dance, Neofolk

Industrial ist eine Kunst- und Musikrichtung, die sich ab der Mitte der 1970er-Jahre weltweit aus Elementen der experimentellen und Avantgarde-Musik sowie der Konzept- und Aktionskunst entwickelte. Der Begriff entstammt ursprunglich dem englischen Musiklabel Industrial Records, das kollektiv von den Mitgliedern der Band Throbbing Gristle gegrundet und gefuhrt wurde, die eine zentrale Position im fruhen Industrial innehatten. Seine Wurzeln hat der Industrial neben der englischen Szene auch in den Vereinigten Staaten.[1]

Eine wesentliche Komponente des Industrials war und ist die Provokation entlang der aussersten Rander des Ertraglichen und damit einhergehend das Experiment mit audiovisuellen Grenzerfahrungen. Um zu irritieren und schockierende Eindrucke aus der gelebten Welt zu kommentieren, werden extreme Darstellungen von Gewalt, Sexualitat, Krankheit, Krieg und Tod mit bedrohlichen und aggressiven Klangcollagen unterlegt. Die Band Throbbing Gristle beispielsweise verwob in ihrem Stuck Slug Bait - ICA den Mord an Sharon Tate und die Grausamkeiten rhodesischer Guerilleros vor einem ruhigen elektronischen Hintergrund detailliert ineinander, Psychic TV in Supermale Reden von Johannes Paul II. und Anton LaVey. Die slowenische Gruppe Laibach projizierte bei einem Konzert den Film The Future Continues und einen Pornofilm ubereinander, so dass unter anderem der drei Jahre zuvor gestorbene jugoslawische Staatsprasident Josip Broz Tito und ein Phallus gleichzeitig auf der Leinwand zu sehen waren.

Die drastischen Kolportationen von verstorenden Ereignissen in Industrialstucken konnen beim Horer eine nur schwer zu umgehende Fokussierung auf die Entwicklung emanzipativer Prozesse auslosen. Laibach etwa betrachten ihre Konzerte als Dekonstruktionen politischer Kundgebungen, antworten in Interviews mit Manifesten und stellen ein ubertriebenes Verlangen nach Autoritat zur Schau:[2]

"Laibach's method is extremely simple, effective and horribly open to misinterpretation. First of all, they absorb the mannerisms of the enemy, adopting all the seductive trappings and symbols of state power, and then they exaggerate everything to the edge of parody.
Next they turn their focus to highly charged issues - the West's fear of immigrants from Eastern Europe, the power games of the EU, the analogies between Western democracy and totalitarianism."

,,Laibachs Methode ist extrem simpel, effizient und schrecklich anfallig fur Fehlinterpretationen. Als erstes absorbieren sie die Angewohnheiten der Gegner, adaptieren all die verfuhrerischen Verlockungen und Symbole der Staatsmacht und dann ubersteigern sie alles bis in die Parodie.
Als Nachstes wenden sie ihre Aufmerksamkeit den kontroversen Themen zu -- der Angst des Westens vor Einwanderern aus dem Osten, die Machtspiele innerhalb der EU, die Analogien zwischen Demokratie und Totalitarismus."

- Richard Wolfson[3]

Es gibt jedoch auch Bands und Kunstler, die etwa totalitare Symbolik affirmativ aufgreifen und sich entsprechend positionieren: Michael Moynihan von Blood Axis beispielsweise hat sich mehrmals als Befurworter des Faschismus geaussert[4][5], Boyd Rice tat dies ebenfalls,[5] zeigte sich begeistert von Personen wie Adolf Hitler und Alfred Rosenberg und trat in der Sendung Race and Reason von Tom Metzger (White Aryan Resistance) auf, in der er Industrial als ,,weisse Musik" bezeichnete, und das Projekt Brethren vertritt deutlich rassistische Positionen.

Als Einflusse des Industrial finden sich Mail-Art-, Performance- und Aktionskunstler, Dada, Neo-Dada und Fluxus sowie Schriftsteller wie William S. Burroughs[6] und Brion Gysin.[6] Aber auch ausserhalb der Kunst liegende Gebiete wie Psychologie, Werbung und Geschichte waren und sind wichtige Inspirationen fur die Industrial Culture (darunter von zentraler Bedeutung als immer wiederkehrende Motive die Zeit des Nationalsozialismus, Terrorismus, der Kolonialismus mit den teils folgenden Unabhangigkeitskriegen sowie Motive aus Psychiatrie und Medizin). Ebenso werden nicht selten satanische und magische/okkulte Themen aufgegriffen, einige Musiker wie Z'EV,[1][7] das Church-of-Satan-Mitglied Boyd Rice oder die Band Psychic TV sind bekannt fur ihr Interesse an diesen Themen und haben zudem Vereinigungen wie Thee Temple ov Psychick Youth oder die Abraxas Foundation gegrundet; Thee Temple ov Psychick Youth wurde in der englischen Presse zeitweilig als in Ritualmorden involvierte satanische Vereinigung dargestellt,[1] und Namen wie LAShTAL und Current 93 zeigen Bezuge zu Thelema auf. Von relativ geringer Bedeutung sind dabei musikalische Einflusse. Zu nennen waren hierbei die Musik des Futurismus, Free Jazz und Free Improv, Musique concrete und einige Krautrock-Bands (Cluster, Tangerine Dream, Neu!, Kraftwerk). Experimentelle Kunstler wie Frank Zappa (Nasal Retentive Calliope Music, 1968), Captain Beefheart, die Noise-Pioniere Velvet Underground (European Son, 1969) oder Kevin Ayers (Song From The Bottom Of A Well, 1971) lieferten Songs, die die Industrial-Asthetik zum Teil vorwegnahmen. Auch Lou Reeds umstrittenes Album Metal Machine Music (1975), das im Wesentlichen aus kakophonischen Klangen besteht, gilt als Vorlaufer von Industrial.

Entstehungsphase

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Bereits um 1974 formierten sich die ersten Industrial-Projekte, unter ihnen Cabaret Voltaire aus Sheffield und Boyd Rice unter dem Pseudonym NON aus Denver. Wahrend dieser Zeit entstanden zahlreiche Aufnahmen, die allerdings erst spater einer breiteren Horerschaft zuganglich gemacht wurden. Wie bei vielen Industrial-Formationen dienten Gitarren Rice nicht als typisches Rockinstrument, sondern als unkonventioneller Klangerzeuger. Rice beispielsweise schuf einen Teil seiner Aufnahmen mithilfe einer ,,Rotorgitarre", einer E-Gitarre mit angeschraubtem Ventilator, der mittels Antriebsschraube die Saiten zum Schwingen brachte und als gewunschten Effekt Texturen mit hohem Gerauschanteil erzielte. Diese Aufnahmen wurden 1977 unter dem Titel The Black Album veroffentlicht.

Das dadaistisch inspirierte Kunstlerprojekt Cabaret Voltaire absolvierte seine ersten Auftritte bereits 1975 und konfrontierte das Publikum mit aufeinander folgenden TV-Screenshots in hoher Schnittfrequenz, die Bilder von politischen Ausschreitungen, militarischen Zerstorungen oder faschistischen Symbolen zeigten.

1977 veroffentlichten Throbbing Gristle, hervorgegangen aus der Extremperformancegruppe COUM Transmissions, das musikalisch bahnbrechende Album The Second Annual Report. Parallel dazu realisierten sie im angesehenen Londoner Institute of Contemporary Arts (ICA) eine Prostitution betitelte Ausstellung. Objekte wie gebrauchte Tampons und Abbildungen aus Pornomagazinen wurden gezeigt und Auftritte einer Stripperin, von Throbbing Gristle selbst und der Punk-Band Chelsea (unter dem Pseudonym ,,LSD") fanden statt. Die Ausstellung provozierte einen nationalen Skandal, mit dem sich selbst das britische Parlament befasste, und machte die Band popular und zugleich London zum Zentrum der Bewegung. Quasi aus dem Publikum heraus grundeten sich weitere Bands und Gruppen und Kunstler aus anderen Landern zogen teils dorthin. So entstand schnell ein internationales Netzwerk aus Musiklabels, Kunstlern, Medien und Auftrittsorten, das auch befordert wurde durch die Interaktion mit dem zeitgleich entstehenden Punk. Wichtige Nebenzentren waren Deutschland und Belgien. In beiden Landern entwickelten sich schnell eigene Spielarten des Industrials, teils unter starkem Einfluss lokaler Stile.

Weitere essentielle Projekte im Umfeld von Industrial Records waren SPK und Monte Cazazza.

Die Gruppe SPK wurde in Australien gegrundet und zog dann nach London, England. Die Mitglieder blieben anonym, liessen sich nicht abbilden und nutzten Pseudonyme wie EMS AKS, Ne/H/il, Oblivion, Tone Generator und Pinker statt ihrer burgerlichen Namen. Ihre ersten Veroffentlichungen spiegelten medizinische Themen wie Krankheiten, missgebildete Sauglinge und siamesische Zwillinge. Auf der Buhne wurden ausserdem Flammenwerfer eingesetzt und dem Publikum provozierendes Bild- und Filmmaterial prasentiert: Eine ihrer Live-Performances gipfelte im Verzehr von Teilen eines rohen Schafgehirns durch Kopf und Grunder Graeme Revell (u. a im offiziellen Band-Video Despair zu sehen).[8][9] Auf ihren ersten Alben Information Overload Unit (1981) und Leichenschrei (1982) spielte die Band bruitistische Musik ohne jedwede Melodie mit metallischen und elektrischen Gerauschen. Auf ihrem Album Zamia Lehmanni - Songs of Byzantine Flowers (1986) hingegen ruhige, schwere und triste ethnische Musik.

Cazazza wiederum entstammte der Szene San Franciscos, die neben ihm und Rice auch Z'EV, Jupitter Larsen (The Haters), Mark Pauline (Survival Research Laboratories), die psychedelische Band Factrix und die bedeutenden Publikationen RE/Search und Unsound hervorbrachte.[7]

Anfang bis Mitte der 1980er Jahre verfiel der innovative Impuls zunehmend, durch den sich Industrial anfangs ausgezeichnet hatte und das ursprunglich komplexe Geflecht aus Medientheorie, Kunst und Provokation degenerierte zu einem Stereotyp. Die meisten Industrial-Bands losten sich zu dieser Zeit entweder auf oder gingen komplett neue Wege.

Entwicklungen innerhalb der Post-Industrial-Ara

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Come-Org-Katalog von 1982

Eine Fortentwicklung aus dem Industrial stellen die ab den fruhen 1980ern neu entstandenen Richtungen Power Electronics, Dark Ambient, Ritual, Martial Industrial und Death Industrial dar. Diese Epoche, die mit der Auflosung des Industrial-Hauptacts Throbbing Gristle einsetzt, wird als Post-Industrial bezeichnet. Diese Bezeichnung ist jedoch umstritten, da sie ausserhalb der Industrial-Bewegung nur geringe Verbreitung erfuhr und die damit bezeichnete Epoche chronologisch nur schwer greifbar erscheint.

Einflussreiche Kunstler dieser Zeit waren Lustmord, Esplendor Geometrico, The Wolfgang Press, Einsturzende Neubauten, Coil, Psychic TV, Test Dept., Zoviet France, Laibach, P16.D4, Factrix, Zos Kia, Foetus, Nocturnal Emissions, Hunting Lodge, Z'EV, Blackhouse sowie einige Kunstler aus dem Umfeld des Come-Org-Labels (u. a. Whitehouse und Nurse with Wound).

Bis heute gibt es einen sehr aktiven Untergrund, der weltweit miteinander vernetzt ist. Wie andere Subkulturen auch, nutzt dieser traditionell Fanzines als Medium der Kommunikation, heutzutage aber vor allem das Internet. Reine Industrial-Fanzines, wie das franzosische Symposium oder ansatzweise das deutsche Scharlach, sind selten. Industrial wurde in den 1980er Jahren zum Teil in Punk-Magazinen behandelt, spater auch in Wave-Magazinen wie Aeterna, Cruciamentum, Glasnost Wave-Magazin oder spater das Black-Magazin aus Deutschland.

Power Electronics

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Hauptartikel: Power Electronics

auch Heavy Electronics genannt, ist ein Post-Industrial-Genre, das durch den Come-Org-Kreis um Whitehouse begrundet wurde und sich durch druckvolle, monotone Larmkulissen und stark verzerrten Schreigesang auszeichnet. Gelegentlich finden Samples Verwendung (z. B. aus politischen Reden) oder die Kompositionen werden durch Perkussions-Elemente oder Noise-Frequenzen rhythmisch unterlegt.

Sowohl textlich als auch visuell liegt Power Electronics dem klassischen Industrial am nachsten. Dabei werden vor allem Themen wie Mord, (sexuelle) Gewalt, Paraphilie, Wahnsinn, Rassismus oder Krieg (teils mit sozialkritischer Intention) aufgegriffen und versucht, bei Horerschaft und Publikum eine Schockwirkung zu erzielen.

Das bedeutende Power-Electronics-Projekt Whitehouse von William Bennett debutierte 1980 mit der LP Birthdeath Experience; die Stilbezeichnung kam mit ihrem Album Psychopathia Sexualis (1982) auf. Die im gleichen Jahr erschienene Kompilation Fur Ilse Koch pragte neben der Musik ausserdem die ublichen Themengebiete des Genres.

Hauptartikel: Dark Ambient

ursprunglich auch als Ambient Industrial bezeichnet, ist ein Post-Industrial-Genre, dessen Anfange bis in die spaten 1970er zuruckreichen. Die Bezeichnung selbst etablierte sich etwa um 1994 und wurde im Umfeld des Cold-Meat-Industry-Labels fur das Album The Goddess who Could Make the Ugly World Beautiful von Morthound[10] und das Werk Enthraled by the Wind of Lonelienes (sic) von Raison d'etre verwendet, das zu dieser Zeit von der Plattenfirma Discordia beworben wurde.[11] Die Bezeichnung Ambient Industrial ist hingegen seit der zweiten Halfte der 1980er belegt.[12]

Erste Dark-Ambient-Elemente finden sich bereits auf dem Throbbing-Gristle-Album The Second Annual Report von 1977, auf dem (zum Teil live aufgenommene) Kompositionen mit repetitiven Arrangements, Sprachsamples und bedrohlich anmutenden Klanglandschaften erzeugt wurden. Ahnliche Elemente machten sich Anfang der 1980er Jahre bei Kunstlern wie Lustmord (Lustmord, 1981), SPK (Leichenschrei, 1982) oder Zoviet*France (Mohnomishe, 1983) bemerkbar. Als fast vollstandig im Dark-Ambient-Stil produzierte Veroffentlichungen konnen das 1984er-Album Eostre von Zoviet*France oder das 1986er-Album Paradise Disowned von Lustmord betrachtet werden.

Eine Wechselbeziehung zwischen Dark Ambient und dem eigentlichen Ambient-Genre ist nicht ganz sicher, da sich beide Genres etwa gleichzeitig herausbildeten. Spatere Kunstler geben allerdings an, von beiden Genres - Industrial und Ambient - beeinflusst worden zu sein. Einige bedeutende Vertreter aus dem Dark-Ambient-Umfeld sind:

Hauptartikel: Ritual Industrial

Haufig auch Ritual Industrial genannt, ist ein Post-Industrial-Genre, das sich etwa 1983 entwickelte.

Charakteristisch fur diesen Stil ist die Verwendung perkussiver Elemente, wie Trommeln, Glocken oder Metallfasser, die als Samples eingesetzt oder live eingespielt werden. Dabei sind oft verschiedene Rhythmusformen vorzufinden, wie z. B. ein einfacher, repetitiver Trommelschlag oder ein perkussiv verschachteltes Grundgerust (sogenannte Tribal Beats). Die Kombination aus synkopalen Rhythmen und ruhigen Dark-Ambient- oder Noise-Flachen ergibt ein ,,zeremonielles" Klangbild, das vereinzelt durch Gesang und evozierende Worte untermalt wird. Typisch ist auch das kompositorische Einbetten von Samples sakraler, beispielsweise gregorianischer oder tibetischer Gesange, die zumeist als authentische Mitschnitte vorliegen. Die Autoren des Buches Looking for Europe beschreiben die Musik als ,,eine meist ruhige Industrial-Variante, die im Besonderen charakterisiert ist durch repetitive Kompositionen, Ruckgriffe auf ethnomusikalische Ritualklange und die Arbeit mit magischen Konzepten".[6]

Als Schlusselwerke fruher Ritual-Musik gelten die Werke Dekompositiones (1983) von SPK, LAShTAL (1983) und Nature Unveiled (1984) von Current 93 sowie The Secret Eye of L.A.Y.L.A.H. (1984) von Zero Kama, das laut band-eigener Aussage mithilfe menschlicher Knochen eingespielt wurde.[15] Auch die Gruppe 23 Skidoo, die dem Psychic-TV- und Cabaret-Voltaire-Umfeld entstammte, beschaftigte sich auf ihrem Werk The Culling is Coming (1983) mit ritueller Musik und kann mit Titeln wie Gregouka als einer der Vorreiter des Stils betrachtet werden. Ein fruhes Beispiel fur diese Bezeichnung findet sich u. a. auf der hauptsachlich mit metallischen Instrumenten wie Schwertern und Gongs eingespielten 12"-Single How to Destroy Angels von Coil (1984), wo sich die Beschreibung als ritual music for the accumulation of male sexual energy findet.[16] Eine weitere, aus den USA stammende Band war Hunting Lodge, die simultan mit vergleichbaren Elementen arbeitete (bspw. auf dem Album Exhumed und der Single Night from Night, beide 1983) und zwei Jahre spater mit Tribal Warning Shot einen Untergrund-Hit erzielte.

Reine Ritual-Musikprojekte sind selten. Viele Kunstler sind nebenbei in anderen Bereichen tatig, wie etwa im Dark-Ambient-, Death-Industrial- oder Neofolk-Umfeld. Einige bedeutende Ritual-Projekte sind:

  • 23 Skidoo
  • Ain Soph[6][17]
  • Allerseelen
  • Autopsia
  • C.O.T.A.
  • Chod
  • Cranioclast
  • Current 93[6]
  • Exotoendo
  • Halo Manash[18]
  • Hunting Lodge
  • The Hybryds[6][19]
  • In Slaughter Natives
  • Internal Fusion
  • LAShTAL
  • Maybe Mental
  • Metgumbnerbone
  • Nakasone
  • Nigredo
  • Raison d'etre
  • Raksha Mancham
  • Rosengracht
  • S*core
  • Sigillum S[6][17]
  • Sixth Comm
  • Sleep Chamber
  • SPK
  • Svasti-ayanam
  • T.A.C.
  • Tasaday
  • Temps perdu?
  • Third Global Vagina Torture
  • Voice of Eye
  • Zahgurim
  • Zero Kama
  • Zwickau

Gelegentlich werden Kunstler wie Alio Die, Arbre Noir, Laszlo Hortobagyi, O Yuki Conjugate, TUU und Vasilisk dem Genre zugeordnet. Diese bewegen sich jedoch ausserhalb des Post-Industrial-Kontextes und sind stilistisch im Tribal-Ambient- und World-Music-Umfeld anzusiedeln.

Martial Industrial

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Hauptartikel: Martial Industrial

Martial Industrial auch Military Pop genannt, ist ein Post-Industrial-Genre, das sowohl auf Klassik- als auch auf Dark-Ambient-Elemente zuruckgreift und diese mit Marschrhythmen kombiniert.

Das Genre hat seine Wurzeln bei Gruppen wie Laibach[20][21] (Ti, Ki Izzivas, Neue Akropolis), In the Nursery[20] (Breach Birth, Arm Me Audacity) und Jordi Valls/Vagina Dentata Organ (Triumph of the Flesh), aber auch SPK,[20] die bereits in der Mitte der 1980er mit Militartrommeln, Filmmusik- und Orchestralsamples experimentierten und die spatere Martial-Industrial-Bewegung vorwegnahmen. In den 1990ern begannen europaweit Projekte wie The Moon Lay Hidden Beneath a Cloud, Derniere Volonte (Le feu sacre, Les blessures de l'ombre)[22] oder Regard Extreme damit, dieses Konzept fortzufuhren. Letztlich ging das Genre ,,in seiner Gesamtheit aber an seiner inhaltlichen und musikalischen Limitierung zugrunde".[23]

Aufgrund der Kriegsthematik in der Musik und der Covergestaltung einiger Alben, die dem Stile Leni Riefenstahls teilweise nachempfunden wurden, werden Vertreter des Martial Industrial oft ideologisch als rechtsorientiert kritisiert,[23] was aber - abgesehen von einzelnen sich offen zu rechtem Gedankengut bekennenden Bands und Musikern wie Von Thronstahl und Michael Moynihan - an der starren Asthetik von Militarkleidung und weniger in den Texten, Handlungen oder Absichten der Kunstler zu sehen ist. Einige bedeutende Vertreter des Martial Industrial sind:

Death Industrial

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Hauptartikel: Death Industrial

Der, auch als Doom Industrial bezeichnete, Death Industrial ist ein Post-Industrial-Genre, das Ende der 1980er Jahre entstand und sich in der Grauzone zwischen Power Electronics, Dark Ambient und Ritual bewegt.

Dabei werden haufig Samples von Maschinengerauschen, Glocken und sakralen Gesangen sowie Sound-Effekte wie Verzerrer, Echo, Reverb oder Delay verwendet, um einen tiefen, monumentalen Klang zu erzeugen. Meistens werden die jeweiligen Kompositionen von dumpfen Gerauschkulissen begleitet, die eine Art ,,Katakomben-Ambiente" hervorrufen sollen.

Die Bezeichnung Death Industrial wurde zunachst von Roger Karmanik, seines Zeichens Labelgrunder und -betreiber von Cold Meat Industry, fur das Projekt Brighter Death Now verwendet und im Laufe der Zeit auf zahlreiche weitere Kunstler des Labels ausgedehnt, die sich stilistisch zwischen Power Electronics, Dark Ambient und Ritual-Musik bewegten. Inzwischen ist sie auch fur label-ubergreifende Kunstler in Gebrauch. Einige bedeutende Kunstler aus dem Death-Industrial-Umfeld sind:

Derivative Formen

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Ferner waren Uberlagerungen mit anderen Genres, insbesondere mit dem Post-Punk-Umfeld, charakteristisch. Diese Uberschneidung findet sich unter anderem bei Kunstlern wie Skinny Puppy oder den fruhen Death in June.

Aufgrund stilistischer Wechselwirkungen zeigten sich mehrere Querverbindungen zu Kunstlern aus dem Neofolk-Genre. Diese Tatsache beruht moglicherweise auch auf den fruhen Tatigkeiten von Boyd Rice, der bereits 1975 mit seinen Anti-Platten Material veroffentlichte, das sich sowohl fur Industrial als auch fur den Neofolk als wegweisend erwies. So suchten die experimentierfreudigen Avantgarde- und Neofolk-Projekte wie Current 93, Nurse With Wound oder Death in June mit Hilfe post-industrieller Stromungen nach weiteren Ausdrucksmoglichkeiten.

Uber weitere vielfache Kreuzungen mit anderen Stilen (bspw. Rockmusik und Metal) entstand in den USA und Kanada eine Generation, die sich von den klassischen Urhebern bereits weit entfernt hatte. Ab dem Ende der 1980er Jahre kamen diese neuartigen, als Industrial Rock und Industrial Metal bezeichneten Stile durch Kunstler wie Ministry oder Nine Inch Nails auch im Mainstream an. Das starke emanzipatorische Potential der ursprunglichen Industrial-Bewegung wich dabei zunehmend einer reinen Schockasthetik. Von den intellektuellen Fundamenten (Medientheorie, Wahrnehmungsforschung, ,,Wirtschaftsguerilla") sind in aller Regel nur mehr Bruchstucke erhalten geblieben. John McRobbie, Betreiber des Mute-Records-Sublabels The Grey Area, das sich auf die Wiederveroffentlichungen fruher Industrial-Werke spezialisiert, sieht das ahnlich:

,,Als Monte Cazazza und Throbbing Gristle den Begriff Industrial Music pragten, war damit etwas ganzlich anderes gemeint als das, was die Musikindustrie heute in ihn hineininterpretiert. Ich mag Nine Inch Nails und Ministry, aber ich sehe nicht die kleinste Verbindung zu Throbbing Gristle, SPK oder den fruhen Cabaret Voltaire. Die Industrie pragt einen Begriff von einer Art Musik, die nie unter ihrer Kontrolle war. Punk verlor an Ausdruckskraft, sobald sich die Industrie einmischte. Dem Industrial ist das nie passiert. Er entzog sich stets dem Mainstream. Und jene Bands, die vorgeben, dazuzugehoren oder unfreiwillig in diesen Topf geworfen werden, haben nicht im Geringsten etwas damit zu tun."[26]

Wechselbeziehungen

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Aus einer Verschmelzung von Industrial und elektronischer Punkmusik (DAF, Die Krupps) ging die Electronic Body Music (EBM) hervor, die wiederum zahlreiche nachfolgende Musikstile beeinflusste, darunter den Techno in Europa.

Innerhalb der Post-Industrial-Szene existieren gegenwartig unterschiedliche kulturelle Stromungen. Wahrend ein Teil der Szene den Austausch mit der Neofolk-Kultur grundsatzlich befurwortet, lehnt ein anderer Teil den Kontakt mit dieser - aufgrund ihrer politischen Umstrittenheit - strikt ab. Unabhangig davon sind jedoch beide Subkulturen auf musikhistorischer Ebene untrennbar miteinander verwoben.

Einfluss auf andere Subkulturen

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Mit der Entstehung von IDM, Hardcore Techno, Drum and Bass, Glitch und Clicks & Cuts in den 1990er Jahren, gab es etliche Kunstler, die sich auf das Industrial-Umfeld beriefen und zur Entstehung weiterer Genres wie Breakcore, Rhythm 'n' Noise oder Industrial Hardcore beitrugen. So finden sich bei Projekten wie Autechre (Incunabula, 1993), Aphex Twin (Selected Ambient Works Vol. II, 1994) oder Biosphere (Patashnik, 1994) beispielsweise verstarkt Dark-Ambient-Elemente. Umstritten ist hierbei jedoch die direkte Beeinflussung durch fruhere Kunstler aus dem Dark-Ambient-Umfeld.

Etwa gleichzeitig wurden, vereinzelt in Zusammenhang mit dem schwedischen Label Cold Meat Industry, Teile der Black-Metal-Szene auf das Post-Industrial-Umfeld aufmerksam. Beispiele hierfur sind Abruptum (deren ,,Anti-Musik"[27] bereits Ende der 1980er Jahre Death-Industrial-Elemente ubernahm), Darkspace und Vinterriket. Eine Annaherung beider Szenen zeigt sich auch im gemeinsamen Erscheinen der Compilation Souvenirs from Hell, auf der unter anderem Bands wie Ulver, Blood Axis sowie Magus Wampyr Daoloths Projekte N.A.O.S. und Diabolos Rising vertreten sind.

Der zeitgenossische klassische Komponist Moritz Eggert liess sich durch Industrial zu seinem Schlagzeugkonzert Industrial fur Metallteile und Grosses Orchester inspirieren.

  • Ant-Zen
  • Art Konkret
  • Artware Production
  • Banned Production
  • BloodLust!
  • Cause for Concern
  • Cold Meat Industry
  • Cold Spring Records
  • Come Org
  • Cyclic Law
  • Dark Vinyl Records
  • Drone Records
  • Extreme
  • Fetish Records
  • Freak Animal Records
  • Galakthorro
  • Industrial Records
  • L.A.Y.L.A.H. Anti-Records
  • Ladd-Frith
  • L. White Records
  • Loki Foundation
  • Malignant Records
  • Membrum Debile Propaganda
  • Minus Habens
  • Nature & Art
  • Nekrophile Rekords
  • Noise Museum
  • Old Europa Cafe
  • Open Wound
  • Power & Steel
  • Praxis Dr. Bearmann
  • RRRecords
  • SSS Productions
  • Self Abuse Records
  • Slaughter Productions
  • Soleilmoon Recordings
  • Sounds for Consciousness Rape
  • Staalplaat
  • Stateart
  • Steinklang Industries
  • Sterile Records
  • Susan Lawly
  • Tesco Organisation
  • Zero Cabal
Commons: Industrial - Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. | a b c Z'EV - Acoustic Phenomenae.
  2. | Laibach Biography. VH1.com, abgerufen am 4. April 2011 (englisch).
  3. | Richard Wolfson: Warriors of weirdness. In: The Daily Telegraph, 4. September 2003.
  4. | Blood Axis. An Interview with Michael Moynihan. In: The Heretic, Nr. 10, Oktober 1994.
  5. | a b Zach Dundas: Lord of Chaos (Memento vom 26. Marz 2009 im Internet Archive).
  6. | a b c d e f g Andreas Diesel, Dieter Gerten: Looking for Europe. Neofolk und Hintergrunde. 2. Auflage. Index Verlag 2007, S. 31.
  7. | a b Industrial Culture - FACTRIX-Interview bei nonpop.de.
  8. | Industrial Music For Industrial People. Teil 2. In: Black Musik-Magazin, Heft-Nr. 19/00, Fruhjahr 2000, S. 51.
  9. | Die Geschichte des Industrial. Teil 2. In: Zillo Musik-Magazin, Heft-Nr. 10/96, Oktober 1996, S. 72.
  10. | Werbung fur das Album The Goddess Who Could Make the Ugly World Beautiful von Morthound. In: Glasnost Wave-Magazin, Ausgabe 44, November 1994, S. 6.
  11. | Aeterna Musikmagazin, Ausgabe 5, Winter 1994, S. 9.
  12. | Ambient Industrial: Option Magazine, Ausgabe 71, Sonic Options Network, 1987, S. 19.
  13. | Mike Gunderloy, Factsheet Five, Ausgaben 32-36, 1989.
  14. | Ambient Industrial: Werbung des TypeToken-Labels fur die Alben von Stone Glass Steel, SPIN Magazine, November 1993, S. 153.
  15. | Martin N.: Zero Kama: Live In Arnhem. Der singende Knochen.
  16. | Leonard Cohen: Coil. In: A Rough Guide to Rock. The Definitive Guide to More than 1200 Artists and Bands. 3rd edition: expanded and completely revised. Rough Guides 2003, S. 215.
  17. | a b Andreas Diesel, Dieter Gerten: Looking for Europe. Neofolk und Hintergrunde. 2. Auflage. Index Verlag 2007, S. 283ff.
  18. | Endsal: Halo Manash: Se Its En. Die Geburt der Musik aus dem Geiste des Schamanismus. In: Nonpop. 20. Oktober 2014, abgerufen am 23. Oktober 2014.
  19. | Andreas Diesel, Dieter Gerten: Looking for Europe. Neofolk und Hintergrunde. 2. Auflage. Index Verlag 2007, S. 252.
  20. | a b c d e f Andreas Diesel, Dieter Gerten: Looking for Europe. Neofolk und Hintergrunde. 2. Auflage. Index Verlag 2007, S. 30.
  21. | El_Nico: Laibach: An Introduction To Laibach. In: Nonpop. 3. September 2012, abgerufen am 3. September 2012.
  22. | Andreas Diesel, Dieter Gerten: Looking for Europe. Neofolk und Hintergrunde. 2. Auflage. Index Verlag 2007, S. 255.
  23. | a b Aarne Kinnunen: Post-Industrieller Pop - nicht fur Poser. In: Legacy. Nr. 66 (05/06), 2010, S. 147.
  24. | Michael We.: Megaptera: Nailed On Vinyl. Nach 15 Jahren Pause - neue Songs! In: Nonpop. 22. September 2014, abgerufen am 26. September 2014.
  25. | Richard K.: Im Gesprach mit Ordo Rosarius Equilibrio. In: Nonpop. 22. Oktober 2012, S. 1, abgerufen am 19. November 2012: ,,Glucklich zu sein ist der moralische Sinn unseres Lebens."
  26. | Die Geschichte des Industrial. Teil 3. In: Zillo Musik-Magazin, Heft-Nr. 11/96, November 1996, S. 40.
  27. | Zombie, M.D.: Abruptum - In Umbra Malitae Ambulabo, In Aeternum In Triumpho Tenebrarum. 8. August 2005, abgerufen am 1. Februar 2010 (englisch).