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Synonyme oder Synonyma (von altgriechisch sunonumos synonymos ,von gleichem Namen'[1] zu sun syn ,gemeinsam' und onoma onoma ,Name, Begriff') sind sprachliche Ausdrucke oder Zeichen, die zueinander in der Beziehung der Synonymie stehen - einer der grundlegenden Typen von Bedeutungsbeziehungen bzw. Sinnrelationen.
Synonymie im strengen Sinn ist eine Bedeutungsgleichheit zwischen Zeichen, also nicht nur gleicher Bezug in einem bestimmten Kontext, sondern systematische Deckungsgleichheit hinsichtlich der Bedeutung. Eine derart perfekte Synonymie ist selten im Wortschatz einer naturlichen Sprache (Sprache, die sich naturlich entwickelt hat, von Menschen gesprochen wird und nicht konstruiert ist). Beispiele fur Synonyme unterscheiden sich daher oft in untergeordneten Aspekten der Bedeutung wie etwa damit transportierten Bewertungen und der Zuordnung zu regional verschiedenem Sprachgebrauch etc.[2]
In einem weiten Sinn werden auch sinnverwandte Worter als Synonyme bezeichnet, auch wenn sie lediglich ahnliche oder verwandte Bedeutungen haben, so z. B. in Synonymworterbuchern.[3]
Zwei Worter sind zueinander immer wechselseitig synonym, jedoch besteht diese Beziehung eigentlich genaugenommen zwischen zwei bestimmten Lesarten dieser Worter, denn jedes fur sich ist oft mehrdeutig.[4]
Worter mit gegensatzlicher Bedeutung sind Antonyme.
Begriff der Synonymie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Voraussetzung fur den Begriff der Synonymie ist die Unterscheidung zwischen Wort und Begriff oder, allgemeiner, zwischen dem Zeichen (oder Bezeichner) und der Bedeutung (oder dem Konzept[5]) des Zeichens. Im Folgenden ist vor allem von sprachlichen Bezeichnungen oder Benennungen die Rede und so von Wort und Begriff. Ein Wort kann fur mehrere Begriffe stehen - als Homonym -, und ebenso kann es fur einen Begriff mehrere Worter geben - als Synonyme. Worter sind Synonyme zueinander, wenn sie fur den gleichen Begriff stehen.
Bei einem Begriff (im weiteren Sinn) kann unterschieden werden zwischen seinem Inhalt (seiner Intension bzw. der mit dem Begriff verbundenen Idee) und seinem Umfang (seiner Extension, also der Menge der Objekte, die so bezeichnet werden konnen) bzw. dem mit dem Begriff gefassten Gegenstand. Mit dieser Unterscheidung ist der Ausdruck ,,Bedeutung" mehrdeutig, bezeichnet er doch sowohl die Intension eines Begriffs als auch die Extension oder beides.
Synonymie im Sinne von Bedeutungsgleichheit oder Bedeutungsahnlichkeit kann sich daher auf die intensionale oder die extensionale Bedeutung beziehen. Da aus intensionaler Gleichheit extensionale Gleichheit folgt, nicht aber aus extensionaler Gleichheit eine intensionale, bestehen hier zwei Kombinationsmoglichkeiten: (a) intensionale und extensionale Bedeutungsgleichheit (oder -ahnlichkeit), und (b) intensionale Verschiedenheit und extensionale Bedeutungsgleichheit (oder -ahnlichkeit).
Der Fall intensionaler und extensionaler Identitat ist selten. Zu denken ware etwa an: ,,zwolf" = ,,12" = ,,XII" = ,,twelve". In allen Fallen bedeuten die genannten Ausdrucke in identischer Weise den Begriff der Zahl 12 in intensionaler und damit in extensionaler Hinsicht.
Als Fall intensionaler Verschiedenheit und extensionaler Gleichheit kann das Beispiel von Gottlob Frege ,,Abendstern" - ,,Morgenstern" angefuhrt werden. Beide Worter bezeichnen die Venus, allerdings uber einen je unterschiedlichen Begriffsinhalt.
Verbreitet wird als Synonymiekriterium eine extensionale Gleichheit fur ausreichend angesehen. Synonymie lasst sich dann als extensionale Deckungsgleichheit definieren[6] oder als partielle oder vollstandige ,,Referenzgleichheit" unterschiedlicher Zeichen.[7] Der Wahrheitswert eines Aussagesatzes andert sich nicht, wenn sich zwar ein Pradikat, nicht aber die durch das Pradikat bezeichnete Extension andert. So gilt als Kriterium fur Synonymie die Austauschbarkeit, ohne dass sich der Wahrheitswert eines Satzes andert, mit anderen Worten salva veritate.[8] In einem ahnlichen Sinn wird eine ,,Austauschbarkeit in Kontexten ohne einen Bedeutungsunterschied hervorzurufen" als Kriterium verlangt.[9]
Das Salva-veritate-Kriterium wird von Willard Van Orman Quine als nicht ausreichend kritisiert, da es in Modalkontexten zu grossen Schwierigkeiten fuhre.[10] Aber auch Frege waren diese Probleme opaker Kontexte bereits bekannt.
Im Gegensatz zur Annahme, dass Synonymie schon dann vorliegt, wenn extensional dasselbe bezeichnet wird, grenzt man diesen Fall der Referenzidentitat mitunter von der Synonymie ab[11] und versteht darunter eine intensionale Identitat bzw. Ahnlichkeit.
Das Synonymieverhaltnis wird in aller Regel von Unterschieden auf der Ebene der Konnotation getrennt, das heisst von Unterschieden bei Begleitvorstellungen wird abgesehen. Im oben angefuhrten Beispiel der Zahlbezeichnungen besteht zwischen ,,zwolf" und ,,12" auch in konnotativer Hinsicht kein nennenswerter Unterschied; hingegen kann der Gebrauch der romischen Ziffern ,,XII" mit hoherer Bildung konnotiert sein.
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Grundsatzlich konnte die Auffassung vertreten werden, dass es fur Worter, die hinreichend genaue sprachliche Abbilder von Begriffen sein sollen, schon objektiv keine Synonyme im Sinne einer Bedeutungsgleichheit geben konne, da dann auch die Worter gleich sein mussten. Entsprechend musste ein Wort, welches einem anderen seiner Gestalt nach nicht gleicht, allein deswegen einen anderen Bedeutungsgehalt haben, weil es nicht dasselbe Wort ist. In der Rechtsformlichkeit heisst dieses Prinzip Synonymverbot: Gleiches darf nicht mit unterschiedlichen Wortern bezeichnet werden, Gleiches muss stets mit dem gleichen Worte bezeichnet werden.
Strikte und partielle Synonymie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Man unterscheidet strikte oder partielle Synonymie (Bedeutungsahnlichkeit).
Strikte Synonymie (Bedeutungsgleichheit)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Strikte Synonymie (Bedeutungsgleichheit, Synonymie im strengen, engeren Sinn) setzt nicht nur voraus, dass zwei lexikalische Zeichen die gleiche denotative Bedeutung haben, sondern auch, dass sie in allen Kontexten austauschbar sind und in allen Kontexten die gleiche Wirkung haben.
Beispiele fur strikte Synonymenpaare im Deutschen sind nach allgemeiner Anschauung: Orange - Apfelsine; Streichholz - Zundholz.
Allerdings ist hier bereits einzuwenden, dass diese Art von Synonymie beim Paar Orange - Apfelsine nur fur die Nordhalfte des deutschen Sprachgebiets gilt. In der Deutschschweiz etwa und in Osterreich ist Apfelsine klar als Teutonismus markiert. Dieses Wort als Bestandteil eines Textes wurde ihn klar als in Norddeutschland handelnd situieren. In Texten, die in der Schweiz oder Osterreich spielen, wurde das Wort befremdlich klingen und auch in Bayern wurde der Gebrauch einen ,,Zugereisten" oder Urlauber kennzeichnen. Dieses Beispiel kann demnach auch nur als Bedeutungsahnlichkeit gewertet werden.
Selbst bei Referenzgleichheit konnen somit ,,Bedeutungsdifferenzen" auftreten: ,,Wertung durch den Sprecher (Pferd - Klepper), Soziolekt (Geld - Piepen), Dialekt (Madchen - Dirn), stilistische Sprachebenen (Zimmer - Gemach), politischer Sprachgebrauch (Angriff - Praventivschlag), Euphemismus (sterben - heimgehen), Fremdwortgebrauch (Innenstadt - City)."[7]
Dass insgesamt nur wenige unstrittige Beispiele fur strikte Synonymie gefunden werden, ist aus sprachokonomischer Sicht nachvollziehbar. Die Tendenz zur Vermeidung von Redundanzen bei der Strukturierung des Lexikons lasst im Wortschatz naturlicher Sprachen keine grossere Menge an strikten Synonymen entstehen. Dennoch kann das Konzept der strikten Synonymie in methodischer Hinsicht sinnvoll sein, um einen idealen Referenzpunkt auf einer gedachten Skala der Bedeutungsgleichheit zu markieren.[15]
Partielle Synonymie (Bedeutungsahnlichkeit)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Partielle vs. strikte Synonymie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Partielle Synonyme werden auch Homoionyme genannt. Folgende Aspekte der konnotativen Bedeutung bewirken, dass zwei lexikalische Zeichen bei gleicher denotativer Bedeutung nicht den strengen Anforderungen strikter Synonymie genugen:
- regionale Differenzierung: Metzger - Fleischer; Brotchen - Weckle - Semmel - Schrippe
- natives Wort gegenuber Fremdwort: Fahrstuhl/Aufzug - Lift
- lateinischer Ursprung gegenuber germanischer Ursprung: vertikal - senkrecht (siehe auch deutsche Sprachgeschichte)
In den meisten alltaglichen Verwendungssituationen genugt das weniger strikte Kriterium der Ersetzbarkeit salva veritate in typischen Kontexten, um ein Paar lexikalischer Zeichen als Synonyme zu identifizieren:
- (a) ,,Er benutzt schon wieder nicht den Genitiv." - (b) ,,Er benutzt schon wieder nicht den Wesfall."
Aus dem in diesem Satz (a) beschriebenen Sachverhalt folgt notwendigerweise der in Satz (b) beschriebene Sachverhalt und umgekehrt.
Abstufungen und Grenzziehungen bei partieller Synonymie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weitere, weniger minimale Beispiele fur nicht-strikte Synonymenpaare sind Fluss - Wasserstrasse oder Wasserstrasse - Kanal. Nicht jede Wasserstrasse ist ein Fluss und nicht jede Wasserstrasse ist ein Kanal; die Worter werden jedoch als Synonyme z. B. im Duden Synonymworterbuch angegeben.[16]
In der Regel geht man jedoch nicht so weit, dass kontrastierende Begriffe innerhalb eines Wortfeldes als synonym bezeichnet werden, also Unterbegriffe eines gemeinsamen Oberbegriffs (Kohyponyme) (entsprechend wird das Wortpaar Fluss - Kanal im Duden-Synonymworterbuch nicht in genau dieser Kombination angegeben.[17] Solche Wortpaare in einem Bedeutungskontrast werden zumindest in einigen massgeblichen Quellen eigens ausgeschlossen,[18] obwohl andere Quellen hier liberaler sind.[19][20]
Bei nicht-strikter Deutung wird Synonymie mithin zu einem graduellen Begriff.
Hyponymie als Sonderfall partieller Synonymie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im vorhergehenden Beispiel wurde bereits sichtbar, dass Ober-/Unterbegriff-Beziehungen (Hyponyme) oftmals als Synonyme gewertet werden (Wasserstrasse - Kanal), wenngleich auch dies nicht durchgangig gleich gehandhabt wird.[21]
Der Einschluss von Hyponymen hat eine lange Tradition: Fur Aristoteles ist zu Beginn seiner Kategorien dies die Form der Synonymie schlechthin. Dort heisst es:
,,Synonym wird genannt, was den Namen gemeinsam hat und bei dem der zum Namen gehorige Ausdruck, was das Wesen betrifft, derselbe ist, zum Beispiel ist der Mensch und das Rind ein Lebewesen. Jedes von beiden wird namlich mit gemeinsamen Namen als Lebewesen benannt, und der Ausdruck ist, was das Wesen betrifft, derselbe".[22]
In dem Beispiel von Aristoteles bezeichnen die Ausdrucke ,,Mensch" und ,,Rind" unter anderem dasselbe semantische Merkmal [Lebewesen], das zugleich Oberbegriff fur den Menschen und das Rind ist.
Erscheinungsformen der Synonyme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Synonyme Worter, Syntagmen und Satze
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Verhaltnis der Bedeutungsidentitat oder Bedeutungsahnlichkeit stellt sich nicht nur bei Wortern, sondern auch - und ,,viel haufiger"[23] bei Wortgruppen (Syntagmen) und bei ganzen Satzen ein.
- Beispiel:
- ,,Der Rasen muss geschnitten werden." - ,,Der Rasen ist zu schneiden."
(Synonym zu ,,mussen" ist allerdings nur eine Lesart der ,,ist-zu"-Konstruktion, denn sie kann auch die Interpretation haben, dass man es machen kann.)
Synonyme sprachliche Zeichen verschiedenen Typs
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Synonymie besteht nicht nur zwischen lexikalischen Zeichen des gleichen Typs:
- Ein einwortiges lexikalisches Zeichen kann mit einem mehrwortigen lexikalischen Zeichen synonym sein (storen - dazwischenfunken - in die Quere kommen)
- Ein Wortbildungsmittel kann mit einem einwortigen oder mehrwortigen lexikalischen Zeichen synonym sein (Online- - im Netz)
- Eigennamen, vor allem Produktnamen, konnen sich zu generischen Termen und damit zu Synonymen fur die Produktbezeichnung entwickeln, zum Beispiel Tempo fur Papiertaschentuch.
Unter diesem Gesichtspunkt erscheint dann die Angabe eines Synonyms als Form der Definition und hat Verwandtschaft mit der Paraphrase, da es in beiden Fallen um die ,,relation of sameness of meaning" geht.[24]
Es gibt synonymische und nichtsynonymische Kontexte. In synonymischen Kontexten konnen Worter einer Synonymgruppe trotz inhaltlicher und stilistischer Nuancen gegeneinander ausgetauscht werden, zum Beispiel ,,lachen" gegen ,,wiehern" oder ,,fotografieren" gegen ,,aufnehmen/knipsen". In synonymischen Kontexten werden die inhaltlichen Unterschiede nicht aktualisiert, sodass die Grundlage fur eine Austauschbarkeit gegeben ist. Nur die Gemeinsamkeiten des Inhalts werden angesprochen. Aus den Spezialsemen (Sem = Bedeutungsmerkmal) ergibt sich eine Ahnlichkeit, die sowohl Gleichheit wie Unterschiedlichkeit einschliesst. Zu bemerken ist, dass die konnotative (= die Nebenbedeutung, Begleitbedeutung betreffende) Differenz die Synonymitatsstiftung nicht beeinflussen kann, sofern sie die denotative Ahnlichkeit nicht uberdeckt. In nichtsynonymischen Kontexten sind die gleichen Worter jedoch nicht austauschbar, weil ihre speziellen Inhalte aktualisiert, hervorgehoben werden. Man konnte sogar von ,,Augenblicksantonymen" sprechen, weil in diesem Kontext die unterscheidenden Merkmale Dominanzseme werden, sodass die eigentlichen Synonyme nicht austauschbar sind, sondern in Opposition stehen, zum Beispiel: Dann knipse ich mal. Sonst fotografiere ich ja/Das ist kein Kamm, das ist eine rostige Lauseharke/Ich habe keinen Laden, ich habe einen Salon.
Innersprachliche (intralinguale) - zwischensprachliche (interlinguale) Synonyme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bedeutungsgleichheit (Bedeutungsahnlichkeit) von Wortern (sprachlicher Zeichen) kann innersprachlich, aber auch zwischen verschiedenen Sprachen betrachtet werden.[25]
Territoriale Dubletten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Sonderfall der Synonymie werden auch territoriale Dubletten angefuhrt. Darunter versteht man ,,regionale Varianten"[23] eines Ausdrucks, die in grosseren Gebieten als die der Mundarten auftreten.
- Beispiel: Sonnabend/Samstag
Plesionymie (Fast-Synonymie) (?)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Teilweise wird von einer ,,Plesionymie" (Fast-Synonymie) gesprochen, bei denen zwar keine Referenzidentitat vorliegt, aber das Austauschen nur zu einer minimalen Referenzanderung fuhrt.
- Beispiel: laufen - rennen
Daran wird kritisiert, dass es sich (fast immer) um ,,starkere oder schwachere Auspragungen eines Eigenschaftskonzeptes" handelt, so dass man diese Falle schlicht der ,,skalaren Relation" zuschlagen kann und sollte.[26]
Pseudonyme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pseudonyme als Deck-, Tarn- oder Kunstlernamen konnen als synonyme Eigennamen aufgefasst werden.
Symbole
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Abkurzende Symbole, wie im obigen Zahlbeispiel die Ziffer ,,1", konnen als Synonyme betrachtet werden.
Synonymie in der Sprachwissenschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert wurde insbesondere in der franzosischen Sprachwissenschaft und -philosophie uber den Begriff und uber die Auswirkungen der Synonymie gearbeitet.[27]
In der generativ-transformationellen Grammatik ist der Begriff der Synonymie zentral.[27]
Mit dem Synonymiebegriff ist es moglich, Paraphrasenklassen zu kennzeichnen.[27]
Die Synonymierelation ist in der Lexikologie beziehungsweise Lexikografie wichtig. Klassisch in der Lehre vom Wortfeld, lexikologisch nunmehr auch unter der Bezeichnung Synset (siehe unter Wortfeld) dargestellt.
In der Wortbildungslehre geht man von einem Synonymieverbot[28] aus: ,,Nach den Wortbildungsregeln werden mogliche Worter in der Regel blockiert, wenn ein bedeutungsgleiches Wort bereits existiert."[28]
Synonymie und Abstraktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von einem wohl nicht-realistischen, empiristischen Standpunkt aus wird die Abstraktion uber den Synonymie-Begriff konstruiert. ,,Bedeutungen" sind dann ,,Abstrakta von Ausdrucken unter Synonymie".[25] Wer uber den Begriff von einem Pradikator spreche, handele von dem Pradikator ,,unter der Rucksicht des Synonymie".[25] Im Gefolge von P. Lorenzen wird angenommen, dass Aussagen uber Begriffe ,,nichts anderes mehr als invariante Aussagen uber Pradikate (sind). Ein Begriff /P/ wird immer durch ein Pradikat P dargestellt, er geht durch die beschriebene Operation der Abstraktion aus diesem Pradikat hervor, und zwar durchaus im klassischen Sinne als dessen Intension oder intensionale Bedeutung".[29]
Synonymworterbucher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Synonymworterbucher gehoren zu den Worterbuchern mit eingeschranktem Informationsprogramm. Zum jeweiligen Stichwort werden die sinn- und sachverwandten Worter angegeben. Da absolute Synonymie selten ist, geben die meisten Worterbucher dieses Typs eher bedeutungsahnliche Worter an. Benutzer dieser Worterbucher mussen deshalb uber einen hohen Grad von Sprachkompetenz verfugen, um fur einen bestimmten Kontext das passende Synonym auswahlen zu konnen.
Man unterscheidet zwei Arten von Synonymworterbuchern:
- distinktive Synonymiken spezifizieren die Lesarten von polysemen Lexemen und ordnen die bedeutungsahnlichen Worter der jeweiligen Lesart zu (Beispiel: durcheinander (Person) - verwirrt; durcheinander (Sachen) - chaotisch, vermischt, wie Kraut und Ruben); eine distinktive Synonymik des Deutschen ist Schulerduden. Die richtige Wortwahl.
- kumulative Synonymiken ordnen die einem Lexem ahnlichen lexikalischen Zeichen ohne Unterscheidung der Lesarten diesem Lexem zu; eine kumulative Synonymik ist Duden Band 8. Die sinn- und sachverwandten Worter.
Synonymenworterbucher werden haufig verwendet, um in einem Text zu haufige Wiederholungen eines Wortes zu vermeiden. Sie konnen auch fur die systematische Wortschatzarbeit im Zweitsprachunterricht herangezogen werden.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Synonymie allgemein
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- M. Lynne Murphy: Semantic Relations and the Lexicon. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-78067-5.
- D. Alan Cruse: Lexical Semantics. Cambridge University Press, Cambridge 1987, ISBN 0-521-25678-X.
- Hadumod Bussmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Kroner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0.
- John Lyons: Linguistic Semantics. An Introduction. Cambridge University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-43877-2.
- Vera Kloudova: Synonymie und Antonymie. Universitatsverlag Winter, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-8253-7534-8.
Synonymworterbucher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Erich Bulitta, Hildegard Bulitta: Das grosse Lexikon der Synonyme. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16692-6.
- Erich Bulitta, Hildegard Bulitta: Worterbuch der Synonyme und Antonyme. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-15155-4.
- Michael Kurz: Das neue Worterbuch der Synonyme. 4. Auflage. Econ, Munchen 2001, ISBN 3-548-75091-5.
- Annemarie Weber, Renate Morell: Sag es treffender. 43. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-61388-3 (Erstausgabe: Stuttgart 1955).
- Paul Grebe, Wolfgang Muller; Dudenredaktion (Hrsg.): Vergleichendes Synonymworterbuch. Sinnverwandte Worter und Wendungen. Mannheim 1964 (= Der grosse Duden in 10 Banden. Band 8), spatere Auflagen als: Die sinn- und sachverwandten Worter.
- Wolfgang Muller (Hrsg.): Schulerduden ,,Die richtige Wortwahl". Dudenverlag, Mannheim 1977, ISBN 3-411-01370-2 (Erstausgabe).
- Wolfgang Muller (Hrsg.): Die sinn- und sachverwandten Worter. Dudenverlag, Mannheim 1997, ISBN 3-411-20908-9 (Duden. Band 8).
- Pharmaziegeschichtlicher Synonymenschlussel. In: Jorg Mildenberger: Worterbuch. W-Z. Konigshausen und Neumann, Wurzburg 1997, ISBN 3-8260-1398-0, S. 2709-2784 (= Anton Trutmanns ,,Arzneibuch". Teil 2, Band 5).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Synonyme auf OpenThesaurus
- Wortschatz der Uni Leipzig
- Synonymworterbuch auf Woxikon
- Willard Van Orman Quine: Two Dogmas of Empiricism. 1951
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- | Wilhelm Pape, Max Sengebusch (Bearb.): Handworterbuch der griechischen Sprache. 3. Auflage, 6. Abdruck. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914 (zeno.org [abgerufen am 21. Juni 2021]).
- | Helmut Gluck (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart 2010, S. 693, Lemma Synonymie.
- | Der Dudenverlag bewirbt sein Synonymworterbuch so: ,,Die umfangreichste Darstellung der sinnverwandten Worter des Deutschen: mehr als 300.000 Synonyme. Differenzierte stilistische, regionale und fachsprachliche Angaben, die dabei helfen, in jeder Situation das passendste Wort auszuwahlen." Duden Onlineshop
- | Volker Harm: Einfuhrung in die Lexikologie. WBG, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-534-26384-4, S. 67 (Einfuhrung Germanistik).
- | Cristina Vertan: Darstellung von Ontologien im Semantic Web - RDFS-. Uni Hamburg, 17. November 2003, abgerufen am 13. August 2024.
- | Dieter Wunderlich: Arbeitsbuch Semantik. 2. Auflage. Hain, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-445-03051-0, S. 348 f.
- | a b Dietrich Homberger: Sachworterbuch zur Sprachwissenschaft. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-010471-8 (Stichwort Synonym).
- | Heike Kruger, Willi Kruger: Schulerduden Philosophie. Dudenverlag, Mannheim 2002, ISBN 3-411-71262-7 (Stichwort synonym).
- | Ingrid Kuhn: Lexikologie. Niemeyer, Tubingen 1994, ISBN 3-484-25135-2, S. 53 (zusatzlich eine ,,Ubereinstimmung in der Semstruktur" fordernd).
- | Herbert E. Brekle: Semantik. 2. Auflage. Fink, Munchen 1972, ISBN 3-7705-1181-6, S. 90.
- | So Monika Schwarz, Jeanette Chur: Semantik. 5. Auflage. G. Narr, Tubingen 2007, S. 55.
- | Monika Schwarz, Jeanette Chur: Semantik. - 5. Aufl. - G. Narr, Tubingen 2007, S. 55 sehen dies nicht als Fall der Synonymie und sprechen stattdessen von Referenzidentitat
- | Geht man von der Regel aus, dass Zahlen bis einschliesslich 12 auszuschreiben sind, unterscheiden sich beide Ausdrucke in einem Text in dem Grad ihrer Grammatikalitat und damit evtl. in ihrer Stilebene. Dann wird hier davon ausgegangen, dass dies kein Fall der Konnotation ist.
- | Hier wird unterstellt, dass schon der Gebrauch der romischen Ziffer ,,XII" mit hoherer, klassischer oder altertumelnder etc. Bildung konnotiert ist.
- | Alan Cruse: Meaning in Language. An Introducation to Semantics and Pragmatics. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-926306-X, S. 155.
- | Onlineversion: Duden.de/synonyme, Eintrag ,,Fluss" etc.
- | Duden.de/synonyme, Eintrag ,,Fluss" bzw. ,,Kanal"
- | Ronnie Cann: Sense Relations. In: Claudia Maienborn, Klaus von Heusinger, Paul Portner (Hrsg.): Semantics: An International Handbook of Natural Language Meaning. (= Handbucher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, 33). De Gruyter, Berlin 2011, Band 1, Kap. 21, S. 456-479. Siehe S. 461.
- | Winfried Ulrich: Worterbuch linguistische Grundbegriffe. 5. Auflage. Borntraeger, Berlin 2002, ISBN 3-443-03111-0 (Stichwort Hyponymie).
- | Veronika Haderlein: Semantik bei der Arbeit mit zentralen Wortschatzen. In: Stefan Langer, Daniel Schnorbusch (Hrsg.): Semantik. Narr, Tubingen 2005, ISBN 3-8233-6099-X, S. 24.
- | Nicht so in Volker Harm: Einfuhrung in die Lexikologie. WBG, Darmstadt 2015 (Einfuhrung Germanistik), ISBN 978-3-534-26384-4, S. 67.
- | Ingo W. Rath (Hrsg.), Aristoteles: Categoriae/Die Kategorien. Reclam, Stuttgart 1998, ISBN 3-15-009706-1, S. 7.
- | a b Katja Kessel, Sandra Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. Fink, Tubingen 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 168.
- | Jerrold J. Katz: Semantic Theory. Harper & Row, New York 1972, ISBN 0-06-043567-4, S. 4-6. Zitiert in: Dieter Wunderlich: Arbeitsbuch Semantik. 2. Auflage. Hain, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-445-03051-0, S. 153.
- | a b c Geo Siegwart: Begriff. In: Hans Jorg Sandkuhler u. a. (Hrsg.): Enzyklopadie Philosophie. Meiner, Hamburg 1999, ISBN 3-7873-1453-9, S. 126-129.
- | So Volker Harm: Einfuhrung in die Lexikologie. WBG, Darmstadt 2015 (Einfuhrung Germanistik), ISBN 978-3-534-26384-4, S. 69 f. m.w.N.
- | a b c Herbert E. Brekle: Semantik. 2. Auflage. Fink, Munchen 1972, ISBN 3-7705-1181-6, S. 88.
- | a b Schwarze/Wunderlich, Einleitung, in: Schwarze/Wunderlich: Handbuch der Lexikologie. 1985, S. 7 (18)
- | Mittelstrass: Begriff und Wort. In: Joachim Ritter, Karlfried Grunder (Hrsg.): A-C. Schwabe, Basel 1971 (Historisches Worterbuch der Philosophie. Band 1), Spalte 785-786.