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Seneca

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Seneca (Begriffsklarung) aufgefuhrt.
Seneca (Doppelherme in der Antikensammlung Berlin)

Lucius Annaeus Seneca, genannt Seneca der Jungere (* etwa im Jahre 1 in Corduba; + 65 n. Chr. in der Nahe Roms), war ein romischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher, Politiker und als Stoiker einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit. Seine Reden, die ihn bekannt gemacht hatten, sind verloren gegangen.

Wenngleich er in seinen philosophischen Schriften Verzicht und Zuruckhaltung empfahl, gehorte Seneca zu den reichsten und machtigsten Mannern seiner Zeit. Vom Jahr 49 an war er der massgebliche Erzieher bzw. Berater des spateren Kaisers Nero. Wohl um diesen auf seine kunftigen Aufgaben vorzubereiten, verfasste er eine Denkschrift daruber, warum es weise sei, als Herrscher Milde walten zu lassen (De clementia). Im Jahre 55 bekleidete Seneca ein Suffektkonsulat. Sein Agieren als Politiker stand teils im schroffen Widerspruch zu den von ihm in seinen philosophischen Schriften vertretenen ethischen Grundsatzen, was ihm bereits bei Zeitgenossen Kritik eintrug, da er als raffgieriger Opportunist galt.

Senecas Bemuhen, Nero in seinem Sinne zu beeinflussen, war kein dauerhafter Erfolg beschieden. Zuletzt beschuldigte ihn der Kaiser der Beteiligung an der Pisonischen Verschworung und befahl ihm die Selbsttotung. Diesem Befehl kam Seneca notgedrungen nach.

Ausdruckliche Bezuge Senecas auf die eigene Biographie sind in seinen Werken ausserst selten, obwohl er von der Bedeutung seiner schriftlichen Hinterlassenschaft fur die Nachwelt uberzeugt war.

,,Was Epikur seinem Freunde versprechen konnte, das verspreche ich dir, Lucilius: ich werde Kredit bei der Nachwelt haben, ich kann Namen mitnehmen, auf dass sie mit mir uberdauern."[1]

Senecas autobiographisches Schweigen hat erhebliche Probleme vor allem bezuglich der Datierung seiner Werke zur Folge, sodass insbesondere fur die Abfolge seiner Tragodiendichtung kaum Anhaltspunkte gegeben sind. Dennoch legen die neueren einschlagigen Seneca-Biographien eine mehr oder minder enge Verbindung seiner Schriften mit seiner jeweiligen Lebenssituation nahe. Sein Philosophieren bestand nicht in der Schaffung eines neuen gedanklichen Systems, sondern wesentlich in der Anwendung der stoischen Lehre ,,nach Massgabe der jeweiligen besonderen Lebenslage und Lebensnotwendigkeit".[2] In seinen Werken, auch in den Spatschriften, betonte er seine Verwurzelung in der stoischen Philosophie.[3] Dabei lehnte er dogmatische Festlegungen ab.[4]

Senecas wechselvoller Lebenslauf hat ihm mehrfach abverlangt, sich auf Schicksalswenden einzustellen; und er konnte sie in stoischer Manier gutheissen:

,,Menschen von Wert arbeiten hart, bringen Opfer und werden zum Opfer, und zwar aus eigenem Willen; sie werden nicht vom Schicksal geleitet, sondern sie folgen ihm und halten gleichen Schritt; hatten sie es gekannt, waren sie ihm vorausgegangen."[5]

Die Vielfalt der Erfahrungen im politischen Leben und die unterschiedlichen Rollen, die er dabei ubernahm, sind in Senecas philosophischen Schriften verarbeitet. Aus ihnen resultieren - und dies war Seneca durchaus bewusst - je nach besonderer personlicher und politischer Lage unterschiedliche Optionen sittlich verantwortbaren Handelns.

,,Je nach der Lage des Staates und den Fugungen des Schicksals werden wir vorankommen oder auf der Strecke bleiben, jedenfalls werden wir tatig sein und nicht der Furcht unterliegen und dadurch in Reglosigkeit verfallen. [...] Wenn du aber in eine weniger gunstige Lage des Staates geratst, musst du dich mehr ins Privatleben zuruckziehen und dich mit der Wissenschaft beschaftigen, wie auf gefahrvoller Seefahrt sofort einen Hafen anlaufen, nicht auf deine Entlassung warten, sondern von selbst zurucktreten."[6]

Die Annahme, dass Senecas Leben und Werk eine Einheit bildeten, dass sich also Seneca als Politiker und Geschaftsmann nach seinen eigenen philosophischen Lehren richtete, wird seit langerem in der Forschung angezweifelt. So urteilte u. a. der Altphilologe Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff 1931 angesichts der tiefen Verstrickung des Philosophen in das Regime Neros: ,,Solange er am hofischen und politischen Leben teilnahm, hatte er auch die Moral, nicht nur die stoische, an den Nagel gehangt oder doch nur mit den Lippen bekannt, und auf dem Totenbett posiert er, wie er es in seinen Schriften immer getan hat."[7]

Tacitus bezeugt, dass Seneca bereits von seinen Zeitgenossen wegen des Widerspruchs zwischen seinen Lehren und seinem Handeln attackiert wurde. So warf ihm der Senator Publius Suillius Rufus offentlich vor, seine Machtposition am Hof auszunutzen, um verbrecherisch zu Reichtum zu gelangen:

,,Welcher Weisheit, welchen philosophischen Lehren habe er (gemeint: Seneca) es zu verdanken, dass er innerhalb von vier Jahren kaiserlicher Freundschaft dreihundert Millionen Sesterzen erworben habe? In Rom erbeute er Testamente kinderloser Personen wie bei einer Treibjagd, Italien und die Provinzen wurden durch ungeheuren Wucher ausgesaugt!"[8]

Andere Forscher vertreten allerdings eine Gegenposition und verteidigen die Einheit von Leben und Lehre Senecas. Die Altertumswissenschaftlerin Hildegard Cancik-Lindemaier vertrat 1967 die These, Seneca habe gerade als Philosoph weniger durch seine Dialoge und Traktate wirken wollen als durch die in ihnen dargestellten positiven und negativen Seiten der eigenen Person: ,,Das Selbstzeugnis als Exemplum gehort in die Mitte des senecanischen Philosophierens; in ihm wird die Einheit von Leben und Lehre unmittelbar bezeugt."[9] Der Latinist Niklas Holzberg erklarte 2016 die Existenz der bosartigen Apocolocyntosis, die schlecht mit der stoischen Ethik Senecas vereinbar sei, damit, dass es sich um eine spatere Falschung handle.[10]

Ungewisse Anfange

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Senecas Geburtsjahr ist nicht uberliefert und auch nicht sicher bestimmbar. Neuere Rekonstruktionsversuche sprechen fur das Jahr 1,[11] doch wird auch weiterhin das Jahr 1. v. Chr. genannt.[12] Im spanischen Corduba geboren, gelangte er noch als Kleinkind in der Obhut seiner Tante nach Rom; anscheinend wollte sein Vater Seneca der Altere als eques seinen Sohn schon von klein auf im Herzen der Weltmacht heranwachsen sehen und den feinen romischen Zungenschlag annehmen lassen.[13] Mit seiner Frau Helvia[14] hatte er noch zwei weitere Sohne. Senecas alterer Bruder Novatus wurde unter seinem Adoptivnamen Gallio 51/52 n. Chr. Prokonsul in der Provinz Achaia und wies u. a. eine Klage der Juden gegen den Apostel Paulus ab;[15] spater ubernahm er das Amt eines Konsuls. Seneca widmete ihm zwei seiner Schriften: De ira (Uber den Zorn) und De vita beata (Vom glucklichen Leben). Sein jungerer Bruder Mela ubernahm die Verwaltung des Familienbesitzes in Corduba.[16]

Seneca der Altere betrieb intensiv rhetorische Studien und verfasste daruber ein Werk, in dem er sich sehr kritisch zur gekunstelten zeitgenossischen Rhetorik ausserte.[17] Auf diesem Felde war der gleichnamige Sohn also fruhzeitig orientiert. In Verbindung damit durfte er einen vorzuglichen rechtskundlichen Unterricht erhalten haben,[18] der ihn auf eine anwaltliche Tatigkeit vorbereitete, fur die es unerlasslich war, das rhetorische Instrumentarium zu beherrschen.

Die rhetorischen Stilubungen waren ihm allerdings weit weniger wichtig als die philosophischen Grundsatze, die ihm seine Lehrer Sotion und Attalos vermittelten. Sotion, der neben stoischen auch pythagoreische Lehren vertrat, beeinflusste Seneca stark und nachhaltig. Er veranlasste ihn zeitweise dazu, gemass der pythagoreischen Tradition nur fleischfreie Kost zu sich zu nehmen.[19] Die empfohlene harte Matratze fur seine Bettstatt behielt Seneca bis ins Alter bei. Vor der Nachtruhe nahm er, wie er es bei Sotion gelernt hatte, taglich eine Rekapitulation des Tages als Selbstprufung und Gewissensforschung vor:

,,Wenn das Licht aus meinem Blick entfernt ist und meine Gattin schweigt, da sie meine Gewohnheit kennt, uberprufe ich meinen ganzen Tag und gehe meine Taten und Worte erneut durch; dabei verberge ich nichts vor mir selbst und ubergehe nichts."[20]

Gesundheitlich war Seneca von Kindesbeinen an und wahrend seines ganzen Lebens durch Asthma-Anfalle und chronische Bronchitis stark eingeschrankt. Atemnote und Fieberschube setzten ihm in jungen Jahren derartig zu, dass er davor stand, sich das Leben zu nehmen.[21] Eine gewisse Stabilisierung trat erst ein, als er im Alter von etwa 30 Jahren das ihm bekommlichere Klima im agyptischen Alexandria aufsuchte, wo er bei seiner Tante unterkam, die mit dem romischen Prafekten von Agypten verheiratet war. Sie setzte sich fur ihn ein, als er nach seiner Ruckkehr nach Rom, wo er sich als Anwalt bei den Gerichten bereits einen Namen gemacht hatte, erfolgreich um die Quastur als Einstieg in die romische Amterlaufbahn bewarb.[22]

In diese Zeit fielen auch die ersten seiner uberlieferten philosophischen Schriften in Briefform. In der Trostschrift an Marcia, die Tochter des Historikers Cremutius Cordus, deren Kind verstorben war, betrachtete er die Entwicklung ihrer Trauer und gab Anregungen, ihr uber den Verlust des Sohnes hinwegzuhelfen.

,,Auch jetzt noch bleibt dir, Marcia, masslose Traurigkeit, die schon verhartet zu sein scheint; in deiner Trauer bist du nicht mehr so aufgeregt wie anfangs, sondern vielmehr hartnackig und verstockt; auch davon wird dich die Zeit allmahlich befreien. So oft du dich anderweitig beschaftigst, wirst du Entspannung finden."[23]

Noch akzentuierter griff er klassisches stoisches Gedankengut in seinem dreiteiligen Werk De ira auf. Diese Arbeit stammt aus den vierziger Jahren und ist seinem Bruder gewidmet. Das Problem der Affektkontrolle wird hier auf vielfaltige Weise lebenspraktisch, historisch-exemplarisch und politisch abgehandelt.

,,Lieber Novatus, du hast mich genotigt daruber zu schreiben, wie der Zorn beschwichtigt werden kann, und es scheint mir, dass du aus berechtigtem Grund besonders diese Leidenschaft furchtest, da sie unter allen die scheusslichste und verheerendste ist. Denn alle anderen verbinden sich noch mit einem gewissen Mass an Ruhe und Gelassenheit; diese hingegen geht ganz und gar auf in Aufregung und heftigem Verlangen, sie rast und sehnt sich ganz unmenschlich nach Verwundungen durch Waffen und dem Blutbad der Hinrichtungen ...[24] Es ist das Beste, die erste Regung des Zornes sogleich zu ignorieren und sich gegen die Anfange zu wehren. [...] Denn wenn der Zorn begonnen hat, uns vom rechten Weg abzubringen, so ist die Ruckkehr zur seelischen Gesundheit schwierig, weil die Vernunft nichts mehr ausrichten kann, sobald die Leidenschaft einmal eingezogen und ihr durch unseren Willen ein gewisses Recht gewahrt worden ist. Sie wird von nun an alles tun, was sie will, nicht nur das, was man ihr gestattet."[25]

Da es sich nach Seneca beim Zorn um eine beherrschbare Regung handelt,[26] hielt er entsprechendes erzieherisches Einwirken fur notig. Dabei kam es ihm besonders auf die genaue Beobachtung der individuellen Entwicklung an, weil z. B. mit dem Mittel des Lobes einerseits das Selbstbewusstsein des Schutzlings gestarkt, andererseits aber Uberheblichkeit und Jahzorn gefordert werden konnten. Mal musse eben gebremst, mal angefeuert werden. Sein die Menschenwurde achtender padagogischer Ansatz zeigt sich, wenn er fortfahrt:

,,Man soll dem Schutzling nichts Erniedrigendes oder Sklavisches zumuten. Er soll niemals dazu gebracht werden, demutig um etwas zu bitten, und er soll auch keinen Nutzen daraus haben, sondern er soll nur um seiner selbst willen, aufgrund bisheriger Leistungen und fur die Zukunft vielversprechender Anlagen, belohnt werden."[27]

Trostschriften aus der korsischen Verbannung

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Hineingeboren in die Ara des Augustus, eben Jugendlicher bei Herrschaftsantritt des Tiberius, arrivierter Anwalt und Senatsmitglied, als Caligula Princeps wurde: So lassen sich Senecas vier erste Lebensjahrzehnte mit der Geschichte des fruhen Prinzipats in Beziehung setzen. Ausschlaggebend fur seinen weiteren Lebenslauf wurde das julisch-claudische Herrscherhaus allerdings erst im Jahre 41, als Seneca nach der Beseitigung des despotischen Caligula[28] von dessen Nachfolger Claudius in die Verbannung nach Korsika geschickt wurde.

Dies geschah auf Betreiben Messalinas, mit der Claudius in dritter Ehe verheiratet war und die Julia Livilla[29] als potentielle Rivalin ausschalten wollte.[30] Deshalb denunzierte sie diese wegen angeblichen Ehebruchs mit Seneca. Nur der Fursprache Kaiser Claudius' im Senat war es zu verdanken, dass Seneca statt zum Tode zur Verbannung nach Korsika verurteilt wurde. Weil dies in Form einer Relegatio (nicht der Deportatio) geschah, blieben ihm Eigentum und staatsburgerliche Rechte erhalten.[31]

Acht Jahre wahrte die Verbannung auf Korsika insgesamt. Erhalten sind aus dieser Zeit vor allem zwei Trostschriften, in denen Seneca einerseits stoischen Schicksalsgehorsam, andererseits aber auch den dringenden Wunsch nach Beendigung des Exils zum Ausdruck brachte. Er zeigte sich, indem er Trost spendete, zugleich als Trost Suchender in auf die Dauer qualender Abgeschiedenheit.

In dem Trostschreiben an seine Mutter Helvia, die von seiner Verbannung hart getroffen worden war, versicherte Seneca, er sei nicht unglucklich auf Korsika und konne es auch gar nicht werden.[32] Warum sollte er nicht mit einem Ortswechsel seinen Frieden machen konnen, wo doch von den Himmelsgestirnen bis zu den Menschenvolkern so vieles standig in Bewegung sei.[33] Im Schlussabschnitt schrieb er:

,,Lass dir sagen, wie du dir mich vorstellen sollst: ich bin frohlich und lebhaft, als sei alles zum Besten. Es ist ja auch alles zum Besten, da mein Verstand von jeder muhevollen Beschaftigung entlastet ist, fur eigene Arbeiten Zeit hat und sich manchmal an leichteren Studien erfreut, manchmal zur philosophischen Betrachtung seines eigenen Wesens und der Beschaffenheit der Welt sich erhebt."[34]

Eine deutlich weniger optimistische Beschreibung seiner Lage enthalt dagegen die Trostschrift fur den Freigelassenen Polybius, der bei Hofe das Referat fur Bittschriften leitete (a libellis) und dem er sich wohl vor allem mit dem Ziel andiente, er moge bei Kaiser Claudius die Losung seiner Verbannung erwirken.[35] Dieses Schreiben schloss Seneca, nachdem er seine eigene kraftlose und abgestumpfte geistige Verfassung beklagt hatte, entschuldigend mit den Worten:

,,Wenn Du meinst, dass diese Ausfuhrungen deinem geistigen Niveau nicht ausreichend entsprechen oder deinen Schmerz nur unzureichend lindern, dann bedenke, dass derjenige, den eigenes Ungluck uberwaltigt hat, nicht die Gedanken frei haben kann, um jemand anderes zu trosten, und dass lateinische Worte nicht leicht einem unglucklichen Menschen zufallen, den niveauloses und selbst relativ gebildeten Nichtromern schwer aufstossendes Barbarengebrabbel umgibt."[36]

Der muhsam verbramte Eigennutz dieser obendrein erfolglosen Trostschrift und das am Ende hervorbrechende Selbstmitleid haben Seneca mancherlei Spott und Kritik eingetragen. Manfred Fuhrmann stellte 1997 dazu fest: ,,Die Nachwelt hat Seneca diesen Kotau, das Erzeugnis einer Depression, ziemlich ubel genommen. Sein Tun habe aufs scharfste seinen philosophischen Lehren widersprochen, schreibt Cassius Dio ...".[37] Ludwig Friedlander attestierte Seneca 1900 eine Uberhaufung des Polybios mit unwurdigen Schmeicheleien und wies darauf hin, dass Seneca spater aus Scham erfolglos die Vernichtung dieser Schrift betrieben haben soll.[38]

Erzieher des Thronfolgers

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Das Ende der Verbannung kam fur Seneca schliesslich ohne eigenes Zutun, als Kaiserin Messalina, die Initiatorin des Verfahrens gegen Julia Livilla und Seneca, ihr sexuell und machtpolitisch motiviertes Spiel uberzog und eine Abwesenheit des Claudius von Rom dazu nutzte, den designierten Konsul Gaius Silius zu ehelichen, was beide bald danach das Leben kostete. Nun sah Agrippina die Jungere, die neben Julia Livilla vormals ebenfalls verbannte Nichte des Claudius, gute Chancen, ihrem Sohn Lucius aus erster Ehe, dem spateren Nero, Thronchancen zu verschaffen, indem sie Kaiser Claudius ehelichte. Als Erziehungsbeistand ihres Sohnes aber hatte sie Seneca ausersehen.[39]

Diesem Ruf konnte Seneca, den es zunachst nach Athen gezogen haben soll,[40] sich schwerlich versagen. Der machtpolitischen Dynamik im Kaiserhaus entsprechend, konnte Gunst schnell und massiv in Ungunst umschlagen. Im Jahre 50 bekleidete Seneca - zweifellos mit massgeblicher Unterstutzung des Kaiserhauses - die Pratur. Sobald Agrippina Kaiserin geworden war, veranlasste sie Claudius, der mit Britannicus schon einen von Messalina geborenen Thronfolger hatte, ihren Sohn unter dem Namen Nero Claudius Caesar zu adoptieren. Nero konnte als der um drei Jahre Altere von beiden nun die erste Anwartschaft beanspruchen. Zwar gab es keine verbindlichen Regelungen in der Nachfolgefrage, doch war in der Vergangenheit die Adoption gewohnheitsmassig zum Mittel der dynastischen Legitimation in der Nachfolge des Prinzipats geworden. Dies war die Konstellation, in der Seneca an Neros Seite trat.

Nach acht Jahren Exil wieder in Rom zu sein, war fur Seneca zweifellos ein scharfer und tief erlebter Kontrast.[41] In diese Zeit fiel seine Schrift ,,Von der Kurze des Lebens", in der Seneca die zeitgenossischen stadtischen Lebensformen einer exemplarischen Kritik unterzog:

,,Den einen halt unersattliche Habsucht gefangen, ein anderer verausgabt seine Geschaftigkeit in uberflussigen Anstrengungen, der eine ist vom Wein trunken, der andere verkummert durch Faulheit; [...] viele sind der Schonheit einer anderen Person oder der Besorgnis um die eigene verfallen; sehr viele, die kein bestimmtes Ziel verfolgen, hat die haltlose, unbestandige und sich selbst missfallende Liederlichkeit zu standig wechselnden Vorhaben aufgejagt; manche treffen uberhaupt keine Entscheidung, wohin sie ihre Lebensbahn richten sollen, sondern ihr Schicksal ereilt sie, wahrend sie schlaff sind und gahnen [...]"[42]

Sein spezielles Augenmerk hatte der widerspruchliche Umgang der Menschen mit Besitz und Eigentum einerseits und mit ihrer begrenzten Lebenszeit andererseits:

,,Man findet niemanden, der sein Geld teilen will, doch mit wie vielen teilt ein jeder sein Leben! Sie sind davon gefesselt, ihr Erbe zusammenzuhalten, sobald es aber um die Verschwendung ihrer Zeit geht, sind sie hochst freigebig mit dem, worin allein doch der Geiz ehrenhaft ist."[43]

Raubbau an der gegebenen Lebensspanne treibe auch, wer lohnende Vorhaben in ein Alter verschiebe, von dem er gar nicht wissen konne, ob er es uberhaupt erreichen werde.[44] Zu leben verstehe hingegen, wer die alltagliche Betriebsamkeit hinter sich lasse und sich der Philosophie zuwende. Damit erschliesse sich dem Menschen eine reiche Vergangenheit. Seneca pladiert hier fur das Studium unterschiedlicher philosophischer Wege:

,,Man kann mit Sokrates diskutieren, mit Karneades zweifeln, mit Epikur zuruckgezogen leben, das Wesen des Menschen mit den Stoikern uberwinden, mit den Kynikern hinter sich lassen."[45]

Es liegt nahe, dass Seneca seine philosophischen Leitvorstellungen auch dem heranwachsenden Nero vermittelt hat, der gemass Agrippinas Ambitionen aber hauptsachlich auf seine Rolle als kunftiger Kaiser vorbereitet werden sollte. Nero selbst neigte eher den schonen Kunsten zu, hatte darin auch einiges Talent und einen starken Hang zur Selbstinszenierung. Wenn Seneca moglicherweise zu dieser Zeit begann, Tragodien zu schreiben, konnte er damit seinen Einfluss auf den Thronanwarter, der ihm in der Dichtkunst nacheiferte, noch verstarkt haben.[46]

In allen seinen Tragodien griff Seneca den klassischen Stoff der griechischen Mythen im Anschluss an Aischylos, Sophokles und Euripides auf. Sie waren dazu geeignet, seine philosophischen Uberzeugungen teils drastisch-grauenvoll ausgemalt, teils spielerisch-unaufdringlich an den Zogling weiterzugeben. Ein Beispiel aus dem Thyestes:

,,Welche Raserei treibt euch (Konige) an, / abwechselnd euer Blut hinzugeben / und durch Verbrechen das Szepter zu erstreben? / [...] Konig ist, wer Angste abgelegt hat / und die Ubel eines schlimmen Herzens, / den nicht zugelloser Ehrgeiz / und die nie bestandige Gunst / der unbedachten Menge bewegt / [...] Konig ist, wer nichts furchtet, / Konig ist, wer nichts begehrt. / Dies Konigreich gibt jeder sich selbst."[47]

Etwa funf Jahre war Seneca als Erzieher des Prinzen tatig, bis Claudius im Jahr 54 starb - angeblich von seiner Frau vergiftet, die damit Nero zum Kaiser machen und selbst noch mehr Macht erhalten wollte.[48]

Mitgestalter von Neros Herrschaftsbeginn

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Einer von Neros Nachfolgern, der von 98 bis 117 regierende Kaiser Trajan, soll die ersten Regierungsjahre Neros von 54 bis 59 als das gluckliche Jahrfunft (Quinquennium) des Romischen Reiches bezeichnet haben.[49] Als erst Sechzehnjahriger gelangte Nero im Herbst 54 zur Herrschaft; und das positive Urteil uber die ersten Jahre seines Prinzipats ist vor allem den beiden vorzuglich harmonierenden politischen Vordenkern und Begleitern Neros, dem Gardeprafekten Sextus Afranius Burrus und dem von Nero auch als Gegengewicht gegen die eigene Mutter weiterhin hoch geschatzten und mit umfanglichen Schenkungen bedachten Seneca geschuldet. Uber Senecas Einflussnahme auf politische Entscheidungen im Einzelnen schweigen die Quellen.[50] Weder zu seinem kurzen Konsulat 55 noch zu seinem Verhalten im Senat ist Konkretes bekannt.[51]

Zu Neros ersten Amtshandlungen gehorte die Leichenrede auf den Adoptivvater Claudius, die Seneca fur ihn vorbereitet hatte und die Nero in wurdiger Manier vortrug. Als aber an einer Stelle von Claudius' vorausschauenden Fahigkeiten und von seiner Weisheit die Rede war, verbreitete sich anlasswidrig allgemeine Heiterkeit,[52] denn Claudius galt bei den Senatoren als beschrankt.

Senecas Apocolocyntosis in der Handschrift St. Gallen, Stiftsbibliothek, 569, Seite 251 (9. Jahrhundert)

Seneca verfasste noch im selben Jahr den Ludus de morte Claudii Neronis, das ,,Spiel uber den Tod von Claudius Nero", das mit einem von Cassius Dio uberlieferten Titel zumeist als ,,Apocolocyntosis"[53] (,,Verkurbissung" im Sinne von Verappelung, eine Anspielung auf die ,,Apotheosis" oder ,,Vergottung" der Kaiser) zitiert wird. Es ist die einzige menippeische, das heisst teils in Prosa, teils Hexametern verfasste Satire, die von Seneca uberliefert ist. Er macht sich ausgiebig uber die angeblichen geistigen, moralischen und korperlichen Unzulanglichkeiten des verstorbenen Kaisers lustig. So legt er dem sterbenden Claudius als letzte Worte in den Mund: ,,Vae me, puto, concacavi me!" (auf Deutsch etwa: ,,O je, ich furchte, ich habe mich beschissen")[54] und schildert dann seinen Weg durch das Jenseits,[55] wo Kaiser Claudius, statt als Gott verehrt zu werden, schliesslich als Sklave eines Freigelassenen als Gerichtsdiener zu arbeiten hatte.[56] Gregor Maurach mutmasste, Seneca habe sich spater fur diese zornige Polemik geschamt, die dem eigenen Ideal philosophischer Gelassenheit so offenkundig widersprach, und habe versucht, ihre weitere Verbreitung zu verhindern.[57]

Ganz auf der Linie seiner philosophischen Werke lag dagegen Senecas programmatische Mahnschrift Ad Neronem Caesarem de clementia (,,An Kaiser Nero uber die Milde"), mit der er seinen Schuler zu Beginn von dessen Prinzipat zu Milde gegenuber den ihm untergebenen Mitburgern und zu einer verantwortungsvollen Amtsfuhrung anhalten wollte. Nach Marion Giebels Auffassung legte Seneca mit dieser primar fur die Offentlichkeit bestimmten Schrift das ,,langst notige Fundament fur die traditionslose romische Monarchie".[58] Er bezog sich dabei auf das Wort des Zenon-Schulers und makedonischen Konigs Antigonos II. Gonatas, dem zufolge die Herrschaft fur den Konig ,,eine ehren- und ruhmvolle Knechtschaft" sei.[59]

Die Rolle eines milden Kaisers hat Nero wohl zeitweise angenommen und die Wurde des Senats wieder starker hervorgekehrt; in irgendeiner dienenden Funktion hat er sich allerdings wohl kaum gesehen. Bei Manfred Fuhrmann heisst es dazu: ,,Die Monarchie ist unkontrollierbar, die hieraus sich ergebenden Defizite konnen allein durch den Menschen selbst ausgeglichen werden: Diese wohldurchdachte Doktrin Senecas vermochte nur jemanden zu beeindrucken, der zur Selbstreflexion fahig und von der Erfahrung der eigenen, eingeschrankten Subjektivitat durchdrungen war."[60]

Bei der Absicherung seiner Macht verliess sich Nero nicht auf die ihm gegenuber beschworene Milde. Schon im Jahre 55 traten zwischen Agrippina, die ihren Willen mitzuherrschen auch bei offiziellen Anlassen zu erkennen gab, und Nero Spannungen auf, die auch Seneca nur notdurftig zu uberspielen vermochte. Als die Mutter dem Sohn mit den nicht erledigten Thronanspruchen seines Stiefbruders Britannicus drohte, arrangierte Nero laut Quellenzeugnissen dessen Vergiftung bei einem Essen in Anwesenheit Agrippinas und liess dazu verbreiten, Britannicus sei an einem epileptischen Anfall gestorben.[61]

Schattenseiten der Machtteilhabe

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Seneca hatte an dem Essen, das fur Britannicus todlich endete, nicht teilgenommen. Wie er auf den Mord reagierte, ist nicht uberliefert. Ausrichten konnte er ohnehin wenig, wenn er seinen Einfluss auf Nero nicht verlieren wollte.[62]

Ob und ab wann Seneca den Platz an Neros Seite moglicherweise als problematisch empfunden hat, bleibt offen. Zwar schreibt er in einem der Briefe an Lucilius, er habe den rechten Weg erst spat erkannt,[63] doch fuhrte er andererseits - wie fast immer ohne expliziten Bezug zum eigenen Tun - philosophische Grunde fur sein anhaltendes Mitwirken im Zentrum der romischen Macht an. Mit dem Beispiel des Sokrates, der unter der Gewaltherrschaft der Dreissig in Athen 404/403 v. Chr., seinen Mitburgern ein unangepasst-freies Auftreten vorgelebt habe,[64] unterlegte Seneca die These, dass ein Weiser sich gerade in einer fur das Gemeinwesen schwierigen Lage verdient machen konne und dass es den Umstanden entsprechend abzuwagen gelte, wann politisches Engagement chancenreich und wann aussichtslos sei.[65]

Schon innerhalb des spater ausserst positiv gewurdigten Quinquenniums erschwerte Neros Impulsivitat und sein Hang zu Ausschweifungen Seneca und Burrus das Geschaft, zumal Poppaea Sabina, ab 59 Matresse und ab 62 Ehefrau des Kaisers, immer mehr Einfluss uber ihn gewann. Seneca harrte dennoch, vielleicht um Schlimmeres zu verhuten, auf seinem Posten am Hofe aus.[66] Nach Ansicht anderer Forscher wie Ulrich Gotter, die den Philosophen nicht in Schutz nehmen wollen und seine philosophische Selbstdarstellung fur Fassade halten, ging es Seneca dabei allerdings vor allem um seine eigene Machtstellung:

,,Lasst man einmal die philosophischen Abhandlungen des Mannes beiseite, uber deren Originalitat man ubrigens sehr geteilter Meinung sein kann, ergibt sich das Bild eines bedenkenlosen Opportunisten. Seinen verstorbenen Gonner, den soeben vergottlichten Kaiser Claudius, mit einer beissenden Satire lacherlich zu machen, war ebenso eine Dienstleistung an dem jungen Nero, der sich von seinem Adoptivvater zu distanzieren trachtete, wie die Beteiligung an Britannicus' Ermordung... Nach Burrus' Tod versuchte er schliesslich in klarer Erkenntnis, dass das Spiel um die Macht verloren war, mit geradezu peinlich-servilen Offenbarungseiden, wenigstens das Leben und zumindest einen Teil seines in den fetten Jahren zusammengerafften Vermogens zu retten."[67]

Auch durch Zuwendungen Neros war Seneca zu einem der reichsten Manner des Imperium Romanum geworden - laut Tacitus wuchs sein Vermogen allein in den vier Jahren zwischen 54 und 58 um 300 Millionen Sesterzen.[68] In der Provinz Britannien trieb er 40 Millionen Sesterzen aus gekundigten Krediten, die er den Schuldigern vorher aufgedrangt hatte, rucksichtslos ein.[69] Als der fruhere Konsul Publius Suillius Rufus, der sich unter Claudius als Anklager in Majestatsprozessen verhasst gemacht hatte, im Jahr 58 selbst vor Gericht gestellt wurde, griff er Seneca laut Tacitus vor dem Senat als Jugend- und Frauenverfuhrer sowie als Mussigganger und Geldsack an, der die Provinzen skrupellos ausplundere, kinderlose Romer zwinge, ihn als Erben einzusetzen und ,,seiner Raffgier auch noch ein philosophisches Mantelchen der Bedurfnislosigkeit umhange."[70] Seneca, zu diesem Zeitpunkt noch in Neros Gunst stehend, gewann den Prozess, und Suillius wurde in die Verbannung geschickt.

Senecas Schrift Vom glucklichen Leben wird haufig als Antwort auf diese Angriffe gedeutet. Darin bestritt er nachdrucklich, dass es einen Widerspruch zwischen der stoischen Lehre und seinem personlichen Reichtum gabe. Der Weise musse allerdings fahig sein, materielle Guter aufzugeben und durfe sich nicht zu ihrem Sklaven machen. Wie eine Replik auf die im Suillius-Prozess erhobenen Vorwurfe klingt folgende Passage:

,,Hor also auf, den Philosophen das Geld zu verbieten! Niemand hat die Weisheit zur Armut verurteilt. Der Philosoph wird reiche Schatze besitzen, die aber niemandem entrissen sind, nicht von fremdem Blut triefen, erworben sind ohne Unrecht an irgendwem, ohne schmutzige Herkunft."[71]

Seneca-Experten bemangeln, grosse Teile dieser Arbeit dienten der Rechtfertigung des eigenen Reichtums mithilfe zweckhaft ausgewahlter Philosopheme. Richard Mellein spricht in diesem Zusammenhang von Senecas ,,scheinheiligem Opportunismus".[72]

Ob Seneca zu dieser Zeit noch mit seinen Tragodien befasst war, ist unklar; bekannt ist aber, dass er eine der ihm ursprunglich zugeschriebenen Tragodien, die sich als einzige direkt auf das zeitgenossische Geschehen am Hofe Neros bezog, nicht selbst geschrieben hat. Titelheldin war Neros erste Frau Octavia (wie Britannicus ein Kind des Claudius), die zu ehelichen Neros Thronanspruche untermauert hatte. War Octavia bis dahin schon den Zurucksetzungen durch ihre Schwiegermutter Agrippina ausgesetzt, so wurde sie nun von Poppaea mehr und mehr aus ihrer Stellung gedrangt und musste Rom 62 verlassen, als auch Seneca sich nach Burrus' Tod weitgehend aus dem politischen Leben zuruckzog. Nach erprobtem Muster wurde Octavia des Ehebruchs bezichtigt, doch wurde das allgemein nicht fur bare Munze genommen. Da sie auch als Verbannte im Volk weiterhin sehr beliebt war und Nero wie auch Poppaea, die unterdessen geheiratet hatten, als Bedrohung erschien, wurde sie schliesslich noch im selben Jahr in der Verbannung umgebracht.[73][74]

Tacitus zufolge war Seneca im Jahr 59 in den vollendeten Muttermord Neros unmittelbar einbezogen.[75] Ein erster Anschlag auf Agrippina, die sich von einem fur den Untergang praparierten Schiff noch hatte retten konnen, war fehlgeschlagen. Daraufhin soll sich Nero Rat bei Seneca und Burrus geholt haben. Die Vollendung des Mordaktes habe dann Neros enger Vertrauter, der griechische Freigelassene Anicetus, besorgt. In einer wie ublich von Seneca verfassten Mitteilung an den Senat hiess es, ein Bote der Agrippina habe Nero ermorden sollen; sie selbst habe sich nach Vereitelung der Untat den Tod gegeben.

Ruckzug aus der Politik und Spatwerk in Musse

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Nero hatte nach dem Mord an Agrippina allein die Macht inne und bedurfte Senecas als eines vermittelnden Wahrers seiner Anspruche gegenuber der Mutter nicht mehr. Dennoch anderte sich an der ausseren Stellung Senecas, des neben Burrus wichtigsten politischen Beraters des Princeps, zunachst nichts. Beide dienten Nero, indem sie politisch Regie fuhrten, wahrend der Kaiser zunehmend seinen Leidenschaften bei Wagenrennen nachging und seine kunstlerischen Neigungen als Musiker und Tragodienmime sowie als Stifter und Zentralfigur musischer Festspiele und Wettbewerbe wie der Juvenalia und der Neronia verwirklichte.

Nach dem Bericht des Tacitus bat Seneca, als Burrus 62 starb - von dessen Nachfolger Tigellinus eher angefeindet -[76], um Entlassung aus dem Staatsdienst. Gleichzeitig ausserte er den Wunsch, Nero moge den Grossteil seines durch kaiserliche Protektion erworbenen gewaltigen Vermogens zuruck in die eigene Verwaltung nehmen. Der Kaiser erwiderte ablehnend, er konne die Vermogensabtretung nicht ohne Schaden fur den eigenen Ruf annehmen, immerhin seien unter seinem Vorganger Claudius sogar freigelassene Sklaven reicher beschenkt worden; jenseits der rhetorischen Anerkennungsfloskeln war Senecas Abschied aus dem Machtzentrum aber dennoch besiegelt. Er entliess das Gefolge, das ihn seiner politischen Bedeutung entsprechend umgeben hatte, und zog sich mehr und mehr ins Privatleben zuruck, meist nach Nomentum auf ein Weingut nordostlich von Rom.[77]

Sein Ausscheiden aus dem politischen Leben und aus der Mitverantwortung fur das Gemeinwesen der antiken Weltmacht hat Seneca in seiner Schrift Uber die Musse philosophisch reflektiert. Er lasst einen unbekannten Gesprachspartner fragen:

,,Was sprichst du, Seneca? Du ziehst Dich von den Parteiungen zuruck? Sicherlich weisst du, dass Stoiker wie du sagen: ,Bis zum Ende des Lebens werden wir tatig sein, werden nicht aufhoren, uns fur das Gemeinwohl einzusetzen, den einzelnen zu unterstutzen, auch unseren Feinden noch mit altersschwacher Hand auszuhelfen. Wir sind es ja, die keinen Lebensjahren freie Zeit gewahren [...], bei denen es bis zum Tod kein Ausruhen gibt, so dass, wenn die Moglichkeit gegeben ist, nicht einmal der Tod selbst in Ruhe eintritt.'"[78]

Die Antwort auf diesen rhetorischen Einwand lautet:

,,Meine Erwiderung werde ich in zwei Teile gliedern: erstens, dass man sich auch schon von fruher Jugend an ganz der Betrachtung der Wahrheit widmen, die Kunst des Lebens suchen und sie in Abgeschiedenheit uben kann; zweitens, dass man besonders, wenn man aus seiner Dienstzeit ehrenhaft entlassen wurde, in fortgeschrittenem Alter, dies mit sehr guter Berechtigung tun kann [...] Als Grund ist aber besonders der folgende offensichtlich: wenn der Staat zu verkommen ist, als dass man ihm helfen konnte, wenn er in Ubeln versinkt, wird sich der Weise nicht ohne Aussicht einsetzen und sich nicht aufopfern, wenn er nicht helfen kann."[79]

Ohnehin sah sich Seneca als Stoiker nicht nur dem staatlichen Gemeinwesen des Romischen Reiches verpflichtet, sondern auch jenem umfassenden ,,Staatswesen", als welches er Natur und Kosmos mitsamt allen Menschen und Gottern betrachtete. Diesem mit der Sonne auszumessenden Staatswesen sei aber auch in der Musse mit vielerlei Untersuchungen zu dienen:

,,...ob die Materie, aus der alles entsteht, teilchenlos und vollstandig ist oder zerteilt und eine mit Festem gemischte Leere; was der Wohnort Gottes ist, ob er sein Werk nur betrachtet oder auch beeinflusst; ob er es von aussen umgibt oder in dessen Ganzem enthalten ist; ob die Welt unsterblich ist oder man sie zum Hinfalligen und auf Zeit Geschaffenen rechnen muss."[80]

Briefe Senecas in einer Handschrift von 1458. Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, Plut. 45.33, fol. 1r

Er folgerte:

,,Wir sagen, das hochste Gut sei, gemass der Natur zu leben: die Natur hat uns zu beidem geschaffen, zur Betrachtung der Welt und zum Handeln."[81]

In der ihm verbleibenden Zeit nach seinem politisch aktiven Leben hat Seneca von 62 bis 65 neben weiteren themenbezogenen philosophischen Werken wie Uber Wohltaten (De beneficiis) noch zwei weitere Grossprojekte realisiert: die auf Naturerscheinungen und kosmische Zusammenhange gerichtete Schrift Naturwissenschaftliche Untersuchungen (Quaestiones naturales), die er schon auf Korsika begonnen hatte, sowie die als praktische philosophisch-ethische Handreichung konzipierte Sammlung der Briefe an Lucilius, von denen 124 uberliefert sind. Diese umfangreiche Arbeit stellt sein philosophisches Hauptwerk dar. Otto Apelt wies 1924 darauf hin, dass nach Zitaten aus den Noctes Atticae des Gellius ursprunglich noch weitere Briefe existierten.[82]

Todeserwartung auf stoische Weise

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Senecas Leben endete mit der von Nero befohlenen Selbsttotung. Der politische Hintergrund war die Pisonische Verschworung gegen Neros zunehmend despotisches Regiment. Fuhrmann sieht Seneca dabei zwar nicht unmittelbar beteiligt, aber doch in der Rolle des geistigen Wegbereiters.[83]

Senecas Tod in der Schedelschen Weltchronik

Der verbreiteten politischen Unzufriedenheit mit Kaiser Nero, auch im Senatorenstand, gab Seneca in seinem Werk Uber Wohltaten Ausdruck. Dort heisst es in Anspielung auf Nero:

,,Wenn er nicht aus Zorn, sondern in einem gewissen Wutrausch rast, wenn er vor den Augen der Eltern Kinder erwurgt, wenn er mit einfachem Toten nicht zufrieden, Foltern anwendet, [...] wenn seine Burg stets von frischem Blut trieft, dann reicht es nicht aus, diesem Menschen eine Wohltat nicht zu vergelten. Was immer ihn mit mir verbunden hatte, das hat die aufgehobene Gemeinsamkeit menschlicher Rechtsgrundsatze getrennt."[84]

Der lange geplante und mehrfach verschobene Mordanschlag auf Nero wurde kurz vor seiner Ausfuhrung verraten. Durch Zusicherung von Straflosigkeit fur die Kooperationsbereiten gelang es dem Kaiser, eine breite Denunziationswelle auszulosen, zu deren zahlreichen Opfern auch Seneca gehorte. Die Lage, in die er dadurch geriet, traf ihn jedoch nicht unvorbereitet, da die Vorbereitung auf den eigenen Tod ein zentrales Thema der stoischen Lebenskunst darstellt:[85]

,,Es gibt nur eine Kette, die uns gefesselt halt, namlich die Liebe zum Leben. Wir durfen sie nicht von uns weisen, aber wir mussen ihren Druck mindern, damit uns unter dem Druck der Umstande nichts zuruckhalte und hindere bereit zu sein, unverzuglich das zu tun, was einmal doch geschehen muss."[86]

Senecas fragiler Gesundheitszustand hatte ihn schon in jungen Jahren dem Tod nahe gebracht. Uber seine Atemnot ausserte er: ,,Der Anfall [...] aber ist ein Ringen mit dem Tode. Daher nennen die Arzte das Leiden ,eine Vorubung auf das Sterben'."[87] Seine stoische philosophische Ausrichtung hatte ihm den Weg damit umzugehen gewiesen: ,,Lass Dir von mir sagen: ich werde vor dem letzten Augenblick nicht zittern, ich bin schon bereit, ich rechne nie mit einem ganzen Tag, den ich etwa noch zu leben hatte."[88]

Der Tod und die Bekampfung der Todesfurcht waren zuletzt zu einem besonders wichtigen und stets wiederkehrenden Thema in den Briefen an Lucilius geworden.[89] Es war wohl die ganz bewusst ins Zentrum geruckte letzte lebenspraktische Bewahrung fur Seneca: ,,Vor dem Eintritt ins Greisenalter war es mein Bestreben, in Ehren zu leben, nun, da es da ist, in Ehren zu sterben."[90]

Schon im 4. Brief an Lucilius hatte Seneca einen rigorosen Standpunkt eingenommen: Nicht das Leben betrachtete er als Gut, sondern nur das sittlich reine Leben. Uber den Weisen, der unter anhaltenden schweren Storungen der Gemutsruhe litt, schrieb er:

,,Dann wirft er die Fessel von sich, und er tut das nicht bloss in der aussersten Not; sondern sobald das Schicksal anfangt, ihm verdachtig zu werden, geht er gewissenhaft mit sich zu Rate, ob er sofort ein Ende machen soll."[91]

Eingehend setzte Seneca sich im 70. Brief an Lucilius mit diesem Problem auseinander, indem er u. a. jene Philosophen kritisierte, die Suizid zur Sunde erklarten: ,,Wer so spricht, sieht nicht, dass er der Freiheit den Weg versperrt. Wie hatte das ewige Gesetz besser verfahren konnen, als uns nur einen Eingang ins Leben zu geben, aber viele Ausgange?"[92] Man konne keine allgemein gultige Antwort darauf geben, ob im Einzelfall der Tod erwartet oder selbst herbeigefuhrt werden sollte: ,,Denn es gibt viele Grunde, die uns zu einer von beiden moglichen Entscheidungen bewegen konnen. Wenn die eine Todesart mit Folterqualen verbunden ist, die andere einfach und leicht, warum sollte ich mich nicht an die letztere halten?"[93]

Senecas aus haufiger intensiver Befassung mit Sterben und Tod gewonnene Schlussfolgerung in diesem 70. Brief an Lucilius lautete:

,,Fur das Leben muss jeder auch Rucksicht nehmen auf die Billigung anderer, den Tod bestimme er ganz nach eigener Wahl; je mehr nach unserer Neigung, desto besser."[94]

El suicidio de Seneca, Historiengemalde aus dem Jahr 1871 von Manuel Dominguez Sanchez, heute im Museo del Prado

Nero inszenierte die Abrechnung mit seinem Mentor als zweistufigen Prozess. Nachdem Seneca denunziert worden war, schickte der Kaiser einen hoheren Offizier zu ihm, damit er sich uber seine Beziehung zu Piso aussere. Seneca bestatigte den ausgesprochenen Verdacht nicht, bekam aber dennoch wenig spater durch einen anderen Boten die Aufforderung zur Selbsttotung zugestellt. Er wollte sich Tafeln bringen lassen, um sein Testament zu verfassen. Dies wurde ihm jedoch verwehrt. Daraufhin vermachte er seinen Freunden als Einziges, aber zugleich Schonstes - wie er es ausdruckte - das ,,Bild seines Lebens" (imago vitae).

Der Philosoph war sich dessen bewusst, dass der Tod jederzeit und an jedem Ort gegenwartig ist.

,,Niemanden hat das Schicksal so emporgehoben, dass es sich ihm nicht ebenso oft in seiner bedrohlichen Gestalt gezeigt hatte wie in seiner Gunst. Traue nicht dieser Windstille: ein Augenblick genugt, um das Meer aufzuwuhlen. An demselben Tag, wo die Schiffe noch um die Wette fuhren, wurden sie von den Wellen verschlungen. Sei gefasst darauf, dass ein Rauber, dass ein Feind dir das Schwert an die Gurgel setzt."[95]

Tacitus schildert in seinen Annalen[96] das Sterben Senecas als Tod eines Weisen nach dem Vorbild des Sokrates, dessen Tod in Platons Phaidon ausgemalt wird. Demnach soll Seneca die Selbsttotung erst beim dritten Versuch gelungen sein: Zunachst habe er sich die Pulsadern und weitere Arterien an den Beinen geoffnet, dann soll er wie Sokrates einen Schierlingsbecher getrunken haben und sei schliesslich in einem Dampfbad erstickt. Seine Frau Pompeia Paulina, die sich im Fortgang des qualerischen Prozesses auf Senecas Bitte in einen anderen Raum hatte bringen lassen, machte ebenfalls einen Versuch der Selbsttotung. Doch liess Nero angeblich die bereits geoffneten Pulsadern wieder verbinden, sodass sie ihren Gatten noch einige Jahre uberlebte.[97]

Zeichnung einer seinerzeit fur Seneca gehaltenen Buste von Lucas Vorsterman

Seneca verstand sich als Philosoph, der die Lehren der Stoa weiterfuhrte, auf diesem Boden eigene philosophische Erkenntnisse zeitgemass formulierte und fur lebenslanges Lernen pladierte. Er hatte bei der Niederschrift seiner Werke zumeist konkrete Personen als Empfanger vor Augen, auf deren Verhalten und Leben er einwirken wollte, so z. B. seinen Freund Annaeus Serenus, der unter Lebenszweifeln litt.

Aus neuzeitlicher Perspektive ist manchmal in Zweifel gezogen worden, dass Seneca uberhaupt als Philosoph anzusehen sei.[98] Aufgrund seiner leichten Lesbarkeit und seiner Konzentration auf alltagsbezogene Fragen der Ethik - die Probleme der Logik behandelte er gar nicht, die Naturphilosophie lediglich in den Naturales quaestiones, ohne dabei an die philosophischen Traditionen anzuknupfen - wird er haufig als Popularphilosoph bezeichnet.[99]

Seneca selbst hat zu seinen Intentionen eine Vielzahl klarender Hinweise in seinem Schrifttum hinterlassen, so z. B. im 64. Brief der Epistulae morales an Lucilius:

,,Daher verehre ich die Ergebnisse der Weisheit und ihre Entdecker. Gerne nahere ich mich ihnen gleichsam als dem Erbe vieler Menschen. Sie wurden fur mich erworben und fur mich ausgearbeitet. Aber wir sollten als guter Familienvater auftreten und das Empfangene vermehren. Ein grosseres Erbe soll von mir auf meine Nachfolger ubergehen. Es bleibt noch viel Arbeit, und es wird auch immer so sein, und auch dem, der nach unzahligen Generationen geboren wird, ist nicht die Moglichkeit genommen, noch etwas zu erganzen. Doch selbst wenn alles schon von Fruheren gefunden wurde, so wird eines doch immer neu sein, namlich die konkrete Anwendung und zeitgemasse Nutzung dessen, was andere gefunden haben."[100]

Bedeutung und Nutzen seines Philosophierens beschrieb Seneca im 90. Brief so:

,,Unser Leben, mein Lucilius, ist unzweifelhaft ein Geschenk der Gotter, das ehrbare Leben ein Geschenk der Philosophie. Es konnte also als bewiesen gelten, dass wir ihr mehr verdanken als den Gottern, wie ja auch das ehrbare Leben gegenuber dem Leben an sich hoherwertig ist, wenn die Philosophie selbst uns nicht von den Gottern verliehen ware. [...] Ihre einzige Aufgabe ist es, im gottlichen und menschlichen Bereich die Wahrheit zu finden. An ihrer Seite stehen stets Gotterverehrung, Pflichterfullung und Gerechtigkeit sowie das ubrige Gefolge der Tugenden, die eng miteinander verbunden sind. Sie lehrt, Gottliches zu verehren und die Welt der Menschen zu lieben; dass die Gotter herrschen und die Menschen im Schicksal verbunden sind."[101]

,,Die Philosophie", heisst es im 16. Brief, ,,ist unsere Pflicht und muss uns schutzen, gleich ob das Schicksal uns durch sein unerbittliches Gesetz determiniert, ob ein Gott aus seinem Willen das Weltganze angeordnet hat oder ob der Zufall die Handlungen der Menschen chaotisch in standige Bewegung setzt."[102]

Die Betonung liegt bei Seneca haufig auf der praktischen tugendhaften Lebensfuhrung, die nicht jedermann erreichen kann. Vielfach stellt er das Philosophieren in diesem Sinne dem Trachten und Treiben der Masse des Volkes gegenuber und unterstreicht den Wert der eigenen Argumente gerade durch diese Abgrenzung. Dafur ist seine Schrift Von der Kurze des Lebens ein Beispiel. Nicht wohl gesetzte Worte, sondern Taten sind demnach entscheidend:

,,Die Philosophie ist keine Kunstfertigkeit, die man dem Volk prasentiert oder die sich uberhaupt zum Vorzeigen eignet, sie beruht nicht auf Worten, sondern auf Taten. Auch wendet man sich ihr nicht zu, um mit angenehmer Unterhaltung den Tag zu verbringen, um die Freizeit vom Makel der Langeweile zu befreien. Sie formt und bildet den Geist, sie ordnet das Leben, bestimmt unsere Handlungen; sie zeigt, was zu tun und zu lassen ist."[103]

Auch kurz vor seinem Lebensende macht er diese Auffassung noch einmal deutlich:

,,Ich nehme Vorlesungen bei einem Philosophen. Schon seit funf Tagen gehe ich in seine Lehranstalt und hore ab der achten Stunde seinen Vortrag. [...] Man muss so lange lernen, als man unwissend ist - also ein Leben lang, wenn wir dem Sprichwort glauben. Daraus ergibt sich zwingend der folgende Gedanke: Man muss ein Leben lang lernen, wie man das Leben gestalten soll. [...] Ich zeige durch mein Beispiel, dass man auch im Alter noch zu lernen hat. Wie du weisst, fuhrt mein Weg zum Haus des Metronax am Theater von Neapel vorbei. Dort ist es erdruckend voll, und mit lautstarker Begeisterung werden Meinungen uber die Qualitat eines Flotenspielers diskutiert: auch griechische Trompeter und Ausrufer haben grossen Zulauf. Aber in dem Raum, in dem man die menschliche Ethik erforscht, [...] haben nur die wenigsten Platz genommen...."[104]

Von ihm stammt auch der Ausspruch Non vitae sed scholae discimus[105] (,,Nicht fur das Leben, sondern fur die Schule lernen wir"), der spater besonders in seiner Umkehrung beruhmt wurde und in Wirklichkeit eine Kritik an der aus seiner Sicht zu wenig lebenspraktischen Orientierung der seinerzeit gelehrten Philosophie vermitteln sollte.

Stoiker eigener Art

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Neben Mark Aurel und Epiktet zahlt Seneca zu den wichtigsten Vertretern der jungeren Stoa. Als Seneca geboren wurde, existierten die Lehren dieser Athener Philosophenschule bereits 300 Jahre. Vom 2. Jahrhundert v. Chr. an hatten sie verstarkt Einzug in fuhrende Kreise der Romischen Republik gehalten, da sie sich als gut vertraglich mit deren elitarer Bindung an das Gemeinwohl erwiesen. Daneben hatten aber auch andere philosophische Schulen und die Volksfrommigkeit ihre Anhanger.

Fur Einflusse anderer philosophischer Schulen war Seneca offen und ubernahm manches davon in sein Denken, ohne an seiner Grundeinstellung Zweifel zuzulassen. In ausdrucklicher Abgrenzung von anderen philosophischen Richtungen, denen er Weichlichkeit nachsagte, betonte er, den Stoikern komme es nicht darauf an, dass der Weg reizvoll-angenehm sei, ,,sondern dass er uns moglichst bald befreie und zu einem hohen Gipfel fuhre, der weit genug aus der Reichweite von Speeren liegt, um dem Schicksal entronnen zu sein."[106]

Auf dem von Seneca gemeinten Gipfel erlangt der in zaher Entschlossenheit Aufgestiegene den unerschutterlichen Seelenfrieden, der zugleich ein Frieden mit Natur und kosmischer Ordnung ist. ,,Das hochste Gut ist die Harmonie der Seele."[107] Zur Seelenruhe fuhren kann nur die Vernunft, die von Seneca als ,,Teil des gottlichen Geistes, versenkt in den menschlichen Korper" bezeichnet wird.[108]

Nur die Vernunft kann die Affekte kontrollieren, deren Beherrschung der stoischen Lehre gemass den Weg zum hochsten Gut ebnet. Nur sie kann den Philosophen zu der Erkenntnis fuhren, dass die Lebenszeit begrenzt ist, dass alle Menschen vor dem Tod gleich sind und dass der Weise seine kurze Zeit in Gelassenheit und Frieden mit der Mehrung des Gemeinwohls und des philosophischen Wissens zubringen soll.

Senecas fruhe philosophische Auseinandersetzung mit dem als grosste emotionale Herausforderung angesehenen Zorn zielt auf diesen Zusammenhang:

,,Was zurnst du deinem Sklaven, Herrn, Konig oder Klienten? Warte nur etwas und, siehe, es kommt der Tod, der euch gleichmacht. [...] Wir sollten die wenige Zeit, die uns bleibt, lieber in Ruhe und Frieden verbringen. Niemandem soll unser Leichnam verhasst sein."[109]

Ebenso mussen andere Affekte und Leidenschaften wie Lust, Unlust, Begierde und Furcht uberwunden werden. Vernunftbedingte Gelassenheit ist folglich die oberste Tugend des Stoikers. Wiederholt bekennt sich Seneca zu der philosophischen Tradition, in der er steht. Deren Lehren an veranderte Umstande anzupassen, begreift er als wichtige Aufgabe.

,,Soll ich etwa nicht den Spuren der Vorganger folgen? Wahrlich, ich werde den alten Weg einschlagen; finde ich aber einen geeigneteren und ebeneren, so werde ich mich an diesen halten. Die Menschen, die vor uns diese Lehren aufbrachten, sind nicht unsere Gebieter, sondern unsere Wegweiser. Die Wahrheit steht allen offen, sie ist nicht vergeben. Kunftigen Generationen wird noch ein grosser Teil ihrer Erforschung uberlassen sein."[110]

Lehrer individueller Tugend, gemeinnutzigen Engagements und weltburgerlicher Orientierung

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Wie die spate Stoa uberhaupt, befasste sich Seneca vornehmlich mit Fragen der rechten Lebensfuhrung, insbesondere mit der Ethik. Als hochstes Gut galt auch ihm die Tugend, unabdingbare Grundlage und Begleiterscheinung der heiteren Gelassenheit und der Seelenruhe, der stoischen Inbegriffe menschlichen Glucks.

,,Du kannst ja sagen: das hochste Gut ist das ethische Handeln. [...] Die Tugend kann aber nicht grosser oder kleiner werden; sie ist von immer gleicher Gestalt."[111]

Das Gluck habe nichts mit Reichtum oder dem Urteil der Menschen zu tun, sondern sei geistiger Natur. Der Gluckliche verachte, was allgemein bewundert wird, ,,kennt keinen, mit dem er tauschen mochte" und ,,beurteilt einen Menschen nur nach seinem menschlichen Wert".[112] Die Menschen sollen ein Leben nach den Gesetzen der Natur fuhren und dabei unterscheiden zwischen dem, was unabwendbar ist, und den Dingen, auf die der Mensch Einfluss nehmen kann. Ausserdem forderte Seneca dazu auf, sich aktiv am politischen Leben zu beteiligen, selbstlos soziale Aufgaben zu ubernehmen und Freundschaften zu pflegen:

,,Es kann niemand ethisch verantwortungsvoll leben, der nur an sich denkt und alles seinem personlichen Vorteil unterstellt. Du musst fur den anderen leben, wenn du fur dich selbst leben willst. Wenn diese Verbindung gewissenhaft und als heiliges Gut gepflegt wird - die uns als Menschen den Menschen gesellt und die zeigt, dass es ein gemeinsames Menschrecht gibt -, so tragt sie besonders dazu bei, den genannten Bund, also die Freundschaft, zu fordern."[113]

Andererseits betonte er aber auch die Doppelgleisigkeit der menschlichen Anlagen: ,,Man muss dennoch beides miteinander verbinden und abwechseln - Einsamkeit und Geselligkeit. Jene verursacht in uns Sehnsucht nach Menschen, diese nach uns selber, und es durfte die eine der anderen Heilmittel sein: den Hass auf die Masse heilt die Einsamkeit, den Verdruss gegenuber der Einsamkeit die Masse."[114]

Den gesellschaftlichen Statusunterschieden setzte Seneca eine ursprungliche menschenrechtliche Gleichheitsvorstellung an die Seite:

,,Dieselben Anfange haben alle Menschen, denselben Ursprung; niemand ist vornehmer als ein anderer, ausser wenn er sich durch eine aufrechte und aufgrund guter Charaktereigenschaften bessere Gesinnung auszeichnet."[115]

Sich auf Platon berufend, betonte er den Zufall der gesellschaftlichen Position und die Bedeutung der eigenen geistigen Bemuhungen.

,,Platon sagt, es gebe keinen Konig, der nicht von Sklaven, und keinen Sklaven, der nicht von Konigen abstamme. Der Wechsel der Zeit hat all dies durcheinander geworfen und das Schicksal hat alles mehrfach umgekehrt. [...] Der Verstand verleiht den vornehmen Rang, und er kann sich aus jeder Lebenslage uber das Schicksal erheben."[116]

Seneca zwischen Platon und Aristoteles, Buchmalerei in einer Handschrift philosophischer Auswahltexte aus dem 14. Jahrhundert

Ein gluckliches Leben, meinte Seneca, konne nur derjenige fuhren, der nicht nur an sich selbst denke und alles seinem Vorteil unterordne. Gluck spende die Fahigkeit zur Freundschaft mit sich selbst und anderen. Allerdings tadelte Seneca Freunde wegen Fehlverhaltens und Uneinsichtigkeit auch. So ausserte er in einem Brief an Lucilius uber den gemeinsamen Freund Marcellinus: ,,Er besucht uns nur selten und zwar deshalb, weil er die Wahrheit nicht horen mochte. Diese Gefahr besteht fur ihn allerdings nicht mehr. Denn davon reden sollte man nur mit jenen, die auch zuzuhoren bereit sind."[117] Im selben Brief fahrt er fort: ,,Ich gebe unseren gemeinsamen Freund Marcellinus noch nicht vollig verloren. Er kann noch immer gerettet werden, allerdings nur, wenn man ihm schnell die Hand reicht. Dabei konnte es jedoch passieren, dass er denjenigen, der ihm die Hand reicht, mit sich fortreisst. Er besitzt grosse Geistesgaben, leider mit einem Hang zum Schlechten verbunden...."[118]

Seneca hebt die Bedeutung der Freigiebigkeit hervor: ,,Geben wir so, wie wir selbst empfangen mochten: vor allem gern, rasch und ohne jedes Zogern." Zwar konne man als Wohltater bei seinen Mitmenschen an die Falschen geraten, doch treffe es ein andermal die Richtigen:[119]

,,Schon bald wurde das Leben in langweiligem Mussiggang erstarren, wenn man die Hand schnell zuruckzieht von allem, was einem missfallt. [...] Denn man ubt sich nicht im Hinblick auf moglichen Vorteil: richtig zu handeln, ist Lohn fur sich."[120]

Dabei redete er aber nicht einer Mitleidsethik das Wort, wie sie etwa gleichzeitig die fruhen Christen verbreiteten. Mitleid lehnte er als ,,benachbart dem Leiden" explizit ab, da es das Ziel seines Philosophierens, die abgeklarte Seelenruhe, nur store:

,,Mitleid ist ein seelisches Leiden wegen des Anblicks fremden Elends oder Trauer auf Grund fremden Unglucks. [...] Seelenleid aber befallt einen weisen Mann nicht."[121]

Der stoische Weise kann nach Seneca durch das Verhalten anderer in seiner souveranen Seelenruhe nicht behindert werden, wird in dieser Hinsicht also gewissermassen unverletzlich:

,,Nur schlechte Menschen begehen Unrecht an guten Menschen. Die Guten haben untereinander Frieden."[122]

Im 90. Brief an Lucilius unterscheidet Seneca zwischen einer Art Naturzustand und dem vorgefundenen entwicklungsgeschichtlichen Zustand der Gesellschaft: ,,Die Verbundenheit unter den Menschen blieb eine Zeit lang unverletzt, bis die Habgier den Bund zerriss und auch denen, die sie bereicherte, zur Ursache ihrer Armut wurde. Denn Menschen besitzen nicht mehr das Ganze, solange sie Teile davon als ihr Eigentum betrachten. Die ersten Menschen und ihre Nachkommen folgten dagegen unverdorben der Natur."[123] Die Fuhrungsfunktionen fielen demnach ebenso naturlich den aufgrund ihrer geistigen Bedeutung dafur Geeignetsten zu. Denn unangreifbare Autoritat besitze nur der, ,,welcher seine Macht ganz in den Dienst der Pflicht stellt".[123]

In geschichtlicher Zeit lenkt Seneca den Blick auf das Individuum, indem er bezuglich der vier Kardinaltugenden unterstreicht: ,,Bei den Menschen der Vorzeit gab es noch nicht Gerechtigkeit, Einsicht, Massigung oder Tapferkeit. Ihr noch bildungsloses Leben zeigte gewisse Ahnlichkeiten zu all diesen Tugenden; doch die Tugend selbst wird nur einem unterwiesenen und gelehrten Verstand zuteil, der durch bestandige Ubung zur hochsten Einsicht gelangt ist."[124] Jenes Goldene Zeitalter der Menschheit unter der unangefochtenen Herrschaft der Weisen, das Seneca im 90. Brief teilweise den Vorstellungen des Poseidonios nachgezeichnet hat, mundete dieser Vorstellung nach schliesslich in den historischen Prozess der Antike, der Seneca bis zu den Anfangen des Prinzipats gelaufig war: ,,Aber als sich die Laster langsam einschlichen und sich so die Monarchie zur Tyrannis wandelte, wurden erstmals Gesetze notwendig, welche anfanglich noch von den Weisen gegeben wurden."[125] In diesem Zusammenhang erwahnt er Athens Gesetzgeber Solon und fur Sparta Lykurg.[125]

Das Verhaltnis des Philosophen zu den politisch Herrschenden betrachtete Seneca als jemand, der dieses Feld sowohl in gestaltender als auch in leidender Rolle kennen gelernt hatte:

,,Mir scheint im Irrtum zu sein, wer meint, treue Anhanger der Philosophie seien eingebildete Querkopfe, sie verachteten Behorden, Herrscher und die Verwalter des Staates. Im Gegenteil sind die Philosophen jenen dankbar wie niemand sonst, und dies mit Recht. Denn niemandem erweisen die Huter der staatlichen Ordnung einen grosseren Dienst als denen, die ungestort geistiger Beschaftigung nachgehen konnen."[126]

Die Wohltat des Friedens durch die politische Fuhrung des Herrschers erstreckt sich Seneca zufolge zwar auf alle Menschen, ,,wird aber tiefer von denen empfunden, die einen lobwurdigen Gebrauch davon machen."[127] Die Burger sollen am politischen Leben teilnehmen, auch wenn sie nur geringen Einfluss auf die Ergebnisse nehmen konnen. ,,Der Einsatz eines engagierten Burgers ist niemals nutzlos: Er ist allein schon nutzlich, wenn man ihm zuhort oder ihn auch nur sieht, durch seinen Gesichtsausdruck, seine Gestik, seine stumme Anteilnahme, ja allein durch seinen Auftritt."[128] Dabei bezog er sich nicht nur auf das eigene Staatswesen, sondern bezeichnete sich im Sinne der Stoa als Weltburger mit der Aufgabe, die Tugend weltweit zu verbreiten.

,,Daher sind wir Stoiker [...] nicht auf die Mauern einer einzigen Stadt beschrankt, sondern stehen im Austausch mit dem gesamten Erdkreis und erkennen in der ganzen Welt unser Vaterland: So wollen wir fur unsere sittlichen Bestrebungen ein grosseres Betatigungsfeld gewinnen."[129]

Haltung zu Frauen und Sklaven in der romischen Gesellschaft

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Manches in Senecas philosophischen Schriften passt nach Villy Sorensen zum Horizont der stadtischen westlichen Gegenwartszivilisation.[130] Andererseits lassen seine Ausserungen ofters die spezifischen Pragungen der antiken Kultur erkennen, der er angehorte: ,,Missgeburten loschen wir aus, Kinder auch, wenn sie schwachlich und missgestaltet geboren worden sind, ertranken wir; und nicht Zorn, sondern Vernunft ist es, vom Gesunden Untaugliches zu sondern."[131]

Die Haltung Senecas gegenuber dem anderen Geschlecht war ambivalent. Der geistigen Hauptstromung seiner Zeit entsprechend bezeichnete Seneca Frauen als minderwertig. Dabei ging er so weit, sie - wenn sie ohne Bildung waren - mit Tieren auf eine Stufe zu stellen. ,,Manche sind von solchem Irrsinn befallen, dass sie glauben, sie konnten durch eine Frau Herabsetzung erfahren. Was spielt es schon fur eine Rolle, wie schon sie ist, wie viele Sanftentrager sie hat, welcher Art ihr Ohrschmuck oder wie bequem ihr Tragsessel ist? Sie ist ein immer gleich unvernunftiges Geschopf, und wenn sie nicht uber Kenntnisse und Bildung verfugt, nichts als ein wildes Tier, seiner Begierden nicht machtig."[132] Von diesem Ansatz her wird auch der Zorn als eine ,,weibische und kindische Schwache" klassifiziert, die aber auch Manner befalle: ,,Denn auch Mannern wohnt kindische und weibische Veranlagung inne."[133]

Wahrend an dieser Stelle die abwertende Tendenz gegenuber Frauen klar uberwiegt, geht Seneca in seinen Trostschriften an ihm vertraute Frauen von gemeinsamen Anlagen beider Geschlechter aus. In diesen Trostschriften, die er fur Marcia und fur seine Mutter verfasst hat, zeigt er sich deutlich weniger misogyn. So schrieb er an Marcia:

,,Wer sollte denn gesagt haben, dass die Natur bei der geistigen Ausstattung von Frauen bosartig verfahren sei und ihre Vorzuge eng beschrankt habe? Glaube mir, sie haben die gleiche Kraft, die gleiche Fahigkeit zum sittlich Guten, wenn sie nur wollen; Schmerz und Anstrengung ertragen sie genauso gut, wenn sie es nur gewohnt sind."[134]

Und in der Trostschrift fur seine Mutter Helvia nahm er explizit gegen das von seinem Vater vertretene und innerfamiliar durchgesetzte herkommliche Frauenbild Stellung:

,,Ich wunschte, dass mein Vater, der vortreffliche Mann, sich weniger an die Tradition der Vorfahren gehalten und vielmehr den Wunsch gehabt hatte, dass du in den Lehren der Philosophie grundlich ausgebildet, nicht nur fluchtig eingefuhrt worden warest. Dann brauchtest du die Hilfen zum Ertragen deines Schicksals nicht jetzt erst muhsam aufzubauen, sondern sie nur hervorzuholen. Er hat dir weniger Freiheit fur Studien gewahrt, da es auch solche Frauen gibt, die sie nicht mit dem Ziel der Weisheit betreiben, sondern nur zur Befriedigung ihrer Eitelkeit."[135]

Damit erkennt Seneca zwar die Macht seines Vaters als pater familias an, uber seine Mutter Entscheidungen zu treffen, bemangelt aber, dass er ihr den Zugang zu Bildung erschwerte und ihr wissenschaftliche Arbeit untersagte. Indirekt unterstutzt er damit die Forderung nach Frauenbildung und erweist sich wiederum als Philosoph, der uberkommene Denkschablonen verlasst.

Wie die nachrangige Stellung der Frauen gehorten auch Sklaverei und Sklavenhaltung zu den charakteristischen Merkmalen der antiken Gesellschaftsordnung. Rechtlich waren Sklaven dem Sachbesitz gleichgestellt, uber den der Besitzer nach Gutdunken verfugen konnte. Senecas Einstellung zu diesen auch zu seiner Zeit noch nahezu Rechtlosen war von humaner Zuwendung bestimmt.

,,Ich will mich nicht auf ein unerschopfliches Thema einlassen und die Behandlung der Sklaven diskutieren, denen gegenuber wir so arrogant, grausam und herablassend sind. Doch kurz zusammengefasst lautet meine Lehre folgendermassen: Du sollst mit deinem Untergebenen so leben, wie du wunschst, dass dein Vorgesetzter mit dir lebe. [...] Sei gutig und hoflich zu deinem Sklaven, beziehe ihn in die Unterhaltung ein, gib ihm Zutritt zu deinen Besprechungen und Gelagen. [...] Einige mogen deine Tischgenossen sein, weil sie dessen wurdig sind, doch andere sollten es noch werden. Denn sofern sie aufgrund ihres rohen Umgangs noch das Verhalten von Sklaven zeigen, wird das Tischgesprach mit Gebildeteren sie dieses Verhalten ablegen lassen. Es stimmt nicht, lieber Lucilius, dass du nach einem Freund bloss auf dem Forum oder in der Kurie suchen kannst; wenn du sorgfaltig und aufmerksam bist, wirst du ihn auch in deinem Haus finden. Guter Stoff bleibt oft ungenutzt, weil der Bildner fehlt. Versuche es, und du wirst es erleben."[136]

Mit dieser Auffassung gehorte Seneca zu den wenigen Denkern der Antike, die sich kritisch mit der Sklaverei auseinandergesetzt haben. Diese Einstellung wurde von der romischen Elite wohl nicht geteilt.[137]

Vordenker von Weisheit

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Die ausdruckliche Bejahung der Schicksalsvorgaben und der individuelle Freiheitsanspruch gehen in Senecas Denken auf eigentumliche Weise zusammen. Als ein Ubel sieht er jede Art von Abhangigkeit an, die die innere Freiheit bedroht: ,,Die Freiheit geht zugrunde, wenn wir nicht alles verachten, was uns unter ein Joch beugen will."[138] Das Lebensgluck ergibt sich hingegen aus einer scheinbar einfachen Formel:

,,Wer die Einsicht besitzt, ist auch massvoll; wer massvoll ist, auch gleichmutig; wer gleichmutig ist, lasst sich nicht aus der Ruhe bringen; wer sich nicht aus der Ruhe bringen lasst, ist ohne Kummer; wer ohne Kummer ist, ist glucklich: also ist der Einsichtige glucklich, und die Einsicht reicht aus fur ein gluckliches Leben!"[139]

Dass die Formel in der Lebenspraxis selten ganz aufgeht und dass der Mensch eine diesbezuglich problematische Konstitution hat, wird an anderen Stellen verdeutlicht:

,,Ich mute dem Weisen nicht Ubermenschliches zu, ich behaupte nicht, dass er wie ein Fels ohne Gefuhlsregung Schmerz abwehrt. Ich weiss, dass er aus zwei Teilen besteht: Der eine ist vernunftlos und kann somit gekrankt, gebrannt, und gequalt werden; der andere ist vernunftig, ihm gehoren unerschutterliche Grundsatze an, er ist furchtlos und frei. Auf ihm beruht das hochste Gut des Menschen. Solange es nicht vollkommen ist, ist der Verstand haltlos und unruhig, doch ist es vollkommen, kann der Verstand nicht mehr erschuttert werden."[140]

Seneca ringt mit der eigenen Unvollkommenheit: ,,Bleiben wir also bei der Stange und lassen uns durch nichts von unserem Vorhaben abbringen! Was uns noch zu tun bleibt, ist mehr, als was wir bereits hinter uns haben; doch ein Grossteil des Fortschritts beruht darauf, den Willen zum Fortschritt zu haben. Dessen aber bin ich mir gewiss: dass ich will, und zwar mit ganzer Seele."[141]

Solches Bemuhen umfasst auch die Unabhangigkeit des Denkens von der Meinung des Volkes. Er zitiert an dieser Stelle Epikur: ,,Niemals habe ich dem Volk gefallen wollen. Denn was ich weiss, gilt dem Volk nichts, und was dem Volk etwas gilt, das interessiert mich nicht."[142] Darin, betont Seneca, seien sich alle bedeutenden philosophischen Schulen einig, ob Epikureer, Peripatetiker, Anhanger der Akademie, Stoiker oder Kyniker; und er vollzieht eine scharfe Abgrenzung gegenuber jedwedem Populismus:

,,Es sind verwerfliche Mittel, durch die man die Gunst des Volkes gewinnt. Du musst dich diesen Leuten angleichen. Ihnen gefallt nur das, was sie kennen. [...] Die Zuneigung Nichtswurdiger kann nur durch nichtswurdige Mittel erlangt werden. Was wird also die vielgepriesene und allen Kunsten uberlegene Philosophie uns dartun? Bestimmt, dass du lieber vor Dir selbst als vor dem Volk bestehen magst, dass du deine Urteilsmassstabe nach ihrem Wert bemisst und nicht an der allgemeinen Zustimmungsrate ausrichtest, dass du ohne Furcht vor Gottern und Menschen lebst, dass du die Ubel uberwindest oder ihnen ein Ende machst."[143]

Worauf es Seneca im Verlauf des Lebens schliesslich ankommt, ist die Annaherung an das Ziel, die Unschuld des Neugeborenen mit den Mitteln der Vernunft und Einsicht zuruckzugewinnen:

,,Wir sind schlechter bei Eintritt des Todes als bei unserer Geburt. Die Schuld liegt an uns, nicht an der Natur; die Natur muss sich uber uns beschweren und sagen: ,Was soll das? Ich habe euch ohne Begierden geschaffen, ohne Furcht, ohne Aberglauben, ohne Unredlichkeit und ohne die sonstigen Laster: wie ihr ins Leben eintratet, so sollt ihr hinausgehen.' Der hat die Weisheit erlangt, der bei seinem Tod genauso sorgenlos ist wie bei der Geburt."[144]

Gottesbegriff und Todesanschauung

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Senecas Gottesbegriff ist komplex. Je nach Kontext spricht er von ,,Gottern", dem ,,Gottlichen" oder dem ,,Gott". Hinsichtlich der Entwicklung des Individuums schreibt er:

,,Glaube mir, Lucilius, es wohnt in uns ein heiliger Geist, der unsere schlechten und guten Eigenschaften beobachtet und uberwacht. Dieser verfahrt mit uns ebenso wie wir mit ihm. Niemand ist ein wirklich guter Mensch ohne Gott. Oder konnte sich jemand ohne seine Hilfe uber das Schicksal erheben? Ihm verdanken wir alle unsere grossen und erhabenen Entschlusse. [...] Wie die Strahlen der Sonne zwar die Erde erreichen, aber noch ihrem Ausgangspunkt angehoren, so steht eine grosse, heilige Seele, die herabgesandt wurde, um uns das Gottliche besser verstehen zu lassen, zwar mit uns in Austausch, bleibt aber ihrem Ursprungsort verhaftet: von dort geht sie aus, hierher blickt sie und nimmt Einfluss, unter uns wirkt sie gleichsam als hoheres Wesen."[145]

Der Weise schliesslich steht fur Seneca mit dem Gottlichen in engster Beziehung:

,,Fur den Weisen ist seine Lebensdauer wie fur die Gottheit die Ewigkeit. In einem Punkt ubertrifft der Weise die Gottheit: wenn diese frei ist von Furcht, so verdankt sie es der Natur, der Weise verdankt es sich selbst. Wahrlich es will etwas heissen, die Schwache des Menschen mit der Unbesorgtheit der Gottheit zu verbinden. Die Philosophie hat eine unglaubliche Kraft, alle Gewalt des Zufalls aufzufangen."[146]

Zum Tod, der letztlich doch einen markanten Unterschied setzt zwischen dem Weisen im Sinne Senecas und dem Gottlichen, hat Seneca nach Massgabe der ihm gelaufigen philosophischen Uberlieferung Spekulationen angestellt bzw. Raum dafur gelassen:[147] ,,Der Tod, was ist er? Das Ende oder ein Ubergang. Ich furchte beides nicht."[148] Und im 70. Brief an Lucilius betont er wiederum das individuelle Selbstverfugungsrecht in Bezug auf das eigene Leben bis hin zu dessen Beendigung:

,,Es ist ein Trost fur uns Menschen, dass niemand unglucklich ist ausser durch eigene Schuld. Gefallt es dir, so lebe; gefallt es dir nicht, so kannst du wieder hingehen, woher du gekommen bist."[149]

Die Seneca zugeschriebenen Dramen sind die einzigen erhaltenen Tragodien der lateinischen Antike. Dabei handelt es sich im Unterschied zu den klassischen griechischen Tragodien nicht um Handlungsdramen, sondern um psychologische Dramen.[150] Das Bindeglied zu den philosophischen Schriften stellt nach Maurach Senecas ubergeordnetes Ziel der ,,Seelenleitung" dar, das ihn in den Tragodien zum ,,Verfolger" von Lastern, des Wahns und der Selbstuberhebung mit theatralischen Mitteln werden lasst: ,,Als ein solcher gestaltet er das Grauenvolle, Allvernichtende, will erschuttern und erschrecken vor dem, was der Mensch dem Menschen anzutun fahig ist".[151] Anne Baumer schreibt dazu: ,,Dem Dichterphilosophen eroffnet sich durch das Theater eine Moglichkeit zur Breitenwirkung; der Zuschauer wird durch gut formulierte Sentenzen und durch geschickte Buhnenpsychologie beeinflusst, seine eigenen Affekte zu bekampfen." Der Schwerpunkt lag auf der Bekampfung des Zorns als seelischer Disposition, die durch Aggressivitat in der Natur des Menschen liegt. Als weiteres Hauptthema der Tragodien Senecas wird die Verurteilung des destruktiven Tyrannen angefuhrt.[152] Relativ sicher zugeschrieben werden ihm die Tragodien Medea, Agamemnon, Phoenissae, Oedipus, Troades, Hercules furens, Phaedra und Thyestes. Bei einzelnen Personen dieser Tragodien - am eindrucksvollsten an Clytaemnestra, der Hauptperson im Agamemnon - lasst sich deutlich beobachten, wie genau Seneca in Entsprechung zu den psychologischen Anschauungen der Stoa die Genese des furor, des durch keine Rationalitat mehr beeinflussbaren Entschlusses zum Verbrechen, darstellt.[153]

Die meisten Forscher glauben heute, dass Seneca nicht als Autor der Octavia in Frage kommt, die ihm traditionell zugeschrieben wird.[154] Es handelt sich dabei um die einzige vollstandig erhaltene Praetexta, eine Variation der griechischen Tragodie in romischem zeitgenossischen Kontext. Die Handlung dreht sich um die Verstossung von Neros Frau Octavia zugunsten von Poppaea. Es erscheint unmoglich, dass dieser unverkennbar Nero-kritische Text zu Senecas Lebzeiten veroffentlicht werden konnte. Seneca tritt selbst als Rollenfigur auf und wird aus der Perspektive seiner spateren Opposition zu Nero dargestellt. Neben der Octavia wird auch der Hercules Oetaeus als unecht angesehen.[155]

Mehrheitlich wird vermutet, dass auch die mythologischen Tragodien auf Ereignisse und besonders auf Intrigen am Kaiserhof, vermutlich zur Nerozeit, anspielen, etwa auf den Muttermord.[156] Ein Zusammenhang zur Philosophie Senecas ist auch darin erkennbar, dass die Einordnung des Todes in die indifferentia (die gleichgultigen Dinge, auf die es nach stoischer Lesart nicht ankommt) ein hervorstechendes Motiv darstellt. Dem gewidmet waren auch zeitgenossische Schriften senatorischer Kreise uber heroische Todesdarstellungen. In den Tragodien wird gelehrt, dass die Ablehnung des Freitodes schlimmer zu ertragen sein kann als dieser selbst. So verweigert der Held der Tragodie Hercules Furens nach Raserei und grausamem Verwandtenmord den anschliessenden Freitod als eine das Verbrechen nicht hinreichend suhnende Strafe.[157] Da die in der Weltliteratur nahezu beispiellos drastische Darstellung extremer Gewalt teilweise der Beschreibung von Herrschergewalt in Senecas Schrift Uber den Zorn ahnelt, ist von einigen Experten eine Datierung in die Verbannungszeit unter Claudius vorgeschlagen worden.[158]

Ob die Stucke tatsachlich aufgefuhrt wurden - der Altphilologe Manfred Fuhrmann halt es fur moglich, dass Nero und Seneca vor geladenen Gasten selbst als Darsteller auftraten[159] - oder ob es sich um blosse Lese- und Rezitationsdramen handelte, ist in der Forschung umstritten.[160] Massgeblichen Einfluss hatten Senecas Schauspiele auf die tragischen Dramen der Renaissance, insbesondere im elisabethanischen England des 16. Jahrhunderts.

In der Gegenwart werden Seneca-Tragodien kaum auf der Buhne inszeniert. Die Thyestes-Tragodie, die durch ihre besondere Grausamkeit hervorsticht - in ihrem Mittelpunkt steht Thyestes' Verspeisen der eigenen Kinder -, hat allerdings in jungster Zeit als Beispiel asthetischer Tabudurchbrechung verstarkt Aufmerksamkeit gefunden. 1994 produzierte das Londoner Royal Court Theatre unter der Regie von James Macdonald eine Buhnenfassung in der Ubersetzung von Caryl Churchill.[161] Das Stuttgarter Schauspielhaus brachte die Tragodie 2002 auf die Buhne. Im selben Jahr legte Durs Grunbein eine Nachdichtung vor.[162] Auch der 2023 veroffentlichte Kinofilm uber Senecas Tod von Robert Schwentke integriert eine Auffuhrung des Thyestes im Stil des modernen immersiven Theaters in die Filmhandlung, die dem fiktiven Plot zufolge von Seneca (gespielt von John Malkovich) selbst als Regisseur geleitet wird.

Der Schriftsteller als Stilbildner

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Nicht nur als Erneuerer einer auf die Lebenspraxis gerichteten stoischen Ethik, sondern auch als Sprachstilist hat Seneca Epoche gemacht. Das auffalligste Merkmal des von ihm gepragten neuen Stils, der so genannten Silbernen Latinitat, war nach Fuhrmann die auf den Effekt gerichtete Pointe:

,,In Senecas Diktion triumphiert das Pathos; es herrscht dort in verschieden starker Intensitat, es fluktuiert in standigen Crescendi und Decrescendi [...] Alle psychischen Krafte, der Verstand ebenso wie das Anschauungsvermogen und die Emotionen, sollen mobilisiert werden, auf dass sie ubereinstimmend das eine verwirklichen, auf das es ankommt, das den Erkenntnissen der Philosophie gewidmete Leben."[163]

Kaiser Caligula hat Senecas Redeweise als ,,Sand ohne Kalk" kritisiert, weil es ihr an dem fur Cicero charakteristischen Periodenbau gefehlt habe. Quintilian nennt seinen Stil ,,uberwiegend schlecht und besonders dadurch hochst bedenklich, dass er von Schwulstigkeit aufgeblasen ist",[164] attestiert aber deutlich Senecas Bekanntheit und wurdigt dessen Gelehrsamkeit. Tacitus wiederum hat Seneca bescheinigt, den Geschmack der Jugend getroffen zu haben.[165]

Die Sentenz ist nach Maurach die ,,stilistische Urzelle" Senecas und eben nicht wie bei Cicero die Satzperiode. Dies deutet auf ein verandertes Wert- und Lebensgefuhl: ,,Konzentration auf sich selbst, Vereinzelung, Verlust an weitgespannter Einordnung."[166] Seneca wende sich sowohl an den Intellekt mit den Mitteln der Darlegung, Klarung und Bewusstmachung als auch an die Emotion, wobei er hier u. a. das Antreiben, Beschamen, Bestatigen oder Korrigieren bis hin zum Begeistern und Hinaufreissen anwende.[167]

Seneca selbst hat sich aber zu Cicero keineswegs in scharfem Gegensatz gesehen, sondern ihm ausdrucklich Wertschatzung bekundet: ,,Lies den Cicero", empfahl er Lucilius, ,,sein Stil ist einheitlich und elegant im Satzrhythmus."[168] Inhaltsleere Effekthascherei und Manipulation der Massen lehnte er ab:

,,Ein Vortrag, dem es um die Wahrheit geht, muss ungekunstelt und einfach sein; ein Vortrag, der das Volk anspricht, hat mit Wahrheit nichts zu schaffen. Sein Ziel ist es, die Masse zu beeinflussen und ungebildete Horer im Sturm fortzureissen, er entzieht sich jeder prufenden Beurteilung, verliert sich in alle Winde."[169]

An anderer Stelle kritisiert er die uberladene Ausdrucksweise derer, die sich modischer Ausschweifung hingeben, und hebt die Notwendigkeit klarer und einfacher Rede als Ausdruck eines einfachen wurdevollen Lebens hervor. Er zitiert ein griechisches Sprichwort, wonach des Menschen Redeweise seinem Leben gleicht, und bezieht es auf den sittlichen Verfall des Gemeinwesens:

,,Wie aber die Handlungsweise jedes Einzelnen seiner Ausdrucksweise ahnlich ist, so nahert sich das rhetorische Genre den allgemeinen Sitten an, wenn die Moral einer Stadt leidet und der Vergnugungssucht verfallt. Ausschweifende Rhetorik ist dann Ausdruck der allgemeinen Zugellosigkeit."[170]

Senecas stilbildende Wirkung hielt nicht lange vor, obwohl es zu einer bahnbrechenden Neuerung in der Folge gar nicht mehr kam. Vielmehr setzte in der Generation nach Seneca eine Ruckbesinnung auf die Klassik nach dem Vorbild Ciceros ein und weitere Jahrzehnte darauf sogar die Wiederbelebung der Vorklassik zwischen 240 und 80 v. Chr.[171] Aulus Gellius, dessen Auseinandersetzung mit Senecas Stil im 2. Jahrhundert n. Chr. die letzte fur die Antike uberlieferte darstellt, bezeichnete ihn als ,,albernen und lappischen Menschen" (Noctes Atticae 12, 2). ,,Dies sind die letzten Worte", so Fuhrmann, ,,die das alte Rom uber einen seiner Grossten an die Nachwelt hat gelangen lassen."[172]

Im 4. Jahrhundert tauchte ein, wie heute bekannt ist, gefalschter Briefwechsel mit dem Apostel Paulus auf, was Hieronymus dazu brachte, Seneca als einzigen heidnischen Romer in seine Biographiensammlung De viris illustribus aufzunehmen. Auch seine Philosophie wurde in die Nahe des Christentums geruckt, da sie z. B. hinsichtlich Schicksalsgehorsam bzw. Ergebung in den gottlichen Willen als individuelle Prufung und Bewahrung Parallelen aufwies, wie auch bezuglich der Gewissensforschung und der mitmenschlichen Verbundenheit. Nicht erst Hieronymus, sondern bereits die altkirchlichen Schriftsteller Tertullian und Laktanz haben Seneca grosse Wertschatzung entgegengebracht.

Buste Senecas im Ulmer Munster, um 1470

Zu Senecas Nachwirken seit der Antike gibt es bisher nur auf spezielle Aspekte oder einzelne Epochen gerichtete Untersuchungen, Zusammenstellungen der verstreuten Literatur oder diesbezugliche summarische Betrachtungen.[173] Im Mittelalter kam er wegen seiner Nahe zu manchen christlichen Lehrsatzen als Moralphilosoph zur Geltung. Dante nannte ihn in der Gottlichen Komodie[174] Seneca morale, da im Mittelalter die Werke Senecas zwei Autoren zugeschrieben wurden, dem Moralphilosophen Seneca und einem Tragodiendichter gleichen Namens.[175] Auch seine naturwissenschaftlichen Untersuchungen (Quaestiones naturales) wurden studiert, so etwa von Roger Bacon. Ausserdem existiert eine mittelalterliche Buste im Chorgestuhl des Ulmer Munsters.[176]

Marmor-Buste Senecas, anonyme Skulptur des 17. Jahrhunderts, Museo del Prado
Moderne Statue Senecas in seinem Geburtsort Cordoba

In der Renaissance waren es vor allem niederlandische Humanisten, die sich Seneca intensiv zuwendeten. Erasmus von Rotterdam brachte die erste textkritische Ausgabe von Senecas philosophischen Schriften heraus; Justus Lipsius wurde mit der an Seneca ausgerichteten Schrift De constantia zum Mittelpunkt eines Neustoizismus. Sein Freund Peter Paul Rubens wurdigte Seneca u. a. mit dem Bild Der sterbende Seneca. Auch den Schweizer Reformatoren Zwingli und Calvin war Seneca eine Autoritat. Montaignes Essais sind von Senecas Briefen an Lucilius wesentlich inspiriert. Auch die Begrunder des modernen Volker- und Naturrechts, Hugo Grotius und Samuel von Pufendorf, bezogen sich auf Senecas Schriften.[177]

Besondere Wertschatzung wurde Seneca von jeher in Frankreich entgegengebracht. Aus seinen Tragodien ubernahm Corneille das rhetorische Geprage der Sprache und die Dialektik des Dialogs, Racine fugte aus ihnen gar ganze Szenen in einige seiner Stucke ein.[178] Auch Diderot wurde in seinen spaten Jahren zum Lobredner Senecas und meinte, dass er sich selbst viel Kummer hatte ersparen konnen, wenn er Senecas Grundsatze fruher angenommen hatte.[179]

Die Vertreter der neuhumanistischen deutschen Klassik mit ihrer Hochschatzung der Griechen auf Kosten der Romer bewerteten zumeist auch Senecas Philosophie als eine bloss abgeleitete. Hegel schliesslich fand bei Seneca ,,mehr Brast und Bombast moralischer Reflexion als wahrhafte Gediegenheit", wahrend andererseits Schopenhauer Seneca sehr nahestand.[180] Friedrich Nietzsche verachtete Seneca, dem er unterstellte, der philosophische Inhalt sei bei ihm sekundar gegenuber der pointierten Formulierung, weshalb er seine Schriften in der Frohlichen Wissenschaft als ,,unausstehlich weises Larifari" abtat.[181]

Nach seiner kritischen Auseinandersetzung mit der neueren Seneca-Rezeption gelangt Sorensen zu dem Schluss, dass Seneca ,,sich als einer der ersten zum Fursprecher eines zweckbestimmten humanen Rechts machte, das nicht nur die Untat, sondern die gesamte Situation betrachtet. Das setzt gerade die Erkenntnis voraus, dass der Mensch nicht von Natur aus verderbt ist, und es setzt ebenfalls voraus, dass man selbst souveran ist: kurz, der Affekt kann die Handlungen anderer entschuldigen, man kann sie jedoch nicht entschuldigen, wenn man sich selbst im Affekt befindet. Man kann die Handlungen anderer nur von deren Voraussetzungen her verstehen, versteht man jedoch seine eigenen Handlungen nur von den Verhaltnissen her, dann hat man sich aufgegeben."[182]

Sorensen verweist auf eine Vielzahl von Aspekten in Senecas philosophischen Schriften, die dem Erfahrungs- und Vorstellungshorizont insbesondere eines Stadtbewohners der westlichen Gegenwartszivilisation nahestehen.

,,Rom mit seiner Gigantomanie, seinem Mangel an gemeinsamen geistigen Werten, seinem Reichtum und seiner Armut, seinem Lebensgenuss und seinem Lebensuberdruss, seinem Verlangen nach Unterhaltung und Erlosung, seinem Individualismus und seiner Massenpsychose, dieses Rom ist der Prazedenzfall unserer eigenen Grossstadtzivilisation. Deshalb kann man Seneca zwar von unserer eigenen Zeit her verstehen, moglicherweise begreifen wir diese aber besser von der seinen her. Mit den Unterschieden werden auch die Ahnlichkeiten zwischen damals und heute deutlicher."[130]

Im Marz 2023 kam der deutsche Spielfilm Seneca - Oder: Uber die Geburt von Erdbeben des Regisseurs Robert Schwentke mit John Malkovich in der Titelrolle in die Kinos.

Schriften (Auswahl)

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Seneca, Dialoge (7. Buch) in der Handschrift Mailand, Biblioteca Ambrosiana, C 90 inf., fol. 57r (11./12. Jahrhundert)
  • Apocolocyntosis (andere Titel: Divi Claudii apotheosis oder Iudus de morte Claudii) - die ,,Verkurbissung" (Verappelung) von Kaiser Claudius, Seneca zugeschrieben
  • Naturales quaestiones (,,Naturwissenschaftliche Untersuchungen")
  • Dialoge (Zahlung traditionell nach der Uberlieferung im Codex Ambrosianus C 90, nicht chronologisch)
    • 1: De providentia (,,Die Vorsehung")
    • 2: De constantia sapientis (,,Die Unerschutterlichkeit des Weisen")
    • 3-5: De ira (drei Bucher) (,,Der Zorn")
    • 6: De consolatione ad Marciam (auch: Ad Marciam de consolatione) (,,Trostschrift fur Marcia")
    • 7: De vita beata (,,Vom glucklichen Leben" / ,,Das gluckliche Leben")
    • 8: De otio (,,Die Zuruckgezogenheit")
    • 9: De tranquillitate animi (,,Uber die Ausgeglichenheit der Seele" / ,,Die Ruhe der Seele")
    • 10: De brevitate vitae (,,Von der Kurze des Lebens" / ,,Die Kurze des Lebens") - Essay, der ausfuhrt, dass man im Heute und nicht im Morgen leben soll, und dass das Ziel des Lebens mehr Musse, nicht mehr Arbeit ist
    • 11: De consolatione ad Polybium (,,Trostschrift fur Polybius")
    • 12: De consolatione ad Helviam matrem (,,Trostschrift fur Mutter Helvia")
  • De clementia (,,Uber die Gute", an Nero)
  • De beneficiis (,,Uber Wohltaten")
  • Epistulae morales ad Lucilium - Sammlung von 124 Briefen an Lucilius uber die (spatstoische) Ethik
  • Acht Tragodien
  • Zwei (falschlich) ihm zugeschriebene Tragodien
    • Hercules Oetaeus (Hercules auf dem Oeta, von der Forschung fur unecht gehalten)
    • Octavia (von der Forschung fur unecht gehalten)
  • (Falschlich) ihm zugeschriebene Epigramme[183]

Textausgaben, Kommentare und Ubersetzungen

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Kritische Textausgaben

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Seneca auf einer Sammelmarke des Langenscheidt-Verlags
  • L. Annaei Senecae Philosophi Opera Omnia. Ad optimorum librorum fidem accurate edita. Ed. stereotyp. C. Tauchnitiana. 4 Bande. Lipsiae Holtze 1911.
  • L. D. Reynolds (Hg.): Ad Lucilium epistulae morales (= Oxford Classical Texts). 2 Bde., Oxford 1965.
  • L. D. Reynolds (Hg.): Dialogorum libri duodecim (= Oxford Classical Texts). Oxford 1977.
  • Otto Zwierlein (Hg.): Tragoediae; incertorum auctorum Hercules [Oetaeus] Octavia (= Oxford Classical Texts). Oxford 1986.
  • Harry M. Hine (Hg.): Naturalium quaestionum libri (= Bibliotheca Teubneriana). Stuttgart/Leipzig 1996.
  • Robert A. Kaster (Hg.): De beneficiis libri vii; de clementia libri ii; apocolocyntosis (= Oxford Classical Texts). Oxford 2022.

Diejenigen, die eine Ubersetzung enthalten, sind mit (U) gekennzeichnet.

  • R. J. Tarrant: Seneca: Agamemnon, edited with a commentary (= Cambridge Classical Texts and Commentaries, 18). Cambridge 1976.
  • Rolando Ferri: Octavia: A Play Attributed to Seneca (= Cambridge Classical Texts and Commentaries 41). Cambridge 2004.
  • Anthony J. Boyle: Seneca. Oedipus. Oxford 2011. (U Englisch)
  • Anthony J. Boyle: Seneca. Medea. Oxford 2014. (U Englisch)
  • Anthony J. Boyle: Octavia: Attributed to Seneca. Oxford 2016. (U Englisch)
  • Anthony J. Boyle: Seneca. Thyestes. Oxford 2017. (U Englisch)
  • Anthony J. Boyle: Seneca. Agamemnon. Oxford 2019. (U Englisch)
  • Anthony J. Boyle: Seneca. Hercules. Oxford 2023. (U Englisch)
  • Philosophische Schriften. Lateinisch und deutsch. Dialoge I-VI. Lateinischer Text von A. Bourgery und R. Waltz. Hrsg. von Manfred Rosenbach. Erster Band. Sonderausgabe nach der 5. Aufl. von 1995. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1999, ISBN 3-534-14165-2.
  • Philosophische Schriften. Hrsg. von Manfred Rosenbach. Zweiter Band. 4. Aufl. Darmstadt 1993
  • Philosophische Schriften. Erster Band. Dialoge. Dialoge I-VI. Ubersetzt, mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Otto Apelt. Meiner, Hamburg 1993, ISBN 3-7873-1129-7.
  • Philosophische Schriften. Zweiter Band. Dialoge. Dialoge VII-XII. Ubersetzt, mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Otto Apelt. Meiner, Hamburg 1993, ISBN 3-7873-1129-7.
  • Philosophische Schriften. Dritter Band. Dialoge. Briefe an Lucilius. Erster Teil: Brief 1-81. Ubersetzt, mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Otto Apelt. Meiner, Hamburg 1993, ISBN 3-7873-1129-7.
  • Seneca-Brevier. Ubersetzt und herausgegeben von Ursula Blank-Sangmeister. Reclam, Stuttgart 1996, ISBN 3-15-040032-5.
  • Samtliche Tragodien. Lateinisch und deutsch. Band 1: Hercules furens, Trojanerinnen, Medea, Phaedra, Octavia. Ubersetzt und erlautert von Theodor Thomann. Zurich u. a., 1978 (2.A.)
  • Samtliche Tragodien. Lateinisch und deutsch. Band 2: Odipus, Thyestes, Agamemnon, Herkules auf dem Ota, Phonissen. Ubersetzt und erlautert von Theodor Thomann. Zurich u. a., 1969
  • Schriften zur Ethik: die kleinen Dialoge; Lateinisch-deutsch. Hrsg. und ubers. von Gerhard Fink. Artemis & Winkler, Dusseldorf 2008 (Sammlung Tusculum), ISBN 978-3-538-03509-6.
  • Handbuch des glucklichen Lebens. Ubers. und hrsg. von Heinz Berthold, Anaconda, Koln 2005, ISBN 3-938484-44-6.
  • De vita beata. Vom glucklichen Leben. Lateinisch/Deutsch. Ubers. und hrsg. von Fritz-Heiner Mutschler, Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-001849-8.
  • De tranquillitate animi. Uber die Ausgeglichenheit der Seele. Lateinisch/Deutsch. Ubers. und hrsg. von Heinz Gunermann, Reclam, Stuttgart 2002, ISBN 3-15-001846-3.
  • Moralische Briefe. Ins Deutsche ubersetzt und ausgewahlt von Hermann Martin Endres, Goldmann, Munchen 1960 (Goldmanns gelbe Taschenbucher 614).
  • Das gluckliche Leben - De vita beata, Lateinisch Deutsch, ubersetzt und herausgegeben von Gerhard Fink, Albatros Verlagsgruppe Mannheim 2010, ISBN 978-3-538-07606-8.
  • Seneca Vom glucklichen Leben. Aus dem Lateinischen von Otto Apelt, Anaconda Verlag GmbH, Koln, 2016, ISBN 978-3-7306-0415-1.
  • Seneca, Gluck und Schicksal. Hrsg. von Marion Giebel, Reclam, Stuttgart, 2017, ISBN 978-3-15-011105-5. (Jubilaumsausgabe)
  • L. Annaeus Seneca: Naturales quaestiones - Naturwissenschaftliche Untersuchungen, Lateinisch / Deutsch, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1998, ISBN 3-15-009644-8.
  • Giancarlo Giardina: Tragedie di Lucio Anneo Seneca. Turin 22000 (textkritisch konjekturfreudig).

Ubersichtsdarstellungen:

Einfuhrungen und Gesamtdarstellungen:

Tragodien:

Philosophie:

  • Gregor Maurach (Hrsg.): Seneca als Philosoph. 2. Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1987 (Sammlung von Aufsatzen).
  • Stefan Rottig: Affekt und Wille. Senecas Ethik und ihre handlungspsychologische Fundierung (= Philosophia Romana. Band 4). Winter, Heidelberg 2022, ISBN 978-3-8253-4932-5.
  • Paul Veyne: Weisheit und Altruismus. Eine Einfuhrung in die Philosophie Senecas. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-596-11473-X.
  • Jula Wildberger: Seneca und die Stoa. Der Platz des Menschen in der Welt (= Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte. Band 84). 2 Bande. De Gruyter, Berlin/New York 2006, ISBN 3-11-019148-2.

Rezeption:

  • Eckard Lefevre (Hrsg.): Der Einfluss Senecas auf das europaische Drama. Darmstadt 1978.
  • Dieter Marcos: Seneca. In: RDK Labor (2019).
  • Pascale Pare-Rey: Histoire culturelle des editions latines des tragedies de Seneque (1478-1878). Classiques Garnier, Paris 2023.
  • Christine Schmitz: Seneca. In: Peter von Mollendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 8). Metzler, Stuttgart/Weimar 2013, ISBN 978-3-476-02468-8, Sp. 893-910.
  • Winfried Trillitzsch: Seneca im literarischen Urteil der Antike. Darstellung und Sammlung der Zeugnisse. 2 Bande. Hakkert, Amsterdam 1971, ISBN 90-256-0535-4.
Wikisource: Lucius Annaeus Seneca - Quellen und Volltexte (Latein)
Wikisource: Seneca - Quellen und Volltexte
Commons: Lucius Annaeus Seneca - Sammlung von Bildern
  1. | Epistulae morales 21,5; zitiert nach Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 299; vgl. Maurach 2005, S. 174, Giebel, S. 112.
  2. | Maurach 2005, S. 1.
  3. | ,,Wir Stoiker behaupten nicht (negant nostri), der Weise werde in einem beliebigen Staatswesen eine Tatigkeit ubernehmen ..." (Uber die Musse VIII 1; zit. n. Rosenbach (Hrsg.) 4. Aufl. 1993, 2. Bd., S. 97).
  4. | ,,Ich will beweisen, dass die Stoiker gerade so denken; nicht, als hatte ich es mir zum Gesetz gemacht, mir nichts zu erlauben, was gegen ein Wort des Zenon oder Chrysippus verstosst, sondern weil die Sache selbst mir erlaubt, ihrer Meinung beizutreten ..." (Von der Musse III 1; zit. n. Apelt (Hrsg.) 1993, Bd. 2, S. 51).
  5. | De Providentia V 4.
  6. | De tranquillitate animi V 4-5.
  7. | Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, Der Glaube der Hellenen, 2. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1955, Bd. 2, S. 439; ahnlich die Urteile bei Ethelbert Stauffer, Christus und die Caesaren, 3. Auflage, Friedrich Wittig, Hamburg 1952, S. 150 f; Gerard Walter, Nero, Atlantis, Zurich/Freiburg 1956, S. 143.
  8. | Tacitus, Annalen 13, 42.
  9. | Hildegard Cancik: Untersuchungen zu Senecas epistulae morales. Hildesheim 1967, S. 78.
  10. | Niklas Holzberg: Racheakt und ,,negativer Furstenspiegel" oder literarische Maskerade? Neuansatz zu einer Interpretation der Apocolocyntosis. In: Gymnasium 123 (2016), S. 321-339.
  11. | So bereits Karlhans Abel: Zu Senecas Geburtsdatum. In: Hermes. Band 109, 1981, S. 123-126, hier S. 125; siehe auch Maurach 2005, S. 16; vgl. Fuhrmann, S. 10, Giebel, S. 7.
  12. | Albrecht, S. 979.
  13. | Maurach 2005, S. 18.
  14. | Fuhrmann, S. 20, weist darauf hin, dass Helvia aus demselben Geschlecht der Helvier stammte wie Ciceros Mutter.
  15. | Apostelgeschichte 18,12-16
  16. | Giebel, S. 10 und Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 22 f. Mela hatte den Dichter Lucan zum Sohn.
  17. | Ausfuhrlich dazu: Fuhrmann, S. 25-42.
  18. | Maurach 2005, S. 19 f.
  19. | Seneca, Epistulae morales ad Lucilium 108,17-21.
  20. | Vom Zorn III XXXVI 3; zit. n. Apelt (Hrsg.) 1993, 1. Bd., S. 193.
  21. | Fuhrmann, S. 45 f.
  22. | Auch hierfur gibt es kein gesichertes Datum; Maurach 2005, S. 28, legt nahe, dass Seneca die Quaestur nicht vor dem Jahre 35 bekleidet haben kann.
  23. | Consolatio ad Marciam VIII 2.
  24. | De Ira I, I 1.
  25. | De Ira I, VIII 1.
  26. | Vom Zorn II, I 4-5, S. 149.
  27. | [...] nec prosit rogasse, potius causae suae et prioribus factis et bonis in futuram promissis donetur. (De Ira II, XXI 3).
  28. | Cassius Dio (59, 19, 7 f.) berichtet unter anderem, dass Caligula ein rhetorisch brillantes Pladoyer Senecas im Senat mit dessen Todesurteil sanktionieren wollte, nicht duldend, dass ausser ihm selbst noch jemand zu glanzen wusste. Eine seiner Konkubinen habe ihm das wegen Senecas krankheitsbedingt ohnehin bevorstehendem Tod wieder ausgeredet; zur Historizitat vgl. Miriam Griffin: Seneca. Oxford 1976, S. 53-57.
  29. | Hier handelt es sich um Julia Livilla die Jungere im Unterschied zu Livilla.
  30. | Julia Livilla war nach Caligulas Tod aus der Verbannung, in die sie ihr Bruder geschickt hatte, an den Hof zuruckgekehrt, wo sie noch in demselben Jahr mit der Unterschrift von Claudius, ihrem Onkel, zum Tode verurteilt wurde (Giebel, S. 51).
  31. | Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 92 f.
  32. | Trostschrift an die Mutter Helvia III 2-3; zit. n. Rosenbach (Hrsg.) 4. Aufl. 1993, 2. Bd., S. 303.
  33. | Trostschrift an die Mutter Helvia VI 7 - VII 7; zit. n. Rosenbach (Hrsg.) 4. Aufl. 1993, 2. Bd., S. 311.
  34. | Consolatio ad Helviam matrem XX 1.
  35. | Maurach 2005, S. 75; Der Anlass fur die Trostschrift war, dass Polybios vermutlich im Jahre 43 seinen jungeren Bruder verloren hatte.
  36. | Consolatio ad Polybium XVIII 9.
  37. | Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 103.
  38. | Ludwig Friedlander: Der Philosoph Seneca (1900). In: Maurach (Hrsg.), 2. Aufl. 1987, S. 106
  39. | Sorensen, S. 122.
  40. | Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 163 f.
  41. | Vgl. Sorensen, S. 116.
  42. | De brevitate vitae II 1 f.
  43. | De brevitate vitae III 1.
  44. | Uber die Kurze des Lebens III 1; zit. n. Rosenbach (Hrsg.) 4. Aufl. 1993, 2. Bd., S. 185.
  45. | De brevitate vitae XIV 2.
  46. | Fuhrmann, S. 170; zu den Tragodien S. 197 ff.; zur Frage der Datierung gute und aktuelle Zusammenfassung bei S. Grewe: Die politische Bedeutung der Senecatragodien. Wurzburg 2001, S. 8 f.; zur Zuschreibung bei Ch. Walde: Herculeus labor. Frankfurt am Main 1992, S. 1 f.
  47. | Zit. n. Fuhrmann, S. 212.
  48. | Louis Lewin, Die Gifte in der Weltgeschichte. Toxikologische, allgemeinverstandliche Untersuchungen der historischen Quellen. Berlin 1920, S. 193 f.
  49. | Aurelius Victor, Liber de Caesaribus V 2.
  50. | Vgl. Maurach 2005, S. 40; Giebel, S. 60.
  51. | Zur Datierung des Konsulats siehe G. Camodeca: I consoli del 55-56 e un nuovo collega di Seneca nel consolato: P. Cornelius Dolabella. In: Zeitschrift fur Papyrologie und Epigraphik 63 (1986), S. 201-215.
  52. | Tacitus, Annalen XIII 3, 1.
  53. | Cassius Dio LX 35, 3.
  54. | Apocolocyntosis, 5; Giebel, S. 50
  55. | siehe:Romische Religion
  56. | Hans W. Schmidt, Apocolocyntosis, in: Kindlers Literatur Lexikon, Kindler Verlag, Zurich 1964, S. 1092
  57. | Gregor Maurach, Einleitung, in: ders. (Hrsg.), Seneca als Philosoph (= Wege der Forschung, Bd. CCCCXIV), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1975, S. 4.
  58. | Giebel, S. 55.
  59. | Giebel, S. 57.
  60. | Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 194. Vgl. auch Sorensen, S. 130-132.
  61. | Louis Lewin, Die Gifte in der Weltgeschichte. Toxikologische, allgemeinverstandliche Untersuchungen der historischen Quellen, J. Springer, Berlin 1920, 195; Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 182 f.
  62. | Vgl. Fuhrmann, S. 185.
  63. | 8, 2 f.
  64. | [...] desperantes de re publica exhortabantur [...], cum inter triginta dominos liber incederet. (De tranquillitate animi V 2).
  65. | Uber die Seelenruhe V 2-4; zit. n. Rosenbach (Hrsg.) 4. Aufl. 1993, 2. Bd., S. 127 f.
  66. | Gregor Maurach, Einleitung. In: ders. (Hrsg.), Seneca als Philosoph, (= Wege der Forschung, Bd. CCCCXIV), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1975, S. 8.
  67. | Ulrich Gotter: Der Tyrann mit dem Rucken zur Wand. Neros kunstlerische Selbstexpansion. In: Albrecht Koschorke (Hrsg.), Despoten dichten. Sprachkunst und Gewalt, KUP, Konstanz 2011, S. 27-64, hier: S. 60.
  68. | Vgl. http://www.imperiumromanum.com/wirtschaft/wert/loehne_03.htm.
  69. | Dies war nach Cassius Dio (62,2) einer der Grunde fur den Aufstand der Boudicca 60-61.
  70. | Tacitus, Annalen 13,42. Zit. n. Fuhrmann, S. 231.
  71. | De vita beata XXIII 1.
  72. | Richard Mellein, De vita beata, in: Kindlers Literatur Lexikon, Kindler Verlag, Zurich 1964, S. 2613. Der Altphilologe Vasily Rudich kommt zu dem Schluss, dass Seneca sich in dieser Schrift nicht vom Streben nach intellektueller Klarung der Spannung zwischen verba und acta, von ,,Worten" und ,,Taten" habe leiten lassen, sondern von seinem Eigeninteresse habe leiten lassen. Ausserdem wendet er ein, Seneca habe die Untersuchung unter Hintanstellung der psychologischen und politischen Implikationen rein auf die Ethik beschrankt. Daher sei ihm eine unparteiische Stellungnahme unmoglich gewesen. (Vasily Rudich, Dissidence and Literature Under Nero. The Price of Rhetoricization, Routledge, 1997, S. 88-96)
  73. | Vgl. Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 183, 252, 307 f.; Sorensen, S. 172.
  74. | Vgl. Guy de la Bedoyere: Domina. The Women Who Made Imperial Rome. Yale University Press, New Haven/London 2018, ISBN 978-0-300-23030-7, S. 260 f., 302, passim.
  75. | Louis Lewin, Die Gifte in der Weltgeschichte. Toxikologische, allgemeinverstandliche Untersuchungen der historischen Quellen, J. Springer, Berlin 1920, S. 195 f; vgl., auch zum Folgenden, Fuhrmann, S. 243 ff.
  76. | Vgl. Sorensen, S. 172.
  77. | Ausfuhrlich zu den Vorgangen um Senecas Entlassung: Fuhrmann, S. 266 ff.; vgl. Giebel, S. 101 ff.
  78. | Uber die Musse I 4; zit. n. Rosenbach (Hrsg.) 4. Aufl. 1993, 2. Bd., S. 83.
  79. | De otio II 1-III 3.
  80. | De otio IV 2.
  81. | [...] Solemus dicere summum bonum esse secundum naturam uiuere: natura nos ad utrumque genuit, et contemplationi rerum et actioni. (De otio IV 2).
  82. | Seneca: Philosophische Schriften, vier Bande, Leipzig 1923-1924, hier: Bd. IV, S. VII.
  83. | Fuhrmann, S. 315.
  84. | Uber Wohltaten VII, 19, 7; zit. n. Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 314.
  85. | Ernst Benz: Das Todesproblem in der stoischen Philosophie, Kohlhammer, Stuttgart 1929, S. 87 f. u. o.
  86. | Epistulae morales 26, 10.
  87. | Epistulae morales 54, 1 f.
  88. | Epistulae morales 54, 7.
  89. | Otto Apelt in der Einleitung zu Seneca, Philosophische Schriften, Bd. III, S. VI.
  90. | Briefe an Lucilius 61, 2; in Seneca, Philosophische Schriften, Bd. III, S. 220.
  91. | Briefe an Lucilius 70, 4 f.; in Seneca, Philosophische Schriften, Bd. III, S. 264.
  92. | Epistulae morales 70, 14.
  93. | Epistulae morales 70, 11.
  94. | Briefe an Lucilius 70, 11-12; in Seneca, Philosophische Schriften, Bd. III, S. 266 f.
  95. | Briefe an Lucilius 4, 7 f.; in Seneca, Philosophische Schriften, Bd. III, S. 8.
  96. | Tacitus, Annalen XV 60-64. Zu dieser Schilderung siehe auch Hans Armin Gartner: Senecas Tod in der Pisonischen Verschworung bei Tacitus. In: Richard Faber, Bernd Seidensticker (Hrsg.): Worte, Bilder, Tone. Studien zur Antike und Antikerezeption. Konigshausen & Neumann, Wurzburg 1996, ISBN 3-8260-1179-1, S. 143-157.
  97. | A. Ronconi, Exitus Illustrium Virorum, in: Reallexikon fur Antike und Christentum, Verlag Anton Hiersemann, Stuttgart 1996, S. 1259 f.: Manuel Vogel: Commentatio mortis. 2Kor 5,1-10 auf dem Hintergrund antiker ars moriendi. Gottingen 2006, S. 113-116.
  98. | So hat Maurach seine Seneca-Darstellung mit der - allerdings eher rhetorisch gemeinten - Frage eingeleitet: ,,War Seneca ein Philosoph?" vgl. Maurach 2005, S. 1.
  99. | Ulrich Huttner: Seneca. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 9, Bautz, Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1, Sp. 1383-1385 (Artikel/Artikelanfang im Internet-Archive). Zur antiken Einteilung der Philosophie in philosophia naturalis (Physik), philosophia rationalis (Logik) und philosophia moralis (Ethik) s. Epistulae morales 89,4 ff.; Heinrich Niehues-Probsting: Die antike Philosophie. Schrift, Schule, Lebensform. Frankfurt am Main 2004, S. 135
  100. | Epistulae morales 64, 7 f.
  101. | Epistulae morales 90, 1-3.
  102. | Epistulae morales 16, 5.
  103. | Briefe an Lucilius 16,3. In: Seneca-Brevier S. 29.
  104. | Epistulae morales 76, 1-4.
  105. | Epistulae morales 106,12
  106. | De constantia I, 1.
  107. | [...] summum bonum esse animi concordiam. (De vita beata VIII 6).
  108. | Briefe an Lucilius 66,12. In: Seneca-Brevier, S. 238.
  109. | De ira III, XLIII, 1 f.
  110. | Epistulae morales 33, 11.
  111. | Epistulae morales 71, 4/8.
  112. | Epistulae ad Lucillium 45,9; zit. n. Ursula Blank-Sangmeister: Seneca-Brevier. Stuttgart 1996 S. 244.
  113. | Epistulae morales 48, 3.
  114. | Uber die Seelenruhe XVII 3; zit. n. Rosenbach (Hrsg.) 4. Aufl. 1993, 2. Bd., S. 167 ff.
  115. | De beneficiis 2,28,1; zit. n. U. Blank-Sangmeister: Seneca-Brevier. Stuttgart 1996, S. 67.
  116. | Epistulae morales 44, 4 f.
  117. | Epistulae morales 29, 1
  118. | Epistulae morales 29, 4
  119. | Briefe an Lucilius 81, 2; in Seneca, Philosophische Schriften, Bd. III, Hamburg 1993, S. 346 f.
  120. | Epistulae morales 81, 19.
  121. | Uber die Milde, 2/III und IV; zit. n. Rosenbach (Hrsg.), 4. Aufl. 1993, 5. Bd., S. 21 ff.
  122. | Uber die Standhaftigkeit des Weisen 7, 2.
  123. | a b Epistulae morales 90, 3 f.
  124. | Epistulae morales 90, 46.
  125. | a b Epistulae morales 90, 5 f.
  126. | Briefe an Lucilius 73, 1
  127. | Briefe an Lucilius 73, 2; zusammen mit dem unmittelbar vorausgehenden Zitat in Seneca, Philosophische Schriften, Bd. III, Hamburg 1993, S. 288 f.
  128. | De tranquillitate animi IV 6.
  129. | De tranquilitate animi 4; zit. n. Ursula Blank-Sangmeister: Seneca-Brevier. Stuttgart 1996 S. 112.
  130. | a b Sorensen, S. 11.
  131. | Uber den Zorn I, XV 2.; zit. n. Rosenbach (Hrsg.) 5. Aufl. 1995, 1. Bd., S. 129.
  132. | Von der Unerschutterlichkeit des Weisen XIV 1; zit. n. Apelt (Hrsg.) 1993, 1. Bd., S. 50 f.
  133. | Uber den Zorn I, XX 3.; zit. n. Rosenbach (Hrsg.) 5. Aufl. 1995, 1. Bd., S. 143.
  134. | Trostschrift an Marcia XVI 1; zit. n. Apelt (Hrsg.) 1993, 1. Bd., S. 228. Dazu der lateinische Text: ,,Quis autem dixerit naturam maligne cum mulierum ingeniis egisse ut virtutes illarum in artum retraxisse? Par illis, mihi crede, vigor, par ad honesta, dum libeat, facultas est; dolorem laboremque ex aequo, si consuevere, patiuntur." Trostschrift an Marcia XVI 1; zit. n. Rosenbach (Hrsg.) 1999, 1. Bd., S. 354
  135. | Trostschrift an die Mutter Helvia XVII 4; zit. n. Apelt (Hrsg.) 1993, 2. Bd.
  136. | Epistulae morales 47, 11 ff.
  137. | Vgl. Keith Bradley: Slavery and Society at Rome. Cambridge 1994, S. 132-145.
  138. | Epistulae morales 85, 28.
  139. | Epistulae morales 85, 2.
  140. | Epistulae morales 71, 27.
  141. | Briefe an Lucilius 71, 36; in Seneca, Philosophische Schriften, Bd. III, Hamburg 1993, S. 283.
  142. | Epistulae morales 29, 10.
  143. | Epistulae morales 29, 11 f.
  144. | Epistulae morales 22, 10.
  145. | Epistulae morales 41, 2 und 5.
  146. | Epistulae morales 53, 11 f.
  147. | Vgl. Fuhrmann, S. 318 f.: ,,Im Grunde hat sich Seneca sowenig wie Cicero entscheiden mogen."
  148. | Briefe an Lucilius 65, 24; in Seneca, Philosophische Schriften, Bd. III, Hamburg 1993, S. 237.
  149. | Epistulae morales 70, 15.
  150. | Anne Baumer: Die Bestie Mensch. Senecas Aggressionstheorie, ihre philosophischen Vorstufen und ihre literarischen Auswirkungen. Frankfurt a. M. und Bern 1982, S. 15.
  151. | Vgl. Maurach 2005, S. 1 und 198.
  152. | Anne Baumer: Die Bestie Mensch. Senecas Aggressionstheorie, ihre philosophischen Vorstufen und ihre literarischen Auswirkungen. Frankfurt am Main u. a. 1982, S. 15 u. S. 218.
  153. | Vergleiche dazu: Karlheinz Trabert: Studien zur Darstellung des Pathologischen in den Tragodien des Seneca. Ansbach 1954, S. 15.
  154. | Fuhrmann, S. 183, 252, 307 f.; Sorensen, S. 172; Rolando Ferri (Hrsg.): Octavia. A play attributed to Seneca. Ed. with introd. and commentary. Cambridge Univ. Press, Cambridge 2003.
  155. | Augustin Speyer: Kommunikationsstrukturen in Senecas Dramen. Eine pragmatisch-linguistische Analyse mit statistischer Auswertung als Grundlage neuer Ansatze zur Interpretation. Gottingen 2003, S. 302.
  156. | Siehe Hubert Cancik, in: Manfred Fuhrmann (Hrsg.), Romische Literatur, Frankfurt a. M. 1974, S. 251-260; E. Lefevere, in: Aufstieg und Niedergang der romischen Welt II 32.2 (1985), S. 1242-1262.
  157. | A.F.C. Rose, in: Classical Outlook 60 (1983), S. 109-111.
  158. | Zur Diskussion uber die Datierung der Tragodien siehe: Stefanie Grewe, Die politische Bedeutung der Senecatragodien. Wurzburg 2001, S. 8 f.
  159. | Fuhrmann, S. 222.
  160. | Otto Zwierlein: Die Rezitationsdramen Senecas, Meisenheim 1966; D. Sutton, Seneca on the Stage. Leiden 1986; Christoph Kugelmeier: Die innere Vergegenwartigung des Buhnenspiels in Senecas Tragodien. Munchen 2007; Uberblick zur alteren Forschungsdiskussion bei J. Fitch, in: G. Harrison (Hrsg.), Seneca in Performance, London 2000, S. 1-12.
  161. | Theatre Reviews Didascalia.net, abgerufen am 28. Januar 2022
  162. | Durs Grunbein: Seneca. Thyestes (dt. Ubers.), Frankfurt am Main 2002.
  163. | Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 129 f.
  164. | Quintilian, Institutio oratoria 10,1,125-131, hier: 129.
  165. | Giebel, S. 127.
  166. | Maurach 2005, S. 188.
  167. | Maurach 2005, S. 190.
  168. | Epistulae morales 100, 7.
  169. | Epistulae morales 40, 4.
  170. | Briefe an Lucilius 114, 2 f.; in Seneca, Philosophische Schriften, Bd. IV, Hamburg 1993, S. 273. In Brief 115, 2 heisst es: ,,Du kennst die jungen Modeaffen, mit glanzendem Bart und Haupthaar, wie aus dem Schmuckkastchen genommen: nichts Mannhaftes, nichts Gediegenes kannst Du von ihnen erwarten. In der Rede spiegelt sich der Stand der Seelenbildung." (Briefe an Lucilius 115, 2 f.; in Seneca, Philosophische Schriften, Bd. IV, Hamburg 1993, S. 283).
  171. | Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 335 f.
  172. | Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. Berlin 1997, S. 337.
  173. | Maurach 2005, S. 225: ,,Eine ausfuhrliche Darstellung Senecas ist noch nicht geschrieben [...]; eine solche Darstellung musste ja weit ausholen und die geistesgeschichtlichen Grunde fur das jeweilige Nachwirken offenlegen, was umfangreiche Studien voraussetzt."
  174. | Dante, Gottliche Komodie 4,141
  175. | Dante Alighieri, La Divina Commedia, Commentata da A. Momigliano. Sansoni Firenze 1951. S. 35: ,,[...] nel medioevo si credeva che fossero esistiti un Seneca autore delle tragedie e uno autore delle opere filosofiche."
  176. | Vgl. Giebel, S. 128 ff.
  177. | Sorensen, S. 289 f.
  178. | Ludwig Friedlander: Der Philosoph Seneca (1900). In: Maurach (Hrsg.), 2. Aufl. 1987, S. 126 f.
  179. | Ludwig Friedlander: Der Philosoph Seneca (1900). In: Maurach (Hrsg.), 2. Aufl. 1987, S. 124.
  180. | Vgl. Sorensen, S. 290; Giebel, S. 132.
  181. | Friedrich Nietzsche: Die frohliche Wissenschaft. Leipzig 1887, Seneca et hoc genus omne, Vorspiel, 34, S. 12 (Seneca et hoc genus omne - Internet Archive und Digitale Kritische Gesamtausgabe). Zitiert nach Christoph Horn, Antike Lebenskunst. Gluck und Moral von Sokrates bis zu den Neuplatonikern. Munchen 1998, S. 46.
  182. | Sorensen, S. 300.
  183. | Alfred Breitenbach: Pseudo-Senecan Epigrams. In: Christer Henriksen (Hrsg.): A Companion to Ancient Epigram. Hoboken, NJ 2019, S. 557-573; Alfred Breitenbach: Die Pseudo-Seneca-Epigramme der Anthologia Vossiana. Ein Gedichtbuch aus der mittleren Kaiserzeit. Hildesheim 2010.
  184. | Rezension. In: Der Spiegel, 17. Januar 2015
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Personendaten
NAME Seneca
ALTERNATIVNAMEN Seneca, Lucius Annaeus; Seneca der Jungere; Annaeus Seneca, Lucius
KURZBESCHREIBUNG romischer Philosoph, Dramatiker und Staatsmann
GEBURTSDATUM um 1
GEBURTSORT Corduba
STERBEDATUM 65