Pythagoras
- Afrikaans
- Alemannisch
- 'amaarenyaa
- Aragones
- aNgikaa
- l`rby@
- ldrj@
- mSr~
- asmiiy'aa
- Asturianu
- avdhii
- Az@rbaycanca
- toerkhjh
- Bashk'ortsa
- Basa Bali
- Zemaiteska
- Bikol Central
- Belaruskaia
- Belaruskaia (tarashkevitsa)
- B'lgarski
- bhojpurii
- Bislama
- baaNlaa
- bod-yig
- bissnnupriy'aa mnnipurii
- Brezhoneg
- Bosanski
- Catala
- khwrdy
- Corsu
- Cestina
- Chavashla
- Cymraeg
- Dansk
- Zazaki
- Ellenika
- English
- Esperanto
- Espanol
- Eesti
- Euskara
- Estremenu
- frsy
- Suomi
- Voro
- Francais
- Nordfriisk
- Frysk
- Gaeilge
- Gan Yu
- Kriyol gwiyannen
- Gaidhlig
- Galego
- gujraatii
- Hausa
- Ke Jia Yu / Hak-ka-ngi
- `bryt
- hindii
- Hrvatski
- Magyar
- Hayeren
- Interlingua
- Bahasa Indonesia
- Ido
- Islenska
- Italiano
- Ri Ben Yu
- Patois
- Jawa
- k`art`uli
- Qaraqalpaqsha
- Kabiye
- K'azak'sha
- knndd
- hangugeo
- Kurdi
- Kernowek
- Kyrgyzcha
- Latina
- Letzebuergesch
- Lingua Franca Nova
- Luganda
- Limburgs
- Ligure
- Lietuviu
- Latviesu
- maithilii
- Malagasy
- Makedonski
- mlyaallN
- Mongol
- mraatthii
- Kyryk mary
- Bahasa Melayu
- Malti
- Mirandes
- mnmaabhaasaa
- Erzian'
- mzirwny
- nepaalii
- Nederlands
- Norsk nynorsk
- Norsk bokmal
- Occitan
- Oromoo
- Iron
- pNjaabii
- Kapampangan
- Polski
- Piemonteis
- pnjby
- pStw
- Portugues
- Runa Simi
- rkhiung
- Romana
- Russkii
- sNskRtm
- Sakha tyla
- Sicilianu
- Scots
- sndhy
- Srpskohrvatski / srpskokhrvatski
- Taclhit
- siNhl
- Simple English
- Slovencina
- sry'ykhy
- Slovenscina
- Shqip
- Srpski / srpski
- Sunda
- Svenska
- Kiswahili
- Slunski
- tmilll
- telugu
- Toch'iki
- aithy
- Turkmence
- Tagalog
- Turkce
- Tatarcha / tatarca
- Ukrayins'ka
- rdw
- O`zbekcha / uzbekcha
- Tieng Viet
- Volapuk
- Winaray
- Wu Yu
- Khal'mg
- margaluri
- yyidySH
- Yoruba
- Zhong Wen
- Min Nan Yu / Ban-lam-gi
- Yue Yu
Pythagoras von Samos (griechisch Puthagoras Pythagoras; * um 570 v. Chr. auf Samos; + nach 510 v. Chr. in Metapont in der Basilicata) war ein antiker griechischer Philosoph (Vorsokratiker), Mathematiker und Grunder einer einflussreichen religios-philosophischen Bewegung. Als Vierzigjahriger verliess er seine griechische Heimat und wanderte nach Suditalien aus. Dort grundete er eine Schule und betatigte sich auch politisch. Trotz intensiver Bemuhungen der Forschung gehort er noch heute zu den ratselhaftesten Personlichkeiten der Antike. Manche Historiker zahlen ihn zu den Pionieren der beginnenden griechischen Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaft, andere meinen, er sei vorwiegend oder ausschliesslich ein Verkunder religioser Lehren gewesen. Moglicherweise konnte er diese Bereiche verbinden. Die nach ihm benannten Pythagoreer blieben auch nach seinem Tod kulturgeschichtlich bedeutsam.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da verlassliche Quellen fehlen, die Legendenbildung schon fruh wucherte und die uberlieferten Berichte einander widersprechen, sind viele Angaben uber das Leben des Pythagoras in der wissenschaftlichen Literatur umstritten. Der aktuelle Forschungsstand ergibt folgendes Bild: Pythagoras wurde wohl um 570 v. Chr.[1] als Sohn des Mnesarchos geboren, der auf der Insel Samos lebte. Mnesarchos stammte wahrscheinlich nicht (wie behauptet wurde) aus einer vornehmen samischen Familie, sondern war ein eingewanderter erfolgreicher Kaufmann (nach anderer Uberlieferung Steinschneider).[2] Als Lehrer des Pythagoras wird am haufigsten der Philosoph Pherekydes von Syros genannt.[3] In seiner Jugend soll sich Pythagoras zu Studienzwecken in Agypten und Babylonien aufgehalten haben; nach verschiedenen Berichten machte er sich mit dortigen religiosen Anschauungen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen vertraut und kehrte dann nach Samos zuruck.[4] Dort hatte um 538 v. Chr. Polykrates zusammen mit seinen Brudern die Macht an sich gerissen und spater seine Alleinherrschaft etabliert. Pythagoras stand in Opposition zu diesem Tyrannen und verliess die Insel. Nach der Datierung des Chronisten Apollodor reiste er 532/531 v. Chr. ab.[5]
Fruhestens 532 v. Chr., spatestens 529 v. Chr. tauchte Pythagoras im griechisch besiedelten Unteritalien auf und grundete eine Schule in Kroton (heute Crotone in Kalabrien).[6] Deren Mitglieder (d. h. der innere Kreis) bildeten eine enge Gemeinschaft, legten sich auf eine disziplinierte, bescheidene Lebensweise fest (,,pythagoreische Art des Lebens") und verpflichteten sich zur Treue gegeneinander. Pythagoras, der ein vorzuglicher Redner war, erlangte grossen Einfluss auf die Burgerschaft, den er auch politisch geltend machte. Er gewann auch in anderen Gegenden der Region Anhanger, sogar unter der nichtgriechischen Bevolkerung.[7] Im Konflikt Krotons mit der Stadt Sybaris, der anscheinend von den Sybariten provoziert wurde, trat er fur eine feste Haltung ein. Weil Kroton sich auf Veranlassung des Pythagoras weigerte, gefluchtete sybaritische Oppositionelle auszuliefern, brach 510 v. Chr. der Krieg aus, der mit der Zerstorung von Sybaris endete.[8]
Nach dem Sieg kam es in Kroton zu inneren Spannungen, unter anderem wegen der Verteilung des eroberten Landes; der Unmut der Burger richtete sich gegen die Pythagoreer. Daraufhin ubersiedelte Pythagoras nach Metapontion (heute Metaponto in der Basilikata), wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Erst nach seiner Abreise aus Kroton brach dort der Konflikt offen aus, und die Pythagoreer unterlagen. Angaben, wonach damals viele von ihnen getotet wurden, beruhen moglicherweise auf Verwechslung mit spateren Unruhen. Eine abweichende Uberlieferung, der zufolge Pythagoras in Kroton blieb und den dortigen Unruhen zum Opfer fiel, ist nicht glaubwurdig.[9] Fur eine Datierung seines Todes liegen keine Anhaltspunkte vor. Die Metapontier, bei denen Pythagoras in hohem Ansehen stand, wandelten nach seinem Tod sein Haus in ein Demeterheiligtum um.[10]
Pythagoras war verheiratet. Nach einigen Quellen hiess seine Frau (nach anderer Uberlieferung eine Tochter des Philosophen) Theano.[11] Er hatte Kinder, darunter - falls man der Uberlieferung trauen kann - eine Tochter namens Myia. Manche Quellen nennen angebliche Namen weiterer Kinder des Pythagoras, doch wird die Glaubwurdigkeit dieser Angaben in der Forschung sehr skeptisch beurteilt.[12]
Lehre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da keine Schriften des Pythagoras uberliefert sind, stosst eine Rekonstruktion seiner Lehre auf grosse Schwierigkeiten. Die uns bekannte antike Uberlieferung besteht grosstenteils aus spaten Quellen, die erst in der romischen Kaiserzeit - mehr als ein halbes Jahrtausend nach Pythagoras' Tod - entstanden sind. Die antiken Hinweise und Berichte sind voller Widerspruche und stark von Legenden durchsetzt. Das Ziel vieler Autoren war die Verherrlichung des Pythagoras, einige wollten ihn verunglimpfen. Daher gehen trotz intensiver Klarungsbemuhungen seit dem 19. Jahrhundert - die Spezialliteratur umfasst Hunderte von Veroffentlichungen - noch heute die Meinungen der Forscher auch uber Grundlegendes weit auseinander. Eine Hauptschwierigkeit besteht in der Unterscheidung zwischen Auffassungen spaterer Pythagoreer und der ursprunglichen Lehre.
Im 5. Jahrhundert v. Chr. behauptete der Dichter Ion von Chios, Pythagoras habe Gedichte verfasst, und Autoren der romischen Kaiserzeit nannten Titel von Werken, die er angeblich geschrieben hatte. Zu den Gedichten, die ihm zugeschrieben wurden, gehorte insbesondere eine ,,Heilige Rede" (hieros logos), deren erster Vers uberliefert ist,[13] sowie die ,,Goldenen Verse", ein in der Antike beliebtes und mehrmals kommentiertes Gedicht (71 Hexameter, lateinischer Titel Carmen aureum). Es enthalt Lebensregeln und religiose Verheissungen und bietet eine zusammenfassende Einfuhrung in pythagoreisches Gedankengut.[14] Dieses Gedicht wurde als Ganzes sicher nicht von Pythagoras verfasst, enthalt aber moglicherweise einzelne von ihm stammende Verse aus der ,,Heiligen Rede".
Forschungsmeinungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Forschung stehen einander zwei Richtungen gegenuber, die sehr unterschiedliche Pythagoras-Konzepte vertreten. Die eine Richtung (Erich Frank,[15] Karl Ludwig Reinhardt, Isidore Levy, Walter Burkert, Eric Robertson Dodds) sieht in Pythagoras einen religiosen Fuhrer mit geringem oder keinem Interesse an Wissenschaft; nach Burkert gehort er zum Typus des Schamanen (,,Schamanismusthese"). Zu den Gegnern der Schamanismusthese gehoren Werner Jaeger, Antonio Maddalena, Charles H. Kahn und vor allem Leonid Zhmud, der die gegenteilige Pythagorasdeutung detailliert ausgearbeitet hat.[16] Sie besagt, dass Pythagoras in erster Linie Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler gewesen sei (,,Wissenschaftsthese"). Manche Philosophiehistoriker suchen eine mittlere Position zwischen den beiden Richtungen, und nicht alle, welche die eine These ablehnen, sind Verfechter der anderen.
Die Schamanismusthese ist von Walter Burkert eingehend begrundet worden.[17] Sie kann folgendermassen zusammengefasst werden: Pythagoras hat sehr wahrscheinlich keinen einzigen Beitrag zur Arithmetik, Geometrie, Musiktheorie und Astronomie geleistet und dies auch gar nicht beabsichtigt. Sein Anliegen war kein wissenschaftliches, sondern es ging ihm um spekulative Kosmologie, um Zahlensymbolik und besonders um die Anwendung magischer Techniken im Sinne des Schamanismus. Fur seine Anhanger war er ein ubermenschliches Wesen und hatte Zugang zu unfehlbarem gottlichem Wissen. Der Legitimierung dieses Anspruchs dienten ihm zugeschriebene Wundertaten. Die Pythagoreer bildeten eine Kultgemeinschaft, die hinsichtlich ihrer Riten den Mitgliedern ein rigoroses Schweigegebot auferlegte, und waren an zahlreiche im Alltag streng zu befolgende Regeln gebunden. Der Zweck der Schule war primar religios und schloss auch politische Aktivitaten ein. Wissenschaftliche Bestrebungen traten - wenn uberhaupt - erst nach dem Tod des Pythagoras hinzu. Von einer pythagoreischen Philosophie kann zu Lebzeiten des Pythagoras nicht gesprochen werden, sondern erst ab der Zeit des Pythagoreers Philolaos. Das Weltverstandnis des Pythagoras war insgesamt ein vorwissenschaftlich-mythisches. Burkert illustriert dies durch Parallelen zur altchinesischen Kosmologie (Yin und Yang) und zu archaischen Vorstellungen indigener Volker.
Dieser Auffassung entgegengesetzt ist die Wissenschaftsthese, die insbesondere von Leonid Zhmud vertreten wird. Sie besagt, dass es im griechischsprachigen Kulturraum zur Zeit des Pythagoras die fur Schamanismus typischen Phanomene nicht gab. Diese Forschungsrichtung verwirft die These eines weltweit verbreiteten ,,Panschamanismus", welche Schamanismus anhand bestimmter phanomenologischer Merkmale feststellt und dabei die Annahme historischer Zusammenhange zwischen den betreffenden Volkern fur unnotig halt. Zhmud argumentiert, es habe bei den Skythen keinen Schamanismus gegeben und eine Beeinflussung Griechenlands oder Unteritaliens durch sibirischen Schamanismus sei ohne skythische Vermittlung nicht vorstellbar. Seiner Auffassung zufolge sind die Berichte uber den Glauben der Schuler des Pythagoras an ubermenschliche Fahigkeiten und Taten ihres Lehrers und die Beschreibungen der Schule als religioser Bund mit einer Geheimlehre und seltsamen Tabus unglaubwurdig. Dieses Bild stammte teils von spottlustigen Komodiendichtern, teils war es Ausdruck entsprechender Neigungen in der romischen Kaiserzeit. Der historische Pythagoras war ein Philosoph, der sich um Mathematik, Musiktheorie und Astronomie bemuhte und dessen Schuler einschlagige Forschungen durchfuhrten. Unter anderem durften manche Theoreme Euklids auf Pythagoras zuruckgehen. Es gab keinen spezifisch pythagoreischen Kult und Ritus, die Schule war keine Kultgemeinschaft, sondern ein lockerer Zusammenschluss (Hetairie) von Forschern. Diese waren nicht auf Dogmen des Schulgrunders eingeschworen, sondern vertraten unterschiedliche Meinungen.
Beide Richtungen tragen gewichtige Argumente vor. Fur die Schamanismusthese werden die Legenden angefuhrt, die von Wundertaten und spektakularen Fahigkeiten des Meisters handeln, darunter Wahrsagen, Bilokation und die Fahigkeit, mit Tieren zu reden. Die Legende, er habe einen goldenen Schenkel gehabt, diente dazu, ihn mit Apollon zu identifizieren; manche betrachteten ihn als Sohn Apollons.[18] Andererseits schrieb der Zeitgenosse Heraklit, Pythagoras habe mehr Studien (historie) getrieben als irgendein anderer Mensch.[19] Diese Aussage wird zugunsten der Wissenschaftsthese angefuhrt, gerade weil sie von einem zeitgenossischen Gegner stammt, der Pythagoras keineswegs loben will, sondern ihm ,,Vielwisserei" vorwirft. Heraklit beschuldigt Pythagoras des Plagiats, womit er anscheinend Verwertung von naturphilosophischem und naturkundlichem Prosaschrifttum meint.[20]
Einer heute umstrittenen, in der Antike allgemein akzeptierten Uberlieferung zufolge war Pythagoras der Erfinder der Begriffe ,,Philosophie" und ,,Philosoph". Herakleides Pontikos berichtet, Pythagoras habe auf die Unterscheidung zwischen dem ,,Weisen" (sophos) und einem nach Weisheit strebenden ,,Weisheitsfreund" (philosophos) Wert gelegt, wobei er sich selbst zu den Philosophen zahlte, da nur Gott wirklich weise sei. Solche Bescheidenheit ist unvereinbar mit Burkerts Schamanismusthese, der zufolge Pythagoras sich von seinen Anhangern als unfehlbares ubermenschliches Wesen verehren liess. Burkert bestreitet die Glaubwurdigkeit des Berichts von Herakleides Pontikos,[21] Befurworter der Wissenschaftsthese vertreten auch diesbezuglich die Gegenposition.[22]
Auch die Verwendung des Begriffs ,,Kosmos" zur Bezeichnung des harmonisch geordneten Weltganzen hat nach antiken Angaben Pythagoras eingefuhrt. Burkert und andere Forscher zweifeln an der Zuverlassigkeit dieser Uberlieferung, Zhmud halt sie fur glaubwurdig.[23]
Mathematik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]a2 + b2 = c2
Schon im 4. Jahrhundert v. Chr. fuhrten Aristoteles und Aristoxenos die Anfange der Mathematik bei den Griechen auf die Pythagoreer bzw. Pythagoras zuruck.[24] In der Spatantike und im Mittelalter war die Uberzeugung allgemein verbreitet, Pythagoras sei der Begrunder der Mathematik gewesen.[25] Damit war auch die Geometrie gemeint, der fur die antiken Griechen wichtigste Teil der Mathematik. Dazu passte die Uberlieferung vom Aufenthalt des Pythagoras in Agypten, denn schon Herodot war der Uberzeugung, die Geometrie stamme ursprunglich aus Agypten, sie sei ein Ergebnis der Notwendigkeit stets neuer Landvermessung nach den regelmassigen Niluberschwemmungen gewesen.[26] Schon Isokrates nahm an, Pythagoras habe seine Mathematik und Astronomie den Agyptern zu verdanken.[27] Ferner galt Pythagoras auch als Vermittler mathematischen Wissens der Babylonier, denn man ging davon aus, dass er sich in seiner Jugend in Babylon aufgehalten hatte.[28]
Im Anschluss an diese Tradition ist bis in die Gegenwart die Ansicht verbreitet, die Mathematik habe von Pythagoras und den Pythagoreern wesentliche Impulse erhalten. Auch ein betrachtlicher Teil der Wissenschaftshistoriker stimmt dem zu. Seit dem fruhen 20. Jahrhundert wurdigt die Forschung aber auch die griechische Mathematik, die sich unabhangig von der pythagoreischen Tradition entwickelt hat.[29]
Die Einzelheiten sind umstritten, auch die Rolle des Pythagoras als Vermittler agyptischen und orientalischen Wissens. Zhmud halt die Berichte von den Studienreisen nach Agypten und Babylon fur unhistorisch. Uberdies weist er darauf hin, dass Griechen damals keine Fremdsprachen zu erlernen pflegten und dass es fur Pythagoras ausserst schwierig gewesen ware, sich Kenntnisse der akkadischen und der agyptischen Sprache sowie der Hieroglyphen bzw. Keilschrift anzueignen und dann auch noch Fachliteratur zu verstehen. Daher betrachtet Zhmud die mathematischen Erkenntnisse des Pythagoras als dessen selbstandige Leistungen. Die oft mit dem Pythagoreismus gleichgesetzte spekulative Zahlenlehre oder ,,Zahlenmystik" mit dem Grundsatz ,,Alles ist Zahl" existierte nach Zhmuds Ansicht in der fruhpythagoreischen Zeit noch nicht, vielmehr gab erst der Platonismus den Anstoss zu ihrer Entstehung.[30]
Auf dem entgegengesetzten Standpunkt steht Burkert mit seiner Schamanismusthese. Seine Argumentation lautet folgendermassen: Es gibt keinen Beleg dafur, dass Pythagoras auch nur einen einzigen Beitrag zur Arithmetik oder zur Geometrie geleistet hat. Sein Interesse galt nicht der Mathematik als einer mit Quantitaten befassten, rechnenden und beweisenden Wissenschaft, sondern er betrachtete Zahlen unter qualitativen Gesichtspunkten. Dabei ging es ihm darum, verschiedenen Zahlen im Sinne einer Zahlensymbolik bestimmte nichtmathematische Eigenschaften wie ,,mannlich" und ,,Grenze bildend" (fur die ungeraden Zahlen), ,,weiblich" und ,,unbegrenzt" (fur die geraden), ,,gerecht" oder ,,jungfraulich" zuzuweisen und so ein Ordnungsprinzip fur seine Kosmologie zu gewinnen. Diese Herangehensweise, bei der es nicht um Quantitat geht, sondern um die Ordnung des Kosmos und um qualitative Entsprechungen zwischen dessen Bestandteilen, vergleicht Burkert mit der chinesischen Auffassung von Yin und Yang. Ebenso wie in der pythagoreischen Zahlenlehre ist in der chinesischen der Urgegensatz von geraden und ungeraden Zahlen grundlegend und werden die ungeraden Zahlen als mannlich angesehen. Die in diesem spekulativen, kosmologischen Sinn verstandene Aussage ,,Alles ist Zahl" war nach der Deutung der Schamanismusthese ein Kernbestandteil von Pythagoras' Weltbild.
Der Gegensatz zwischen den beiden Forschungsrichtungen zeigt sich auch in einzelnen umstrittenen Punkten:
- Pythagoras gilt traditionell als der Entdecker des als Satz des Pythagoras bekannten Lehrsatzes der Euklidischen Geometrie uber das rechtwinklige Dreieck. Dieser Satz war schon Jahrhunderte vor Pythagoras den Babyloniern bekannt. Ob sie aber einen Beweis fur den Satz kannten, ist unbekannt. Zhmud meint, Pythagoras habe einen Beweis gefunden, wahrend Burkert im Sinne der Schamanismusthese argumentiert, dafur gebe es keinen Beleg und Pythagoras habe sich fur mathematische Beweisfuhrung gar nicht interessiert.[31]
- Ein Schuler des Pythagoras, Hippasos von Metapont, soll als erster die Konstruktion des einer Kugel einbeschriebenen Dodekaeders gefunden und auch erkannt haben, dass gewisse geometrische Grossen (wie das Verhaltnis von Diagonale und Seite eines Quadrats) nicht durch ganzzahlige Zahlverhaltnisse ausdruckbar sind (Inkommensurabilitat). Eine spate Uberlieferung behauptet, Hippasos habe diese Entdeckungen veroffentlicht und damit aus der Sicht der Pythagoreer Geheimnisverrat begangen. Daraufhin sei er aus der Gemeinschaft ausgeschlossen worden und bei einem Schiffbruch umgekommen, was als gottliche Strafe zu deuten sei. Die altere Forschung interpretierte dies als ,,Grundlagenkrise" des Pythagoreismus: Hippasos habe die Grundlage der pythagoreischen Mathematik zerstort, die besagte, alle Phanomene seien als Erscheinungsformen ganzzahliger Zahlverhaltnisse erklarbar. Die Pythagoreer seien durch seine Entdeckung der mathematischen Irrationalitat in eine schwere Krise gesturzt worden; aus diesem Grund hatten sie Hippasos ausgeschlossen und seinen Tod als gottliche Strafe gedeutet. Diese Ansicht wird sowohl von Burkert als auch von Zhmud abgelehnt, aber aus unterschiedlichen Grunden. Burkert meint, dass die Bewaltigung der Irrationalitat schrittweise erfolgte und keine Erschutterung der pythagoreischen Zahlenlehre bewirkte, da diese nicht von dem Axiom ausging, alle Grossen seien kommensurabel. Zhmud sieht in Hippasos den tatsachlichen Entdecker der Irrationalitat, meint aber, dass das Zerwurfnis zwischen Hippasos und Pythagoras damit nichts zu tun hatte und von einem Geheimnisverrat keine Rede sein kann, sondern der Gegensatz der beiden rein politisch war.[32]
- Zu den Errungenschaften, die man Pythagoras zugeschrieben hat, gehort die Begrundung der Proportionentheorie; er soll den Begriff logos im mathematischen Sinn von ,,Proportion" eingefuhrt haben. Diese altere Forschungsmeinung wird weiterhin von den Befurwortern der Wissenschaftsthese vertreten.[33] Als spezifisch pythagoreische Neuerung bezeichnen die antiken Quellen insbesondere die Lehre von den drei Mitteln (arithmetisches, geometrisches und harmonisches Mittel). Die Mittel kamen moglicherweise bereits in babylonischen Rechenregeln vor, doch kannten die Babylonier den Begriff der Proportion nicht. Die Beweisfuhrung und Terminologie kann somit eine Errungenschaft des Pythagoras oder der Pythagoreer sein. Dagegen wendet Burkert ein, es sei nicht erwiesen, dass Pythagoras eine Proportionentheorie begrundete. Er argumentiert, dass das Proportionsrechnen schon Anaximander bekannt war, der die Welt als ihrem Wesen nach geometrisch auffasste und mit mathematischen Proportionen erklarte. Zwar hatten die Pythagoreer bei der Entwicklung der Mittellehre anscheinend eine Rolle gespielt, doch sei unklar, wann und durch wen dies geschehen sei.[34]
Ein Hauptelement der fruhen pythagoreischen Zahlenlehre war die Tetraktys (,,Vierheit"), die Gruppe der Zahlen 1, 2, 3 und 4, deren Summe die 10 ergibt, die bei Griechen und ,,Barbaren" (Nichtgriechen) gleichermassen als Grundzahl des Dezimalsystems diente. Die Vier wurde neben der ,,vollkommenen" Zehn im Pythagoreismus als fur die Weltordnung grundlegende Zahl betrachtet. Moglicherweise spielten sie damit auf: Das Eine (altgriechisch to en to hen, lateinisch unum), Dyade (altgriechisch dyas ,,Zweiheit"), Trias (von altgriechisch tri ,,drei": ,,Dreiheit") und die Tetraktys (griechisch tetraktus (tetrakhe) tetraktys ,,Vierheit" oder ,,Vierergruppe") an.
Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Ansicht, dass Pythagoras der Begrunder der mathematischen Analyse der Musik gewesen sei, war in der Antike allgemein verbreitet und akzeptiert. Schon Platon fuhrte die musikalische Zahlenlehre auf die Pythagoreer zuruck, sein Schuler Xenokrates schrieb die entscheidende Entdeckung Pythagoras selbst zu. Es ging um die Darstellung der harmonischen Intervalle durch einfache Zahlenverhaltnisse bzw. Proportionen. Veranschaulicht wurde dies durch Messung der Lange schwingender Saiten. Offenbar gingen manche Pythagoreer empirisch vor, denn Platon, der eine rein spekulative Musiktheorie forderte und der Empirie misstraute, kritisierte sie in dieser Hinsicht.[35]
In der romischen Kaiserzeit wurde die Legende von Pythagoras in der Schmiede erzahlt. Sie berichtet, Pythagoras sei an einer Schmiede vorbeigekommen und habe in den Tonen der Schmiedehammer Harmonie wahrgenommen. Er habe herausgefunden, dass die Konsonanz vom Gewicht der Hammer abhing. Darauf habe er zu Hause mit gleich langen Saiten experimentiert, die er mit Gewichten belastete, und sei zum Ergebnis gekommen, dass die Klanghohe dem Gewicht der Metallkorper entspricht und so die reinen Intervalle von Oktave, Quarte und Quinte durch messbare Proportion zustande kommen. Damit soll erstmals musikalische Harmonie mathematisch darstellbar gemacht worden sein.[36] Derartige Experimente konnen in der tradierten Art und Weise jedoch nicht stattgefunden haben, da die Schwingungsfrequenz weder zum Gewicht eines Hammers noch zur Spannung einer Saite proportional ist. Somit ist diese Legende eine Erfindung[37] oder beruht zumindest auf einer ungenauen Uberlieferung.
Nach der Schamanismusthese war es ebenso wie in der Geometrie auch in der Musik nicht das Anliegen des Pythagoras, Gegebenheiten durch Messung zu erfassen. Vielmehr ging es ihm darum, symbolische Beziehungen zwischen Zahlen und Tonen zu finden und so die Musik ebenso wie die Mathematik in das Gebaude seiner Kosmologie einzuordnen. Die Wissenschaftsthese vertritt auch hier den entgegengesetzten Standpunkt. Ihr zufolge war Pythagoras der Entdecker der musikalischen Harmonielehre; er ging dabei empirisch vor und bediente sich des Monochords. Seine Schuler setzten die Forschungen fort. Burkert hingegen bezweifelt, dass es damals schon ein Monochord mit verstellbarem Steg gab.[38]
Die Uberlieferung, wonach Pythagoras Musik gezielt zur Beeinflussung unerwunschter Affekte einsetzte, also eine Art Musiktherapie betrieb, wird von der Forschung als fruhpythagoreisch eingestuft.[39]
Astronomie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dass die griechische Astronomie (insbesondere die genaue Kenntnis der Planeten) auf der babylonischen fusst, ist unstrittig. Die griechischen Planetennamen gehen auf die babylonischen zuruck. Ein grundsatzlicher Unterschied besteht allerdings darin, dass die Babylonier nicht an der Erklarung, sondern nur an der Berechnung und Vorhersage der Vorgange am Himmel interessiert waren, wogegen die Griechen ihr Augenmerk auf die astronomische Theorie richteten.
Die altere Forschung hat fur die Astronomie - ebenso wie fur die Mathematik - Pythagoras wegen seiner Babylonreise in einer Vermittlerrolle gesehen.[40] Auch auf diesem Gebiet fuhren die beiden gegensatzlichen Pythagorasbilder zu entgegengesetzten Ergebnissen:
Der Schamanismusthese zufolge ubernahmen die Griechen die babylonische Planetenordnung erst um 430, also lange nach Pythagoras' Tod. Erst danach entstand das alteste pythagoreische Modell, dasjenige des Pythagoreers Philolaos.[41] Es lasst die Erde um ein Zentralfeuer kreisen, wobei die bewohnten Gegenden auf der diesem Feuer stets abgewandten Seite liegen; auf der anderen Seite des Zentralfeuers befindet sich eine ebenfalls fur uns unsichtbare Gegenerde. Mond, Sonne und funf Planeten kreisen ebenfalls um das Zentralfeuer. Dieses System war nach Burkerts Ansicht nicht ein Ergebnis astronomischer Beobachtungen, sondern ein kosmologischer Mythos. Burkert meint, dass Pythagoras keine empirische Astronomie getrieben hat. Er weist darauf hin, dass laut Angaben des Aristoteles manche Pythagoreer einen Kometen zu den Planeten zahlten, was mit dem System des Philolaos unvereinbar ist; dieses war somit nicht ein ursprungliches Modell des Pythagoras, das als solches fur die ganze Schule verbindlich gewesen ware. Auch uber die Milchstrasse hatten die Pythagoreer keine einheitliche Meinung.[42]
Zhmud kommt zum gegenteiligen Ergebnis. Er halt den Bericht uber eine Orientreise des Pythagoras fur eine Legende ohne historischen Kern. Aus seiner Sicht war der babylonische Einfluss auf die griechische Astronomie minimal. Nach seiner Auffassung gab es ein ursprungliches astronomisches Modell der Pythagoreer vor Philolaos, auf dem auch die platonische Astronomie basierte. Es sah eine kugelformige Erde im Zentrum des Kosmos vor, um die sich die Fixsternsphare von Ost nach West sowie Mond, Sonne und die damals bekannten funf Planeten von West nach Ost gleichformig im Kreis drehten. Dieser Ansicht waren schon altere Befurworter der Wissenschaftsthese.[43]
Sicher pythagoreischen Ursprungs ist die Idee der Spharenharmonie oder - wie die Bezeichnung in den altesten Quellen lautet - ,,Himmelsharmonie". Laut den - im Detail voneinander abweichenden - antiken Uberlieferungen handelt es sich dabei um Tone, die von den Planeten bei ihren streng gleichformigen Kreisbewegungen hervorgebracht werden und zusammen einen kosmischen Klang ergeben. Dieser ist jedoch fur uns unhorbar, da er ununterbrochen erklingt und uns nur durch sein Gegenteil, durch einen Gegensatz zwischen Klang und Stille zu Bewusstsein kame. Einer Legende zufolge war Pythagoras der einzige Mensch, der die Himmelsharmonie horen konnte.[44]
Burkert meint, dass diese Idee ursprunglich nicht mit der Astronomie zusammenhing, sondern nur mit der Fahigkeit zu aussersinnlicher Wahrnehmung, die man Pythagoras als einem Schamanen zuschrieb. Ein ausgearbeitetes System habe es zu Lebzeiten des Pythagoras nicht gegeben.[45] Zhmud hingegen ist der Ansicht, dass es ursprunglich eine physikalische Theorie war, in der astronomische und akustische Beobachtungen und Uberlegungen miteinander verbunden wurden. Er weist auch darauf hin, dass die Tone der Himmelskorper nur als gleichzeitig, nicht als nacheinander erklingend gedacht werden konnten. Daher kann man zwar von einem Klang sprechen, aber der populare Begriff ,,Spharenmusik" ist dafur sicher unpassend.[46]
Politik und Gesellschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pythagoras hatte in einer Anzahl von griechischen Stadten Unteritaliens Anhanger. Sicher ist, dass die Pythagoreer sich nicht vom gesellschaftlichen Leben absonderten, sondern in der Politik nach Einfluss strebten, und dass Pythagoras selbst politisch aktiv war und daher auch erbitterte Gegner hatte. Die Berichte sind in manchen Einzelheiten widerspruchlich. Diogenes Laertios schreibt, Pythagoras habe mit der Gemeinschaft seiner Schuler in der Stadt Kroton, wo er lange lebte, die politische Macht ausgeubt. Er soll der Stadt eine aristokratische Verfassung gegeben und nach dieser regiert haben.[47] Diese Angabe wird von der Forschung als unglaubwurdig eingestuft, doch ist davon auszugehen, dass Pythagoras mit seinen Anhangern im Stadtrat und in der Volksversammlung seinen Standpunkt geltend machte und dabei teilweise erfolgreich war.[48] Uberliefert sind Auszuge aus vier Reden, in denen er in Kroton sein Tugendideal erlautert haben soll - eine an den Rat der Stadt, eine an die jungen Manner, eine an die Knaben und eine an die Frauen. Ob die uberlieferten Texte authentisches Material enthalten, ist unklar, doch scheint der Inhalt fruhpythagoreisch zu sein.[49] Die Entscheidung der Krotoniaten, Fluchtlinge aus Sybaris nicht an diese Stadt auszuliefern, sondern lieber einen Krieg in Kauf zu nehmen, der dann mit der Eroberung und Zerstorung von Sybaris endete, war auf das Eingreifen des Pythagoras zuruckzufuhren.[50] Sein Einfluss rief aber auch heftige Opposition hervor, die ihn veranlasste, Kroton zu verlassen und nach Metapont zu ubersiedeln.[51]
Erst Jahrzehnte nach dem Tod des Pythagoras, um die Mitte des 5. Jahrhunderts, kam es in mehreren Stadten zu blutigen Auseinandersetzungen um die Pythagoreer, die fur diese katastrophal endeten; sie wurden teils getotet, teils vertrieben.[52]
Die Hintergrunde der Feindseligkeit gegen die Gemeinschaft und ihren Grunder sind schwer durchschaubar; manchen Berichten zufolge spielten personliche Motive der Gegner wie Neid und Missgunst eine wesentliche Rolle. Soweit dabei grundsatzliche Fragen in Betracht kamen, standen die Pythagoreer auf der Seite der ,,Aristokratie" und ihre Gegner auf derjenigen der ,,Demokratie". Die Fluchtlinge aus Sybaris, fur die Pythagoras eintrat, waren wohlhabende Burger, die auf Veranlassung eines Volksfuhrers enteignet und verbannt worden waren. Jedenfalls war die Politik der Pythagoreer entsprechend ihrem generellen Harmonie-Ideal konservativ und auf Stabilitat bedacht; dies machte sie zu Verbundeten der traditionell im Rat dominierenden Geschlechter. Ihre naturlichen Gegenspieler waren damit die Volksredner, die nur durch Einfluss auf die Massen an die Macht kommen konnten und Unzufriedenheit nutzten, um fur einen Umsturz zu agitieren.[53]
Religion und Seelenlehre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Pythagoreer betrachteten die von ihnen angenommene Harmonie in der Natur und speziell in den gleichmassigen Kreisbewegungen der Himmelskorper als Manifestation einer gottlichen Weltlenkung. In der Epoche des Hellenismus gab es bei ihnen einen astrologischen Fatalismus, also die Lehre von der zwangslaufigen ewigen Wiederkunft aller irdischen Verhaltnisse entsprechend der zyklischen Natur der Gestirnbewegungen. Wenn alle Planeten nach Ablauf einer langen kosmischen Periode, des ,,Grossen Jahres", ihre Ausgangsstellung wieder erreicht haben, beginnt nach diesem Mythos die Weltgeschichte von neuem als exakte Wiederholung.[54] Diese Vorstellung, die spater auch bei Stoikern verbreitet war und in der Neuzeit von Nietzsche aufgegriffen wurde, fuhrte man in der Antike auf Pythagoras zuruck[55] - ob mit Recht, ist ungewiss.
Sicher ist hingegen, dass Pythagoras von der Seelenwanderung uberzeugt war und dabei keinen Wesensunterschied zwischen menschlichen und tierischen Seelen annahm. Diese religiose Idee hatten schon zuvor die Orphiker vertreten. Sie setzte die Uberzeugung von der Unsterblichkeit der Seele voraus. Einer Legende zufolge war Pythagoras imstande, sich an seine fruheren Inkarnationen zu erinnern, zu denen der trojanische Held Euphorbos gehorte. Den Schild des Euphorbos, der in Argos im Tempel der Hera als Beutestuck aufbewahrt wurde, soll Pythagoras als den seinigen erkannt haben.[56]
Zum Kernbestand des ursprunglichen Pythagoreismus gehorte auch der Vegetarismus, der als ,,Enthaltung vom Beseelten" bezeichnet wurde.[57] Dieser Vegetarismus war religios und ethisch motiviert; gemass dem Prinzip der Enthaltung wurden neben der Fleischnahrung auch die Tieropfer verworfen. Pythagoras selbst war Vegetarier; inwieweit seine Anhanger ihm darin folgten, ist unklar. Ein fur alle verbindliches Gebot gab es offenbar nicht, doch durfte zumindest der engere Schulerkreis vegetarisch gelebt haben.[58]
Beruhmt war in der Antike ein strenges Tabu der Pythagoreer gegen den Verzehr von Bohnen. Die Forschung nimmt einhellig an, dass das Bohnenverbot auf Pythagoras selbst zuruckzufuhren ist. Ob das Motiv dafur ausschliesslich mythisch-religios oder auch diatetisch war und welcher Gedankengang dahinter stand, war schon in der Antike strittig und ist bis heute nicht geklart. Die in der Moderne erwogene Hypothese eines Zusammenhangs mit dem Favismus, einer erblichen Enzymkrankheit, bei welcher der Genuss von Ackerbohnen (Vicia faba) gesundheitsgefahrlich ist, findet in den Quellen keine konkrete Stutze und ist daher spekulativ.[59]
Schulergemeinschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch hinsichtlich der Organisation und des Zwecks der von Pythagoras gegrundeten Gemeinschaft gehen die Ansichten in der Forschung weit auseinander. Der Schamanismusthese entspricht die Vorstellung eines religiosen Bunds, dessen Angehorige zu strenger Verschwiegenheit verpflichtet und von der Gottlichkeit ihres Meisters restlos uberzeugt waren und unablassig eine Vielzahl von archaischen Tabus befolgen mussten.[60] Die gegenteilige Auffassung (Wissenschaftsthese) besagt, dass es sich ursprunglich um einen lockeren Zusammenschluss von autonom forschenden Individuen handelte, vergleichbar den spateren Schulen von Platon und Aristoteles.[61] Fur beide Deutungen gibt es Indizien. Fur die Wissenschaftsthese spricht, dass es unter den Pythagoreern offenbar sehr unterschiedliche Auffassungen uber religios-philosophische und naturkundliche Fragen gab.[62] Fur die Annahme eines auf verbindliche Grundsatze verpflichteten, relativ engen Bundes spricht, dass die Pythagoreer grossten Wert auf Freundschaft und gegenseitige unbedingte Loyalitat legten.[63] Im Unterschied zu den Schulen von Platon und Aristoteles hatten die Pythagoreer nach dem Tod des Pythagoras anscheinend keinen allgemein anerkannten Scholarchen (Schuloberhaupt).[64]
Spatestens um die Mitte des 5. Jahrhunderts gab es unter denen, die sich zur Tradition des Pythagoras bekannten, zwei Gruppen, die ,,Akusmatiker" und die ,,Mathematiker"; in spaten Quellen ist auch von ,,Exoterikern" und ,,Esoterikern" die Rede, im 4. Jahrhundert v. Chr. unterschied man zwischen ,,Pythagoreern" und ,,Pythagoristen".[65] Die Akusmatiker orientierten sich an ,,Akusmata" (Gehortes), die ,,Mathematiker" an ,,Mathemata" (Lerngegenstande, Erfahrungswissen; nicht nur speziell Mathematik im modernen Wortsinn). Zwischen ihnen kam es nach einem Bericht, den manche Forscher auf Aristoteles zuruckfuhren,[66] zu einem unbekannten Zeitpunkt nach dem Tod des Schulgrunders zu einer Spaltung, wobei jede Gruppe fur sich in Anspruch nahm, die ursprungliche Tradition des Pythagoras fortzusetzen. Unklar ist, ob bzw. inwieweit die zwei Richtungen schon zu Lebzeiten des Pythagoras bestanden und von ihm gewollt waren und gegebenenfalls, welche damals dominierte. Die Mathematiker trieben Studien im Sinne der Wissenschaftsthese, wahrend die Akusmatiker sich an religios-philosophischen Lehren orientierten, fur die sie sich auf mundliche Unterweisungen des Pythagoras beriefen. Bei den Akusmatikern herrschte offenbar ein religioser Autoritatsglaube, die Uberzeugung von der ubermenschlichen Natur und Unfehlbarkeit des Meisters im Sinne der Schamanismusthese. Daher antworteten sie auf Einwande einfach mit dem ,,Autoritatsbeweis" (,,Er selbst [Pythagoras] hat es gesagt").[67] Das wurde von den Mathematikern kritisiert. Angaben spater Quellen, wonach es eine esoterische Geheimlehre des Pythagoras gab, die nur den zu strengem Schweigen verpflichteten Akusmatikern offenbart wurde, halt Zhmud fur unglaubwurdig, wahrend Burkert auch hier die Gegenposition vertritt und den ursprunglichen Pythagoreismus in die Nahe der Mysterienkulte ruckt.
Eine wichtige Rolle spielte das in Anekdoten fortlebende pythagoreische Freundschaftskonzept.[68] Pythagoras soll ein Ideal universaler Freundschaft und Harmonie gepredigt und verwirklicht haben, das an den Mythos vom paradiesischen Goldenen Zeitalter erinnert.[69] Wie die Freundschaft in die allgemeine Harmonielehre eingebettet wurde, zeigt eine spatantike, aber wohl aus einer fruhpythagoreischen Quelle stammende Darstellung:
,,In herrlicher Klarheit lehrte Pythagoras die Freundschaft aller mit allen: Freundschaft der Gotter mit den Menschen durch Frommigkeit und wissende Verehrung, Freundschaft der Lehren untereinander und uberhaupt Freundschaft der Seele mit dem Leibe, Freundschaft des Vernunftbegabten mit den Arten des Vernunftlosen durch Philosophie und die ihr eigene geistige Anschauung. Freundschaft der Menschen untereinander, Freundschaft unter Mitburgern durch Gesetzestreue, die den Staat gesund erhalt, Freundschaft Verschiedenstammiger durch richtige Naturerkenntnis, Freundschaft zwischen Mann und Frau, Kindern, Geschwistern und Hausgenossen ... Freundschaft des sterblichen Leibes in sich selbst, Befriedung und Versohnung der einander entgegenwirkenden Krafte, die in ihm verborgen sind, ... Dass in all diesen Dingen der Name ,Freundschaft' ein und derselbe ist und sie beherrschend zusammenfasst, hat ... Pythagoras entdeckt und festgelegt."[69]
Nach Angaben antiker Quellen herrschte bei den Schulern des Pythagoras der Grundsatz, dass der Besitz der Freunde gemeinsam sei (koina ta ton philon), also eine ,,kommunistische" Gutergemeinschaft. Dieses Konzept scheint aber, falls es tatsachlich praktiziert wurde, nur von einem kleinen Personenkreis umgesetzt worden zu sein. Daneben gibt es auch Berichte uber Pythagoreer, die uber Privateigentum verfugten und einander in materiellen Notlagen grosszugig unterstutzten. Auch dies war eine Konsequenz aus der Idee vom gemeinsamen Gut der Freunde.[70] Privatbesitz wurde nicht verworfen, aber Pythagoras wandte sich mit Scharfe gegen den Luxus und trat - wie zahlreiche spatere antike Philosophen - fur eine einfache, frugale Lebensweise ein.[71]
Ikonographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der antiken Literatur sind mehrere (mindestens zwei) Statuen des Pythagoras bezeugt. Eine befand sich in Rom, eine andere, die ihn stehend zeigte, in Konstantinopel.[72]
Auf den Ruckseiten von Bronzemunzen, die im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. auf Samos gepragt wurden, ist Pythagoras stehend oder sitzend abgebildet. Der sitzende Pythagoras halt in der linken Hand ein Szepter; das Herrschaftssymbol macht ihn als geistigen Fursten kenntlich. In der Rechten halt er - ebenso wie der stehende Pythagoras - einen Stab, mit dem er auf einen Globus zeigt. Diese Munzbilder sind nach dem Vorbild von Buchillustrationen, Statuen oder Reliefs gestaltet. Fur einen um 400 n. Chr. gepragten Kontorniaten, der den Philosophen mit langem Spitzbart und Kopfbinde zeigt, in nachdenklicher Haltung auf einem Lehnsessel sitzend, war vermutlich eine Buchillustration das Muster. Zwei Silbermunzen aus Abdera (um 430-420 v. Chr.) zeigen den Kopf eines Mannes mit kurzem Bart in einem Linienquadrat mit der Inschrift Pythagores; offenbar ist der Philosoph gemeint.[73]
Eine Bronzebuste im Archaologischen Nationalmuseum in Neapel, die in der Villa dei Papiri in Herculaneum gefunden wurde, sowie eine Marmorherme in den Kapitolinischen Museen in Rom stellen sehr wahrscheinlich Pythagoras dar. Dafur spricht die turbanartige Kopfbedeckung des Philosophen, ein Bestandteil orientalischer Tracht, der offenbar ebenso wie die Kopfbinde auf dem Kontorniaten an die Legende von der Indienreise des Pythagoras erinnern soll. Von der Bronzebuste, die um 360-350 v. Chr. entstanden ist, sind sieben Repliken erhalten. Die Herme wird um 120 n. Chr. datiert.[74]
In der zweiten Halfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. entstanden zwei Reliefs. Eines von ihnen stammt aus Sparta und befindet sich im dortigen Museum. Es zeigt den sitzenden Pythagoras zusammen mit Orpheus in einer Landschaft mit Tieren. Sein Attribut ist ein Adler. In der linken Hand halt er eine geschlossene Buchrolle, in der rechten eine geoffnete. Offenbar soll die Verbindung zwischen der orphischen und der pythagoreischen Lehre dargestellt werden. Auf dem anderen Relief, das auf Samos gefunden wurde, ist Pythagoras sitzend mit Musen abgebildet. Eine der Musen bekranzt ihn. Ein Zeigestock und ein Kasten fur Buchrollen kennzeichnen ihn als Philosophen.[75]
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Antike ebenso wie im Mittelalter und in der Fruhen Neuzeit gehorte Pythagoras zu den bekanntesten antiken Personlichkeiten, wobei das Pythagoras-Bild stark von Legenden gepragt war.
Antike
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachwirkung der Lehre
Als die Schule des Pythagoras nach der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. im Verlauf politischer Wirren untergegangen war, kam es zu einem Bruch der Kontinuitat, obwohl sich einzelne versprengte Pythagoreer weiterhin bemuhten, die Tradition fortzusetzen und sie auch in Griechenland heimisch zu machen. Eine Ausnahme bildete die Stadt Tarent, wo der Pythagoreismus noch im 4. Jahrhundert bluhte.
Platon erwahnt Pythagoras bzw. die Pythagoreer nur zweimal namentlich. Er war aber schon auf seiner ersten Italienreise mit Pythagoreern in Kontakt gekommen und blieb insbesondere mit dem Pythagoreer Archytas von Tarent in Verbindung. Von seinen Dialogen sind zwei der beruhmtesten, der Timaios und der Phaidon, von pythagoreischem Gedankengut beeinflusst. Die Vermutungen der Forscher daruber, wie stark dieser Einfluss war und wie er sich konkret ausserte, sind allerdings grossenteils spekulativ. Platons Schuler und Nachfolger als Scholarch (Leiter) der Akademie, Speusippos, schrieb ein Buch uber pythagoreische Zahlen, und auch Speusippos' Nachfolger Xenokrates widmete dem Thema Pythagoreismus eine eigene Schrift. Auch Aristoteles interessierte sich stark fur den Pythagoreismus und setzte sich kritisch damit auseinander, doch gehort das meiste, was er daruber schrieb, zum verlorenen Teil seiner Werke.
Im 1. Jahrhundert v. Chr. kam es im Romischen Reich zu einer Wiederbelebung. Dieser ,,Neupythagoreismus", der bis in die Spatantike fortdauerte, war grossenteils von Platonikern bzw. Neuplatonikern getragen, die kaum zwischen Pythagoreismus und Platonismus unterschieden. Im Neupythagoreismus waren fruhpythagoreische Ideen mit alteren und jungeren Legenden und (neu)platonischen Lehren verschmolzen.
Urteile uber Pythagoras
Zu seinen Lebzeiten war Pythagoras umstritten; seine politischen Aktivitaten schufen ihm Gegner, und sein Zeitgenosse Heraklit kritisierte ihn scharf. Heraklit bezeichnete ihn als ,,Oberschwindler" (kopidon archegos) und warf ihm ,,Vielwisserei" vor, die Pythagoras ohne Verstand praktiziere, also blosses Ansammeln von Wissensstoff ohne wirkliches Verstandnis.[76] Heraklit lebte in Ephesos in Kleinasien, also lagen dort damals bereits Nachrichten uber das Wirken des Pythagoras in Italien vor. Ein anderer Zeitgenosse, der in Italien tatige Philosoph Xenophanes, gehorte ebenfalls zu den Gegnern.[77] In einigen Quellen findet sich ein Nachhall der politischen Konflikte; da ist davon die Rede, Pythagoras und seine Schuler hatten eine Tyrannis angestrebt.[78]
Das Urteil der antiken Nachwelt fiel jedoch fast einhellig sehr gunstig aus. Nur gelegentlich wurden einzelne religiose Ansichten des Pythagoras ironisch erwahnt.[79] Empedokles spendete hohes Lob,[80] Herodot und Platon ausserten sich respektvoll. Auch der einflussreiche Geschichtsschreiber Timaios von Tauromenion hegte offenbar Sympathie fur Pythagoras.[81]
Um 430-420 wurden in der Stadt Abdera in Thrakien Munzen mit dem Bildnis und Namen des Pythagoras gepragt. Das war eine fur damalige Verhaltnisse einzigartige Ehrung fur einen Philosophen, zumal Abdera nicht seine Vaterstadt war.[82] Dies durfte damit zusammenhangen, dass der Philosoph Demokrit aus Abdera stammte und damals dort lebte. Demokrit war erheblich vom Pythagoreismus beeinflusst.[83]
Die Romer folgten im spaten 4. Jahrhundert einem Rat des Orakels von Delphi, der besagte, dass sie ein Abbild des tapfersten und eines des weisesten Griechen aufstellen sollten. Sie errichteten auf dem Comitium eine Statue des Feldherrn Alkibiades und eine des Pythagoras. Plinius der Altere, der dies berichtet, druckt sein Erstaunen daruber aus, dass sie sich fur Pythagoras und nicht fur Sokrates entschieden.[84] In Rom kursierte spatestens im fruhen 2. Jahrhundert v. Chr. ein (allerdings mit der Chronologie unvereinbares) Gerucht, wonach der wegen seiner Weisheit verehrte zweite romische Konig, der Gesetzgeber Numa Pompilius, Pythagoreer war; diese Vorstellung zeugt vom hohen Ansehen des Pythagoras.[85] Cicero wies auf die gewaltige, lange anhaltende Autoritat des Pythagoras in Unteritalien hin.[86]
Die Quellen der romischen Kaiserzeit schildern Pythagoras als Reformer, welcher der Sittenverderbnis seiner Zeit kraftvoll entgegentrat und durch sein Vorbild und seine Beredsamkeit die Tugenden erneuerte. Ovid zeichnet im 15. Buch seiner Metamorphosen ein sehr vorteilhaftes Bild von der Weisheit und Gute des Philosophen. Der Pythagoreer Apollonius von Tyana oder ein unbekannter gleichnamiger Autor[87] und die Neuplatoniker Porphyrios und Iamblichos verfassten Pythagoras-Biographien. Porphyrios und Iamblichos beschrieben Pythagoras als Urbild eines edlen Weisheitslehrers und Wohltaters. Hochachtung ausserten auch Christen im 2. Jahrhundert (Clemens von Alexandria, Hippolyt von Rom).[88]
Mittelalter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt des Mittelalters wirkte das gewaltige Ansehen, dessen sich Pythagoras im Altertum erfreute, stark nach, obwohl man damals keine der antiken Biographien des Philosophen besass und nur uber vereinzelte Informationen verfugte. Seine mit kirchlichen Lehren unvereinbare Auffassung vom Schicksal der Seele nach dem Tod wurde zwar heftig verdammt,[89] doch schadete dies dem Ruf seiner Weisheit kaum. Neben Ovids Darstellung und derjenigen des Junianus Justinus[90] waren die Hauptquellen damals die spatantiken und patristischen Autoren Martianus Capella, Hieronymus,[91] Augustinus,[92] Boethius,[93] Cassiodor[94] und Isidor von Sevilla.[95] Die mittelalterlichen Gebildeten sahen in Pythagoras (den sie auch Pitagoras schrieben) den Begrunder der Musikwissenschaft und der Mathematik, einen prominenten Verkunder der Unsterblichkeit der Seele und den Erfinder des Begriffs ,,Philosophie".
Beruhmt war die Symbolik des ,,pythagoreischen Buchstabens" Y, der mit seiner gegabelten Gestalt als Zeichen fur den Scheideweg des menschlichen Lebens diente: an der Wegscheide hatte man zwischen dem Pfad der Tugend und dem des Lasters zu wahlen.[96] Die teils in ratselhafter Verhullung formulierten Spruche und Lebensregeln der Pythagoreer und die asketischen Aspekte der pythagoreischen Sittenlehre standen mit mittelalterlichen Vorstellungen und Bedurfnissen in Einklang. Einen Eindruck von dem positiven Pythagorasbild des Spatmittelalters vermitteln zwei damals sehr populare Werke, das Speculum historiale des Vinzenz von Beauvais[97] und der Liber de vita et moribus philosophorum (Buch uber das Leben und die Sitten der Philosophen), der fruher zu Unrecht Walter Burley zugeschrieben wurde.[98] Francesco Petrarca ausserte seine Bewunderung fur Pythagoras im Stil des im Mittelalter ublichen Pythagoras-Lobs.[99]
Zwei antike Kommentare zu den ,,Goldenen Versen" waren im Mittelalter in arabischer Ubersetzung in der islamischen Welt verbreitet.
Neuzeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Fruhen Neuzeit wurde die Quellenbasis stark verbreitert. Im Jahr 1433 hatte Ambrogio Traversari die Philosophenbiographien des Diogenes Laertios, zu denen eine Lebensbeschreibung des Pythagoras gehorte, ins Lateinische ubersetzt; durch die 1472 erschienene Erstausgabe der lateinischen Fassung wurde das Werk breiteren Kreisen bekannt. Spater kamen die Pythagoras verherrlichenden Biographien hinzu; die von Iamblichos verfasste wurde 1598 erstmals gedruckt, die von Porphyrios stammende 1610. Verbreitet waren eine Reihe von (neu)pythagoreischen Briefen und Schriften aus der Antike, die zu Unrecht Pythagoras bzw. Personen aus seiner Umgebung zugeschrieben wurden (Pseudepigrapha). Die Briefe lagen seit 1499 gedruckt vor.[100] Besonders geschatzt und auch als Schullekture verwendet wurden in der Renaissance die ,,Goldenen Verse".
Insgesamt dominierte das Pythagorasbild der antiken Neupythagoreer und Neuplatoniker. Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494) bezeichnete sich als Pythagoreer.[101] Der Humanist Johannes Reuchlin (1455-1522) machte es sich zur Aufgabe, seinen Zeitgenossen die Gedankenwelt des Pythagoras zu erschliessen, dessen Lehren nach Reuchlins Uberzeugung mit denjenigen der Kabbala ubereinstimmten. Giordano Bruno meinte, die Methode des Pythagoras sei ,,besser und reiner" als diejenige Platons.[102] Stark von einer pythagoreischen Betrachtungsweise gepragt war der Astronom und Naturphilosoph Johannes Kepler (1571-1630). Er versuchte die Planetenbewegungen als Ausdruck einer vollkommenen Weltharmonie zu erweisen und astronomische Proportionen mit musikalischen zu verbinden, womit er bewusst ein Kernanliegen der antiken Pythagoreer aufgriff.
Im 18. und 19. Jahrhundert gab es unter italienischen Philosophen und Kulturhistorikern eine nationalistische Richtung, welche die ruhmreiche ,,italische Weisheit" (italica sapienza) pries, zu welcher man auch die Lehre des Pythagoras zahlte, die als Errungenschaft Italiens betrachtet wurde (Hauptvertreter im 18. Jahrhundert: Giambattista Vico, im 19. Jahrhundert: Vincenzo Gioberti). 1873 wurde in Neapel eine ,,Accademia Pitagorica" gegrundet, der u. a. Pasquale Stanislao Mancini und Ruggero Bonghi angehorten. Noch im fruhen 20. Jahrhundert vertrat der Althistoriker und Archaologe Jerome Carcopino die Ansicht, der Pythagoreismus sei eine spezifisch italische Weltanschauung gewesen, die zeitweilig auch auf das politische Geschick Suditaliens massgeblichen Einfluss genommen habe.[103]
Im 20. Jahrhundert bemuhte sich der Musikwissenschaftler Hans Kayser um eine ,,harmonikale Grundlagenforschung", mit der er an das pythagoreische Denken anknupfte.
Eine noch heute nachwirkende spate Pythagoraslegende ist die Behauptung, der Philosoph habe den ,,Pythagorasbecher" erfunden. Die Konstruktion dieses Bechers verhindert, dass man ihn ganz fullt und dann austrinkt, denn sie bewirkt, dass er sich vorher plotzlich leert. Solche Becher werden auf Samos als Souvenirs fur Touristen produziert. Mit dem historischen Pythagoras und seiner Schule hat das nichts zu tun.
1935 wurde von der IAU der Mondkrater Pythagoras nach ihm benannt. Am 22. Juli 1959 folgte der Pythagoras Peak in der Antarktis durch das Antarctic Names Committee of Australia (ANCA) und am 17. Marz 1995 der Asteroid (6143) Pythagoras.[104] Auch die Pflanzengattung Pythagorea Lour. aus der Familie der Weidengewachse (Salicaceae) ist nach Pythagoras benannt.[105]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ausgaben und Ubersetzungen von Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Otto Apelt (Ubers.): Diogenes Laertius: Leben und Meinungen beruhmter Philosophen. 3. Auflage, Hamburg 1998, ISBN 3-7873-1361-3, S. 111-134 (Diogenes Laertios, Vitae philosophorum 8,1-50)
- Edouard des Places (Hrsg.): Porphyre: Vie de Pythagore, Lettre a Marcella. Paris 1982 (griechischer Text und franzosische Ubersetzung von Porphyrios, Vita Pythagorae)
- Michael von Albrecht (Hrsg.): Jamblich: Pythagoras. Legende - Lehre - Lebensgestaltung. Darmstadt 2002, ISBN 3-534-14945-9 (griechischer Text und deutsche Ubersetzung von Iamblichos, De vita Pythagorica)
- Rita Cuccioli Melloni: Ricerche sul Pitagorismo, 1: Biografia di Pitagora. Bologna 1969 (Zusammenstellung der antiken Quellenzeugnisse uber das Leben des Pythagoras; griechische und lateinische Texte mit italienischer Ubersetzung)
- Maurizio Giangiulio: Pitagora. Le opere e le testimonianze. 2 Bande, Milano 2000, ISBN 88-04-47349-5 (Quellensammlung; griechische Texte mit italienischer Ubersetzung)
- Jaap Mansfeld: Die Vorsokratiker I. Stuttgart 1999, ISBN 3-15-007965-9 (S. 122-203 griechische Quellen mit deutscher Ubersetzung; die Einleitung entspricht teilweise nicht dem aktuellen Forschungsstand)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Handbuchdarstellungen
- Kurt von Fritz: Pythagoras. In: Paulys Realencyclopadie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXIV, Stuttgart 1963, Sp. 172-209.
- Constantinos Macris, Katarzyna Prochenko, Anna Izdebska: Pythagore de Samos. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 7, CNRS Editions, Paris 2018, ISBN 978-2-271-09024-9, S. 681-884, 1025-1174
- Hans Georg von Manz: Pythagoras von Samos. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopadie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1205.
- Leonid Zhmud: Pythagoras und die Pythagoreer. 1. Pythagoras. In: Hellmut Flashar u. a. (Hrsg.): Fruhgriechische Philosophie (= Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike. Band 1). Halbband 1, Schwabe, Basel 2013, ISBN 978-3-7965-2598-8, S. 375-401, 429-434.
Gesamtdarstellungen, Untersuchungen
- Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft. Studien zu Pythagoras, Philolaos und Platon. Hans Carl, Nurnberg 1962.
- Walter Burkert: Lore and Science in Ancient Pythagoreanism. Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 1972, ISBN 0-674-53918-4 (uberarbeitete Fassung von Burkerts Weisheit und Wissenschaft).
- Peter Gorman: Pythagoras. A Life. Routledge & Kegan Paul, London 1979, ISBN 0-7100-0006-5.
- James A. Philip: Pythagoras and Early Pythagoreanism. University of Toronto Press, Toronto 1966, ISBN 0-8020-5175-8.
- Christoph Riedweg: Pythagoras. Leben, Lehre, Nachwirkung. Eine Einfuhrung. 2., uberarbeitete Auflage. Beck, Munchen 2007, ISBN 978-3-406-48714-9.
- Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer. Religiose Bruderschaft und Schule der Wissenschaft. Artemis, Zurich/Munchen 1979, ISBN 3-7608-3650-X.
- Cornelia Johanna de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism. Van Gorcum, Assen 1966.
- Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus. Akademie Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-05-003090-9.
- Leonid Zhmud: Pythagoras and the Early Pythagoreans. Oxford University Press, Oxford 2012, ISBN 978-0-19-928931-8.
- Leonida Lazzari, Pitagora. Editrice Pitagora, Bologna, 2007.
Rezeption
- Irene Caiazzo, Constantinos Macris, Aurelien Robert (Hrsg.): Brill's companion to the reception of Pythagoras and Pythagoreanism in the Middle Ages and the Renaissance. (Brill's companions to classical reception, Band 24). Brill, Leiden, Boston 2021, ISBN 978-90-04-37362-4.
- Almut-Barbara Renger, Roland Alexander Issler: Pythagoras. In: Peter von Mollendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 8). Metzler, Stuttgart/Weimar 2013, ISBN 978-3-476-02468-8, Sp. 797-818.
- Stephan Scharinger: Die Wunder des Pythagoras. Uberlieferungen im Vergleich (= Philippika. Altertumswissenschaftliche Abhandlungen. Band 107). Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-447-10787-7.
Bibliographie
- Luis E. Navia: Pythagoras. An Annotated Bibliography. Garland, New York 1990, ISBN 0-8240-4380-4.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur zu Pythagoras im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke uber Pythagoras in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- John J. O'Connor, Edmund F. Robertson: Pythagoras of Samos. In: MacTutor History of Mathematics archive (englisch).
- Carl A. Huffman: Eintrag in Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.Vorlage:SEP/Wartung/Parameter 1 und Parameter 3 und nicht Parameter 2
- Karl Bormann: Artikel ,,Pythagoras" im UTB-Online-Worterbuch Philosophie
- Burnet: Early Greek Philosophy. Pythagoras (Memento vom 12. Januar 2012 im Internet Archive)
- Gottwein, Textauswahl zur vorsokratischen Philosophie
- Ovid uber Pythagoras bei Gutenberg.DE (Memento vom 3. Juni 2009 im Internet Archive)
- Pythagoreische Philosophie und Frommigkeit. Diogenes Laertios, Leben und Meinungen beruhmter Philosophen 8, 8-36 (Memento vom 23. August 2007 im Internet Archive)
- Englische Ubersetzung der Vita Pythagorae des Porphyrios
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- | Zur Datierung Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 51 f.
- | James A. Philip: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Toronto 1966, S. 185 f.; Nancy Demand: Pythagoras, Son of Mnesarchos. In: Phronesis 18, 1973, S. 91-96.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 50 f. beurteilt diese Uberlieferung skeptisch; Peter Gorman: Pythagoras. A Life, London 1979, S. 25-31 hingegen schenkt ihr Vertrauen.
- | Kurt von Fritz: Pythagoras. In: Pauly-Wissowa RE, Bd. 24, Stuttgart 1963, Sp. 172-209, hier: 179-186; James A. Philip: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Toronto 1966, S. 189-191; Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 44-48; Peter Gorman: Pythagoras. A Life, London 1979, S. 43-68; ablehnend Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 57-64.
- | Leonid Zhmud: Pythagoras and the Early Pythagoreans, Oxford 2012, S. 81-83.
- | Zur Datierung Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 176; Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Assen 1966, S. 21-23; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 51 f.; zum antiken Kenntnisstand uber die Datierung siehe Cicero, De re publica 2,28-30 und dazu Karl Buchner: M. Tullius Cicero, De re publica. Kommentar, Heidelberg 1984, S. 197-199.
- | Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Assen 1966, S. 148-150.
- | Siehe dazu Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 203-206.
- | Eduard Zeller, Rodolfo Mondolfo: La filosofia dei Greci nel suo sviluppo storico, Bd. 1(2), 5. Auflage, Firenze 1938, S. 423-425, besonders S. 425 Anm. 2; Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 178 und Anm. 20, S. 182 f.; Rita Cuccioli Melloni: Ricerche sul Pitagorismo, 1: Biografia di Pitagora, Bologna 1969, S. 35-38.
- | Pierre Boyance: Le culte des Muses chez les philosophes grecs, Paris 1937, S. 234-236; Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 178 Anm. 20; Georges Vallet: Le ,,stenopos" des Muses a Metaponte. In: Melanges de philosophie, de litterature et d'histoire ancienne offerts a Pierre Boyance, Rom 1974, S. 749-759.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 180; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 55 f.
- | Leonid Zhmud: Pythagoras and the Early Pythagoreans, Oxford 2012, S. 103 (mit Literaturhinweisen).
- | Diogenes Laertios 8,7.
- | Johan C. Thom: The Pythagorean Golden Verses, Leiden 1995 (Textausgabe mit englischer Ubersetzung, Einfuhrung und Kommentar).
- | Erich Frank vertrat diesen Standpunkt in seiner Untersuchung Plato und die sogenannten Pythagoreer, Halle 1923 radikal; in einer spateren Arbeit (Wissen, Wollen, Glauben, Zurich 1955, S. 81 f.) ruckte er von der extremen Position ab.
- | Zhmud hat seine Position in der 1997 veroffentlichten Monographie Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus ausfuhrlich dargelegt und 2005, auf seither erschienene Literatur eingehend, seine Argumentation zusammengefasst: Leonid Zhmud: Uberlegungen zur pythagoreischen Frage. In: Georg Rechenauer (Hrsg.): Fruhgriechisches Denken, Gottingen 2005, S. 135-151.
- | In der Monographie Weisheit und Wissenschaft (1962); in der uberarbeiteten englischen Ubersetzung Lore and Science in Ancient Pythagoreanism (1972) hat Burkert, auf Kritik reagierend, einige seiner Annahmen geandert.
- | Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 51-60; Peter Gorman: Pythagoras. A Life, London 1979, S. 19 f.
- | Heraklit, Fragment B 129.
- | Zur Deutung des Heraklit-Fragments siehe Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 34-38.
- | Walter Burkert: Platon oder Pythagoras? In: Hermes 88, 1960, S. 159-177.
- | Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Assen 1966, S. 96-102; Robert Joly: Platon ou Pythagore? In: Hommages a Marie Delcourt, Bruxelles 1970, S. 136-148; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 290-292.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 68-70; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 292-295.
- | Aristoxenos, Fragment 23; Aristoteles, Metaphysik 985b23 ff.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 383 f.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 59, 143-145.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 156; Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 32.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 418.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 381 ff.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 60-64, 142-151, 261-279; ebenso Carl A. Huffman: Philolaus of Croton, Cambridge 1993, S. 57-64. Anderer Meinung ist Hermann S. Schibli: On ,The One' in Philolaus, Fragment 7. In: The Classical Quarterly 46, 1996, S. 114-130. Vgl. auch Charles H. Kahn: Pythagoras and the Pythagoreans. A Brief History, Indianapolis 2001, S. 28.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 405 f., 441 ff.; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 160-163.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 431-440; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 170-175.
- | Kurt von Fritz: Die arkhai in der griechischen Mathematik. In: Archiv fur Begriffsgeschichte 1, 1955, S. 13-103, hier: 81 ff.; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 162.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 395, 414-419.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 348-353.
- | Zur antiken Uberlieferung dieser Legende siehe Flora R. Levin: The Harmonics of Nicomachus and the Pythagorean Tradition, University Park (PA) 1975, S. 69-74; zur Nachwirkung im Mittelalter Hans Oppermann: Eine Pythagoraslegende. In: Bonner Jahrbucher 130, 1925, S. 284-301 und Barbara Munxelhaus: Pythagoras musicus, Bonn 1976, S. 36-55.
- | Barbara Munxelhaus: Pythagoras musicus, Bonn 1976, S. 37 f., 50-53.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 192 ff.; Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 350-357; Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 365-372; Barbara Munxelhaus: Pythagoras musicus, Bonn 1976, S. 28 f.
- | Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Assen 1966, S. 162-166; Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 364 f.; Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 355; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 181-183, 233.
- | So ausserte sich noch Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 256 f.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 293-295.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 295-301, 315-328.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 57-64, 202-225; Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 427-438.
- | Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 100-103, 110-115, 434 f.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 328-335.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 219-225.
- | Diogenes Laertios 8,3; vgl. Porphyrios, Vita Pythagorae 21; Iamblichos, De vita Pythagorica 33.
- | Kurt von Fritz: Pythagorean Politics in Southern Italy, New York 1940 (Nachdruck New York 1977), S. 94-97; Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Assen 1966, S. 189-191; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 84.
- | Iamblichos, De vita Pythagorica 37-57; zur Frage des Quellenwerts siehe Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Assen 1966, S. 70-147; Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 186-201.
- | Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 203-206.
- | Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 207-217.
- | Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 217-222.
- | Kurt von Fritz: Pythagorean Politics in Southern Italy, New York 1940 (Nachdruck New York 1977), S. 29-32, 97-99.
- | Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 252-268.
- | Porphyrios, Vita Pythagorae 19.
- | Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 55 f.
- | Griechisch apokhe empsukhon, Iamblichos, De vita Pythagorica 107; 168; 225; Porphyrios, Vita Pythagorae 7 (mit Berufung auf Eudoxos von Knidos).
- | Johannes Haussleiter: Der Vegetarismus in der Antike, Berlin 1935, S. 97-157; Carmelo Fucarino: Pitagora e il vegetarianismo, Palermo 1982, S. 21-31.
- | Zum Forschungsstand siehe Giovanni Sole: Il tabu delle fave, Soveria Mannelli 2004. Vgl. Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 169-171; Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 164-166; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 127 f.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 161-175.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 75-90.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 71, 79-81, 90, 268 ff., 281 f.
- | Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 175-181.
- | Diogenes Laertios 8,43 nennt als Nachfolger des Pythagoras einen seiner Sohne namens Telauges, von dessen angeblicher Tatigkeit als Schulleiter sich jedoch keine Spuren erhalten haben. Iamblichos, De vita Pythagorica 265, schreibt, der Name von Pythagoras' Nachfolger sei Aristaios gewesen.
- | Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 64 ff.; Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 187-202; Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 93-104.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 190 f.; Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 69-73; anders jedoch Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 100-104.
- | Antike Belege sind zusammengestellt von Arthur S. Pease (Hrsg.): M Tulli Ciceronis de natura deorum liber primus, Cambridge (Mass.) 1955, S. 149 f.
- | Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Assen 1966, S. 150-159 und 219; Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer, Zurich/Munchen 1979, S. 177-180.
- | a b Iamblichos, De vita Pythagorica 229-230.
- | Edwin L. Minar: Pythagorean Communism. In: Transactions and Proceedings of the American Philological Association 75, 1944, S. 34-46; Manfred Wacht: Gutergemeinschaft. In: Reallexikon fur Antike und Christentum, Bd. 13, Stuttgart 1986, Sp. 1-59, hier: 2-4.
- | Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism, Assen 1966, S. 233 f.; Clara Talamo: Pitagora e la TRUPhE. In: Rivista di filologia e di istruzione classica 115, 1987, S. 385-404.
- | Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks, Band 1, London 1965, S. 79.
- | Karl Schefold: Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker, Basel 1997, S. 106 f., 412 f., 424 f. (mit Abbildungen); Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks, Band 1, London 1965, S. 79 und Supplement, London 1972, S. 5; Brigitte Freyer-Schauenburg: Pythagoras und die Musen? In: Heide Froning u. a. (Hrsg.): Kotinos. Festschrift fur Erika Simon, Mainz 1992, S. 323-329, hier: 327.
- | Karl Schefold: Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker, Basel 1997, S. 152-155, 344 f.; Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks, Band 1, London 1965, S. 79.
- | Karl Schefold: Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker, Basel 1997, S. 124. Zum spartanischen Relief siehe Volker Michael Strocka: Orpheus und Pythagoras in Sparta. In: Heide Froning u. a. (Hrsg.): Kotinos. Festschrift fur Erika Simon, Mainz 1992, S. 276-283 und Tafeln 60 und 61. Zum samischen Relief siehe Brigitte Freyer-Schauenburg: Pythagoras und die Musen? In: Heide Froning u. a. (Hrsg.): Kotinos. Festschrift fur Erika Simon, Mainz 1992, S. 323-329 und Tafel 71.
- | Heraklit, Fragmente B 40, B 81, B 129. Zweifel an der Echtheit von B 129 sind unbegrundet, siehe Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 35-37.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 29 f.
- | Dieser Ansicht war beispielsweise Theopompos; Belege bei Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 184; siehe auch Bruno Centrone: Introduzione a i pitagorici, Roma 1996, S. 45.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 115 f., 136 f.
- | Fragment B 129. Er nennt dabei Pythagoras allerdings nicht namentlich; der Bezug ist daher nicht zweifelsfrei gesichert, aber vom Inhalt her hochst wahrscheinlich.
- | Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft, Nurnberg 1962, S. 92.
- | Abbildungen bei Christiane Joost-Gaugier: Measuring Heaven. Pythagoras and His Influence on Thought and Art in Antiquity and the Middle Ages, Ithaca 2006, S. 139, 141.
- | Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im fruhen Pythagoreismus, Berlin 1997, S. 39-41.
- | Plinius, Naturalis historia 34,26. Zum Vorgang und seiner Datierung siehe Michel Humm: Les origines du pythagorisme romain (I). In: Les Etudes classiques 64, 1996, S. 339-353, hier: 345-350.
- | Michel Humm: Les origines du pythagorisme romain (I). In: Les Etudes classiques 64, 1996, S. 339-353, hier: 340-345; Peter Panitschek: Numa Pompilius als Schuler des Pythagoras. In: Grazer Beitrage 17, 1990, S. 49-65.
- | Cicero, Tusculanae disputationes 1,38; 4,2.
- | Die von Apollonios verfasste Vita ist verloren. Nach herkommlicher Auffassung war der Verfasser Apollonios von Tyana; anderer Meinung sind Peter Gorman: The ,,Apollonios" of the Neoplatonic Biographies of Pythagoras. In: Mnemosyne 38, 1985, S. 130-144 und Gregor Staab: Der Gewahrsmann 'Apollonios' in den neuplatonischen Pythagorasviten - Wundermann oder hellenistischer Literat? In: Michael Erler, Stefan Schorn (Hrsg.): Die griechische Biographie in hellenistischer Zeit, Berlin 2007, S. 195-217.
- | Christiane Joost-Gaugier: Measuring Heaven. Pythagoras and His Influence on Thought and Art in Antiquity and the Middle Ages, Ithaca 2006, S. 41 f.
- | Zusammenstellung der zahlreichen Belege (auch zur literarischen Verwertung des Motivs) bei Wolfgang Maaz: Metempsychotica mediaevalia. In: psukhe - Seele - anima. Festschrift fur Karin Alt zum 7. Mai 1998, Stuttgart 1998, S. 385-416.
- | Junianus Justinus, Epitoma 20,4.
- | Hieronymus, Epistula adversus Rufinum 39 f. und Adversus Iovinianum 1,42.
- | Augustinus, De civitate dei 8,2; 8,4; 18,37.
- | Boethius, De institutione musica 1,1; 1,10-11; 1,33; 2,2-3.
- | Cassiodor, Institutiones 2,4,1; 2,5,1-2.
- | Isidor von Sevilla: Etymologiae 1,3,7; 3,2; 3,16,1; 8,6,2-3; 8,6,19-20.
- | Wolfgang Harms: Homo viator in bivio. Studien zur Bildlichkeit des Weges, Munchen 1970; Hubert Silvestre: Nouveaux temoignages medievaux de la Littera Pythagorae. In: Le Moyen Age 79, 1973, S. 201-207; Hubert Silvestre: Pour le dossier de l'Y pythagoricien. In: Le Moyen Age 84, 1978, S. 201-209.
- | Vinzenz von Beauvais, Speculum historiale 3,23-26 (nach der Ausgabe Douai 1624; korrekt ware 4,23-26).
- | Die dortige Pythagoras-Biographie ist herausgegeben von Jan Prelog: De Pictagora phylosopho. In: Medioevo 16, 1990, S. 191-251.
- | Christiane Joost-Gaugier: Measuring Heaven. Pythagoras and His Influence on Thought and Art in Antiquity and the Middle Ages, Ithaca 2006, S. 74 f.; Paolo Casini: L'antica sapienza italica. Cronistoria di un mito, Bologna 1998, S. 35 f.
- | Zu diesen Schriften siehe Gregor Staab: Pythagoras in der Spatantike, Munchen 2002, S. 69-72; Alfons Stadele: Die Briefe des Pythagoras und der Pythagoreer, Meisenheim 1980 (Ausgabe der griechischen Texte mit deutscher Ubersetzung und Kommentar).
- | Paolo Casini: L'antica sapienza italica. Cronistoria di un mito, Bologna 1998, S. 57-61.
- | Vincenzo Capparelli: La sapienza di Pitagora, Bd. 1: Problemi e fonti d'informazione, Padova 1941, S. 1.
- | Jerome Carcopino: La basilique pythagoricienne de la Porte Majeure, Paris 1927, S. 163.
- | Minor Planet Circ. 24919
- | Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen - Erweiterte Edition. Teil I und II. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universitat Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-946292-26-5, doi:10.3372/epolist2018.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pythagoras |
| ALTERNATIVNAMEN | Pythagoras von Samos |
| KURZBESCHREIBUNG | griechischer Mathematiker und Philosoph |
| GEBURTSDATUM | um 570 v. Chr. |
| STERBEDATUM | nach 510 v. Chr. |
| STERBEORT | Metapont, Basilicata |