Mixe
Die Mixe oder Mije (in beiden Fallen ['mihe] ausgesprochen) sind ein indigenes Volk in Mexiko.
Die Mixe besiedeln das ostliche Hochland des mexikanischen Bundesstaates Oaxaca. Im Vergleich zu anderen indigenen Volkern Mexikos haben sie sich ein hohes Mass kultureller Eigenstandigkeit bewahrt. Die Mixe-Sprache wird noch von etwa 90.000 Menschen gesprochen. Die Selbstbezeichnung der Mixe lautet ayuukj'a'ay und bedeutet ,,Volk, das die Gebirgssprache spricht".[1] Das Wort ,,Mixe" stammt vermutlich von dem Wort mixtli, was auf Nahuatl ,,Wolke" bedeutet.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Vorfahren der Mixe waren vermutlich die Olmeken, die erste Hochkultur Mittelamerikas.[2] Die Mixe selbst allerdings meinen, dass ihre Ahnen aus den Anden in Sudamerika uber die See nach Mexiko eingewandert seien. Unter der Fuhrung des legendaren Konigs Condoy hatten sie am Fusse des heiligen Berges Cempoaltepetl ein bluhendes Reich errichtet. Uber die Geschichte der Mixe wahrend der prakolumbianischen Zeit ist kaum etwas bekannt. Sicher ist nur, dass die Mixe weder von dem zapotekischen Konigreich von Zaachila noch von den Azteken vollstandig unterworfen wurden.
Nach der Eroberung Zentralmexikos durch die Spanier wurde Diego Sandoval damit beauftragt, die Mixe zu erobern. Sandoval hatte allerdings keinen Erfolg und die Mixe legen bis zum heutigen Tag Wert darauf, als einziges autochthones Volk Mexikos formal nicht besiegt worden zu sein. Seit 1555 gelang es allerdings den Dominikanern, einen grossen Teil der Mixe, insbesondere in den Ortschaften Juquila, Totontepec und Quetzaltepec zu missionieren.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Mixe leben uberwiegend von Subsistenzwirtschaft, insbesondere dem Anbau von Mais, Bohnen, Kurbis und Kartoffeln sowie von Jagd und Fischfang. In den letzten Jahrzehnten begannen die Mixe auch kommerziell Kaffee anzubauen. In den grosseren Stadten werden auch traditionelle Tuch- und Keramikerzeugnisse hergestellt.
Sprache
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Mixe-Sprache ist Teil der Sprachfamilie der Mixe-Zoque-Sprachen und eng verwandt mit den Sprachen Sayula Popoluca und Oluta Popoluca, die in Veracruz gesprochen werden. Die Mixe-Sprache ist eine polysynthetische Ergativsprache. Sie wird in drei Dialekte unterteilt: Das Hochland-Mixe (im nordlichen Hochland um Totontepec und im sudlichen Hochland um Tlahuitoltepec, Ayutla und Tamazulapan), das Mittelhochland-Mixe (in der Gegend um Juquila und Zacatepec) und das Tiefland-Mixe (im Raum um Guichicovi).[3] Die Mixe-Sprache ist wenig dokumentiert und viele Varianten sind uberhaupt nicht verzeichnet. Am besten dokumentiert sind die Dialekte um Totontepec,[4] Ayutla und Coatlan.[5] Fur diese wurden Worterbucher und Kurzgrammatiken von SIL International erstellt.
Sozialstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben der Familie ist der wichtigste soziale Ruckhalt der Mixe das ,,Cargo-System". Unter den Mannern der verschiedenen Dorfer werden zivile und religiose Ehrenamter, die cargos (span. Amter) vergeben. Diese sind auf ein Jahr begrenzt. Es herrscht Amterrotation. Die wenigen Manner, die samtliche verschiedenen cargos innehatten, werden Teil des Altestenrates. Die Konversion vieler Mixe zum Protestantismus hat dieses traditionelle Verwaltungssystem in den letzten Jahren allerdings geschwacht und zu verstarkten sozialen Spannungen gefuhrt.[6]
Religion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Religionsauffassung der meisten Mixe ist synkretisch, so dass romisch-katholische und traditionelle Riten parallel existieren oder verschmelzen. Etwa 85 % der Bevolkerung des Mixe-Gebiets sind romisch-katholisch (Stand: 2016).[7] Ein Bestandteil der Mixe-Religion ist der Nagualismus. Zusatzlich zum katholischen Glaubensbekenntnis verehren die meisten Mixe weiterhin die Gottheiten des traditionellen Pantheons. Zu diesen gehoren unter anderen:
- Poj 'Enee (,,der Donnerwind"), ein Fruchtbarkeits- und Regengott sowie Schutzherr der Mixe-Stadte
- Naaxwiin (,,die Erdoberflache"), eine Erden- und Fruchtbarkeitsgottin
- Yuuk (,,der Herr der Tiere"), die Gottheit der wilden Tiere und der Jagd
Als mannlicher Berggott wird der Zempoaltepetl (Nahuatl fur ,,Zwanzig Gipfel", auf Mixe E'pxyukp) nahe Ayutla verehrt, mit 3280 m die hochste Erhebung des Mixe-Gebiets, wahrend als weibliche Ausformung der Berggottheit der Berg La Malinche im Mittelhochland gilt (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Vulkan in Tlaxcala).[8]
Die Mixe gehoren zu den wenigen indigenen Volkern, die weiterhin den in prakolumbianischer Zeit weit verbreiteten mittelamerikanischen Kalender der K'iche' aus Guatemala verwenden. Die Mixe nutzen diesen Kalender, um die Termine religioser Veranstaltungen festzulegen und die Namen ihrer Kinder zu bestimmen. Die Mixe haben meist zwei Namen: Einen bei der Geburt vergebenen kalendarischen Namen in der Mixe-Sprache und einen spanisch-katholischen Namen, der bei der Taufe vergeben wird.
Die romisch-katholische Seelsorge im Mixe-Gebiet wird, besonders im westlichen Hochland um Ayutla, seit Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem von Patres der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos ubernommen, die mit Errichtung der katholischen Territorialpralatur Mixes (,,Pralatur der Mixe") in den 1960er Jahren eine eigene kirchliche Organisation im Bistumsrang erhielten, deren Bischofskirche sich in Ayutla befindet. Neben Mixe gehoren allerdings auch Zapoteken und Chinanteken zu den Glaubigen der Pralatur.[9]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Servicios del Pueblo Mixe - SER Mixe (spanisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- | Vgl. die Internetprasenz des Instituto Nacional Indigenista. (Memento des Originals vom 26. September 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht gepruft. Bitte prufe Original- und Archivlink gemass Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cdi.gob.mx
- | Lyle Campbell: A Linguistic Look at the Olmec. In: American Antiquity. 41. Jahrgang, Nr. 1, 1976, S. 80-89, doi:10.2307/279044.
- | Soren Wichmann: The Relationship Among the Mixe-Zoquean Languages of Mexico. University of Utah Press, Salt Lake City, 1995, ISBN 0-87480-487-6.
- | Alvin Schoenhals, Louise Schoenhals: Vocabulario Mixe de Totontepec, Serie de Vocabularios Indigenas ,,Mariano Silva y Aceves" Num. 14. SIL, Mexico 1965, D.F.
- | Searle Hoogshagen, Hilda Halloran Hoogshagen: Diccionario Mixe de Coatlan, Serie de Vocabularios Indigenas ,,Mariano Silva y Aceves" Num. 32. SIL, Mexico 1993, D.F.
- | Frank J. Lipp: The Mixe of Oaxaca: Religion, ritual and healing, University of Texas Press, 1991, S. 25.
- | Mexico - The 50th Anniversary of the Mixes Prelature brings together bishops and hundreds of faithful. Agenzia Info Salesiana, 27. Mai 2016 (englisch), abgerufen am 18. Januar 2025.
- | Rodrigo Romero Mendez (Hrsg.): Historias mixes de Ayutla. Asi contaron los abuelos. Te'nte'n ja' Mejja'atyejk Myatya'akt (PDF; 13,2 MB). UNAM, Mexiko-Stadt 2013, S. xxi.
- | Rodrigo Romero Mendez (Hrsg.): Historias mixes de Ayutla.. UNAM, Mexiko-Stadt 2013, S. xxii.