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Metacritic

aus Wikipedia, der freien Enzyklopadie
Metacritic
Reviews / Bewertungen
Sprachen Englisch
Grunder Jason Dietz, Marc Doyle, Julie Roberts
Betreiber Fandom, Inc.
Registrierung Optional
Online seit 2001
https://www.metacritic.com/

Metacritic ist ein englischsprachiger Bewertungs-Aggregator, der Kritiken zu Filmen, DVDs, Musik, Computerspielen, Buchern und Fernsehsendungen sammelt. Dabei wird zu jeder der aufgefuhrten Kritiken ein Auszug mit Hyperlink bereitgestellt. Betreiber der Seite ist seit 2022 Fandom, Inc.

Metacritic ist seit 2001 online.[1] 2005 verkauften die Grunder Marc Doyle, Julie Doyle Roberts und Jason Dietz, die Website an CNET, ein Tochterunternehmen des US-amerikanischen Medienkonzerns CBS Corporation.[2] Im Dezember 2019 ubernahm Metacritic das Personal der eingestellten Konkurrenz GameRankings, die ebenfalls von CBS Interactive betrieben wurde.[3] 2020 kaufte Red Ventures das Netzwerk um CNET ViacomCBS inklusive Metacritic ab.[4] 2022 ubernahm Fandom Metacritic.[5]

Metacritic berechnet fur jedes gelistete Produkt einen sogenannten Metascore zwischen 0 und 100 aus verschieden gewichteten Bewertungen einschlagiger Medien. Die Einstufungen der Seite haben vor allem bei Herstellern von Computerspielen grosses Gewicht, so enthalten Vertrage einiger Publisher Klauseln, nach denen ein guter Metascore von Metacritic zu einer Bonuszahlung an den Entwickler fuhrt. Selbst auf die Aktienkurse beteiligter Unternehmen haben die Bewertungen dieser Seite Einfluss.[6]

Neben den Bewertungen grosser Medien konnen angemeldete Nutzer eigene Bewertungen abgeben. Diese werden auf einer Skala von 0 bis 10 eingeordnet.

Metascore ist die von der Website Metacritic.com in den Vereinigten Staaten rechtlich geschutzte Bezeichnung fur eine Zusammenfassung mehrerer bereits vorhandener Kritiken uber eine mediale Veroffentlichung zu einer ganzzahligen Bewertungszahl zwischen 0 und 100. Diese ermoglicht auf einen Blick eine, wenn auch stark reduzierte, qualitative Einschatzung eines Titels. Dabei bezeichnet ein Metascore von 100 einen Titel von ausgezeichneter Qualitat, und ein Score von 0 einen Titel von nicht vorhandener Qualitat.

Andere Websites, die auf dem gleichen Prinzip basieren (Rotten Tomatoes, GameRankings, OpenCritic), besitzen eigene Bezeichnungen und benutzen den Begriff Metascore nicht. Andere Publikationen verwenden den Begriff jedoch oftmals synonym fur jegliche Wertungsaggregation.

Ermittlung der Bewertungszahl

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In die Bewertung fliessen in der Regel mehrere Dutzend Testberichte verschiedener Publikationen ein, darunter die grossen Printmedien aus der jeweiligen Branche, aber auch - insbesondere bei Konsolen- und PC-Spielen - renommierte Internetpublikationen.[7]

Das von der Kritik vergebene Urteil wird auf die Metascore-Skala von 0 bis 100 Punkten umgerechnet und dann als gewichteter Durchschnitt mit den anderen, zum Titel gehorenden Urteilen zusammengezogen. Die Redaktion behalt sich vor, eine Gewichtung der einzelnen Urteile vorzunehmen, um einzelne Pressevertreter starker zu gewichten. Diese Faktoren werden jedoch nicht transparent dargestellt.[8]

Metascore in einem Steam-Konto

Metascore-Bewertungen finden sich beispielsweise im Online-Katalog der Computerspiel-Vertriebsplattform Steam und der zugehorigen Benutzerkonten-Verwaltung wieder. Sofern vorhanden, wird fur jedes Spiel der Metascore auf der entsprechenden Produktseite, in der Spieleliste oder ahnlichen Unterseiten eingeblendet.

Innerhalb der Spielebranche wirkt sich der Metascore vielfach auch auf die Vertragsbedingungen zwischen Entwicklern und Publishern aus, was auf mitunter kontroverse Ansichten stosst. Grossere Aufmerksamkeit erregte eine Aussage des Game Designers Chris Avellone im Marz 2012 auf Twitter, wonach sein Entwicklungsstudio Obsidian Entertainment eine Bonuszahlung fur die Entwicklung von Fallout: New Vegas verpasst habe, da der Metascore statt 85 nur 84 Punkte betragen habe.[9][10] In Summe soll dem Entwicklerstudio dadurch ein Erfolgsbonus in Hohe von einer Million US-Dollar entgangen sein. Nach einer Aussage der Game Designerin Kim Swift vom April 2013 dient der Metascore der vorherigen Arbeiten zudem oftmals als Grundlage fur Vertragsverhandlungen zwischen Publisher / Finanziers und Entwicklern. Von Befurworterseite dieses Verfahrens wird angefuhrt, dass dies gerade bei hohen Finanzierungssummen als Sicherheit und Vertrauensbasis fur den Geldgeber diene. Kritiker bemangeln, dass dies von Geldgeberseite lediglich als Rechtfertigung genutzt werde, um die Erfolgsbeteiligung der Entwickler unabhangig vom Verkaufserfolg deutlich reduzieren zu konnen. Das hat mitunter zur Folge, dass begleitend zur Entwicklung Massnahmen ergriffen werden, die nicht zur Verbesserung des Spiels, sondern zur potentiellen Erhohung des Metascores dienen, etwa die Ausschaltung oder Einschrankung besonders kritischer Journalisten und Tester.[11]

Auf seiner Website hat Metacritic angemeldeten Privatpersonen (User, englische Bezeichnung fur Nutzer) die Moglichkeit eingeraumt, selbst Kritiken, nebst einer Bewertung (Punktzahl von 1 bis 10 Punkte) zu veroffentlichen. Jene Bewertung wird als User-Score bezeichnet. Ein einmal vergebener User-Score kann nur noch editiert, nicht jedoch geloscht werden. Eine Verifizierung, ob ein Spiel auch gespielt wurde, gibt es nicht.[12] Der Durchschnitt aller User-Bewertungen wird neben dem Metascore als User-Score angezeigt. Nach einem Review Bombing an einem Videospiel, das noch nicht erschienen war, entschied Metacritic die privaten Rezensionen auf der eigenen Website erst 36 Stunden nach der Veroffentlichung von Titeln zuzulassen.[13]

Einzelnachweise

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  1. | Carsten Gorig: Die unheimliche Macht des Durchschnitts. In: Der Spiegel. 30. November 2011, abgerufen am 2. Oktober 2012.
  2. | Nick Wingfield: High Scores Matter To Game Makers, Too. In: The Wall Street Journal. 20. September 2007. Auf WSJ.com (englisch), abgerufen am 18. Dezember 2022.
  3. | GameRankings.com: Big News from the GameRankings / Metacritic Team. (Memento vom 9. Dezember 2019 im Internet Archive)
  4. | Red Ventures ubernimmt CNET inklusive Metacritic, GameSpot und Giantbomb. In: GamersGlobal. Abgerufen am 7. Mai 2023.
  5. | Stephan Steininger: Fandom kauft Metacritic, Gamespot, TV Guide und weitere Brands. In: GamesMarkt. Abgerufen am 7. Mai 2023.
  6. | Hartmut Gieselmann: "Ein hassliches Spiel" und die Entlassung eines Gamespot-Redakteurs. In: heise online. 3. Dezember 2007, abgerufen am 2. Oktober 2012.
  7. | Martin Dietrich: Metacritic: Wie es funktioniert und welche Gefahren es birgt. In: GameStar. 5. Marz 2024, abgerufen am 18. August 2024 (deutsch).
  8. | Olaf Bleich, Benedikt Plass-Flessenkamper, Katharina Pache: Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon ubrig ist! In: PC Games. 16. Oktober 2022, abgerufen am 18. August 2024.
  9. | Ben Gilbert: Obsidian missed Fallout: New Vegas Metacritic bonus by one point. In: Joystiq. AOL, 15. Marz 2012, archiviert vom Original am 13. Februar 2015; abgerufen am 13. April 2013 (englisch).
  10. | Jason Schreier: Why Are Game Developer Bonuses Based On Review Scores? In: Kotaku. 15. Marz 2012, abgerufen am 13. April 2013 (englisch).
  11. | Jason Schreier: Metacritic Matters: How Review Scores Hurt Video Games. In: Kotaku. 11. April 2013, abgerufen am 13. April 2013 (englisch).
  12. | Olaf Bleich, Benedikt Plass-Flessenkamper, Katharina Pache: Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon ubrig ist! In: PC Games. 16. Oktober 2022, S. 2, abgerufen am 29. September 2024.
  13. | Marcel Kleffmann: Spielkultur: Erste Massnahmen gegen "Review-Bombing" bei Metacritic nach The Last of Us Part 2. In: 4Players. 18. Juli 2020, abgerufen am 20. Juli 2020.