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Kleie

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum katholischen Pfarrer und Lagerbuch-Fuhrer siehe Hinricus Kleie. Zur Bodenklasse siehe Gleye. Zum schweren Marschboden siehe Klei.

Kleie (althochdeutsch kli(w)a, zuruckgehend auf indogermanisch *glei- ,klebrig';[1] lateinisch furfur bzw. cantabrum, mittellateinisch[2] auch palea) ist ein Sammelbegriff fur die bei der Getreideverarbeitung nach Absieben des Mehles zuruckbleibenden Ruckstande aus Schalen (Samenschale, Fruchtschale), der Aleuronschicht und dem Keimling. Kleie ist ein Muhlennachprodukt und nicht zu verwechseln mit den Spelzen.

Weizenkleie
Kleiekotzer aus dem 18. Jahrhundert; am Auslauf der Kleie aus dem Beutelkasten waren oft solche Masken angebracht

Kleie wurde fruher vorwiegend als Futtermittel verwendet. Im Rahmen der Vollwerternahrung hat Kleie als Ballaststofflieferant zur menschlichen Ernahrung zunehmende Bedeutung (etwa in Musli, Grahambrot oder in Knackebrot) gewonnen. Kleie besteht hauptsachlich aus den Nichtstarke-Kohlenhydraten Cellulose und Hemicellulose sowie aus Lignin.

Mullerische Gewinnung

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Da Kleie im Wesentlichen aus den Randschichten des Getreidekorns besteht, muss das Getreide vor der Vermahlung grundlich von anhaftendem Schmutz, Mikroorganismen und eventuellen anderen Kontaminanten gereinigt werden. Dies geschieht in der Getreidemuhle durch die Schwarz- und Weissreinigung.

Kleie ist der nach der Vermahlung und Absiebung des Mehles (Plansichter) verbleibende Ruckstand aus Randschichten und Keimlingen. Als Muhlennachprodukt sollte Kleie hochstens 20 % Starke enthalten. Die Zusammensetzung der Kleie hangt von der angewandten Mullereitechnologie ab. Bei Vollkornmehlen oder -schroten wird die Kleie mitvermahlen.

Zusammensetzung

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Durchschnittliche Zusammensetzung

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Die Kleie ausgewahlter Getreidearten weist folgende Zusammensetzung auf:[3]

Inhaltsstoff (%) Weizen Roggen Hafer Reis Gerste
Nichtstarke-Kohlenhydrate 45-50 50-70 16-34 18-23 70-80
Starke 13-18 12-15 18-45 18-30 8-11
Protein 15-18 8-9 13-20 15-18 11-15
Fett 4-5 4-5 6-11 18-23 1-2

Durchschnittliche Zusammensetzung von Weizenkleie

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Die Zusammensetzung von Weizenkleie schwankt naturgemass, sowohl in Abhangigkeit von den Umweltbedingungen (Boden, Klima) als auch von der Anbautechnik (Dungung, Pflanzenschutz).

Angaben je 100 g essbarem Anteil:[4]

Bestandteile
Wasser 11,5 g
Eiweiss 14,9 g*
Fett 4,7 g
Kohlenhydrate 17,3 g**
Ballaststoffe 45,4 g
Mineralstoffe 6,2 g
Mineralstoffe
Natrium 2 mg
Kalium 1350 mg
Magnesium 490 mg
Calcium 65 mg
Mangan 13 mg
Eisen 16 mg
Kupfer 1300 ug
Zink 9400 ug
Phosphor 1140 mg
Jodid 30 ug
Selen 2 ug
Vitamine
Retinol (Vit. A1) 1 ug
Thiamin (Vit. B1) 650 ug
Riboflavin (Vit. B2) 510 ug
Nicotinsaure (Vit. B3) 18 mg
Pantothensaure (Vit. B5) 2500 ug
Vitamin B6 730 ug 1
Folsaure 195 ug
Vitamin E 2700 ug
Aminosauren
Arginin 1230 mg
Histidin 440 mg
Isoleucin 770 mg
Leucin 1120 mg
Lysin 720 mg
Methionin 250 mg
Phenylalanin 650 mg
Threonin 590 mg
Tryptophan 250 mg
Tyrosin 460 mg
Valin 880 mg

* Eiweissgehalt nach der EU-Richtlinie zur Nahrwertkennzeichnung; (Faktor: 6,25):16,0 g
** Differenzberechnung
1) Vitamin B6 kaum bioverfugbar[5]
1 mg = 1000 ug

Der physiologische Brennwert von Weizenkleie betragt ca. 720 kJ/100 g (172 kcal/100 g), bei Haferkleie sind es ca. 1.312 kJ/100 g (309 kcal/100 g).

Gesundheitliche Bedeutung

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Die quellfahigen und schleimbildenden Bestandteile der Kleie (b-D-Glucan und wasserlosliche Xylane) sorgen dafur, dass der Blutzuckeranstieg nach Starkeaufnahme verzogert wird, was bei Menschen mit Diabetes erwunscht ist.[3] Neben Vitaminen und Mineralstoffen sind in den Randschichten des Getreides auch unerwunschte Inhaltsstoffe wie Abwehrstoffe gegen Frassfeinde (etwa Phytin) und Verunreinigungen (etwa Pestizide, Schwermetalle und Schimmelpilzgifte) konzentriert. Phytin bindet im Darm Mineralstoffe und Vitamine und verhindert dadurch die Verwertung dieser Stoffe fur die Ernahrung.[6]

Bei der Verwendung von Kleie zur menschlichen Ernahrung muss auf eine ausreichende Flussigkeitszufuhr geachtet werden, da es sonst zu schwerwiegenden Verstopfungen kommen kann. Im schlimmsten Fall kann es zu einem lebensbedrohenden Darmverschluss kommen.

Kleie (lateinisch Cantabrum[7]), fruher auch Kleibe[8] und Kleib[9] genannt, war und ist als Futterbestandteil insbesondere fur Pferde wegen ihres hohen Fett-, Protein- und Magnesiumgehaltes geschatzt. Die Proteine sind jedoch nicht gut verwertbar. Kleie enthalt uberdies sehr viel Phosphor, sodass das Verhaltnis Phosphor/Calcium ungunstig ist. Das fuhrte fruher zur Mullerpferdekrankheit und kann durch Zugabe von Kalk vermieden werden. Kleie ist in manchen Mash-Rezepten enthalten und dient eingeweicht der Zufutterung (max. 10 %).[10][11][12]

  • Wilfried Seibel (Hrsg.): Warenkunde Getreide. AgriMedia, Bergen/Dumme 2005, ISBN 3-86037-257-2.
  • Peter Erling (Hrsg.): Handbuch Mehl- und Schalmullerei. AgriMedia, Bergen/Dumme 2004, ISBN 3-86037-230-0.

Einzelnachweise

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  1. | Friedrich Kluge, Alfred Gotze: Etymologisches Worterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck (,,21. unveranderte Auflage") ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 376.
  2. | Vgl. Lorenz Diefenbach: Glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis. Joseph Baer, Frankfurt am Main 1857, S. 406.
  3. | a b Waldemar Ternes, Alfred Taufel, Lieselotte Tunger, Martin Zobel (Hrsg.): Lebensmittel-Lexikon. 4., umfassend uberarbeitete Auflage. Behr, Hamburg 2005, ISBN 3-89947-165-2.
  4. | Deutsche Forschungsanstalt fur Lebensmittelchemie (DFA), Garching (Hrsg.): Lebensmitteltabelle fur die Praxis. Der kleine Souci * Fachmann * Kraut. 4. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8047-2541-6, S. 244.
  5. | Hans Konrad Biesalski: Vitamine, Spurenelemente und Minerale: Indikation, Diagnostik, Therapie. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, 2019, ISBN 978-3-13-242738-9, S. 107, doi:10.1055/b-0039-168614.
  6. | Helmut Sigel: Zinc and Its Role in Biology and Nutrition. Dekker, New York 1983, ISBN 0-8247-7462-0 (Metal Ions in Biological Systems. Band 15), S. 333.
  7. | Otto Bessler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 167 (,,Cantabrum - clighe von den ghersten", Kleie von Getreidearten, insbesondere von Weizen oder Gerste).
  8. | Gundolf Keil: Die ,,Cirurgia" Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 408 (Kleibe: die aussere zerriebene Zellschicht von Getreidekornern, die durch Sieben (Beuteln) von Mehl getrennt wird, Kleie).
  9. | Fruhneuhochdeutsches Worterbuch.
  10. | https://www.pferdchen.org/Pferde/Ernaehrung/Pferdefutter/Weizenkleie.html, abgerufen am 13. Jan. 2018.
  11. | https://www.pavo-futter.de/beratung/f%C3%BCtterung-und-zucht/pferdefutter-und-rohstoffe-welches-pferdefutter-fuer-ihr-pferd, abgerufen am 13. Jan. 2018.
  12. | https://www.dr-susanne-weyrauch.de/gesundheit/futtermittel/weizenkleie, abgerufen am 13. Jan. 2018.
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4164090-1 (GND Explorer, lobid, OGND, AKS)