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Commodities

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Commodities: gruner, weisser und schwarzer Pfeffer

Commodities (Plural von englisch commodity, nur im Plural verwendet; [k@'mad@tiz]) ist ein Anglizismus fur an Warenborsen gehandelte, standardisierte und in der einzelnen Art homogene Handelswaren. Darunter konnen Agrarprodukte, Metalle, Energie sowie standardisierte Investitionsguter und Konsumguter fallen.

Voraussetzungen fur die Handelbarkeit von Commodities an Borsen ist ein hohes Mass an Standardisierung, Fungibilitat und Konformitat (wie bei Brent Blend oder Goldbarren). Hierdurch mussen sie an Borsen nicht - wie typischerweise die Waren auf Markten - prasent sein, denn der Kaufer kann ein qualitativ gleichbleibendes Produkt erwarten, das quantitativ in festgelegten Einheiten vorliegt. Innerhalb ihrer Gattung besitzen sie geringe oder keine Qualitatsunterschiede und kein Differenzierungspotenzial. Das ermoglicht die Anwendung von bei Finanzinstrumenten gangigen Handelstechniken und -organisation. Deshalb sind auf Commodities die Finanzkontrakte wie Kassageschafte mit Kassakursen, Termingeschafte mit Terminkursen anwendbar, es gibt Borsen samt Borsenaufsicht, Handelsusancen und Handelsstrategien.

Die borsenmassige Standardisierung von Agrarprodukten ging von den USA aus. Dort begann im April 1848 der Chicago Board of Trade mit einem Kassamarkt fur Getreide. Im Jahre 1858 standardisierte man Terminkontrakte - die damals noch anders hiessen (englisch ,,to-arrive contracts") - insbesondere um die Qualitat von Getreide sicherzustellen.[1]

Im Oktober 1865 gab es formale Handelsregeln insbesondere zu den Lieferpflichten der Verkaufer. Im September 1870 begann die New York Cotton Exchange, im Mai 1872 folgte die Butter and Cheese Exchange of New York, Vorgangerin der heutigen New York Mercantile Exchange (NYMEX); die Coffee, Sugar and Cocoa Exchange entstand im Marz 1882. Als erste Metallborse eroffnete im Januar 1877 die noch heute existierende London Metal Exchange.

Im Juli 1898 begann in den USA die Besteuerung von Kassa- und Termingeschaften. Im August 1914 trat der Cotton Futures Act uber Baumwoll-Termingeschafte in Kraft, es folgte im August 1921 der allgemeinere Futures Trading Act uber Termingeschafte in allen Getreidearten. Durch Zusammenschluss der National Metal Exchange, Rubber Exchange of New York, National Raw Silk Exchange und der New York Hide Exchange entstand im Januar 1933 die Commodity Exchange,[2] die seit 1994 eine Tochtergesellschaft der NYMEX ist. Sie vereinigte mit Metallen, Gummi und Rohseide die unterschiedlichsten Basiswerte in einer Borse. Im August 1958 stoppte ein Verbot den Terminhandel in Zwiebeln. Im Februar 1968 wurde der Commodity Exchange Act um Vieh und Viehprodukte (Schweinebauche, englisch pork bellies), im Juli 1968 um Orangensaftkonzentrate erweitert. Die Warenterminborse Hannover wurde im Juli 1996 als Terminborse fur landwirtschaftliche Erzeugnisse gegrundet und ist die erste vollcomputerisierte Warenterminborse in Deutschland. Die European Energy Exchange entstand im Marz 2002 und ist ein Marktplatz fur Energie und energienahe Produkte.

Begriffsumfang und Arten

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Der aus dem spaten Mittelenglischen stammende Begriff geht auf ,,Bequemlichkeit" (lateinisch commoditas) und ,,komfortabel" (lateinisch commodus) zuruck. Der Umfang des Begriffs Commodities war und ist bis heute in seiner Verwendung nicht einheitlich. Mit Commodities wurden in Deutschland lange Zeit Agrarguter assoziiert. Gemass Tietje/Gotting/Gruber/Ludemann u. a. (2015) wurden dagegen eigentlich nur Rohstoffe mit Commodities gleichgesetzt; eine voranschreitende Commoditisierung messe heute immer mehr Gutern den Status von Commodities zu.[3]

Nach einer gangigen Fassung des Begriffs lassen sich Commodities in drei Kategorien Agrarprodukte, Metalle und Energie einteilen:

In der neueren Fachliteratur werden die Unterarten Soft commodities und Hard commodities unterschieden.[5] Soft commodities sind Waren, die angebaut oder als Nutztiere gehalten werden (Kaffee, Baumwolle, Vieh), hard commodities bezeichnet hingegen abbaubare Guter (Gold, Silber, Kupfer, Erdol).

Der US-amerikanische Commodities Exchange Act (CEA) umfasst heute auch Aktienindizes, Wahrungen oder US-Bundesanleihen (USC Title 7, Sec. 1a (4), (13)).

Commodities bilden lediglich ein Teilsegment der Handelswaren. So gehort beispielsweise Kaffee in der standardisierten Rohform (Sack Robusta-Kaffee, Handelseinheit: 60 kg) zu den Commodities, die 500-g-Packung Rostkaffee im Supermarkt hingegen ist eine Handelsware. Unter Commoditisierung ist ein Trend zur Vermehrung der Arten handelbarer Gegenstande zu verstehen, etwa im Bankwesen die zunehmende Standardisierung der Bankprodukte und Dienstleistungen. Commodities bilden den Basiswert fur verschiedene derivative Finanzinstrumente (englisch commodity derivatives).[6]

Preisermittlung

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Im Handel werden die verschiedenen Handelsobjekte in handelsublichen, infinitesimal kleinen Mengeneinheiten dargestellt. Beispielsweise ist bei Gold die Masseinheit die Feinunze, so dass eine Feinunze (Mengeneinheit) zu 2640 US-Dollar den Goldpreis von 2640 US-Dollar ergibt (Stand: 3. Januar 2025). Dabei wird der Rohstoffpreis fur die einzelnen Handelsobjekte wie folgt ermittelt:[7]

Handelsobjekt Rohstoffpreis Masseinheit
Handelswaren Warenpreis Sack: Rohkaffee
Primarenergietrager Olpreis Barrel: Rohol
Bodenschatze (Edelmetalle) Goldpreis

Silberpreis

Feinunze

Feinunze

Landwirtschaftliche Erzeugnisse Erzeugerpreis Schweinehalften

Handelswaren werden in standardisierten Einheiten gehandelt, beispielsweise in Barrel fur Rohol oder in Feinunzen bei Edelmetallen. ,,Papierkaffee" (virtueller, an Warenborsen gehandelter Rohkaffee) wird als Sack zu 60 kg Gewicht (Brasilien) bzw. 69 kg (Mittelamerika) gehandelt. Zur Standardisierung von Rohkaffee gehort noch die Unterscheidung zwischen Arabica-Kaffee und Robusta-Kaffee.

Handelsstrategien

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Die Handelsstrategien des Finanzmanagements werden auch auf Commodities angewendet. Arbitrage, Spekulation und Sicherungsgeschafte sind auch bei Commodities moglich. Bei Edelmetallen tendieren Guternachfrager zur Buy-and-hold-Strategie.

Kassakurse reflektieren eine sofortige Erfullung, wahrend Waren im Terminhandel Lagerkosten verursachen, die die Transaktionskosten erhohen. Die Spanne zwischen Kassakurs (englisch spot price) und Terminkurs (englisch forward price) beinhaltet bei Commodities Kapitalkosten und Lagerkosten sowie die Pramie fur die sofortige Verfugbarkeit des Basiswerts.[8] Bei Rohstoffen besteht haufig eine als Backwardation oder Deport-Markt bezeichnete Marktsituation, bei der der Kurswert fur die sofortige Verfugbarkeit uberwiegt und deshalb die Kassakurse hoher liegen als die Terminkurse. Das Gegenteil mit hoheren Terminkursen heisst Contango; beide sind fur Spekulations- und Arbitragegeschafte geeignet. Der Backwardation-Effekt wurde 1930 von John Maynard Keynes beschrieben,[9] der davon ausging, dass sich Unternehmen gegen fallende Rohstoffpreise durch Terminverkaufe absichern wollen und dafur bereit sind, eine Pramie an den Kaufer zu zahlen. Da das Angebot an Terminverkaufen die Nachfrage an Terminkaufen ubersteigt, kommt es zu niedrigeren Terminkursen gegenuber den Kassakursen.

Diskutiert wird, ob die Spekulation die Rohstoffpreise beeinflusst oder nicht. Spekulationsbedingt steigende Nahrungsmittelpreise wurden die Armut in Schwellenlandern erhohen und auch in Industrielandern viele Bezieher niedriger Einkommen treffen. In einer empirischen Analyse der Preise von Agrarrohstoffen im Zeitraum 2006-2013 auf den Terminmarkten gelangten Okonomen des Instituts fur Weltwirtschaft im Marz 2014 zu der Auffassung, dass Akteure durch ihre Aktivitaten auf den Terminmarkten lediglich zu Preissteigerungen fur Kakao und Lebendrinder beigetragen haben. Fur alle anderen untersuchten Agrarrohstoffmarkte ist dagegen mit den angewandten Analysemethoden kein Einfluss von spekulativen Aktivitaten auf die Rohstoffpreise nachweisbar.[10] Dem Mineralolwirtschaftsverband zufolge sind allerdings rund 90 % der Marktteilnehmer im Handel mit Olterminkontrakten spekulativ tatig und haben kein Interesse am Besitz des Ols, sondern versuchen, aus Preisanderungen Gewinne zu erzielen.[11]

Commons: Commodities - Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. | Ted P. Schmidt: The Political Economy of Food and Finance. Routledge, 2015 (eingeschrankte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. | Ulrich Becker, Lexikon Terminhandel: Finanz- und Rohstoff-Futures, 1994, S. 138
  3. | Christian Tietje/Horst-Peter Gotting/Urs Peter Gruber/Jorn Ludemann u. a. (Hrsg.), Internationales Wirtschaftsrecht, 2015, S. 298
  4. | Otto Palandt/Walter Weidenkaff, BGB-Kommentar, 73. Auflage, 2014, SS 433 Rn. 8 und SS 453 Rn. 6
  5. | Heribert Meffert, Commodities, in: Hermann Diller (Hrsg.), Vahlens grosses Marketing-Lexikon, 2001, S. 158
  6. | Wolfgang Grill/Ludwig Gramlich/Roland Eller (Hrsg.), Gabler Bank Lexikon: Bank, Borse, Finanzierung, 1996, S. 361
  7. | Bernd Rudolph, Borsenkurs, in: Wolfgang Luck (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 1990, S. 203; ISBN 3-478-37624-6
  8. | Marc Engelbrecht, Asset Allocation im Private Banking, 2015, S. 144
  9. | John Maynard Keynes, A Treatise on Money, 1930, S. 143
  10. | Institut fur Weltwirtschaft, Spekulation hat keinen Einfluss auf die Rohstoffpreise, Medieninformation vom 11. Marz 2014 (Memento des Originals vom 8. August 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht gepruft. Bitte prufe Original- und Archivlink gemass Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ifw-kiel.de
  11. | Mineralolwirtschaftsverband e. V., Preisbildung am Roholmarkt, 2004, S. 39