Chiptune
Chiptunes bilden ein Genre innerhalb der computererstellten Musik, das sich durch einen charakteristischen kunstlichen Klang auszeichnet. Der Ursprung liegt in der Heimcomputer- und Telespiele-Ara.
Die ursprunglichen Chiptunes wurden durch Soundchips mit relativ primitiven Tongeneratoren erzeugt. Hierbei konnten in Echtzeit 3 bis 4 Tone parallel erzeugt werden. Gegenuber dem primitivsten elektronischen Tongenerator, der nur einen sinusformigen Piepton erzeugt, konnten diese Soundchips bereits die Wellenform unterschiedlich beeinflussen und zudem Rauschen erzeugen. Das Ergebnis klingt so klar erkennbar kunstlich, auch wenn sich unterschiedliche Musikinstrumente hineininterpretieren lassen.
Ein verwandtes Genre ist der Bitpop.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Begriff Chiptune stammt aus der Ara des Heimcomputers Amiga, der mit seinem Dateiformat Mod Musikern bereits die Moglichkeit bot, mit Samples zu arbeiten und ihnen damit grossere Freiheiten hinsichtlich des Klangs verschaffte. Dies ging trotz erheblicher technischer Einschrankungen in Richtung moderner Synthesizer, die naturliche Musikinstrumente tauschend echt imitieren konnen. Verwendete ein Musiker weiterhin die Tongeneratoren der damaligen Soundchips konventionell, oder klang das Ergebnis zumindest so, wurde sein Werk als ,,Chiptune" bezeichnet, um es von der moderneren Sampling-Musik abzugrenzen.
Chiptunes weisen normalerweise eine geringe Datenmenge auf, sehr ahnlich dem MID-Dateiformat basierend auf MIDI, und fanden deshalb oft Verwendung in Intros aus der Demoszene- sowie Cracktros von Releasegroups aus der Warez-Szene, bei denen es notig ist, moglichst wenig Speicherplatz zu belegen.
Echte Chiptunes stehen heute noch in einer Nische ausserhalb von Techno, Elektropop, Industrial u. a., erinnern aber oft an diese Genres. Auch gegenuber Klingeltonen grenzt sich die Szene ab und mochte nicht damit in Verbindung gebracht werden. Der Anspruch, die Musik mit modernen Trackern aus Sprachsamples und Effekten zu gestalten, geht weit daruber hinaus. Einige ,,Chiptuner" sehen im Techno bzw. in der Techno-Welle der 1990er nur einen Ableger ihrer Arbeit, eine Inflationierung ihres fruheren Werks und die Degenerierung der ursprunglichen Chiptunes fur den Massengeschmack, obgleich sich einige auch erfolgreich dort wiedergefunden haben.
Komposition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Charakteristisch fur Chiptunes ist das seltene Vorkommen von tatsachlich mehrstimmigen Akkorden im klassischen Sinn. Bei Chiptunes werden Akkorde normalerweise uber Arpeggios gebildet, um Tonspuren einzusparen. Diese Einschrankung basiert darauf, dass die ersten Soundchips selten mehr als drei Tonkanale parallel abspielen konnten - das Spielen eines Akkords hatte haufig alle verfugbaren Kanale belegt.
Aufgrund dieser ,,Stimmenknappheit" besitzen viele Chiptunes einen sehr komplexen Aufbau. Um mehr als nur drei Instrumente erklingen zu lassen, werden die Lucken in einer Melodie, beispielsweise der des Basses, genutzt, um dort ein anderes Instrument oder eine Begleitstimme erklingen zu lassen. Somit befinden sich auf einem Kanal zwei oder mehr Melodien oder Stimmen. Diese Technik bietet sich dafur an, Rhythmen mit vielen vorgezogenen Elementen zu verwenden. Im Bereich der SID-Tunes hat sich so ein sehr funkiger Stil entwickelt.
Eine weitere Technik, um mehr Stimmen einzubauen, findet sich oft auf dem Kanal, wo Bass und die Schlaginstrumente zu horen sind. Vor die einzelnen Basstone wird fur den Bruchteil einer Sekunde ein Rauschen gesetzt. Dies erzeugt den Eindruck einer Art Hi-Hat eines Schlagzeugs. Durch die Aufhebung der Kanalbegrenzung moderner Tracker gibt es fur Komponisten heute jedoch weitgehend keine technische Einschrankungen mehr.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Nils Dittbrenner: Soundchip-Musik. epOs-Music, Osnabruck 2007, ISBN 978-3-923486-94-6
- Julia Mihaly: low tech music for high tech people. In: MusikTexte, 155, 2017.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Horbeispiel: Ein fur den Nintendo-Entertainment-System-Soundchip generierter klassischer Chiptunei/?
- Interview von Radio Unerhort Marburg mit dem Micromusic-Headquarters Berlin uber micromusic.net und Chipmusik im Allgemeinen
- Chiptune Online Player: Amiga, C64, AtariST, Mod
Dieser Artikel ist als Audiodatei verfugbar:
- Speichern
- 07:06 Minuten
- 3,3 MB
- Text der gesprochenen Version (22. November 2014)