Timo Jouko Herrmann
Timo Jouko Herrmann (* 22. September 1978 in Heidelberg) ist ein deutscher Komponist, Musikwissenschaftler und Dirigent.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Herrmann studierte Komposition bei Ulrich Leyendecker an der Staatlichen Hochschule fur Musik und Darstellende Kunst Mannheim. Weitere Anregungen erhielt er wahrend seiner Studienzeit in Workshops und Kursen bei Hermann Schafer, Krzysztof Meyer, Detlev Glanert, Roberto Doati und Wladimir Sagorzew.
Seine Kompositionen erklangen bei zahlreichen Festivals (u. a. bei den Salzburger Festspielen mit dem Fagottisten David Petersen), im Rundfunk (SWR2, Deutschlandradio Kultur, MDR Figaro) und wurden von Musikern wie dem Bassbariton Falk Struckmann, der Sopranistin Sonja Muhleck, dem Bassklarinettisten Volker Hemken, dem Saxophonisten Dieter Kraus, der Flotistin Carin Levine, dem Pianisten Stephan Rahn oder dem Sonic.art Saxophonquartett uraufgefuhrt. Am Theater der Stadt Heidelberg kamen mehrere seiner musiktheatralischen Werke zur szenischen Erstauffuhrung, darunter 2004 die satirische Kammeroper Unreine Tragodien und aussatzige Dramatiker sowie 2007 seine kompositorischen Beitrage zum spartenubergreifenden Projekt Das neue Wunderhorn unter der Leitung von Cornelius Meister.[1] Im Auftrag des Gewandhausorchesters Leipzig verfasste Herrmann mehrere Werke und Bearbeitungen, zuletzt eine Serie von Fabeln nach Jean de La Fontaine sowie das szenische Richard-Strauss-Projekt Wenn der Mond aufgeht, lernst du fliegen in der Regie von Philipp J. Neumann.[2] Die Oper Dortmund brachte in der Spielzeit 2016/17 seine Kammeroper Hamlet - Sein oder Nichtsein in der Regie von Ronny Jakubaschk zur Urauffuhrung.[3] Die auf Anregung des Pianisten Martin Stadtfeld entstandenen Orchestrationen von Frederic Chopins Allegro de concert op. 46 und Bolero op. 19 wurden bei der Erstauffuhrung im Marz 2017 von Publikum und Presse als ,,Bereicherung der entsprechenden Literatur" gelobt.[4] Herrmanns Kompositionen erscheinen beim Verlag Neue Musik[5] und beim Friedrich Hofmeister Musikverlag in Druck.
Parallel zu seiner kunstlerischen Tatigkeit promovierte Herrmann 2015 bei Hermann Jung uber Antonio Salieri und dessen deutschsprachige Werke fur das Musiktheater. Internationale Bekanntheit als Musikwissenschaftler erlangte er Anfang 2016 durch die Wiederentdeckung des verschollenen, von Mozart und Salieri gemeinschaftlich vertonten Freudenliedes Per la ricuperata salute di Ofelia.[6] Anlasslich der spanischen Erstauffuhrung des Werkes am 1. September 2016 wurde Herrmann in Valladolid durch die Enthullung einer Gedenktafel am Hauptportal des Real Monasterio de San Joaquin y Santa Ana geehrt.[7]
Neben seiner Tatigkeit als Komponist und Musikwissenschaftler ist Herrmann auch als Violinist und Ensembleleiter aktiv; als Gastdirigent leitet er regelmassig das Mannheimer Mozartorchester und die Heidelberger Sinfoniker.[8] Das von ihm konzipierte und unter seiner Leitung mit den Heidelberger Sinfonikern aufgenommene Album Salieri - strictly private wurde 2020 in drei Kategorien fur den Musikpreis Opus Klassik nominiert.[9] Auch Herrmanns nachfolgendes Album Salieri & Beethoven in Dialogue wurde 2021 in drei Kategorien fur den Opus Klassik nominiert. Seit 2009 ist Herrmann kunstlerischer Leiter des Festivals ,,Walldorfer Musiktage" in seiner Heimatstadt Walldorf (Baden).[10] Zum Beginn der Saison 2019/20 ubernahm er dort auch den Posten des stadtischen Musikbeauftragten.[11]
Auszeichnungen und Stipendien (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kompositionspreis der SAP AG und der Stadt Walldorf (2001)
- Stipendium der Wilhelm-Muller-Stiftung Mannheim (2001)
- Kompositionspreis ,,Goethe vs. Schiller" des Goethe-Institutes Heidelberg-Mannheim (2005)
- Gebruder-Graun-Preis (2005)
- Auswahl Berliner Opernpreis (2006)
- Stipendium der Vereinigung Yehudi Menuhin Live Music Now (2006-2010)
- Netzwerk ,,Junge Ohren"-Preis fur ,,Das Neue Wunderhorn" (2007)
- Auswahl ,,Soli fan tutti" des Hessischen Staatstheaters Darmstadt (2011)
- Ehrenmitglied der Asociacion Cultural Antonio Salieri (2016)[12]
Werke (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zeiten wie Perlenschnure fur Mezzosopran, Klarinette, Horn, Violine und Violoncello (2001)
- Thranen in schwerer Kranckheit fur Sopran, Englischhorn, Violine und Klavier (2002)
- Andraitx - Pomegranate Flowers fur Bariton, Klavier, Streichquartett und Kontrabass (2003/2010)
- Unreine Tragodien und aussatzige Dramatiker - Satirische Kammeroper nach Anton Pawlowitsch Tschechow (2003/04)
- Mit Menschen- und mit Engelszungen fur Sopran, Bariton, gemischten Chor und grosses Orchester (2004)
- Monolog des Leicester fur Sprecher, Sprecherin, Cembalo, Klavier, skordierte Violine, Violoncello und Schlagwerk (2005)
- Schwanengesang - Musikdramatische Etude in einem Akt nach Anton Pawlowitsch Tschechow (2006)
- Chiasmus & Oxymoron - Zwei rhetorische Figuren fur grosses Orchester (2007)
- L'ombre de Dinorah fur Bassklarinette und grosses Orchester (2008)
- Morphine fur Sopran-/Altsaxophon und grosses Orchester (2009)
- Skiatographie fur Saxophonquartett (2009)
- Jakobs Kampf am Jabbok fur Mezzosopran, Violoncello und Orgel (2009/10)
- Sonatine fur Gitarre und Harfe (2009/10)
- Tempus fugit fur skordierte Violine und Violoncello (2010)
- Der 32. Psalm fur Bariton und Klavierquartett (2011)
- Narkissos fur grosses Orchester (2012)
- Penthos fur Altflote, Violine, Violoncello und Klavier (2013)
- Fabelhafte Welt - Funf Fabeln nach Jean de La Fontaine fur Sprecher, Flote (auch Piccolo- und Altflote), Englischhorn (auch Oboe), Bassklarinette (auch Bassetthorn), Violoncello und Kontrabass (2014/15)
- Drei Stucke fur Bassklarinette solo (2014/2015/2016)
- ...sur un objet trouve - Caprice Nr. 1 fur Viola und Bassklarinette (2015)
- Nature morte - Stillleben mit Ginkgoblatt - Caprice Nr. 2 fur Viola und Bassklarinette (2015)
- La lira d'Orfeo fur Gitarre solo (2015/16)
- Concertino notturno fur Flote, Horn und Orchester (2016)
- Hamlet - Sein oder Nichtsein - Kammeroper auf einen Text von Andre Meyer und Kirstin Howein nach William Shakespeare (2016)
- Funf Intermedes zu Roland Dubillards Schauspiel Madame fait ce qu'elle dit fur Kontrabass und Klavier (2017)
- Fama fur Sprecher und Orchester auf einen Text aus Ovids Metamorphosen (2018)
- Song of the Earth fur Sprecher/Tenor, Flote, Bassklarinette, Klavier, Verrophon und Streicher auf einen Text von Kurt Klein (2021)[13]
Publikationen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sonatine fur Gitarre und Harfe (Cantate Musicaphon)
- Sonatine fur Gitarre und Harfe (Verlag Neue Musik)
- Drei Miniaturen fur drei Gitarren (Verlag Neue Musik)
- La Lira d'Orfeo fur Gitarre solo (Cantate Musicaphon)
- La Lira d'Orfeo fur Gitarre solo (Verlag Neue Musik)
- Drei Stucke fur Bassklarinette solo (Friedrich Hofmeister Musikverlag)
- Andraitx - Pomegranate Flowers (Darling Publications)
- Funf Intermedes fur Kontrabass und Klavier (Farelive)
- Per la ricuperata salute di Ofelia. Erstausgabe (Friedrich Hofmeister Musikverlag)
- Antonio Salieri und seine deutschsprachigen Werke fur das Musiktheater (Friedrich Hofmeister Musikverlag)
- Die Gitarrenwerke von Ulrich Leyendecker, in: Gitarre aktuell - Heft 02/2010, 2010.
- Spatromantik, Orientalismus und Moderne - Betrachtungen zur Musiksprache der Oper ,,Schahrazade" von Bernhard Sekles, in: mr-Mitteilungen Nr. 82, 2013.
- Antonio Salieri - Eine Biografie (Morio Verlag 2019, ISBN 978-3-945424-70-4)
- Salieri - strictly private (Hanssler Classic)
- Salieri & Beethoven in Dialogue (Hanssler Classic)
- Beziehungszauber - Klassische Meisterwerke unter der Lupe - gemeinsame Publikation mit Marcus Imbsweiler (J. S. Klotz Verlagshaus 2024, ISBN 978-3-949763-69-4)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- | Projektbeschreibung auf der Internetprasenz des Philharmonischen Orchesters Heidelberg (Memento des Originals vom 23. August 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht gepruft. Bitte prufe Original- und Archivlink gemass Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heidelberger-philharmoniker.de
- | Projektbeschreibung auf S. 15 im Programmheft der Reihe IMPULS des Gewandhauses
- | Werkbeschreibung und Pressestimmen auf der Internetprasenz der Oper Dortmund (Memento des Originals vom 20. April 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht gepruft. Bitte prufe Original- und Archivlink gemass Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.theaterdo.de
- | Rezension im Mannheimer Morgen vom 13. Marz 2017
- | Autorenseite auf der Internetprasenz des Verlages Neue Musik
- | Bericht auf der Website der Internationalen Stiftung Mozarteum (Memento des Originals vom 28. Mai 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht gepruft. Bitte prufe Original- und Archivlink gemass Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mozarteum.at
- | Bericht in der spanischen Zeitung El Norte de Castilla uber die Veranstaltung
- | Liste der Gastdirigenten auf der Internetprasenz der Heidelberger Sinfoniker
- | Bericht in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 6. August 2020 uber die Nominierung
- | Internetprasenz des Festivals ,,Walldorfer Musiktage"
- | Bericht in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 27. September 2018 uber den Gemeinderatsbeschluss
- | Spanischsprachiger Bericht auf der Website der Asociacion Cultural Antonio Salieri uber die Ernennung
- | Bericht in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 13. Oktober 2021 uber die Urauffuhrung
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Herrmann, Timo Jouko |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Komponist, Musikwissenschaftler und Dirigent |
| GEBURTSDATUM | 22. September 1978 |
| GEBURTSORT | Heidelberg |