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Queercore

aus Wikipedia, der freien Enzyklopadie

Queercore (oder Homocore) beschreibt einen Teil der Punk-Rock- und Hardcore-Szene, dessen Protagonisten sich offensiv und selbstbewusst zu Homosexualitat, Bisexualitat und Queerness bekennen und diese auch in ihren Texten behandeln. Mitunter wird der Queercore als Teil der politischen Punk-Szene gesehen, da der politische und sozialkritische Aspekt des Queercore als Teil der Lesben- und Schwulenbewegung gesehen werden muss, zu grossen Teilen handeln die Texte aber auch einfach von alltaglichen Themen oder Liebe und Romantik, nicht anders als bei heterosexuellen Mitgliedern von Punkbands, die sich mit diesen Themen beschaftigen. Anders als der Name vermuten lasst, umfasst Queercore nicht etwa ,,schwulen Hardcore-Punk", sondern generell schwule, lesbische, trans- und bisexuelle Kunstler und Musiker aus dem gesamten Umfeld der Punk-Subkultur, von experimentellem Art-Punk und No Wave bis hin zu Hardcore-Punk. Insbesondere nach der zweiten Welle offnete sich die Queercore-Bewegung musikalisch auch dem Electropunk. Neben Bands und Independent-Labels sind Fanzines ein wichtiges Medium der Szene; diese konnen sich inhaltlich von der Beschaftigung mit Punkmusik im Allgemeinen und politischer Thematik bis hin zu pornographischen Inhalten erstrecken.

Der Begriff Queercore

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Der Begriff ,,Queercore" geht auf das kanadische Fagzine J.D.s zuruck, welches von 1985 bis 1991 existierte und von den schwulen Punks, Kunstlern, Musikern und Filmemachern G. B. Jones und Bruce LaBruce herausgegeben wurde. Der Begriff ,,Queer" wurde gewahlt, um dem negativ belegten Begriff ,,Homo" eine positive und selbstbewusste Bezeichnung entgegenzustellen. Statt von der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden, wurde die Abgrenzung gegenuber den gesellschaftlichen Normen nun von den Akteuren selbst ubernommen; der Stolz, anders zu sein und sich nicht dem aktuell dominierenden Normen- und Wertesystem zu unterwerfen, spiegelte die ideellen Grundideen des Punk wider und sollte Queercore als direkte Subkultur definieren.

Bereits in den 70er Jahren gab es in der Punk-Szene wichtige queere Hauptakteure wie die transgeschlechtliche[1] Sangerin Jayne County mit der Band Jayne/Wayne County & The Electric Chairs, Douglas Pearce von Crisis oder Andy Martin von The Apostels. Bedeutend war der britische Punk-Sanger Tom Robinson von der Tom Robinson Band, der 1978 den Titel Glad to Be Gay veroffentlichte.

In der fruhen Hardcore-Szene thematisierten Musiker wie Randy ,,Biscuit" Turner von den Big Boys, Gary Floyd von The Dicks oder Mike Bullshit (von SFA, spater Go!) offen ihre Homosexualitat und sprachen sich gegen Homophobie und fur eine Pro-Gay-Haltung innerhalb der Hardcore-Punk-Szene aus.

Nach dem ersten Erscheinen von J.D.s 1985 erschien im einflussreichen Punk-Fanzine Maximum RocknRoll ein Manifest namens Don't Be Gay, welches eine breite Diskussion ausloste und die Grundung weiterer Queercore-Fanzines inspirierte. So unter anderem Holy Titclaps (aus San Francisco), Homocore, Outpunk, das von Mike Bullshit veroffentlichte Bullshit Monthly oder dem von Donna Dresch (von der Band Team Dresch) veroffentlichten Blatt Chainsaw. Mit dieser Welle traten nicht nur feministische Lesben im Queercore in Erscheinung, sondern aus Fanzines wie Chainsaw und Outpunk entwickelten sich auch die ersten Queercore-Independent-Label.

Als fruhe Queercore-Bands, die in dieser Zeit aktiv waren, waren unter anderem Anti-Scrunti Faction, Fifth Column und Bomb. Neben anderen erschienen diese Anfang der 1990er Jahre auf dem Tape Sampler J.D.s Top Ten Homocore Hit Parade Tape.

Gegen Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre folgten Gruppen wie God Is My Co-pilot, Pansy Division, PME, Sister George, Team Dresch, Tribe 8, Mukilteo Fairies, Extra Fancy, Excuse 17, Sta-prest, Cypher in the snow und ,,Behead the prophet, no lord shall live" nach, wobei insbesondere Team Dresch und Tribe 8 als reine Frauenbands ebenso zur Riot-Grrrl-Bewegung gehorten.

Zu den Fanzine-Grundungen dieser Zeit gehorten Jane and Frankie, das von der bekannten Drag-Queen Vaginal Davis herausgegebene Shrimp, Bimbox, Marilyn Medusa, aus Grossbritannien P.M.S., aus Italien Speed Demon, aus Kanada This Is the Salivation Army und aus Brasilien das Queercore E-Zine.

Von den in dieser Zeit gegrundeten Queercore-Labels zahlt Heartcore zu den bekannteren.

Von 1995 bis 2000 wird mitunter von der ,,Second Wave" gesprochen, zu den Bands dieser Zeit zahlen unter anderem: The Little Deaths (USA), Addicted2Fiction (USA), Crowns on 45 (USA), Ninja Death Squad (USA), iamloved (USA), Subtonix (USA), Best Revenge (USA), Fagatron (USA), Skinjobs (Kanada) und Pussy Face (Italien).

Aufgrund des weiterhin bestehenden Problems von Homophobie in der Hardcore-Punk Szene entstanden Initiativen wie love hardcore hate homophobia und Gay Edge Liberation.[2]

Limp Wrist

Siehe auch: Riot Grrrl

Einzelnachweise

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  1. | Der Begriff ,,Transsexualitat" ist veraltet und pathologisierend und kann daher nicht mehr allgemeingultig gebraucht werden, wie es in den Quellen getan wird. ,,Transgeschlechtlichkeit" wird stattdessen als neutraler Oberbegriff genutzt. Siehe auch: Begriffserklarungen - Trans*-Inter*-Beratungsstelle. Abgerufen am 3. August 2023. und Internetredaktion des Bundesministeriums fur Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Trans* - was? Abgerufen am 3. August 2023. und Das Queer-Lexikon: Was bedeutet Transgender? In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 3. August 2023]).
  2. | beatpunk.org