M-Learning
M-Learning oder Mobile Learning bedeutet mobiles Lernen.
Der Begriff M-Learning (manchmal auch mLearning geschrieben) ist nicht eindeutig definiert, ist aber abgeleitet von dem Begriff des E-Learning. Unter M-Learning wird allgemein das Lernen mit portablen ubiquitaren Medien bzw. mobilen Medien, die ein orts- und zeitungebundenes Lernen ermoglichen, verstanden.
Erklarung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mobile Learning bedeutet, dass Wissen und dafur konzipierte Lernmoglichkeiten, heutzutage meist in Form eines mobilen Endgerates wie Smartphone oder Tablet-PC, uberall mit hin genommen werden kann und man damit orts- und zeitunabhangig lernen kann.[1] M-Learning versteht sich nicht als Ersatz fur klassische Lernmedien, Lernsettings oder das E-Learning, sondern vielmehr als eine sinnvolle Erweiterung. M-Learning uber Mobilgerate bietet den Vorteil, dass spontan an jedem beliebigen Ort gelernt werden kann (beispielsweise wahrend Wartezeiten). Durch dieses Phanomen konnen auch Fragen, die im aktuellen Kontext auftreten, beantwortet werden. Der standige Zugang zum Internet ermoglicht es, uberall und jederzeit Informationen aus dem Internet zu generieren. Somit wird eine kontinuierliche medienunterstutzte Weiterbildung ohne Ortsbindung erleichtert.[2] Bei den meisten anderen Lernformen ist es hingegen notwendig, das Lernen vorher zeitlich und ortlich zu planen, indem z. B. zusatzlich ein Buch mitgenommen wird. Ausserdem ist es dem Nutzer moglich, schnell und spezifisch auf Informationen zuzugreifen und sein eigenes Wissen abzufragen. Ein weiterer Vorteil ist auch die motivierende Wirkung, die zum Beispiel durch Erinnerungen mit Push-Up-Nachrichten oder einem Bonus-System im Sinne der Gamification gewahrleistet wird.
Der entscheidende Nachteil von M-Learning liegt in seiner Einsatzart, da es ublicherweise spontan, nur fur kurze Zeit und haufig mit Unterbrechungen eingesetzt wird. Beispielsweise wartet man an einer Bushaltestelle auf den Bus und nutzt nun diese 5 Minuten, um zu lernen. Wenn der Bus kommt, muss das Lernen unterbrochen werden. Im Bus kann man weiter lernen, bis es zur nachsten Unterbrechung kommt. Aus diesem Grund ist eine didaktische Aufbereitung der Lerninhalte speziell fur M-Learning notwendig, da Folgendes gegeben sein muss:
- die Lerninhalte mussen in kleinere Lerneinheiten oder "Lernbrocken" - man spricht auch von Nuggets[3] - sein, die sich leicht zwischendurch bearbeiten lassen
- Umgebungsgerausche und Ablenkungen mussen berucksichtigt werden
- eine Unterbrechung des Lernens muss jederzeit moglich sein und die spatere Wiederaufnahme des Lernens soll ebenfalls problemlos machbar sein
Aus diesen Grunden ist eine 1:1-Umsetzung von bestehenden E-Learning-Inhalten auf mobile Endgerate von vornherein zum Scheitern verurteilt, da die Einsatzszenarien grundlegend unterschiedlich sind. M-Learning lasst sich hingegen ideal fur Vokabeltraining und/oder Formen des Auswendiglernens einsetzen. Auch speziell aufbereitete ,,Lernhappen" konnen sinnvoll fur M-Learning eingesetzt werden.
Durch den Einsatz eines Smartphones fur M-Learning ergeben sich neue Einsatzmoglichkeiten fur das Lernen, die zusatzlich auf soziale Interaktivitat abzielen. Beispielsweise lassen sich Feld-Exkursionen mit einem Lernsystem auf dem Smartphone begleiten, Experimente mit dem Smartphone dokumentieren oder einfach nur eine jederzeit verfugbare Kommunikation zwischen den Lehrern, den Schulern und untereinander herstellen. Analog zum E-Learning sind auch sog. Blended-Learning-Ansatze denkbar, bei denen unterschiedliche Vermittlungsformen miteinander kombiniert werden. Hier kommt beispielsweise M-Learning zur didaktischen Begleitung im Feld bei der Bearbeitung von Praxisaufgaben zum Einsatz.
Technische Umsetzungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Open-Source-Projekt MLE (Mobile Learning Engine) liefert eine M-Learning Implementation fur Smartphones. Der Leitsatz des Projektes ,,Lernen wo immer, wann immer und was immer du willst" verdeutlicht die angestrebte mobile Unabhangigkeit die mit M-Learning erreicht werden soll. Die MLE ist nur der mobile Client zum Lernen. Ein Learning Management System (LMS) wird als Back-End benotigt. Derzeit gibt es eine MLE-Erweiterung fur das populare Open Source LMS Moodle, genannt MLE-Moodle. Implementiert sind ein Karteikarten-Trainer zum Vokabel Lernen, verschiedene interaktive Fragetypen, offline und online Lernen, sowie eine Reihe von weiteren Features (z. B. Instant Messaging System, Foren, Audio und Video Aufnahme) fur Interaktionen.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hendrik Budding, Ralph Carrie, Michael Homann, Ludger Humbert, Gerrit Kalkbrenner und andere zum Thema Mobilkommunikation. In: Log In. Heft 145, 2007. (online PDF, 698 kB)
- Anja Dilk: Der Lehrer in der Westentasche - Mobile Learning ist der neueste Trend im elektronischen Lernen. In: changeX - Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft. 23. Februar 2005, o. S.
- Nicola Doring, Nicole Kleeberg: Mobiles Lernen in der Schule. Entwicklungs- und Forschungsstand. In: Unterrichtswissenschaft - Zeitschrift fur Lernforschung. Band 34, Nr. 1, 2006, S. 70-92.
- Birgit Gambock: Mobile Learning: Viel Larm um nichts - Gute Anwendungen sind Mangelware in der mobilen Welt des Lernens. In: Wirtschaft & Weiterbildung. Nr. 10, 2005, S. 56-61.
- Urs Grohbiel, Christoph Pimmer: Mobiles Lernen: Personalentwicklung jenseits der Schulbank. In: Personsl. Nr. 2, 2008, S. 18-20.
- Andreas Holzinger, Alexander Nischelwitzer, Matthias Meisenberger: Mobile Phones as a Challenge for m-Learning: Examples for Mobile Interactive Learning Objects (MILOs). 3rd International Conference on Pervasive Computing and Communication (IEEE). 2005, S. 307-311.
- Karin Anna Hummel: Kontextsensitives Mobiles Lernen. In: Klaus David, Lutz Wegner (Hrsg.): Mobiles Lernen und Forschen. Kassel 2003, S. 5-16.
- Rudolf Kammerl, Andreas Dertinger: Guter Unterricht mit mobilen Medien: Eine Darstellung einschlagiger Konzepte und aktueller Forschungsbefunde. In: Dorothee M. Meister, Ilka Mindt (Hrsg.): Mobile Medien im Schulkontext. Springer VS, Wiesbaden [2020], ISBN 978-3-658-29038-2, S. 47-78.
- Maciej Kuszpa: Manager lernen mit dem Handy - Erfahrungen mit mobilem E-Learning in der Weiterbildung von Fuhrungskraften. In: Andreas Hohenstein, Karl Wilbers (Hrsg.): Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis. 5.9.1, Koln 2005, S. 1-3.
- Maciej Kuszpa: Mobile Learning in der beruflichen Weiterbildung. In: education permanente. Band 11, Nr. 4, 2007, S. 14-15.
- Maciej Kuszpa, Ewald Scherm: Mobile Learning - Das Lernen wird mobil. In: Personalwirtschaft. Band 33, Nr. 2, 2006, S. 40-42.
- Matthias Meisenberger: mLearning - mobiles, computergestutztes, multimediales Lernen. 2004.
- Christoph Meier: Gestaltungsfelder und Perspektiven fur mobiles Lernen in der Hochschule. In: Dieter Euler, Sabine Seufert (Hrsg.): E-Learning in Hochschulen und Bildungszentren. Gestaltungshinweise fur padagogische Innovationen. Munchen 2004, S. 405-422.
- Reinhard Oppermann, Markus Specht: Lernen im Betrieb mit M-Learning gestalten. In: Andreas Hohenstein, Karl Wilbers (Hrsg.): Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis. Koln 2003, S. 1-22.
- Gerhard Schwabe, Dirk Frohberg: M-Learning - kooperatives Lernen im Kontext. In: Das Wirtschaftsstudium. Band 33, Nr. 8-9, 2004, S. 1071-1077.
- M. Specht, M. Ebner, C. Locker: Mobiles und ubiquitares Lernen - Technologien und didaktische Aspekte. In: M. Ebner, S. Schon (Hrsg.): Lehrbuch fur Lernen und Lehren mit Technologie. 2., uberarbeitete Ausgabe. Bad Reichenhall 2013. (online)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- MLE Mobile Learning Engine Projektseite auf Sourceforge
- M-Learning-Informations-Portal und M-Learning-Kurse zum Mobilen Lernen mittels PDA, Smartphone und Tablet in Schule und Hochschule
- M-Learning Projekt an der FernUniversitat in Hagen
- Die Mobile Lehre der Universitat Hohenheim
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- | Claudia de Witt, Almut Sieber (Hrsg.): Mobile Learning: Potenziale, Einsatzszenarien und Perspektiven des Lernens mit Mobilen Endgeraten. Springer, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-531-19483-7, S. 14.
- | Claudia de Witt: Vom E-Learning zum Mobile Learning - wie Smartphones und Tablet PCs Lernen und Arbeit verbinden. In: Mobile Learning. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2013, S. 18.
- | Uday N. Bhaskar, P. Govindarajulu: A design methodology for acceptability analyzer in context aware adaptive mobile learning systems development. International Journal of Computer Science and Network Security, Nr. 8.3, 2008, S. 135.