Kabelbaum
Ein Kabelbaum ist eine, oft konfektionierte, Bundelung einzelner Leitungen, die Signale (Information) oder Arbeitsstrome (Energie) ubertragen. Die Leitungen werden als Kabelstrang gefuhrt und ummantelt oder durch Schellen, Kabelbinder, Bindegarn oder Schlauche zusammengehalten.
Fertigung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kabel werden nach Konstruktionsangaben auf einer speziellen Werkbank oder auf einem Nagelbrett (Formbrett) zu einem Kabelbaum kombiniert und miteinander verklammert. Dieser nur noch begrenzt flexible Baum wird dann eingebaut.
Kabelbaume werden in der Regel nach den geometrischen und elektrischen Anforderungen konfektioniert.
Trotz voranschreitender Automatisierung werden Kabelbaume in der Fahrzeugindustrie[1] weiterhin manuell gefertigt, was auch in absehbarer Zukunft so bleiben wird. Dies liegt zum grossten Teil an den vielen verschiedenen beteiligten Bewegungsablaufen, wie z. B.
- das Einfadeln von Kabeln oder Litzen in Schlauche oder das Auffadeln von Schrumpfschlauchen,
- das Umwickeln mit Gewebeband, insbesondere auch an Abzweigungen von Leitungsstrangen,
- das Anschlagen von Kontakten an die Leitungen, insbesondere bei sogenannten Doppelanschlagen (zwei Leitungen an einem Kontakt),
- das Ineinanderstecken von Schlauchen,
- das Fixieren von Strangen mit Band, Schellen oder Kabelbindern.
Diese Bewegungsablaufe sind teilweise schlecht automatisierbar (z. B. durch Roboter). Trotzdem sind diese Tatigkeiten auch mit geringer beruflicher Qualifikation schnell zu erlernen. Damit ist manuelle Fertigung nach wie vor kostengunstiger als eine Automatisierung. Bei bestimmten Fahrzeugen wie den LKW kommt eine grosse Variantenvielfalt hinzu (bedingt durch verschiedene Konfigurationen und Fahrzeuglangen), die eine sehr geringe Losgrosse (bis zu 1) zur Folge hat. Trotzdem werden unterschiedliche Varianten an denselben Formbrettern gefertigt. Gerade hier ist der Mensch gegenuber der Maschine immer noch im Vorteil, da er sich in kurzer Zeit (ohne ,,Reprogrammierung") auf unterschiedliche Varianten umstellen kann. Zur Reduktion der Variantenvielfalt lassen sich Mengen von Kabelbaumvarianten zu Stufen (Stufenkabelbaum) zusammenfassen.
Die Vorfertigung kann teilweise automatisiert werden. Dies betrifft u. a.
- das Schneiden von Einzelleitungen (Schneidemaschine),
- das Anschlagen von Kontakten an einer oder beiden Seiten einer Leitung,
- das teilweise Bestucken der Steckergehause mit vorkontaktierten Leitungen (Modul),
- das Verschweissen mehrerer Leitungsenden (Schweissautomat),
- das Verdrillen von Leitungen,
- das Bandagieren von Leitungen zu Islolationszwecken
Die Prufung der elektrischen Funktion eines Kabelbaums kann mit Hilfe eines Pruftisches durchgefuhrt werden. Der Pruftisch wird dazu vorher mit den Daten des Schaltplans programmiert.
Wirtschaftlicher Nutzen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorteile eines Kabelbaums gegenuber einer Verkabelung mit einzelnen Leitungen:
- Der benotigte Platz wird optimiert, geringeres Einbauvolumen.
- Der Einbau benotigt weniger Zeit.
- Die Wahrscheinlichkeit, dass Bauteile falsch angeschlossen werden, sinkt.
- Die Wartung wird erleichtert.
- Ein Kabelbaum bietet einen zusatzlichen Schutz, z. B. gegen Erschutterungen, Abrieb und Wettereinflusse.
- Durch Standardisierung des Prozesses wird das Verkabeln wirtschaftlicher.
- Die Storaussendung (Elektromagnetische Vertraglichkeit (EMV)) kann sich verringern.
Kabelbaume in der Tontechnik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der in der Tontechnik (Buhne und Studio) gebrauchliche Kabelbaum zur Ubertragung von Audiosignalen wird auch Multicore genannt.
Kabelbaume / Harnesse in der Netzwerktechnik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Netzwerkverkabelung sind Harnesse typischerweise Adaptionskabel, die von einem Mehrfaserstecksystem wie dem MPO-Stecker die vorhandenen 12 Fasern auf 6 Duplexsteckverbinder wie z. B. LC oder SC-Stecker aufteilen.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fachliteratur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Robert Bosch (Hrsg.): Autoelektrik Autoelektronik. 5., vollstandig uberarbeitete und erweiterte Auflage. Vieweg & Sohn Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-528-23872-8.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Erstellen eines Kabelbaums mit Harness Design (abgerufen am 5. Juli 2019)
- Automatisierte Herstellung von Kabelbaumen durch lokale Veranderung der Biegesteifigkeit (abgerufen am 5. Juli 2019)
- Kabelbaum binden (abgerufen am 5. Juli 2019)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- | Automotive Wiring Harness. In: Gvtong. Abgerufen am 20. Januar 2025 (englisch).