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Julius Mader

aus Wikipedia, der freien Enzyklopadie

Julius Mader (eigentlich Thomas Bergner;[1] * 7. Oktober 1928 in Radzein, Tschechoslowakei; + 17. Mai 2000 in Berlin) war ein deutscher Autor, der als Angehoriger des Ministeriums fur Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) Propaganda gegen die Bundesrepublik und andere NATO-Staaten verbreitete.

Leben und Karriere

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Julius Mader wurde als Thomas Bergner geboren und war Sohn eines Angestellten. Im Jahr 1945 gelangte die Familie bei der Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei nach Deutschland in die sowjetisch besetzte Zone. Mader besuchte die Wirtschaftsoberschule. Es folgte eine Ausbildung zum Textilkaufmann. Danach begann er ein Studium in den Fachern Staats- und Rechtswissenschaften, der Wirtschaftswissenschaft und der Journalistik an der Humboldt-Universitat zu Berlin, der Universitat Jena und der Hochschule fur Binnenhandel in Leipzig. 1955 erwarb er einen Abschluss als Diplom-Okonom und trat 1958 in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ein. Bis 1959 war er stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift Der Handel. Danach nahm er eine Tatigkeit im Binnenhandel auf.

Im Jahr 1960 verpflichtete Mader sich als geheimer Mitarbeiter (GI) fur das MfS. Er arbeitete von nun an fur die Abteilung Agitation des MfS als freier Schriftsteller unter verschiedenen Decknamen (,,Dokument", ,,Julius", ,,X55", ,,Jager"). Ab 1962 war er Offizier im besonderen Einsatz des MfS unter dem Decknamen ,,Faingold", ab 1964 im Dienstgrad Major.[2] Die Deutsche Akademie fur Staats- und Rechtswissenschaft ,,Walter Ulbricht" in Potsdam-Babelsberg promovierte ihn 1965 mit der Arbeit Die Geheimdienste der Deutschen Bundesrepublik und ihre subversive Tatigkeit gegen die Deutsche Demokratische Republik zum Dr. rer. pol. 1970 habilitierte Mader sich an der Humboldt-Universitat Berlin mit der gemeinsam mit Albrecht Charisius verfassten Arbeit Entwicklung, System und Arbeitsweise des imperialistischen deutschen Geheimdienstes.

Mader wurden fur seine Veroffentlichungen gezielt Informationen vom MfS zur Verfugung gestellt.[3] Wissenschaftlichen Standards genugten viele seiner Schriften wegen fehlender Nachweise und tendenzioser Darstellung unter Anleitung der Abteilung Agitation des MfS nicht.[3] Korrekte Informationen stehen neben Halbwahrheiten und Vermutungen, teilweise auch neben gezielten Lugen.[4] So behauptete Mader in seinem Buch Die graue Hand, die Organisation Gehlen sei am Aufstand vom 17. Juni 1953 beteiligt gewesen, was wissenschaftlich widerlegt ist.[4] Maders Schriften umfassten den Zeitraum der NS-Zeit und des Kalten Krieges. Maders insgesamt uber 30 Bucher erlebten zusammen genommen 120 Auflagen, wurden in 18 Sprachen ubersetzt und uber funf Millionen Mal verkauft.[3] In der Zeitschrift Neue Berliner Illustrierte veroffentlichte er seit 1972 wochentlich die Kolumne ,,Geheimdienste".[2] Zum Tag der Republik verlieh 1988 der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker an Mader den Vaterlandischen Verdienstorden in Silber.[5] Im Jahr 1989 entliess ihn das MfS.

Bei seinen Schriften ergab sich eine Besonderheit fur die Druckmedien der DDR. Denn das Buch Who's Who in CIA hatte weder eine Verlagsangabe noch eine Lizenznummer. Mader gab sich als Herausgeber mit der Adresse Dr. Julius Mader, 1066 Berlin W 66, Mauerstr. 66 an. In das Buch waren zwei heraustrennbare Karten eingebunden. Auf der einen konnte man an ihn Korrekturen und Erganzungen senden, auf der anderen sollte man an ihn weitere Namen von CIA-Agenten oder anderen Geheimdienstbeamten schicken.

Veroffentlichungen

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  • Die Selbstbedienung im Lebensmittel-Einzelhandel. Volk und Wissen, Berlin 1960.
  • Allens Gangster in Aktion, Berlin 1959 (erweiterte Neuauflage als: Gangster in Aktion - Aufbau und Verbrechen des amerikanischen Geheimdienstes. Berlin 1961).
  • Die graue Hand - Eine Abrechnung mit dem Bonner Geheimdienst. Berlin 1960.
  • Die Killer lauern. Ein Dokumentarbericht uber die Ausbildung und den Einsatz militarischer Diversions- und Sabotageeinheiten in den USA und in Westdeutschland. Berlin 1961.
  • Die Jagd nach Dem Narbengesicht - Ein Dokumentarbericht uber Hitlers SS-Geheimdienstchef Otto Skorzeny. Berlin 1962.
  • Geheimnis von Huntsville. Die wahre Karriere d. Raketenbarons Wernher von Braun. Berlin 1963.
  • mit Gerhard Stuchlik und Horst Pehnert: Dr. Sorge funkt aus Tokyo. Ein Dokumentarbericht uber Kundschafter des Friedens mit ausgewahlten Artikeln von Richard Sorge. Berlin 1965.
  • Der Banditenschatz. Ein Dokumentarbericht uber den Hitlers geheimen Gold- und Waffenschatz. Berlin 1965.
  • Nicht langer geheim - Die Geheimdienste der Deutschen Bundesrepublik und ihre subversive Tatigkeit gegen die DDR. Berlin 1966.
  • Who's Who in CIA: Ein biographisches Nachschlagewerk uber 3000 Mitarbeiter der zivilen und militarischen Geheimdienstzweige der USA in 120 Staaten. Berlin 1968.
  • (mit Albrecht Charisius) Nicht langer geheim: Entwicklung, System und Arbeitsweise des imperialistischen deutschen Geheimdienstes. Deutscher Militarverlag, Berlin 1969 (4., uberarbeitete Auflage 1980).
  • Hitlers Spionagegenerale sagen aus: ein Dokumentarbericht uber Aufbau, Struktur und Operationen des OKW-Geheimdienstamtes Ausland/Abwehr mit einer Chronologie seiner Einsatze von 1933 bis 1944. Verlag der Nation, Berlin 1970
  • Gelbe Liste: wo ist die CIA? Berlin 1970.
  • Les Generaux Espions d'Hitler Deposent. Un Allemand de l'est accuse. Paris 1973.
  • Der Banditenschatz. Ein Dokumentarbericht uber den geheimen Goldschatz Hitlerdeutschlands. Uberarbeitete und erganzte Ausgabe, Berlin 1973.
  • Instruction 37/57. Tatsachen und Hintergrunde des Putsches in Chile 1973. Berlin 1974.
  • mit Sepp Plieseis: Partisan der Berge. Lebenskampf eines osterreichischen Arbeiters. Berlin 1978.
  • Neo-colonialist practices of the Federal Republic of Germany in relation to Namibia. Berlin 1978.
  • The NATO conspiracy with the South African racists. Berlin 1978.
  • NATO backing for Southern Rhodesia's racists. Berlin 1978.
  • mit Alexander Blank: Rote Kapelle gegen Hitler. Verlag der Nation, Berlin 1979.
  • Spionage, Subversion, ,,Psycho-Krieg": Der Bundesnachrichtendienst der BRD im Dienste des Antikommunismus. In: Universitatszeitung: Organ der SED-Kreisleitung Technische Universitat Dresden, Nr. 1/1979, 10.1.1979, S. 4.[6]
  • Geldscheine als papierene Waffe der Konterrevolution. In: Kulturbund der DDR - Gesellschaft fur Heimatgeschichte - Arbeitskreis Geldscheine und Wertpapiere (Hrsg.): Numismatisches Jahrbuch Teil 1. 1981, S. 3-20.
  • CIA in Europa. Wesen und verbrecherisches Wirken des Geheimdienstes der USA. Berlin 1982.
  • Braune Flut in der BRD: Literatur, Autoren, Verlage und Hintergrunde / Eine aktuelle Dokumentation. In: Borsenblatt fur den deutschen Buchhandel (Leipzig), Jahrgang 1983 (4 Teile).
  • Dr.-Sorge-Report. Militarverlag der DDR, Berlin 1984. (3., uberarbeitete Auflage 1986. Auch erschienen als: An geheimer Front: Bericht uber Richard Sorge. Pahl-Rugenstein, Koln 1987).
  • Pinochets Folterkatalog. Deutsch-Chilenisches Kulturzentrum, Hamburg 1986.
  • CIA-Operation Hindu Kush - Geheimdienstaktivitaten im unerklarten Krieg der USA gegen Afghanistan. Militarverlag der DDR, Berlin 1988.

Einzelnachweise

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  1. | Thomas Wolf: Die Entstehung des BND. Aufbau, Finanzierung, Kontrolle (= Jost Dulffer, Klaus-Dietmar Henke, Wolfgang Krieger, Rolf-Dieter Muller [Hrsg.]: Veroffentlichungen der Unabhangigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945-1968. Band 9). Ch. Links, Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-022-3, S. 25 (Fn. 36).
  2. | a b Andreas Forster: DDR-Publizist Julius Mader gestorben. Erfolgsautor und Stasi-OibE. In: Berliner Zeitung. 27. Mai 2000, abgerufen am 20. Marz 2020.
  3. | a b c Thomas Wolf: Die Entstehung des BND. Aufbau, Finanzierung, Kontrolle (= Jost Dulffer, Klaus-Dietmar Henke, Wolfgang Krieger, Rolf-Dieter Muller [Hrsg.]: Veroffentlichungen der Unabhangigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945-1968. Band 9). 1. Auflage. Ch. Links Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-022-3, S. 26.
  4. | a b Thomas Wolf: Die Entstehung des BND. Aufbau, Finanzierung, Kontrolle (= Jost Dulffer, Klaus-Dietmar Henke, Wolfgang Krieger, Rolf-Dieter Muller [Hrsg.]: Veroffentlichungen der Unabhangigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945-1968. Band 9). 1. Auflage. Ch. Links Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-022-3, S. 26 f.
  5. | Berliner Zeitung, 6. Oktober 1988, S. 4
  6. | https://sachsen.digital/werkansicht/333724/1?tx_dlf%5Bdouble%5D=0&tx_dlf%5Bpagegrid%5D=0&tx_dlf_navigation%5Bcontroller%5D=Navigation&cHash=a1aaa8afdb1f97b3387ed17bfee41c3a
Personendaten
NAME Mader, Julius
ALTERNATIVNAMEN Bergner, Thomas (wirklicher Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Jurist, Politologe, Journalist und Schriftsteller
GEBURTSDATUM 7. Oktober 1928
GEBURTSORT Radzein (Radejcin), Rehlovice, Tschechoslowakei
STERBEDATUM 17. Mai 2000
STERBEORT Berlin