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Hugo Gressmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopadie

Hugo Gressmann (* 27. Marz 1877 in Molln; + 7. April 1927 in Chicago) war ein deutscher protestantischer Alttestamentler.

Gressmann war der Sohn eines Bahnhofsverwalters. Nach Kindheit in Travemunde und Schulbesuch in Lubeck begann er ein Studium der Theologie in Greifswald, spater in Gottingen und Marburg sowie der orientalischen Sprachen an den genannten Orten und in Kiel. Wahrend seines Studiums in Greifswald wurde er 1896 Mitglied der Schwarzburgbund-Verbindung Sedinia, in Gottingen 1897 der Schwarzburgbund-Verbindung Burschenschaft Germania und in Marburg 1898 der Schwarzburgbund-Verbindung Frankonia.[1] Zu seinen Lehrern gehorten Friedrich Giesebrecht, Julius Wellhausen, Rudolf Smend, Wilhelm Bousset, Otto Baumgarten und Mark Lidzbarski.

Eine Preisaufgabe der Gottinger Fakultat fur das Jahr 1897/98 zur damals noch jungen These Bernhard Duhms uber die Annahme eines Tritojesaja in Jesaja 56-66 EU gewann Gressmann. Das der Arbeit vorangestellte Motto war ,,Sei ein Schwatzer - und sieh, / Alle Schwierigkeiten verschwinden." Darauf bezugnehmend soll Wellhausen geaussert haben: ,,Der mit dem frechen Motto hat Judiz", was schliesslich den Ausschlag fur Gressmanns Arbeit gab.[2] Der Zweitplatzierte war der spatere Hannoversche Landesbischof August Marahrens. Mit dieser Arbeit - nahezu ohne Literaturangaben - wurde er von der Gottinger Fakultat 1899 zum Dr. phil. promoviert. Die theologische Promotion (Studien zu Eusebs Theophanie. Hinrichs, Leipzig 1903) erfolgte 1902 in Kiel, kurz darauf die Habilitation (Musik und Musikinstrumente im Alten Testament).

Im Jahre 1906 weilte Gressmann am Deutschen Evangelischen Institut fur Altertumswissenschaft des Heiligen Landes unter Leitung Gustaf Dalmans. Eine ausserordentliche Professur erhielt er 1907 in Nachfolge Hermann Gunkels in Berlin, 1921 eine ordentliche Professur. Einen Ruf nach Giessen hatte er abgelehnt. In Berlin ubernahm er schliesslich auch die Leitung des dortigen Institutum Judaicum und leitete einen Richtungswechsel - weg von der Judenmission, hin zur rein wissenschaftlichen Betrachtung - ein. Dazu erkannte er vorurteilsfrei die Notwendigkeit judischer Forschung an und lud bedeutende judische Gelehrte wie Ismar Elbogen, Julius Guttmann und Leo Baeck zu Vortragen. Aus diesen Kontakten resultierte auch eine Einladung fur eine Gastprofessur am Jewish Institute of Religion in New York im Fruhjahr 1927. In den USA auf weiteren Vortragsreisen erkrankte er an einer Lungenentzundung und verstarb in Chicago.

In seinen Arbeiten war Gressmann neben Gunkel einer der herausragendsten Vertreter der Religionsgeschichtlichen Schule, inspiriert nicht zuletzt von dem Kirchengeschichtler Albert Eichhorn.[3] Diesem widmete er auch die Arbeit Der Ursprung der israelitisch-judischen Eschatologie, die Wellhausen als ein ,,ziemlich dummdreistes Buch" bezeichnet haben soll.[4] Gressmann ubernahm 1924 von Karl Marti die Herausgabe der Zeitschrift fur die alttestamentliche Wissenschaft. Programmatisch bedeutete das auch fur die Zeitschrift einen Neuaufbruch. Statt der bisher dominanten literarkritischen Fragestellungen begann sich auch hier die religionsgeschichtliche Methodik durchzusetzen.

Grab auf dem Friedhof Nikolassee

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Nikolassee und tragt als Grabinschrift das Bibelzitat ,,Gott ist Geist, und die ihn anbeten, mussen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten" (Johannes 4,24 EU).

Veroffentlichungen (Auswahl)

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  • Studien zu Eusebs ,,Theophanie". Inaugural-Dissertation. Druck von A. Pries, 1902 (34 S.; eingeschrankte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Studien zu Eusebs Theophanie (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur. Neue Folge, Band 8, Heft 3, der ganzen Reihe Band 23). J. C. Hinrichs, Leipzig 1903, DNB 363940774, S. I-XI, 1-70 ( Scan - Internet Archive).
  • Der Ursprung der israelitisch-judischen Eschatologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Gottingen 1905 (378 S.; eingeschrankte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Mose und seine Zeit. Ein Kommentar zu den Mosesagen (= Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments. Neue Folge, Heft 1). Vandenhoeck & Ruprecht, Gottingen 1913, DNB 580017060 (485 S.; Scan - Internet Archive).
  • Der Zauberstab des Mose und die eherne Schlange. In: Zeitschrift des Vereins fur Volkskunde. Band 23, 1913, S. 18-35.
  • (Hrsg.) Altorientalische Texte und Bilder zum Alten Testament. 1909 (Scan - Internet Archive); 2., vollig neugestaltete und stark vermehrte Auflage. 2 Bande. Berlin / Leipzig 1926/27, DNB 56052384X; Reprint: De Gruyter, Berlin / Boston 2012, ISBN 978-3-11-142880-2 (259 Tafeln).
  • Der Messias (= Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments. Neue Folge, Heft 26 = Der ganzen Reihe Heft 43). Vandenhoeck & Ruprecht, Gottingen 1929, DNB 580017052 (506 S.; Neubearbeitung der Israelitisch-judischen Eschatologie, aus dem Nachlass herausgegeben von Hans Schmidt).
  • Die orientalischen Religionen im hellenistisch-romischen Zeitalter. Walter de Gruyter & Co., Berlin / Leipzig 1930, DNB 573547440 (179 S.).
Wikisource: Hugo Gressmann - Quellen und Volltexte
  1. | Hermann Goebel (Hrsg.): Mitgliederverzeichnis des Schwarzburgbundes. 8. Auflage. Frankfurt am Main 1930, DNB 011907266, S. 177, Nr. 72.
  2. | Siehe Rudolf Smend: Hugo Gressmann. In: Deutsche Alttestamentler in drei Jahrhunderten. Vandenhoeck & Ruprecht, Gottingen 1989, ISBN 3-525-53584-8, S. 174.
  3. | Siehe Hugo Gressmann: Albert Eichhorn und die religionsgeschichtliche Schule. Vandenhoeck & Ruprecht, Gottingen 1914, DNB 58089343X (51 S.).
  4. | Siehe Rudolf Smend: Hugo Gressmann. In: Deutsche Alttestamentler in drei Jahrhunderten. Vandenhoeck & Ruprecht, Gottingen 1989, ISBN 3-525-53584-8, S. 177.
Personendaten
NAME Gressmann, Hugo
ALTERNATIVNAMEN Gressmann, Hugo
KURZBESCHREIBUNG deutscher Alttestamentler
GEBURTSDATUM 27. Marz 1877
GEBURTSORT Molln
STERBEDATUM 7. April 1927
STERBEORT Chicago