Geolokationssoftware
Geolokationssoftware wird dazu benutzt, um den Standort von Personen oder Systemen zu ermitteln. Im Internet beispielsweise kann eine IP-Adresse einem Land, einer Organisation und/oder bestimmten Benutzern zugeordnet werden; anschliessend kann auf den Standort geschlossen werden. Andere Moglichkeiten zur Geolokation sind die Untersuchung der MAC-Adresse, von Kreditkarteninformationen oder Daten des IPTC.
Datenquellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt eine Vielzahl von Datenbanken fur Geolokationssoftware. Die Registrierung ist zum Teil kostenpflichtig. Die Angaben reichen hier vom Staat bis zum Ort, wobei die Genauigkeit variiert (im Allgemeinen ist sie auf Staatsebene hoher). Diese Datenbanken beinhalten typischerweise Informationen uber die IP-Adresse(n), welche von Firewalls, Werbeservern, Webseiten und anderen automatisierten Systemen verwendet werden konnen, bei denen eine Geolokation nutzlich sein konnte. Alternativ zur Bereitstellung und Abfrage einer Datenbank konnen Landercodes einer bestimmten IP-Adresse per DNS-Abfrage ermittelt werden.
Die Hauptquelle fur IP-Adressdaten sind die Regional Internet Registries, welche die IP-Adressen den Organisationen ihrer jeweiligen Region zuweisen bzw. sie unter ihnen verteilen:
- Reseaux IP Europeens Network Coordination Centre (RIPE NCC)
- American Registry for Internet Numbers (ARIN)
- Asia-Pacific Network Information Centre (APNIC)
- Latin American and Caribbean Internet Address Registry (LACNIC)
- African Network Information Centre (AfriNIC)
Sekundare Quellen sind unter anderem:
- Data-Mining bzw. Lokationsdaten, die vom Benutzer angegeben werden. Beispielsweise kann eine Website fur Wettervorhersagen Besucher nach einem Ortsnamen fragen, um eine lokale Vorhersage anzeigen zu konnen. Des Weiteren konnen Adressinformationen eines Benutzerkontos in Verbindung mit einer IP-Adresse verwendet werden.
- Von Internetdienstanbietern zur Verfugung gestellte Daten.
- Die Kombination von Informationen aus Datenbanken verschiedener Anbieter.
- Einschatzungen basierend auf dem IP-Bereich und/oder auf der Anzahl der Netzwerk-Hops.
Moglichkeiten zur Verbesserung der Genauigkeit:
- Das Erkennen und (falls moglich) Korrigieren offensichtlich falscher Ergebnisse
- Statistische Analysen von Angaben verschiedener Benutzer
Datenschutz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Generell kann zwischen kooperativer und nonkooperativer Geolokation unterschieden werden. In einigen Fallen liegt es im Interesse der Benutzer, genau lokalisiert zu werden, sodass ihnen entsprechende, vom Standort abhangige Informationen zur Verfugung gestellt werden konnen. In anderen Fallen ist dies zum Beispiel aus Datenschutzgrunden nicht gewunscht.[1]
Technische Massnahmen zur Wahrung der Anonymitat, beispielsweise Proxys, konnen dazu benutzt werden, durch Geolokationssoftware auferlegte Beschrankungen zu umgehen. Manche Websites erkennen die Benutzung von Proxys und Anonymisierern und konnen entweder den Dienst verweigern oder nicht-standortgebundene Informationen zur Verfugung stellen.[2]
Anwendungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Techniken zur Geolokation wurden erst seit 1999 entwickelt, die ersten Patente wurden im Jahre 2004 erteilt. Die Techniken werden bereits vielfach genutzt, unter anderem im Elektronik-Einzelhandel, im Bankwesen, von Medien, in Onlinespielen und in der Strafverfolgung, um Onlinebetrug zu verhindern, um die Einhaltung von Vorschriften sicherzustellen, um die Rechte an Daten zu verwalten und um Marketing und Preispolitik zielorientiert durchfuhren zu konnen.
Kriminaluntersuchungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Banken, Softwareanbieter und andere Onlineunternehmen unterliegen nun strengen Vorschriften zur Prufung von Neukunden (,,Know your customer"), die von verschiedenen Behorden in Europa und den USA festgelegt wurden. Diese Vorschriften sollen Geldwasche, Geschafte mit terroristischen Organisationen und Handel mit bestimmten Staaten verhindern. Indem der tatsachliche Standort von Besuchern einer Website ermittelt wird, kann Geolokation Banken davor schutzen, an Transfers von Geldsummen fur illegale Zwecke teilzunehmen.
Erkennung von Betrug
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mithilfe von Geolokation kann Kreditkartenbetrug aufgedeckt werden, indem der Ort, an dem eine Bestellung aufgegeben wurde mit der Meldeadresse des Inhabers verglichen wird. Bei Unstimmigkeiten handelt es sich moglicherweise um einen Betrug. Banken konnen den Standort eines Benutzers als Teil der Authentifizierung verwenden, um Phishing, Geldwasche und anderen Sicherheitsrisiken vorzubeugen. Setzt man Ort und Zeitpunkt zweier aufeinanderfolgender Anmeldevorgange miteinander in Beziehung, kann man auf missbrauchliches Verhalten schliessen, wenn es unmoglich ist, die errechnete Distanz in dem gemessenen Zeitraum zu uberwinden.
Regierungen, Strafverfolgung und Sicherheitsunternehmen benutzen Geolokation als Werkzeug, um die Datenwege von Onlinebetrugern zu verfolgen, die Straftater ausfindig zu machen und so zukunftigen Angriffen, die von diesem Ort ausgehen wurden, vorbeugen.
Zensur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt Vorschlage, dass der Gesetzgeber die Benutzung von Geolokationssoftware anordnen soll, um Anbieter rechtswidriger Webinhalte ausfindig zu machen oder die Einhaltung internationaler Handelsabkommen sicherzustellen.
Geomarketing
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da Geolokationssoftware den Standort eines Benutzers ermitteln kann, konnen Unternehmen Geomarketing nutzen um Webinhalte oder Produkte anzubieten, die in der jeweiligen Region von Nutzen sind. Werbung kann somit auf die Benutzer zugeschnitten werden.
Regionale Lizenzierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Online-Videohandler und Anbieter von Live-Streams, zum Beispiel fur Sportevents, durfen ihre Angebote nur bestimmten vertraglich festgelegten Regionen zur Verfugung stellen. Indem die Zuschauer lokalisiert werden, konnen die Anbieter sichergehen, sich an lizenzrechtliche Regulationen zu halten. Auch Online-Casinos mussen den Standort ihrer Teilnehmer kennen, da sonst das Risiko besteht, gegen Gesetze von bestimmten Staaten zu verstossen, die das Onlineglucksspiel verbieten.
Standortabhangige Inhalte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Websites konnen durch Geotargeting Inhalte anzeigen, die je nach Standort variieren, so leitet google.com auf google.de weiter, wenn die Seite aus Deutschland aufgerufen wird. In verschiedenen europaischen Landern zeigen Google oder Yahoo! keine Ergebnisse mit negationistischen Inhalten an.
Bekampfung von Spam
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz einiger Kontroversen benutzen einige Internetdienstanbieter Geolokation, um Spam zu verhindern. Einige Lander sind dafur bekannt, kaum oder gar nicht gesetzlich gegen Spam vorzugehen; mit Hilfe von Geolokationssoftware konnen Internetdienstanbieter Nachrichten und Beitrage aus diesen Landern identifizieren bzw. markieren.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Linkkatalog zum Thema Computer, Software, Internet, Server und Personalisierung bei curlie.org (ehemals DMOZ)
- ip-countryside: Open-Source-Projekt zum Erstellen einer IP2Country-Datenbank aus den RIR Informationen
- IPlocation.net: bietet den Vergleich verschiedener Lokationsergebnisse
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- | Nitke gegen Ashcroft - Expertenbericht von Seth Finkelstein. 10. November 2003, abgerufen am 15. November 2004 (englisch).
- | RealNetworks erkennt Proxys und Anonymisierer; Google stellt nicht-standortgebundene Informationen bereit, wenn die Standortangabe nicht verlasslich ist. Geolocation: Don't Fence Web In. Wired, 12. Juli 2004, archiviert vom Original am 14. Mai 2006; abgerufen am 31. Dezember 2010 (englisch).