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Frontispiz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopadie
Dieser Artikel behandelt das Frontispiz im Buchdruck. Fur die Bedeutung in der Architektur siehe Frontispiz (Architektur).
Frontispiz (links) und Titelseite (rechts) der Introductio in Universam Geographiam von Philipp Cluver, 1686 (Archiv Gymnasium Langenberg)

Das Frontispiz (von franzosisch frontispice ,,Stirnseite", ursprunglich bezugnehmend auf den Frontspiess von Gebauden; dieses von lateinisch frontispicium ,Vorderansicht', einer Zusammensetzung aus frons ,,Stirn" und spicere ,,schauen") oder das Titelbild oder der Bildertitel ist eine dekorative oder informative Abbildung, die sich auf der zweiten Buchseite, der sogenannten Frontispizseite, befindet, die dem Titelblatt (Seite 3) gegenuberliegt.[1] Es handelt sich um das dem Titelblatt eines Buches gegenuberstehende Bild.[2]

Das Frontispiz ist in der Regel also auf die Ruckseite des Schmutztitels (Seite 1) gedruckt. Der Duden definiert dagegen das Frontispiz im Buchwesen als Titelblatt mit Titelbild.[3] Die Zeit erklart diesen Widerspruch mit der historischen Entwicklung. In der Fruhzeit des Buchdrucks war das Frontispiz der das Titelblatt selbst verzierende Holzschnitt, wahrend heute das Frontispiz als Schmucktitelblatt dem eigentlichen Titelblatt als zweite Buchseite gegenuberliegt.[4]

Ein als Titelseite fungierender ganzseitiger Kupferstich wird als Kupfertitel oder auch als Titelkupfer bezeichnet.[5]

In den ersten Jahrhunderten des Buchdrucks dominierten bei diesen Titelverzierungen allegorische Darstellungen das Frontispiz, die im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts von Portrats der Verfasser und/oder Visualisierungen des Buchinhalts abgelost wurden. Allerdings sind noch ab den 1950er-Jahren Sachbuchreihen mit allegorischem Frontispiz erschienen. (z. B. rowohlts deutsche enzyklopadie)

Bei neueren Buchern ist die Frontispizseite oft unbedruckt (dann Vakatseite genannt), bei Biografien oder Kunstbanden kann sie mit einer Abbildung versehen sein, z. B. mit einem Portrat des Autors. Bei wissenschaftlichen Ausgaben, Reihen oder Werkausgaben konnen auf dieser Seite auch die Angaben zur Gesamtreihe stehen. Sie gehort zur Titelei eines Buches.

Frontispiz in rowohlts deutsche enzyklopadie, um 1955

Bei manchen Taschenbuchern stehen auf diesen Seiten Angaben zum Inhalt des Buches, zum Autor und zu seinen weiteren Publikationen.

Im Rahmen auch der modernen Titelei werden die ersten Seiten haufig mit romischen Zahlen paginiert; die ersten Seitenzahlen werden dabei jedoch oft weggelassen. Gelegentlich ist die Seite II dann ein Vakat und somit kein Frontispiz. Die Seiten des Buchblocks vor der Titelei einschliesslich des Buchdeckels zahlen zum Einband und werden nicht nummeriert. Das Vorsatzblatt heisst fliegendes Blatt.

Wiktionary: Frontispiz - Bedeutungserklarungen, Wortherkunft, Synonyme, Ubersetzungen
Commons: Frontispiz - Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. | Lingen Lexikon in 20 Banden. 7. Band, Helmut Lingen Verlag, Wiesbaden 1976/1977, S. 47.
  2. | Gerhard Wahrig: Deutsches Worterbuch. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gutersloh / Berlin / Munchen / Wien 1968, ISBN 3-570-06588-X, Spalte 1353.
  3. | Werner Scholze-Stubenrecht (Hrsg.): Duden: Die deutsche Rechtschreibung. 1. Band, 25. Auflage, Bibliographisches Institut, Mannheim / Leipzig / Wien / Zurich, Duden-Verlag ohne Jahr [2009], ISBN 978-3-411-04015-5, S. 456.
  4. | Die Zeit: Das Lexikon in 20 Banden. Zeitverlag, 5. Band, Hamburg 2005, ISBN 3-411-17565-6, S. 179.
  5. | Brockhaus Enzyklopadie. 19. Auflage. 7. Band, Verlag Friedrich Arnold Brockhaus, Mannheim 1988, ISBN 3-7653-1107-X, S. 697.
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