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Loop (Musik)


Der Begriff Loop (englisch Schleife) bezeichnet in der Musik eine wiederholt wiedergegebene Sequenz.

Der Begriff ruhrt daher, dass dies (als Bandschleife) ursprunglich durch ein zu einer Endlos-Schleife zusammengeklebtes Stuck Tonband bewerkstelligt wurde. Heute wird er von Musikern fur unverandert wiederholte Sequenzen benutzt, unabhangig davon, wie dies technisch realisiert wird. In der Popularen Musik sind Loops insbesondere Schlagzeugrhythmen, Begleitakkord-Folgen, Basslinien oder Melodiephrasen.

Loop bezeichnet ein zeitlich begrenztes Klangereignis, das ublicherweise mit technischen Mitteln wiederholt wiedergegeben wird - das Erreichen ahnlicher Effekte durch Arrangements, die von Musikern interpretiert werden (zum Beispiel in der amerikanischen Minimal Music), ist davon zu unterscheiden. Hier spricht man eher von Repetitiven Arrangements.

Loops, die aus vorab aufgenommenem Material bestehen (also auch die Arbeit mit Schallplatten besonders in den Stilrichtungen Hip-Hop, Techno, Drum and Bass, Trip-Hop und Avantgarde Jazz), konnen von Loops, deren Material wahrend der Darbietung selbst aufgezeichnet wird (eigenes Instrumentalspiel, Umgebungsgerausche u. A.), unterschieden werden. Fur letzteres etabliert sich zunehmend der Begriff Live Looping.

Fruhe Formen von Loop-Musik haben ihre Wurzeln in der zeitgenossischen ernsten Musik. Der franzosische Komponist Pierre Schaeffer scheint der erste gewesen zu sein, der mit ,,geschlossenen Rillen" auf Schallplatten eigene Kompositionen schuf. John Cage und Conlon Nancarrow verwendeten Spieluhren und Pianolas sowie Automaten fur Kirchenglocken. Der von den Moglichkeiten flexiblere Einsatz von elektroakustischen Aufzeichnungsmedien (wie Tonband), der auch Realtime Looping (Live Looping) ermoglichte, sah Pionierarbeiten durch Bebe Barron und besonders Edgar Varese - das Poeme electronique ist eine Komposition fur mehrere Tonbander, die im Pavillon der Firma Philips auf der Weltausstellung 1958 in Brussel uber ein System von 300 Lautsprechern erklang. Zu erwahnen sind auch Karlheinz Stockhausen im Studio des WDR in Koln sowie Eliane Radigue, die Field Recordings und Tonbandschleifen miteinander verband. Parallel dazu experimentierten auch Musiker aus dem Umfeld der Minimal Music wie Terry Riley und Pauline Oliveros mit den Moglichkeiten des Realtime Loopings. Herausragendes Werkzeug war dabei der Terry Riley zugeschriebene Time Lag Accumulator, der auch von Robert Fripp und Brian Eno unter dem Namen Frippertronics eingesetzt wurde: zwei Tonbandmaschinen nutzten ein gemeinsames Tonband; der zweite Ausgang der rechten (wiedergebenden) Bandmaschine war mit dem zweiten Eingang der linken (aufzeichnenden) Bandmaschine verbunden. Durch den raumlichen Abstand zwischen der Aufzeichnung und Wiedergabe auf dem Band sowie die Bandgeschwindigkeit ergab sich die Looplange.

Paul McCartney, Komponist und Musiker der Band The Beatles, experimentierte in den 1960er Jahren mit Bandschleifen, wofur er ein sogenanntes Reel-to-Reel-Gerat von Brenell verwendete.

Ende der 1970er Jahre fand sich erstmals durch die Arbeit von Grandmaster Flash der Einsatz von Loops in der aufkeimenden Rap/Hip-Hop-Kultur. Grandmaster Flash nutzte neuartige Bedientechniken fur Plattenspieler, um wiederkehrende Schlagzeug-/Rhythmussequenzen als Basis fur die Arbeit der MCs zu verwenden. Einige Beruhmtheit erlangte auf diesem Gebiet das Stuck Dub Be Good To Me von Beats International, in dem ein Sample der Basslinie von Guns of Brixton von The Clash als Grundlage verwendet wurde, was naturgemass eine starke Hinterfragung der geltenden Gesetze fur das Urheberrecht bedeutet.

Das Genre des Live Loopings ist starker vom musikalischen Massenmarkt entfernt. Da Realtime Looping einem einzelnen Musiker die Moglichkeit zum Aufbau sehr vielschichtiger und komplexer Klangstrukturen bietet, sind sehr viele der Kunstler Solomusiker.

Nachdem fruhe Werke auf Basis des Time Lag Accumulators stattfanden, verwenden heutige Kunstler entweder lange digitale Looper oder spezielle Loop-Gerate. Manche ermoglichen dabei neben dem Aufzeichnen, Wiedergeben sowie Overdubben von Loops auch weiterfuhrende Wiedergabe- und Bearbeitungsschritte wie Ruckwartswiedergabe, halbes oder doppeltes Tempo, Einfugen, Teilen, Verdoppeln und geben so die Moglichkeit zur Erstellung komplexer musikalischer Strukturen.

Grundsatzlich besteht kein direkter Bezug zwischen musikalischen Stilrichtungen und der Verwendung von Loops; Looping ist selbst auch keine eigenstandige Stilrichtung. Die stetige Funktionserweiterung von Samplern sowie die weitere Integration der Computertechnik ermoglichte in den 1990er Jahren die Arbeit mit Loops in komplett digitalen Systemen. Das schuf die technische Grundlage fur stark loop-basierte Musikstile wie Techno, Trip-Hop, Drum and Bass und auch Big Beat. Dabei wurde die Auswahl des Loop-Basismaterials zu einer ganz integralen Tatigkeit fur die Musiker; viele Musiker verwendeten jetzt klar genrefremde Quellen als Basis fur ihre Titel (so z. B. Safe From Harm von Massive Attack auf der Basis des Albums Spectrum von Billy Cobham oder der Einsatz von Samples aus der sogenannten Ernsten Musik in den Stucken von Amon Tobin).

Die Mehrzahl der Stucke ist dem Umfeld des Hip-Hop sowie der Electronica zuzuordnen. Beim Live Looping werden eher akustische oder halbakustische Instrumente, Stimme oder found sounds (Gerausche, Stimmen, Werkzeuge ...) sowie experimentelle Elektronik verwendet. Oft setzen Musiker Loop-Konzepte auch fur die Arbeit als Solo-Singer-Songwriter ein, um z. B. ein Solo mit einem vorher eingespielten Begleitloop unterlegen zu konnen.

Die Arbeit mit Loops ermoglicht verschiedene Vorgehensweisen sowie Einsatzmoglichkeiten fur die entsprechenden Werkzeuge. Nachfolgend seien beispielhaft einige der Moglichkeiten aufgefuhrt.

Ein Looper ermoglicht es dem Musiker, mehrere nicht oder nur schwierig gleichzeitig spielbare Parts gleichzeitig erklingen zu lassen. So ist auch der Einsatz ganz anderer Instrumente in einer Darbietung eines Solomusikers moglich, die dann gleichzeitig erklingen konnen. Von der Arbeitsweise entspricht das dem Overdubbing aus der Studiotechnik, das hier mit geringem technischen Aufwand sowie in Echtzeit in einer flussigen Darbietung moglich wird.

Beispiel: Der Musiker beginnt einen Song mit der gesungenen Strophe, die er auf der Gitarre begleitet. Anschliessend kann er z. B. einen Gitarren-Solopart zur vorher gespielten Begleitung hinzufugen, und so den Eindruck erwecken, als wurden zwei Gitarristen spielen.

Bekannte Musiker, die Live-Looping in ihren Auftritten einsetzen, sind KT Tunstall, Imogen Heap, Jarle Bernhoft, Rick Walker, Jason Mraz, Ed Sheeran, Dub FX, MC Xander, Tash Sultana, Michael Schiefel, Michel Godard oder Peter Bence. Auch bei vielen Interpreten aus dem Bereich Math-/Post-Rock ist Looping integraler Bestandteil ihrer Performance, wie z. B. bei Battles, Minus the Bear oder Russian Circles.

Da Loops nicht auf der Ebene der musikalischen Parameter wie Tondauer und -lange arbeiten, sondern Audioinformationen aufzeichnen, konnen Loops als Sounddesign-Werkzeuge verwendet werden. Durch Veranderung der Abspielgeschwindigkeit (Pitching und Timestretching), Tonhohe (Pitch-Shifting) und Abspielrichtung kann aufgezeichnetem Audiomaterial ein ganzlich neuer Klangcharakter gegeben werden - eine Arbeitsweise, die insbesondere bei sehr kurzen Loops (< 1 s) Wirkung zeigt. Diese Moglichkeiten werden noch erweitert durch Einsatz in Kombination mit anderen elektronischen Audio-Effekten, deren Klangweise sich dadurch teilweise stark verandern kann (z. B. Nachhall setzt bei Ruckwartswiedergabe vor dem Originalsignal ein).

Neuere Looper sowie Laptop-basierte Losungen bieten haufig die Moglichkeit, die aufgezeichneten Loops in nichtfluchtigen Speichern festzuhalten. Durch die praktische Auslegung insbesondere von dedizierten Hardware-Loopern (z. B. ein kleines Effektpedal mit speziellem Gitarreneingang und Kopfhorerausgang sowie Option zu Batteriebetrieb) ergibt sich so die Moglichkeit, auf unkomplizierte Weise spontane Ideen zu skizzieren und fur die spatere Verarbeitung festzuhalten.

Insbesondere bei der Verwendung von Klangquellen mit statischem oder ungeregeltem Charakter (Umgebungsgerausche, elektromagnetische Einstreuungen und andere audiotechnische Artefakte und Storquellen, quasi-statistische Klangfolgen, insbesondere aus modularen Synthesizern - ,,Noodles") konnen Loops verwendet werden, um diesen Klangereignissen eine geordnete Struktur zu verleihen.

Beispiel: als Klangquelle dient eine quasi-statische Gerausch- und Tonfolge aus einem modularen Analogsynthesizer oder virtuell-analogen Synthesizer. Dieses Klangereignis weist kein klares tonales Zentrum und keine erkennbare rhythmische Struktur auf. Durch Aufzeichnen eines kurzen Loops (,,ein halber bis ein Takt" - 0,8-3 s) erhalt das nun wiederholt wiedergegebene akustische Ereignis eine rhythmische Struktur - einen Puls. Das kann dadurch unterstutzt werden, dass nach sieben Loopdurchgangen viermal das erste Viertel des Loops abgespielt wird (Stutter-Effekt), wodurch sich der Effekt einer kadenzierenden Wendung ergibt. In diesem neuen Metaloop (8 Loopdurchlaufe lang, davon der letzte Takt Stutter-Effekt) wird nun die Tonhohe variiert, z. B. Takt 1,2: 0; Takt 3,4: +5; Takt 5,6: +7, Takt 7: 0, Takt 8: -2 (Angaben in Halbtonen). Dadurch entsteht der Effekt einer harmonischen Kadenz, der durch den Stutter-Effekt noch unterstutzt wird.

Insbesondere bei der Verwendung von Loops verhaltnismassig langer Dauer (30 s und langer), ggf. in Kombination mit kurzeren Loops, eignen sich Loops auch hervorragend als Elemente in Klanginstallationen.

Beispiel: in einer auf zwei Raume verteilten Installation befindet sich in jedem Raum ein Mikrofon und ein Lautsprecher. Die Mikrofone und Lautsprecher sind gegenseitig vertauscht mit zwei Loopern (verschiedener oder gleicher Looplange) verbunden, die sich im ,,Overdub"-Betrieb befinden. Eine solche Installation erzeugt ein zeitlich stark versetztes ,,Echo" zwischen beiden Raumen, ebenso wie es ,,altere" Ereignisse fur eine lange Zeit wiedergeben wird. Uber die zahlreichen Loop-Durchlaufe und die stete Wiedergabe und neuerliche Aufzeichnung uber die Ubertragungskette Lautsprecher - Raum - Mikrofon wird diese Ubertragungskette zu einem wesentlichen klanggestaltenden Element der Installation.

  • dedizierte Loop-Hardware: Realtime
    • Looper
    • Oberheim/Gibson Echoplex Digital Pro (EDP)
    • Electrix Repeater
    • Electro Hamonix 2880 Super Multitrack Looper
    • Boomerang Phrase Sampler
    • Line6 DL4 / JM4
    • Boss DD-7 / DD-20 / RC-20 / RC-20XL / RC-30 / RC-2 / RC-3 / RC-50 / RC-300 / RC-505
    • Digitech JamMan
    • Lexicon JamMan
    • Looperlative LP-1
    • Akai Headrush
    • tc electronic DITTO LOOPER
  • dedizierte Loop-Hardware: nicht Realtime
    • Akai MPC-Serie
    • Roland MV-8000, MV-8800
    • Roland MC-909
    • Yamaha SU700
  • Loop-Softwarelosungen: Realtime
    • Mobius
    • AugustusLoop
    • SooperLooper
    • AngstroLooper
    • LoopyLlama
    • lloopp
  • Loop-Softwarelosungen: nicht-realtime
  • Loop-Vinyls
    • Endless House Tools Part 1-9
Commons: Loop - Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. | http://livelooping.org/
  2. | Baumgartel, Tilman: Schleifen. Zur Geschichte und Asthetik des Loops. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2016, ISBN 978-3-86599-271-0, S. 53 - 89.
  3. | Baumgartel, Tilman: Schleifen. Zur Geschichte und Asthetik des Loops. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2015, ISBN 978-3-86599-271-0, S. 225 - 250.
  4. | Paul McCartney: The Lyrics: 1956 to Present. W. W. Norton & Company, New York 2021; deutsch: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen ubersetzt von Conny Losche. C. H. Beck, Munchen 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 163.
  5. | Loop Station: Vergleich 2020. Abgerufen am 14. Juni 2020.
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